Schnee im Film Hollywood on Ice

Schnee im Film: Hollywood on Ice Fotos
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Wieder keine weiße Weihnacht vor der Haustür? In Filmen gibt's Schnee auf Knopfdruck. einestages hat sich auf die Suche nach den beeindruckendsten Schneelandschaften der Kinogeschichte gemacht und fand sie: auf fremden Planeten, in grauer Vorzeit - und nach Weltuntergängen. Von

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Für Phil Connors ist das ein Alptraum. Er hat jetzt keinen Sinn für kitschige, weiße Zuckerlandschaften. Es ist der zweite Februar, Weihnachten ist schon lange vorbei, und beruflich beschäftigt sich Phil Connors als TV-Wettermann sowieso viel zu viel mit Schnee, Regen und Stürmen.

Doch nun ist er selbst Opfer der Wetterkapriolen, über die er sonst berichten muss. Er will weg aus diesem verschlafenen Kaff Punxsutawney im US-Bundesstaat Pennsylvania, in dem er über ein bizarres regionales Fest berichtet hat. Aber der Blizzard macht ihm einen Strich durch die Rechnung, denn die Straßen aus der Stadt sind blockiert. Phil Connors muss eine weitere Nacht in Punxsutawney verbringen - und das nur wegen des Schneesturms.

Es ist Schnee, der 1993 Geschichte geschrieben hat. Filmgeschichte. Denn der mürrisch-zynische Wettermoderator Phil Connors ist kein anderer als die Hauptfigur in dem Hollywood-Klassiker "Und täglich grüßt das Murmeltier", grandios gespielt von Bill Murray.

Der Schnee erweist sich dabei als einer der wichtigsten Kunstgriffe in der Komödie: Ohne den plötzlichen Wintereinbruch hätte Phil Conners nicht noch eine extra Nacht in Punxsutawney verbringen müssen. Und erst das bringt den grotesken Wahnsinn der Geschichte so richtig ins Rollen. Denn der Wettermoderator ist in einer Zeitschleife gefangen und durchlebt in Punxsutawney immer wieder denselben, alptraumhaften Tag: den Groundhog Day, den Tag des Murmeltiers - ein Fest, an dem das Verhalten eines Waldmurmeltiers Aufschluss über das Ende des Winters geben soll.

Phantastische weiße Wunderwelten

So sehr Phil Conners den plötzlichen Wintereinbruch verflucht hat, so sehr haben sich viele Deutschen dieses Jahr mal wieder eine Bilderbuchweihnacht inklusive weißer, weiter Schneelandschaften gewünscht - und wurden enttäuscht. Vielleicht tröstet ein Blick ins Filmarchiv. Denn dort wimmelt es nur so von phantastischen weißen Wunderwelten, mal bezaubernd schön, dann wieder mörderisch-lebensfeindlich. Der Schnee, er spielt in Hollywoods Blockbustern oft eine tragende, symbolkräftige und facettenreiche Rolle. Er verstärkt große Gefühle - Liebe, kindliche Ausgelassenheit, aber auch tiefe Einsamkeit und selbstzerstörerischen Wahnsinn.

Wer erinnert sich etwa nicht an den völlig verschneiten Irrgarten in Stanley Kubricks "Shining", in dem der verrückt gewordene Schriftsteller Jack Torrance (Jack Nicholson) seinen Sohn mit einer Axt verfolgt - und Jacks irrer Blick schließlich durch seinen Kältetod konserviert wird? Oder an die vereiste Stadtsilhouette New Yorks in Roland Emmerichs Untergangsepos "The Day After Tomorrow", in dem eine neue Eiszeit die Menschheit heimsucht? Auch in John Carpenters Horrorfilm "The Thing" kommt das Verderben aus dem Eis: Denn nachdem Forscher in der Antarktis ein seit 100.000 Jahren verborgenes Raumschiff freilegt haben, erwacht ein blutrünstiger Alien zum Leben. Und natürlich kommt auch die "Star Wars"-Reihe nicht ohne Eiseffekte aus: So finden auf dem klirrend kalten Planeten Hoth dramatische Schlachten statt.

Doch nicht immer werden Tod und Schnee auf solch bombastische Weise filmisch zusammengebracht und montiert. Es geht auch deutlich ruhiger, etwa in Hans Geißendörfers berührendem Drama "Schneeland", in dem eine Witwe in der Kälte Lapplands den Tod sucht. Dabei findet sie zufällig eine schon längst erfrorene fremde Frau, liest sich durch deren uralte Briefe und Aufzeichnungen - und schöpft daraus langsam neuen Lebensmut.

Heizgeräte für den Schneehasser

Mitunter fallen wichtige Schneeszenen in Filmen aber auch richtig fröhlich und herzerwärmend aus. Unvergessen etwa der Moment, in dem sich Bridget Jones in der gleichnamigen Komödie doch noch für den richtigen Mann entscheidet - und ihm trotz Schneefalls in Unterhose nachläuft und küsst. Aber auch in Trickfilmen wie "Ice Age" oder "Der Grinch" ist der Schnee das, was sich die Deutschen Jahr für Jahr an Weihnachten von ihm erhoffen: eine zauberhafte Kulisse. Eine Einladung zum Spazierengehen und Herumtollen.

Schneehasser Bill Murray alias Phil Connors musste bei den Dreharbeiten für "Und täglich grüßt das Murmeltier" übrigens wirklich ganz schön frieren. Es war so kalt, dass die Bewohner der Kleinstadt Woodstock bei Chicago, wo der Film überwiegend gedreht wurde, der Crew aus Mitleid Heizgeräte mitbrachten. Dafür hat Murray jetzt jedes Jahr sein eigenes Murmeltierfest - in Woodstock, in Erinnerung an die Dreharbeiten mit echtem und falschem Schnee.

Entscheiden Sie jetzt selbst: Was ist Ihr Lieblingsfilm mit Schneeszenen? In der großen einestages-Bildergalerie finden Sie die mörderischsten, berührendsten und coolsten Filme ganz in Weiß.

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1.
Manfred Raida 26.12.2011
Auch wenn es politisch nicht korrekt erscheint: "SOS Eisberg" von Leni Riefenstahl ist von den Aufnahmen her unuebertroffen und sollte in diese Liste aufgenommen werden, sieht man vom Inhalt und der Botschaft ab, die aber vielen Filmen voellig fehlt, egal in welche Richtung. Der Film ist in schwarz-weis gedreht und bringt Schnee und Eis in einer unbeschreiblichen Schoenheit
2.
Till Neumann 26.12.2011
Zu Bild 1: Selbst weniger eingefleischte "Star Wars"-Fans wissen natürlich, dass Luke Skywalker dieses Reittier, ein sogenanntes TaunTaun, keineswegs am Anfang von "Eine neue Hoffnung" reitet, auch nicht nur kurz. Das tut er vielmehr in Episode V, "Das Imperium schlägt zurück".
3.
Bruno Bacher 26.12.2011
Ich bin schockiert! Wie konntet ihr nur den Film "Fargo" (blutiger Schnee) vergessen?
4.
Dirk Heidermann 26.12.2011
Fargo??!!
5.
Bjoern Kluge 26.12.2011
Hallo! Also ich muss doch sehr bitten, Luke Skywalker reitet seinen Tauntaun in Episode V "Das Imperium schlägt zurück" und nicht in Episode IV "Eine neue Hoffnung"...tztzttz :)
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