Jazz-Sänger Michael Bublé "Klar habe ich Gras geraucht. Ich komme aus Kanada"

Seine Stimme plus Schwiegersohn-Image machten ihn zum Weltstar - Michael Bublé über seine Rock'n'Roll-Vergangenheit, Hochzeiten, Marihuana, deutsche Weihnachtsmärkte und das Leben nach einem Schicksalsschlag.

Brian Rasic/ WireImage/ Getty Images

Ein Interview von


Zur Person
    Michael Steven Bublé wurde am 9. September 1975 in Burnaby (British Columbia, Kanada) geboren, mit Vorfahren kroatischer und italienischer Herkunft. Sein Vater war Lachsfischer. In seiner Jugend spielte Bublé Eishockey, nach der Schule jobbte er als Journalist, Kellner und Hochzeitssänger, bis er 2003 sein erstes großes Album veröffentlichte und sofort Platinstatus erreichte. Star-Produzent David Foster gilt als sein Entdecker. Auf seinem neuen Album "Love" widmet sich Bublé, der weltweit über 50 Millionen Tonträger verkaufte, den Songs des Great American Songbook. Er ist mit dem argentinischen Model Luisana Lopilato verheiratet und Vater von drei Kindern.

Tourdaten 2019: 29.10.2019 in Hannover + 30.10. Berlin + 31.10. Hamburg + 5.11. Köln + 6.11. Oberhausen + 8.11. Mannheim + 9.11. Leipzig + 10.11. München. Mehr Informationen und Termine gibt es hier.

einestages: Mr Bublé, Sie sind der größte Crooner der Gegenwart. Doch vor zwei Jahren traf Sie ein schwerer Schicksalsschlag.

Bublé: Die Leberkrebsdiagnose meines kleinen Sohnes Noah war das Schlimmste, was passieren konnte.

einestages: Waren Sie wirklich kurz davor, Ihre Karriere zu beenden?

Bublé: Ja. Mein Hauptfokus lag immer schon auf meiner Familie. Die Liebe zur Musik ist immer da, ein ganz wichtiger Teil meines Lebens. Nach der Diagnose wurde mir allerdings bewusst, dass ich die Musik zur Seite legen musste, um mich vollständig auf meinen erkrankten Sohn, meinen anderen Sohn, meine neugeborene Tochter und meine Frau zu konzentrieren. Das war alles andere als eine einfache Zeit, auch weil ich eine Person öffentlichen Interesses bin. Es erschienen ständig Artikel über mein, unser Schicksal, es war, als wenn jedes Mal wieder Wunden aufgerissen würden. Daher dachte ich: Vielleicht ist es besser, wenn ich die Musik aufgebe und nur noch Privatmensch bin.

einestages: Wie geht es Ihrem Sohn heute?

Bublé: Darüber möchte ich lieber nicht sprechen. Ich verstehe das Interesse an unserer Situation, daran, was wir durchgemacht haben. Aber es ist schmerzhaft, darüber zu reden. Und es ist nicht die Story, die ich zu erzählen habe. Es ist die Story meines Sohnes. Er soll eines Tages entscheiden, ob er davon erzählen will oder nicht. Ich kann nur sagen, dass diese Erfahrung meinen Blick aufs Leben komplett verändert hat. Mein neues Album hat auch deshalb eine besondere Bedeutung für mich. Ich nannte es "Love", weil Liebe nun mal das Wichtigste ist im Leben.

einestages: Ihr Entdecker, der Star-Produzent David Foster, hat beim Album wohl eine wichtige Rolle gespielt.

Bublé: Hat er. Ich kenne ihn seit 20 Jahren, er ist Freund und Vertrauter von Anfang an. Auf der Platte singe ich eigene Lieder, dazu Stücke von Nat King Cole, Edith Piaf, Louis Armstrong, Kris Kristofferson, Frank Sinatra und Tony Bennett. Zehn Jahre lang bin ich früher in Nightclubs in Kanada und den USA aufgetreten, habe in Broadway-Musicals gespielt, Geburtstagstelegramme eingesungen und war Sänger auf Hochzeiten - alles, was man sich vorstellen kann. Ohne nennenswerten Erfolg.

einestages: Ihr erstes Album erschien bei einem kleinen Independent-Label...

Bublé: Auf "BaBalu", benannt nach dem Klub in Vancouver, in dem ich früher auftrat, sang ich Jazz und Swing, war noch keine 20 und megastolz. Es wurden 10.000 Exemplare verkauft, ich dachte: Wahnsinn! Erst mit 26 bekam ich einen großen Plattenvertrag, meine Karriere ging richtig los - dank David Foster.

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Michael Bublé: Jazz oder nie - das kanadische Goldkehlchen

einestages: Wie haben Sie ihn kennengelernt?

Bublé: In Toronto sang ich in der Show "Swing". Jede Künstleragentur, jede namhafte Plattenfirma lehnte mich ab. Alle sagten dasselbe: "Sie sind sehr talentiert, junger Mann, aber wir sehen nicht, wie wir mit Ihnen und Ihrer Musik finanziellen Erfolg erzielen könnten." Ich konnte kaum meine Miete zahlen, war auf finanzielle Hilfe meiner Freundin angewiesen und sah mich schon zurück an die Uni gehen. Mein Plan B war, Journalist zu werden wie viele meiner Freunde, kreatives Schreiben machte mir Spaß. Plötzlich flatterte ein lukratives Showangebot herein: Ich sollte bei einer Autopremiere singen, Honda oder Toyota oder so. Auf jeden Fall gab's eine Menge Kohle, das war meine Rettung.

einestages: Und wie kam nun Foster ins Spiel?

Bublé: Nach meinem Auftritt sprach mich Michael McSweeney an, Berater des damaligen Premierministers Brian Mulroney. Ich gab ihm meine Debüt-CD und sagte: "Wenn sie Ihnen nicht gefällt, benutzen Sie sie einfach als Untersetzer für Ihr Whiskyglas." Sweeney lud mich ein, auf der Hochzeitsfeier von Mulroneys Tochter Caroline in Montreal zu singen. Auch ihre Mutter Mila war begeistert von meiner Stimme - aber Hochzeitsauftritte hingen mir zum Hals raus, selbst wenn es sich, bei allem Respekt, um den Premierminister meines Landes handelte.

einestages: Und David Foster...

Bublé: "...wird unter den Gästen sein", so waren Miss Mulroneys magische Worte. Da wusste ich, ich muss da singen. Was ich erst später erfuhr: Das Ehepaar Mulroney hatte Foster schon Jahre zuvor mal ein Nachwuchstalent vorgestellt - Céline Dion. Er machte sie zum Weltstar.

einestages: Die Rechnung ging also auch für Sie auf.

Bublé: Nicht so schnell! Ich sang bei der Hochzeitsparty "Mack the Knife", da sah ich links der Bühne, wie Brian Mulroney, der Brautvater, Foster in den Schwitzkasten nahm und stolz auf mich deutete: "Look at this kid!" Trotzdem dauerte es geschlagene zwei Jahre, bis mich Foster unter seine Fittiche nahm. Auch er war skeptisch, ob da ein Markt für meine Art von Jazz und Swing sei.

einestages: Und dann?

Bublé: Ging ich mit meinem Manager von Bank zu Bank, um ein Darlehen aufzunehmen, bis ein Investor mir eine halbe Million Dollar zur Verfügung stellte. Damit flog ich nach Los Angeles zu David Foster und sagte: "Hier, ich habe Geld. Wirst du jetzt mein Album produzieren?" Er war baff, sagte zu und traf mit mir in Las Vegas Paul Anka, den legendären Crooner. In seiner Hotelsuite ließ er mich vorsingen. David setzte sich ans Piano und stimmte "My Way" an, Ankas bekanntesten Song, ausgerechnet. Ich legte los: "And now, the end is near..." Tatsächlich schaffte ich es, den großen Paul Anka zu begeistern. Wir drei wurden ein Team, ich bekam einen Vertrag bei Warner Brothers. Der Marketing-Manager schätzte, ich könne mit den ersten vier, fünf Platten um die 100.000 Einheiten absetzen. Dann erschien mein Debüt und verkaufte sich gleich über drei Millionen Mal weltweit. 15 Jahre ist das her.

einestages: Zu Ihren Vorbildern zählt Dean Martin. Der war nicht nur Womanizer, sondern auch stark am Glas und schlug gern mal über die Stränge. Bei Ihnen praktisch unvorstellbar.

Bublé: Man soll sich nicht täuschen (lacht). Habe ich auch alles gemacht, bevor ich Ehemann wurde. Ich war früher wild unterwegs, das können Sie mir glauben.

einestages: Wie kam dann Ihr Schwiegersohn-Image zustande?

Bublé: Durch die Plattenfirma. Es sollte perfekt zu meiner romantischen Musik passen. Ich ließ das geschehen, denn ich bin ja von Haus aus ein netter, empathischer Kerl aus einer intakten Familie. Es war also nicht verlogen. Die Manager hatten immerhin viel Geld in meine Karriere investiert und kannten meine Zielgruppe. Ich selbst sah mich mehr als Rockstar, denn so hatte ich bis dahin gelebt, mit allem, was dazugehört. Ich hatte Spaß mit Groupies, ich trank zu viel, aber immer diskret.

einestages: Haben Sie etwa auch Drogen probiert?

Bublé: Probiert!? (grinst) Klar habe ich regelmäßig Gras geraucht. Mann, ich komme aus Kanada! Wofür ist British Columbia denn bekannt? Ich glaube, unser größter Export ist Marihuana. Seit Kurzem ja auch legal. Das Rauchen war bei uns damals ganz normal.

einestages: Sie gewannen Grammys, wurden weltberühmt und dennoch vom Feuilleton oft als "zu glatt" kritisiert. Wie reagieren Sie darauf?

Bublé: Überhaupt nicht. Früher dachte ich, ich bin weltweit erfolgreich, was wollt ihr also? Erst als ich die Krebsdiagnose meines Sohnes erhielt, wurde mir klar, dass ich mir lange über völlig unnütze Dinge den Kopf zerbrochen habe. Seit diesem Tag habe ich mich nie mehr mit Social Media befasst, nichts mehr gelesen, nichts mehr gepostet. Mir ist egal, ob diese Platte nur zehn Exemplare verkauft oder was ein Kritiker sagt. Aber ich weiß, dass ich mir das Vertrauen meines Publikums verdient habe und für den Rest meines Lebens der Sänger Michael Bublé sein darf. Dass ich mit so vielen großartigen Künstlern, Produzenten, Songwritern zusammenarbeiten darf - ich stehe auf deren Schultern, und sie tragen mich. Die Freundschaft und Unterstützung eines Tony Bennett, von Diana Krall, Seth MacFarlane oder Lady Gaga: unbezahlbar. Kürzlich habe ich mit Rod Stewart über die Leidenschaft fürs Singen gesprochen. So was ist mir wichtig. Nicht, was ein Kritiker meint, der selbst gar nicht singen kann.

einestages: Wie hat ihr italienischer Großvater Sie einst für Jazz und Swing begeistert?

Bublé: Er spielte mir Platten der Mills Brothers aus Ohio vor, die waren schon Dean Martins Lieblingsgruppe. Und bei meinen Eltern liefen die Weihnachtslieder von Bing Crosby, meine erste Begegnung mit der Welt des Jazz. Schon als kleiner Junge wusste ich, dass ich Sänger werden will. Und, witzig, mein "Christmas"-Album wurde später das bestverkaufte meiner Karriere.

einestages: In Ihren Teenagerjahren war Heavy Metal schwer angesagt. Hat Sie lauter Rebellen-Sound nie interessiert?

Bublé: Doch, klar, habe ich geliebt. Ich hatte alle Platten von Guns N'Roses, AC/DC, Mötley Crüe. Ganz wichtig war auch Michael Jackson, mit "Thriller". Ich besaß sogar so einen Glitzerhandschuh. Bei seinem ersten Moonwalk in der "Motown 25"-Show saß ich wie gebannt vorm Fernseher. Unglaublich, der größte Eindruck, den je ein Künstler auf mich machte.

einestages: Wir sprachen schon von Kanadas Ex-Premier, was halten Sie vom aktuellen, von Justin Trudeau?

Bublé: Ich verspüre große Eifersucht. Man muss ihn sich nur anschauen, sein durchtrainierter Körper, sein volles Haar!

einestages: Und wie stehen Sie zu seiner Politik?

Bublé: Ich bin keiner, der sich politisch groß äußert. Nur so viel: Er ist sicher ein bisschen liberaler als ich. Und wenn Sie gleich nach Donald Trump fragen: Der bietet in meinen Augen die beste Fernsehunterhaltung, die ich je gesehen habe. Keine Netflix-Show schafft es, mich so gut entertainen. Früher hat mich Trump öfter mal angerufen. Er mag wohl meine Musik ganz gern und wollte mich für Gigs buchen. Aber irgendwie hatte ich nie Zeit (grinst kopfschüttelnd).

einestages: Sie haben europäische Wurzeln. Was verbinden Sie mit den Deutschen?

Bublé: Ihren guten Sinn für Humor. Ehrlich, kein Witz! Viele Amerikaner mögen Vorurteile haben, aber die waren nie dort. Ich mag die Deutschen sehr, wenn man mal einige Zeit im Land verbracht hat, wachsen sie einem echt ans Herz. Und für mich als bekennenden Weihnachtsfan sind natürlich die Weihnachtsmärkte ein Highlight. Ich erinnere mich gut an den in Augsburg, den ich mit meiner Frau besucht habe, als ich vor Jahren bei "Wetten, dass...?" aufgetreten bin. Gib mir Glühwein und eine Bratwurst, schon bin ich happy.

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Angela Merkel, 28.11.2018
1. ein Weltstar ?
vielleicht bei sich zu Hause in Burnaby ? Als kanadische Musiker fallen mir Neil Young und Joni Mitchell und Bryan Adams ein, Glenn Gould, The Band (überwiegend Kanadier jedenfalls), Drake, Rufus Wainwright, Gordon Lightfoot, Arcade Fire, Rush, Leonard Cohen. Herr Buble zählt ganz sicher nicht zu den Top 20 der kanadischen Musik der letzten 40 Jahre.
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