Hollywoods veraltete Sci-Fi-Prognosen Diese Zukunft ist echt von gestern

Hollywoods veraltete Sci-Fi-Prognosen: Diese Zukunft ist echt von gestern Fotos
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Zeitreisen! Androiden! Killercomputer! Beim Blick in die Zukunft beweisen Regisseure enorme Phantasie. Aber dann kommen 2001 oder 2012 - und die Menschheit ist immer noch nicht zum Jupiter geflogen oder im Chaos versunken. einestages über Science-Fiction-Filme, deren Blick nach vorne voll daneben lag. Von

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Was haben wir alles erlebt in diesem Jahr! Erinnern Sie sich noch, wie Bundespräsident Christian Wulff nach seiner Kredit-und-Medien-Affäre ins Blitzlichtgewitter trat, um seinen Rücktritt zu verkünden? Die US-Präsidentschaftswahlen? Oder an den Skandalauftritt der russischen Punkrock-Band Pussy Riot, für den drei Gruppenmitglieder hinter Gitter landeten? Aber das alles ist noch nichts gegen das, was diesen Freitag erst los sein wird.

Völlig unerwartet wird sich an der Westküste der USA die Erde auftun und Menschen, Häuser, ganze Städte verschlucken. Wir werden staunen, wenn sich der Yellowstone-Nationalpark unvermittelt in den größten aktiven Vulkan der Welt verwandelt und glühende Felsbrocken kilometerweit ins Land spuckt. Und erst recht, wenn ein Megatsunami um die Welt rollt und einen US-Flugzeugträger direkt in das Weiße Haus schleudert. Nur gut, dass die G8-Staaten rechtzeitig riesige Hightech-Archen gebaut haben, auf die genug Menschen fliehen können, um den Fortbestand unserer Spezies zu sichern.

So jedenfalls schilderte Regisseur Roland Emmerich vor drei Jahren in seinem Katastrophen-Blockbuster "2012" die Vorweihnachtszeit dieses Jahres. Wirklich wahrscheinlich ist dieses Szenario allerdings nicht. Wahrscheinlich hält auch dieses Jahr nur wieder die üblichen kleinen Katastrophen bereit: Schon wieder viel zu spät dran mit den Geschenken, schon wieder viel zu viele Menschen im Einkaufszentrum, schon wieder Essig mit weißer Weihnacht. Eigentlich schade - wäre doch viel aufregender gewesen, auf einem futuristischen Schiff über die postapokalyptische Erde zu schippern, als sich bei Douglas um das letzte Fläschchen "Eternity" zu prügeln.

Autobahnmaut statt Killerautos

Immerhin soll zu Emmerichs Ehrenrettung gesagt sein: Seine filmische Zukunftsvision wäre nicht die erste, die im Nachhinein betrachtet gehörig danebenlag. Wäre es nach Hollywood gegangen, so hätte 1977 zum Beispiel nicht die Entführung der Lufthansa-Maschine "Landshut" die Welt erschüttert - sondern ein B-Waffen-Krieg zwischen China und der Sowjetunion, der praktisch alles menschliche Leben ausgelöscht hätte. Und schlimmer noch: Die wenigen Überlebenden wären zu ebenso lichtscheuen wie mörderischen Monstern mutiert - so hatte es jedenfalls 1971 der Science-Fiction-Film "Der Omega-Mann" prognostiziert.

Und selbst wenn diese Mutantenbedrohung an der Menschheit vorbeigegangen wäre: Laut Kathryn Bigelows Film "Strange Days" von 1995 wäre eine düstere Jahrtausendwende auf sie zugekommen. Die Prognose des Films: Kriminelle zeichnen 1999, während sie Verbrechen begehen, ihre Hirnströme auf und verkaufen die technisch konservierten Erlebnisse auf dem Schwarzmarkt an das gemeine Volk, das nach den Aufzeichnungen giert wie nach einer Droge. Tatsächlich hatte die Menschheit 1999 mit ganz anderen Problemen zu tun: Microsoft brachte Windows 98 Second Edition heraus - und in "Star Wars: Episode I - Die dunkle Bedrohung" feierte ein sprechender Weltraumfrosch namens Jar Jar Binks Kinopremiere.

So phantasievoll Regisseure und Drehbuchautoren mit ihren Science-Fiction-Filmen in die Zukunft geblickt hatten, so ernüchternd war es meist, wenn die Realität die Fiktion einholte. Wo die Filme Todesrennen in futuristischen Killerautos vorhergesehen hatten, gab es in Wirklichkeit nur Autobahnmaut und Elchtest. Wo Hollywood von Datenbanken zur Verpflanzung des Bewusstseins Verstorbener fabuliert hatte, gab es nur Konsumentendatenarchivierung bei Facebook und iTunes. Zum Glück.

Das Ende naht!

Trotzdem besteht noch kein Grund zum Aufatmen. Denn das Schlimmste steht uns erst noch bevor - jedenfalls wenn es nach Hollywood geht: So wird die Menschheit sich 2019 mit Snuff-Fernsehshows ("Running Man", 1987) den Samstagabend vertreiben, während sie von mordenden Kunstmenschen ("Blade Runner", 1982) unterwandert wird. Was soll's - schließlich werden die Menschen nur acht Jahre später ohnehin komplett unfruchtbar ("Children of Men", 2006) und weitere zwei Jahre darauf von Killerrobotern abgeschlachtet ("Terminator", 1984). Und sollten entgegen aller Erwartungen im Jahr 2047 noch ein paar Unglücksraben am Leben sein, dürfen die sich auf ein ganz besonderes Schmankerl freuen: Die Entdeckung der Hölle ("Event Horizon", 1997).

Wie auch immer die Welt aber letztendlich untergehen mag - versuchen Sie am besten, die knappe verbleibende Zeit möglichst kurzweilig zu verleben. Zum Beispiel mit einem Blick in die einestages-Galerie der Science-Fiction-Filme, deren Zukunft schon in der Vergangenheit liegt.

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insgesamt 31 Beiträge
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1.
Stef Schmidt, 19.12.2012
Nicht zu vergessen: Die ganzen Überwachungsdystopien. Wie albern.
2.
Ralf Heitmann, 19.12.2012
Mir machen eher die Filme/Bücher Angst deren düstere Prognose schon längst übertroffen wurde. 1984 Brave New World...
3.
Jahn Hornung, 19.12.2012
Da wären noch die "Eugenischen Kriege" zu erwähnen, die erstmals bei der Star Trek Originalserie 1966 für die 1990er Jahre prognostiziert wurden. Dabei soll es sich um den letzten(?) großen Weltkrieg (aus Sicht des 22. Jahrhunderts) gehandelt haben, in dem genetisch optimierte Klone versuchen die Weltherrschaft an sich zu reißen. Sie scheitern und die letzten überlebenden Klone fliehen in einem Schläferschiff ins Weltall, wo sie 200 Jahre später von Captain Kirk gefunden werden. Diese Handlung war auch der Hintergrund für den Kinofilm "Star Trek II: Der Zorn des Khan" (1982).
4.
Chris Beneth, 19.12.2012
Meine müde Hand hebt sich zum Abwinken, meine Zunge verheddert sich beim Gähnen...Artikel überflüssig, Thema überflüssig.
5.
Michael Straub, 19.12.2012
Ein wirklich sinnfreier Artikel. 1984 gibt es auch - man staune - als Buch, nicht nur als Film. Dass Science-Fiction Weltraumgeschichten häufig schon an der Physik scheitern, dürfte klar sein. C-Movies - San Franzisco wird vom Kontinent abgetrennt und dient als Gefängnisinsel: So etwas schaut man sich nicht an, das ist einfach nur Dummfug. Zurück zu 1984: Ein gescheiter Autor hätte sich nicht am Jahr festgehalten, sondern z.B. die weiter fortschreitende Überwachung der Bürger als Beispiel genommen. Momentan schreit z.B. Minister Friedrich nach mehr Überwachungskameras. Auch die damalige Hysterie in den frühen 80ern hätte man vielleicht thematisieren können, Stichwort Volkszählung. Das Thema gibt wirklich viel her, man muss nur etwas daraus machen.
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