Collagen-Künstler Schere, Kleber, Wahnsinn!!!

Collagen-Künstler: Schere, Kleber, Wahnsinn!!! Fotos
Sammy Slabbinck

Rodeo auf Singvögeln, Badegäste in der Suppe: Mit Fotos aus Zeitschriften der Sechziger schafft der Belgier Sammy Slabbinck aberwitzige Collagen. Im Gespräch mit einestages erklärt der Künstler, was an alten Bildern so unwiderstehlich ist - und warum er moderne Magazine nicht erträgt. Von

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einestages: Herr Slabbinck, wie kommt man darauf, Jahrzehnte alte Zeitschriften zu zerschneiden und daraus surreale Collagen zu fertigen?

Slabbinck: Schon als Kind haben mich Zeitschriften aus den fünfziger, sechziger und siebziger Jahren fasziniert. Alles, was eine ähnliche Ästhetik hatte, habe ich gesammelt. Vor zwei Jahren habe ich dann eine Postkarte aus Zeitschriftenausschnitten zusammengeklebt und war so erstaunt über das Ergebnis, dass ich einfach weitermachte. Es war geradezu magisch!

einestages: Magisch? Ein zusammengeklebtes Bild?

Slabbinck: Durch die Kombination der Bilder ergibt sich immer ein völlig neuer Dreh: Ich kann eine moderne Idee in ein altes Bild einfügen und so vollkommen den Sinn verändern. Bei der Collage "Mind the Beatles" zum Beispiel: Ein Paar sitzt hinter dem Steuer eines Wagens und blickt auf die Straße. Das Bild, das sie dadurch sehen, kennen wir alle: Die Beatles, wie sie für das "Abbey Road"-Cover über den Zebrastreifen gehen. Für den Betrachter bekommt die Collage durch die Kombination mit dem darauf zufahrenden Auto etwas Bedrohliches.

einestages: Wie kann man sich den Arbeitsprozess vorstellen, woher kommen die Ideen?

Slabbinck: Wenn ich ein Bild sehe und sofort eine Idee dazu habe, suche ich die passenden Elemente und bastle daraus die Collage. Das ist nicht immer ganz einfach. Manchmal muss man Stapel um Stapel wälzen, bis einem etwas einfällt. Ich bin ständig auf der Suche nach neuem Material, kaufe auf privaten Flohmärkten, in Secondhandshops und bei Wohnungsauflösungen.

einestages: Dann arbeiten Sie nie mit aktuellen Magazinen?

Slabbinck: Nein, damit kann ich nichts anfangen. Heutzutage wird alles perfekt retuschiert, die Bilder wirken dadurch glatt und total unecht. Bis auf wenige Ausnahmen finde ich heutige Zeitschriften und Werbebilder unheimlich langweilig. Einmal musste ich für eine Auftragsarbeit nur mit aktuellen Fotos arbeiten - das war so schwierig! Am Ende habe ich ein paar Vintage-Bilder darunter geschummelt, sonst hätte ich es nicht ausgehalten.

einestages: Was haben denn die alten, was die neuen Magazine nicht haben?

Slabbinck: Ich mag die warmen, satten Farben der analogen Fotografien von damals. Sie erhalten Stimmungen, erzählen Geschichten. Außerdem sehen die Leute darauf immer so herrlich unschuldig aus. Mit dieser Ansicht bin ich ja offensichtlich nicht allein: Heute, in Zeiten der allgegenwärtigen Digitalfotografie mit ihren Millionen von Pixeln, legen Leute per Instagram-App einen Seventies-Filter über ihre Fotos - und machen sie so künstlich grobkörnig. Das finde ich ziemlich bezeichnend. Die Leute wollen dieses Perfekte, Künstliche der digitalen Fotografie gar nicht. Sie wollen die Wärme der alten Bilder zurück.

Das Interview führte Fabienne Hurst

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insgesamt 6 Beiträge
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1.
klaus mueller 30.07.2013
Sowas macht Ror Wolf gekonnt seit Jahrzehnten. Bekommt der jetzt auch'n Artikel? Oder kennt man Ror Wolf nicht?
2.
Harald Kucharek 30.07.2013
Erinnert mich vom Stil her an Terry Gilliams Collagen und Animationen bei Monty Pythons.
3.
Norman Gerric 30.07.2013
Ein sehr eindrucksvoller Collagekünstler ist auch Winston Smith, der sit Jahrzehnten ebenfalls Vintage-Bilder für seine Collagen verwendet, in sehr sarkastischer und zynischer Weise. Bekannt ist Smith u.a. durch Plattencover für bekannte Bands wie z.B. Dead Kennedys.
4.
Udo Meyer 30.07.2013
Das sind zwar sehr originelle Montagen, doch der Künstler macht es sich sehr einfach und arbeitet auf fertigen Hintergründen. Damit kann man nur kleine Formate kleben. Dass sich die gleiche Technik auch auf größere Formate bis 60 x 80 cm anwenden lässt, kann man bei den Montagen von Arpan sehen: http://www.fotomontagen.arpan.de
5.
Freeba Omidi Sabet 03.08.2013
Ich bin beeindruckt...die Farben sind so unglaublich warm und schön! Der Hintergrund ist zwar stets einfach aber sehr präzise und klar und dadurch können auch die Farbe mehr zur Geltung kommen.
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