Serienstars der Achtziger Legenden in Lederslippern

Serienstars der Achtziger: Legenden in Lederslippern Fotos
RTL II/Stephen J. Cannell Productions

"Airwolf", "A-Team", Achtziger: Millionen waren fasziniert, als vor drei Jahrzehnten David Hasselhoff als "Knight Rider" durchs Fernsehen raste und Don Johnson in "Miami Vice" im Designerfummel Dealer jagte. einestages erinnert an die Serien von damals - und erzählt, was aus ihren Helden wurde. Von

  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 12 Kommentare
    4.1 (128 Bewertungen)

Der Kinotrailer beginnt mit Marschtrommeln. Ein Motor brüllt auf, dann hebt ein Wagen ab wie in Zeitlupe, fliegt und lässt die Pfähle einer Absperrung zersplittern. Der Fahrer, ein muskelbepackter Kerl mit schweren Goldkettchen und Irokesenschnitt, reißt das Steuer herum, die Räder drehen durch und wirbeln Staubwolken auf. Ein Mann rennt auf das Auto zu, doch mit einem Ruck stößt der grimmige Fahrer ihm die Tür vor den Kopf und steigt aus. Ein anderer Mann stellt sich ihm in den Weg. Der tätowierte Muskelprotz sagt knapp: "Ich bin B.A. - und bei dir gehen gleich die Lichter aus", und tritt sein Gegenüber meterweit durch die Luft. Der Sprecher des Kinotrailers verrät: Er ist B.A. Baracus - Fahrzeug- und Waffenexperte des berüchtigten "A-Teams".

Solche Szenen aus der Neuverfilmung der Achtziger-Kultserie "A-Team" treiben Mr. T die Galle hoch. Im "Stern" schimpfte der Schauspieler im Dezember 2007: "Ich bin das Original, es gibt keinen zweiten Baracus." Er spielte von 1983 bis 1987 in der Serie Baracus, der gemeinsam mit seiner Militäreinheit zu Unrecht eines Kriegsverbrechens bezichtigt wurde. Fortan lebten B.A., der charismatische "Face", der geisteskranke H.M. Murdock und ihr zigarrerauchender Anführer John "Hannibal" Smith ständig auf der Flucht. Doch für die Neuverfilmung wurden die alten Schauspieler durch neue ersetzt. Ein wenige Sekunden langer Cameo-Auftritt wurde Mr. T angeboten - doch er lehnte wütend ab. Die Stars von damals, schien es, brauchte keiner mehr.

Und so bleibt Mr. T nichts anderes übrig, als weiter das Leben eines Helden im Ruhestand zu leben, wie er es bisher tat, seit nach dem Serienende die Filmangebote ausblieben: Indem er auf Shopping-Kanälen weiter seinen "Mr. T Flavorwave"-Ofen verkauft. Oder indem er erneut in einem Werbespot für das Computerspiel "World of Warcraft" als "Nachtelfen-Irokese" auftritt, wie er es schon zweimal tat. Und vielleicht sogar, indem er noch einmal in einer Snickers-Werbung mit einem Schokoriegel-Maschinengewehr auf mit dem Hintern wackelnde Walker schießt und sie anbrüllt: "Es ist Zeit zu rennen wie ein echter Mann!"

Immerhin ist Mr. T nicht allein mit seinem Schicksal: Für etliche Serienhelden der Achtziger hat sich nach dem Serienfinale alles geändert. Einige wenige wie Tom Selleck oder Johnny Depp schafften es, mit dem Schwung ihres Serienruhms auch in Kinofilmen bekannt zu werden. Andere ließen den Rummel des Filmgeschäfts mit dem Geld, das sie angehäuft hatten, hinter sich und zogen sich ins private Glück zurück. Aber viele mussten nach dem Höhenflug ihrer Egos in den Achtzigern einen plötzlichen Absturz in die Bedeutungslosigkeit erleben, den sie nicht immer verkraften konnten - und der manche fast das Leben kostete.

Vom Drogenfahnder zum Hellseher

Je höher der Höhenflug des Ruhms war, desto tiefer wurde der Fall. So wie bei Philip Michael Thomas: 1986 jagte er im deutschen Fernsehen erstmals in "Miami Vice" Drogenhändler - als Ricardo Tubbs mit seinem Partner Sonny Crockett, gespielt von Don Johnson. "Miami Vice" wurde stilprägend für die Achtziger: Die pastellfarbenen Armani-Sakkos und weißen Lederslipper der Undercovercops wurden zu modischen Pflichtaccessoires, spezielle Rasierapparate zum Schneiden des Drei-Tage-Barts von Crockett standen in den Läden, und die einzige Sonnenbrille, mit der man sich noch vor die Tür trauen konnte, war die aus der Serie bekannte Wayfarer. Mit Hilfe eines Beraterstabs von Designern wurden Johnson und Thomas zu Stilikonen der Achtziger.

Kein Wunder, dass Thomas sich nicht in Bescheidenheit übte: So verglich er sich 1985 in der Zeitschrift "People" mit Gandhi und behauptete, er und Don Johnson seien "größer geworden als die Beatles". Er erinnerte an den Stahltycoon Andrew Carnegie, den Automobilpionier Henry Ford und den Erfinder Thomas Edison - und sagte: "Ich glaube, ich gehöre zu ihnen." Um seinen Hals trug Thomas damals stets eine Goldkette mit den Buchstaben "EGOT". Er behauptete, das stünde für "energy, growth, opportunity, talent" (Energie, Wachstum, Chance, Talent). Doch man munkelte, eigentlich stünde es für Emmy, Grammy, Oscar und Tony - die höchsten Auszeichnungen im amerikanischen Showbusiness. Angeblich hatte Thomas sich in den Kopf gesetzt, sie alle zu gewinnen.

Doch der selbstbewusste Schauspieler sollte seine hochgesteckten Ziele niemals erreichen: Während sein Kollege Don Johnson auch nach "Miami Vice" mit der Polizeiserie "Nash Bridges" Erfolg hatte, ging es mit Thomas' Karriere abwärts: So drehte er Anfang der Neunziger für RTL plus und das italienische Fernsehen mit Bud Spencer die Serie "Zwei Supertypen in Miami" - und wurde in dem klamaukigen "Miami Vice"-Abklatsch zu einer Persiflage seiner selbst. Und selbst hier war Thomas noch ersetzlich: Ab der zweiten Staffel wurde seine Rolle von der "Police Academy"-Ulknudel Michael Winslow gespielt.

Mitte der Neunziger erreichte seine Karriere schließlich einen bizarren Tiefpunkt: 1994 wurde Thomas Sprecher des Psychic Reader's Network, einer Organisation von Telefon-Hellsehern. In Werbespots trat er mit dem Slogan "from Miami Vice to world advice!" (von "Miami Vice" zur Weltberatung) auf und versuchte so, mit Erinnerungen an seinen einstigen Ruhm Aufmerksamkeit zu erregen - allerdings ohne Erfolg: Bald ersetzte man ihn durch eine neue Sprecherin - eine selbsternannte Wahrsagerin und Schamanin namens Youree Dell Harris, die als "Miss Cleo" gegen astronomische Gebühren telefonisch die Gedanken von Anrufern zu lesen versprach. Seither ist es still geworden um Thomas - doch vielleicht ist das nicht das Schlimmste, was ihm passieren konnte.

Sexsymbol auf der Restmüllhalde

Nicht alle Serienhelden der Achtziger erlebten diese Gnade des Vergessens: Am 13. September 2007 schleppte sich ein alter Mann in das Studio der US-Boulevard-Fernsehshow "The Insider". Mitarbeiter stützten ihn, während er sich auf seinen Stuhl hievte. Ungepflegte, lange Haare hingen bis auf die Schulterpolster seines Sakkos, in dem der gebrechliche Herr fast versank. Unter seinem Kopf erschien ein Name: "Jan-Michael Vincent". Der Star der Kultserie "Airwolf", der jede Woche mit seinem hypermodernen Kampfhubschrauber auf geheimer Mission flog. Der Mann, der mit seinen blonden Haaren und seinem muskelgestählten Körper zum Sexsymbol wurde - und mit einem Honorar von 200.000 Dollar pro Folge zum bestbezahlten Serienstar der Achtziger.

Doch von dem Ruhm war nun, dreißig Jahre später, nichts mehr geblieben. Vielleicht war genau das sogar der Grund gewesen, Vincent zum Interview einzuladen. Jedenfalls befahl die junge Interviewerin ohne Umschweife: "Reden Sie mit mir über Ihre Gesundheit - sofort." In Großaufnahme hielt die Kamera das faltige Gesicht fest, während Vincent die Augen schloss und sichtlich darum kämpfte, Worte zu formen. Schließlich stieß er ein heiseres, genuscheltes Flüstern hervor: "Na ja, ich bin ein alter Mann." Das Sprechen fiel ihm schwer, seit er 1996 betrunken in einen schweren Autounfall geraten war. Drei Halswirbel hatte er sich dabei gebrochen, und bei den lebensrettenden Maßnahmen wurde eines seiner Stimmbänder irreparabel verletzt.

Nach dem Karriereende, dem Absturz in Alkoholismus und Kokainsucht, war vom "Airwolf" kaum mehr als ein Wrack übrig - das nun, bei "The Insider", auf der Restmüllhalde angekommen schien und gnadenlos vorgeführt wurde: Die Interviewerin sprach seinen Unfall an, doch Vincent blinzelte verständnislos. Er könne sich nicht daran erinnern, einen Unfall gehabt zu haben. Als er ein Foto seiner Tochter zeigte und gefragt wurde, wie alt sie sei, schaute er nur betreten auf seine Füße und nuschelte: "Da haben Sie mich erwischt." Satz für Satz wurde unklarer, weshalb der Schauspieler diese Bloßstellung nur auf sich nahm. Bis er es am Ende selbst erklärte: "Ich möchte einfach jemand sein, der den Menschen etwas bedeutet, wenn sie ihn sehen."

Artikel bewerten
4.1 (128 Bewertungen)
Mehr zum Thema
Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 12 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
Armin Häusler 11.08.2010
Hier fehlt eindeutig die wichtigste Serie der Achtziger Jahre: Simon&Simon !! Inzwischen endlich auch auf DVD verfügbar und ein großer Spass: http://www.imdb.com/title/tt0081930/
2.
Tobias Sgier 11.08.2010
Die Serien waren wirklich Kult. Aber mir fehlt auf jeden Fall Simon und Simon und Remington Steele! Und auch Falcon Crest habe ich gerne gesehen. Was aber vielleicht auch an der wesentlich beschränkteren Auswahl damals lag. Gut war noch Hardcastle und McCormick, der Anwalt und der Rennfahrer. Es war eine schöne Serienzeit, irgendwie war die Welt in den Serien noch in Ordnung, die Probleme alle lösbar und meist lokal beschränkt.
3.
fan dango 11.08.2010
Eigentlich passt es zum hier vorliegenden Trend der Legendenbildung, wenn dann in den Beschreibungen ein Satz auftaucht wie: "Jackson gesundete und schaffte es, mit Hilfe einer streng makrobiotischen Diät ihre Krebserkrankung unter Kontrolle zu bekommen." Auch der Spiegel arbeitet offensichtlich mittlerweile daran, seine Leser zu verdummen.
4.
Stefan Wald 12.08.2010
mir ist das ganze insgesamt zu amerikalastig. es entsteht der eindruck, als ob in den 80ern ausschließlich serien aus den USA ein rolle gespielt hätten. zugegeben, die deutschen serien der zeit beschränkten sich zwar auf krimi- und familienserien, aber als echtes kind der 80er erinnere ich mich noch genau daran, dass ich neben szenen aus "Sledge Hammer" auch Szenen aus "Der Fahnder" mit Klaus Wannemann in meiner kindlichen faszination nachgespielt habe. Oder was ist mit den ersten Staffeln von "Soko 5113" mit seinerzeit Werner Kreindl und dem legendären Dieter Krebs?
5.
Ronald Stephan 12.08.2010
Durchaus interessant, und das Schicksal dieses Herrn Vincent schmeckt beinahe nach "Sunset Boulevard". Aber ich frage mich, wo ICH die ganzen Achtziger über eigentlich war. Außer ein paar Folgen "Miami Vice" hab' ich das Alles hier glatt verpasst. Oder auch nicht ... Und in dem Zusammenhang von einem filmischen Meister-, ähm, Machwerk zu erfahren, in dem "US-Kampfpiloten während des Zweiten Weltkriegs von Nazi-Wasserspeiern (!) angegriffen werden", macht auch viel Freude ;))
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH