Tod von Fotograf Sam Nzima Ein Bild, das die Apartheid ins Wanken brachte

Sein Foto eines getöteten 12-jährigen Schülers in Soweto half, das südafrikanische Apartheid-Regime zu besiegen. Dem Fotografen Sam Nzima aber brachte es Unglück. Nun ist er im Alter von 83 Jahren gestorben.

Hector-Pieterson-Mahnmal in Soweto, Johannesburg, zeigt das Foto von Sam Nzima
DPA

Hector-Pieterson-Mahnmal in Soweto, Johannesburg, zeigt das Foto von Sam Nzima


Als Sam Nzima am 16. Juni 1976 auf den Auslöser seiner Kamera drückte, dokumentierte der Fotojournalist ein weiteres Massaker des rassistischen Buren-Regimes in Südafrika an der schwarzen Bevölkerung.

Ein Gymnasiast aus dem Township Soweto trug seinen tödlich von einer Polizeikugel getroffenen 12-jährigen Mitschüler Hector Pieterson vom Ort des Massakers weg. Neben ihm zu sehen: Hectors entsetzte Schwester. Umbiswa Makhubo wollte den Jungen retten, aber es war zu spät.

Pieterson war einer von mindestens 150 Toten des Soweto-Aufstands von 1976, den die Sicherheitskräfte brutal niederschlugen. Das Foto erschien zuerst in der lokalen Presse, dann weltweit. Es war ein Ausrufezeichen, das die Welt einmal mehr daran erinnerte, wie die Apartheid-Regierung die Schwarzen unterdrückte.

Sam Nzima mit seiner berühmten Aufnahme, 2011
DPA

Sam Nzima mit seiner berühmten Aufnahme, 2011

Vom Tag der berühmten Aufnahme bis zum Ende der Apartheid dauert es noch 18 Jahre. Nun ist Fotograf Sam Nzima im Alter von 83 Jahren am Samstag in einem Krankenhaus im Nordosten Südafrikas gestorben.

Nzima brachte sein Foto zwar internationalen Ruhm, trug ihm aber auch den Zorn des rassistischen Regimes ein. Sein Foto habe "der Welt die Bösartigkeit des Apartheid-Systems klargemacht", erklärte die Regierungspartei ANC in einer Presseerklärung. "Nzima hat dafür bezahlt, er war Opfer unzähliger staatlicher Einschüchterungen."

Drangsaliert vom Regime, kündigte Nzima seinen Job bei der Zeitung "The World" in Johannesburg und zog sich in seinen Heimatort Lilydale zurück, wo er 19 Monate unter Hausarrest lebte. Später soll er die Aufnahme bereut haben, weil sie ihm seinen Beruf im Südafrika vor 1994 unmöglich machte. Erst 1998 wurde ihm das Vervielfältigungsrecht an seinem berühmten Foto offiziell zuerkannt. Ab Ende der Neunzigerjahre unterrichtete er junge Südafrikaner in Fotojournalismus.

Südafrikas Präsident Cyril Ramaphosa nannte Nzima am Sonntag als Reaktion auf dessen Tod einen besonderen Menschen. "Seine Kamera erfasste die ganze Brutalität der Apartheid gegen die Psyche der Nation und der Geschichte." 2016 erklärte das "Time"-Magazine Nzimas Foto zu einem der 100 einflussreichsten Bilder der Geschichte. "Die Saat des internationalen Widerstands, der am Ende ein rassistisches System stürzte, wurde von einem Foto gepflanzt."

cht/AP

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insgesamt 3 Beiträge
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Karin Sampers, 13.05.2018
1. Bilder bilden eine Meinung
Früher konnte man fast alles als Wahr bezeichnen was man sah.. Heute bilden manipulierte Bilder eine bestimmte Meinung. Und nur die wenigsten können sich eine Meinung bilden. So sieht Fortschritt aus. Das nenne ich gruselig. Alte Bilder von Früher kann man fast durchweg als chronologische Zeitgeschichte betrachten. Heutige Bilder erfüllen diese Dinge nicht mehr. Lug und Truck ist die jetzige Botschaft der Bilder
Klaus Muller, 14.05.2018
2. Und so gehts,
Seit 1994 im durchschnitt 17500 ermordete Bürger jedes Jahr, die meisten davon schwarz,Arbeitslosigkeit 1994 3,5 Millionen, 2017 9 Millionen, steigend. Corruption geht in die Billiarden, jeden Tag neue Enthüllungen von unterschlagenen massiven Geldern & ja Schüler ertrinken in verrostenden Schuldtoiletten (6 Jahre alt) Ja es ist sehr wichtig uns dieses Bild zu zeigen - Vielleicht kann Spiegel uns Bilder zeigen von erst kürzlich brutal ermordeten Farmern, alt, 70 & mehr Jahre alt, gefoltered, vergewaltigt.
Heiko Schulze, 16.05.2018
3. Alle Ehre ...
... dem verstorbenen Fotograf. Aber was die Apartheid eigentlich "ins Wanken brachte" war das bröckeln der UdSSR, und dem subsequenten Ende des Kalten Krieges; und das auch nur wegen den starken Wirtschaftssanktionen und Disinvestition (zu recht) durch die USA 1985 verhängt, was die Apartheidsregierung an den Verhandlungstisch zwang. Die brutale (vergewaltigende, und durch Kreuzfeuer der sich bekriegenden Drogenbanden) Ermordung von Kindern (und Erwachsenen) in Südafrika gibt es heute noch täglich zuhauf... leider mehr als je.
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