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Zweiter Weltkrieg Hitlers rumänische Ehrenhäftlinge

Faschismus in Rumänien: Die "Eiserne Garde" Fotos
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Sie waren Brüder im Geiste - doch die jahrelange Freundschaft zwischen der SS und der "Eisernen Garde" endete jäh: 1942 brachte deren Führer Hitler derart in Rage, dass er die rumänischen Faschisten ins Konzentrationslager steckte. Von

Adolf Hitler war außer sich vor Wut, als er kurz vor Weihnachten 1942 von Horia Simas Flucht erfuhr. Der Rumäne, Anführer der faschistischen "Eisernen Garde", hatte sich heimlich aus einer Villa in Berkenbrück nahe Frankfurt an der Oder davongemacht. Hitler unterstellte dem Reichsführer-SS Heinrich Himmler daraufhin ein Komplott. Eines Tages werde er die "Schwarze Pest" - gemeint war die SS - "mit Feuer und Schwefel" ausrotten, schrie er ihn an.

Die 1930 in Rumänien gegründete Garde, auch Legion genannt, betonte stets ihre Treue zum nationalsozialistischen Deutschland und pflegte freundschaftliche Beziehungen zu SS und NSDAP. Und trotzdem schickte Hitler nach seinem Wutausbruch rund 300 in Deutschland internierte rumänische Gardisten und ihre Führer in Konzentrationslager.

Horia Sima hatte am 16. Dezember 1942 heimlich den Zug nach Rom bestiegen, um Mussolini zu bewegen, für ihn und seine Kampfgefährten ein gutes Wort bei Hitler einzulegen. Dem Reichsaußenministerium hatte er in einer Erklärung versichern müssen, sich nicht mehr politisch zu betätigen. Doch daran wollte er sich nicht mehr halten.

"Ehrenhäftlinge" in Sachsenhausen, Buchenwald und Dachau

Als Simas Verschwinden bekannt wurde, kamen zwölf Legionsführer, die mit ihm in Berkenbrück einquartiert waren, umgehend am 23. Dezember in das KZ Buchenwald. Im Januar 1943 ordnete Hitler an, dass alle Gardisten unter scharfe Bewachung gestellt werden sollten. Sima, zwischenzeitlich von Italien an Deutschland überstellt, wurde mit seinem Adjutanten in den Einzelzellenbau im Konzentrationslager Sachsenhausen eingewiesen.

Seine Berkenbrücker Kameraden wurden von Buchenwald ins KZ Dachau gebracht. Die rund 300 Legionäre, die in Rostock für die Rüstungsindustrie arbeiteten, überführte Hitlers Regime ins Sonderlager Buchenwald-Fichtenhain. Dort behandelte man alle Legionäre als "Ehrenhäftlinge". Sie wurden hinter Stacheldraht streng überwacht, wohnten aber getrennt von den KZ-Häftlingen und mussten keine Sträflingskleidung tragen.

Wie kamen die rumänischen Legionäre während des Zweiten Weltkriegs überhaupt nach Deutschland? Im September 1940 hatte der rumänische General Ion Antonescu nach einem Aufstand König Carol II. zur Abdankung gezwungen und mit der "Eisernen Garde" die Macht übernommen. Die neue Regierung in Bukarest holte im Herbst 1940 eine deutsche Heeres- und Luftwaffenmission ins Land und trat dem Dreimächtepakt bei. Das war ganz im Sinne Hitlers, der vorhatte, Rumänien zum Aufmarschgebiet für die Wehrmacht und zum Lieferanten von Öl und Getreide zu machen.

Faschisten-Legion "romanisierte" jüdischen Besitz

Dieser Plan drohte zu scheitern, als sich General Antonescu mit seinem Vizeministerpräsidenten Sima zerstritt. Simas Legionäre hielten sich nicht an Recht und Gesetz - vor allem wenn es um die "Romanisierung" jüdischen Eigentums ging. Ende November 1940 brachten Gardisten 64 hochrangige Vertreter des alten Regimes um, um die Ermordung des Gründers ihrer Legion, Corneliu Codreanu, zu rächen.

Als die Lage in Rumänien zunehmend instabil wurde, suchte Antonescu am 14. Januar 1941 Hitler am Obersalzberg auf. Der Führer sah sich brüskiert, weil der ebenfalls eingeladene Sima in Bukarest geblieben war. Hitler gab Antonescu freie Hand, sein Land zu retten - auch wenn er sich dabei gegen die Legion stellen müsste.

Als fünf Tage später der in Bukarest stationierte Major Döring erschossen wurde, entließ Antonescu seinen der Garde nahestehenden Innenminister. Die Legionäre organisierten daraufhin Demonstrationen gegen ihren Staatsführer, besetzten öffentliche Gebäude und schossen, als Soldaten sie vertreiben wollten.

Ribbentrop forderte hartes Durchgreifen

Zwischen Gardisten und der Armee kam es zu blutigen Gefechten. Aus Berlin erhielt Antonescu die Zusicherung Hitlers, dass er nach eigenem Ermessen gegen die mit SS-Kreisen befreundeten Legionäre vorgehen könne. Reichsaußenminister Joachim von Ribbentrop drängte den General sogar, alle am Aufruhr beteiligten Rädelsführer verhaften zu lassen und selbst an die Spitze der Legion zu treten. Marxistische Legionäre seien an die Wand zu stellen und "Idealisten" nach Deutschland zu verbannen, wo sie sich nicht politisch betätigen dürften.

Nachdem die Legionsführer am 23. Januar 1941 zur Aufgabe des Straßenkampfes überredet werden konnten, wollte Antonescu sie unter strengen Auflagen nach Deutschland ausreisen lassen. Die misstrauischen Gardisten machten sich aber auf eigene Faust auf den Weg. Einige erhielten von deutschen Helfern Armeeuniformen und fuhren in Militärzügen, andere schlugen sich über Ungarn, Jugoslawien oder Bulgarien durch.

Im Frühjahr 1941 kamen rund 300 Legionäre in Deutschland an. Sie mussten sich schriftlich verpflichten, auf jegliche politische Tätigkeit zu verzichten. Die 13 obersten Legionärsführer wurden in einem SS-Erholungsheim an der Spree in Berkenbrück untergebracht, die anderen Gardisten brachte man nach Rostock. Für die Überwachung der Berkenbrück-Gruppe war der Gestapo-Chef in Frankfurt an der Oder, Reinhard Wolff, zuständig. Mit den internierten Legionsführern unternahm er Ausflüge in die Umgebung und fuhr zu Ausstellungen nach Berlin. Die Kontrolle war lax, Sima und seine Kameraden hatten keinen Grund zu klagen.

Amtshilfe von Mussolini

Als Sima im Dezember 1942 in Richtung Rom floh, versuchte Gestapo-Chef Heinrich Müller den Flüchtigen zu fassen, ohne seinen obersten Vorgesetzten Himmler zu informieren. Es war schließlich von Ribbentrop, der Hitler Meldung erstattete und die Gesandtschaft in Bukarest anwies, Antonescu die peinliche Angelegenheit vorzutragen.

Die Gestapo fand rasch heraus, dass Sima nach Italien entkommen war. Das Reichsaußenministerium bat um Amtshilfe. Mussolini entschied, Sima sei "so schnell wie möglich", notfalls auch mit Gewalt, nach Deutschland zurückzuschaffen. Am 28. Dezember wurde er unter Bewachung im Flugzeug nach Berlin transportiert, in der Gestapo-Zentrale verhört und in das KZ Sachsenhausen überführt.

Die Gardisten blieben in den Lagern, bis am 23. August 1944 der rumänische Staatsführer Antonescu gestürzt wurde. Rumänien erklärte dem bis dahin verbündeten Deutschland den Krieg. Noch im selben Monat wurde Sima - wie alle Legionäre - aus dem KZ entlassen. Auf Geheiß Himmlers und von Ribbentrops bildete er eine rumänische Exilregierung, die sich am 10. Dezember des Jahres in Wien konstituierte.

Mit Eichmanns "Werwölfen" in den Alpen

Sima wollte vor Kriegsende eine "Befreiungsarmee" organisieren, kam damit jedoch nicht weit. In den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs zog er sich mit einer von Adolf Eichmann befehligten Werwolf-Gruppe in die österreichischen Alpen bei Altaussee zurück und floh Anfang Mai 1945 mit einem gefälschten Pass nach Westdeutschland. Er wurde 1946 in Bukarest in Abwesenheit zum Tode verurteilt, arbeitete 1951 kurz mit dem amerikanischen Geheimdienst zusammen und lebte unbehelligt in Madrid, bis er 1993 mit 87 Jahren starb.

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1. Nazis und US Geheimindienst ein klassiker
H. Buchmann, 12.10.2014
Der Artikel ist chronologisch etwas verwirrend. Der Schluss ist aber klar: nur die Soviets haben wirklich mit den Nazis aufgeraeumt, auch wenn sie unter Stalin selber nich viel besser waren.
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