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40 Jahre Comedy-Show "Saturday Night Live" Amerikas Lachnummer

Legendäre Comedy-Show: Die Gag-Fabrik Fotos
AP

"Saturday Night Live" feiert 40. Geburtstag. Amerikas berühmteste Sketch-Show begann subversiv und politisch, dann wurde sie zur Massenware. Doch erstklassige Komiker produziert sie noch immer. Von , New York

Der Humor starb nie. Nicht mal im September 2001: Zweieinhalb Wochen nach den Terroranschlägen auf das World Trade Center hatte die US-Sketchshow "Saturday Night Live" ihre Herbstpremiere. Zwei Dutzend Cops und Feuerwehrleute postierten sich in der Kulisse des Studio 8H, wenige Kilometer nördlich von Ground Zero. Paul Simon sang, Bürgermeister Rudy Giuliani pries das Durchhaltevermögen New Yorks.

"Dürfen wir auch lustig sein?", fragte ihn "SNL"-Gründer Lorne Michaels. Giulianis lakonische Antwort: "Warum jetzt damit anfangen?"

Es war einer der denkwürdigsten Momente in der Geschichte der ikonischen Comedy-Serie. Die Szene, von Michaels persönlich erdacht, brachte einer traumatisierten Nation "das Lachen wieder bei" ("US News") - und offenbarte zugleich eine ewige und oft berechtigte Klage über "SNL".

Seit 40 Jahren ist "SNL" auf Sendung, am Sonntag läuft die Jubiläums-Sonderausgabe, mit Dutzenden Altstars. Und seit 40 Jahren heißt es immer wieder: gar nicht lustig, nicht lustig genug, früher viel lustiger. Doch wie ein tauber Elefant poltert die Show voran - ungerührt, schonungslos und völlig desinteressiert daran, was andere denken.

So überlebte "SNL" Krisen und Kontroversen, Skandale und Schocks, Streiks, Zensur, Drogenexzesse, Sexaffären, Quotenflauten und den Ausverkauf des TV-Networks NBC, zuletzt an den Kabelmoloch Comcast. Ein bisschen, so sagen einige, überlebte es dabei auch den eigenen Spaß am Spaß.

"Keine Anbiederei"

Bisher 779 Episoden, 40 Emmys und mehr als 130 Talente, die sich in der "SNL"-Mühle zermahlen ließen, für anfangs 750 Dollar pro Show: "SNL" schuf Komikerkarrieren und zerstörte sie auch mal, es machte Stand-up-Clowns zu Filmstars und Lachnummern zu Legenden. Die Liste der durch die Show berühmt gewordenen Komiker ist schier endlos: Bill Murray, Chevy Chase, Billy Crystal, James Belushi, Dan Aykroyd, Steve Martin, Chris Farley, Eddie Murphy, Jimmy Fallon, Mike Myers, Chris Rock, Tina Fey, Will Ferrell, Amy Poehler, Julia Louis-Dreyfus, Maya Rudolph und Kristen Wiig sind nur einige, deren Karrieren bei "SNL" begann.

Doch stets reflektierte die Show den wechselnden Zeitgeist: Im Laufe der Jahre war sie revolutionär, subversiv, hyperpolitisch, albern - bis zum gepflegt-gelangweilten Klamauk heute.

"SNL"-Erfinder Michaels hatte noch nie zuvor eine Live-Sendung produziert. Der damals 28-jährige TV-Autor aus Kanada sollte 1975 das späte NBC-Samstagabendprogramm aufpeppen. "Wir wollten Comedy neu definieren", erinnerte er sich in "Live from New York: An Uncensored History of Saturday Night Live", dem ultimativen Insider-Buch. "Das hieß: keine Anbiederei." Sprich: volles Risiko.

Das begann schon mit der Premiere am 11. Oktober 1975, übertragen aus dem Studio im Rockefeller Center, wo die Show bis heute sitzt, und moderiert vom Komiker George Carlin. Der wollte im T-Shirt auftreten, NBC bestand auf Anzug, also trug er ein T-Shirt unterm Anzug.

Sex, Rassismus, Sozialkritik, Blödelei: Alles war möglich. Sketche und Charaktere gewannen sofort Kultstatus. Die außerirdischen "Coneheads". Patrick Swayze und Chris Farley als Chippendales-Stripper. Schülerin Mary Katherine Gallagher, katholisch, plump und ein "Superstar". Tina Fey als Sarah Palin, vom Studioflur aus beäugt von der echten Palin. "Nightlife-Korrespondent" Stefon.

"Kein Sex mehr in der Show"

Politik konnte "SNL" am besten. Alle US-Präsidenten von Gerald Ford bis Barack Obama bekamen ihr Fett weg. Kontroversen liebte man sowieso: Die Sängerin Sinead O'Connor zerriss in der Sendung ein Foto des Papstes, Christoph Waltz parodierte Jesus, Leslie Jones witzelte über die Sklaverei.

Noch mehr Drama gab es hinter den Kulissen. Darsteller wurden am laufenden Band gefeuert. Michaels selbst schmiss 1980 hin - und kehrte 1985 zurück. Man schlief miteinander und kokste offen. Dan Akroyd und John Belushi machten als "Blues Brothers" Kinokarriere, bevor Belushi an einer Überdosis starb. Phil Hartman wurde von seiner Frau erschossen.

Nach der jüngsten Welle der "SNL"-Personalwechsel mühten sich die letzten Staffeln, an die frühere Brillanz anzuschließen - vergeblich. "Die Siebzigerjahre und das 21. Jahrhundert sind so verschieden", klagte Tina Fey, einer der letzten "SNL"-Stars, in "Vanity Fair". "Es gibt keine Drogen und keinen Sex mehr in der Show."

Stattdessen ist "SNL" zur Massenware geworden. Michaels führt inzwischen ein Imperium, das auch Kinofilme und die gesamte NBC-Latenight produziert. Deren Stars: "SNL"-Alumni Jimmy Fallon und Seth Meyers. Und im Frühjahr eröffnet in New York eine "SNL"-Ausstellung mit alten Requisiten, Perücken, Kostümen und Drehbüchern - abgestaubt und dekoriert wie Museumsstücke.

Zum Autor
Marc Pitzke ist US-Korrespondent für SPIEGEL ONLINE in New York.

E-Mail: Marc_Pitzke@spiegel.de

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insgesamt 8 Beiträge
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1. Daumen hoch
Maxim Dudek, 12.02.2015
SNL oder die amerikanischen Late Night Shows haben naturgemäß eine ganz andere Qualität als die Kopien in Europa. Allerdings ist es trotzdem schade, das sich die deutsche Variante bei RTL nicht so wie in Amerika durchgesetzt hat
2.
Carlotta Christeinicke, 12.02.2015
I got a fever, and the only prescription is more cowbell!" "The" Bruce Dickinson
3. Musik!
Wolf - Dieter Böhrendt, 12.02.2015
Nicht vergessen sollte man die Auftritte vieler Pop-Musiker - für die meisten war es wohl eine Ehre, bei SNL mit zu machen. Ich erinnere mich noch an die Frühzeit in schwarz weiß mit Rolling Stones, Björk und vielen anderen ...
4.
Kai Rechlin, 12.02.2015
Auch wenn SNL hier gerade mehr oder weniger zu Grabe getragen wird, ich habs trotzdem geliebt. Nicht zuletzt auch (oder gerade) wegen der teils legendären (Live!-)Auftritte der Bands. Z.B. der von Radiohead. Aber auch Faith No More oder die Blues Brothers, die ja eh schon fester Bestandteil der Show waren. Wenn man schon die Gags nicht mag – die Mukke war immer ne Eins mit Sternchen!
5.
veit schütz, 12.02.2015
Wenn hier schon Chevy Chase als verhasst am Set besschreiben, sollten Sie mal Bill Murray (dessen Filme ich sehr schätze - bis auf diesen Dreck Lost in Translation) am Set erleben. Ein furchtbar unangenehmer aroganter Zeitgenosse, wirklich schade.
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