Sexsymbole der Achtziger Gelackt, göttlich - gealtert

Sexsymbole der Achtziger: Gelackt, göttlich - gealtert Fotos
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Ob Brooke Shields, Madonna oder Elle MacPherson; ob Richard Gere, Tom Selleck oder Mickey Rourke: Für die Stars der Achtziger war ihr Körper ihr Kapital. einestages zeigt die Sexsymbole des Pop-Jahrzehnts - und was aus ihnen geworden ist. Von

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Ein Mann und eine Frau im kalten Licht einer offenen Kühlschranktür. Sie trägt nichts als ein weißes Handtuch. "Schließ die Augen", sagt er und beginnt, sie zu füttern. Pralle, rote Erdbeeren wandern in ihren Mund, Honig ergießt sich auf ihre Zunge, Milch läuft ihr über das Kinn.

Am 21. Februar 1986 wurden zwei Sexsymbole geboren. Es war eine geplante Geburt, eingeleitet von Adrian Lyne, erfolgreicher Werbefilmer und Regisseur von "Flashdance". Die Hebamme hieß "9 1/2 Wochen".

Im Wesentlichen zeigte der Film Kim Basinger und Mickey Rourke beim Sex. Sex vor dem Kühlschrank, auf verregneten New Yorker Kellertreppen und in einem Yuppie-Apartment, so unheimlich wie ein Geisterhaus. Sex in Stöckelschuhen und Strapsen. Sex mit Augenbinde, mit Peitsche und in Handschellen. Wall-Street-Börsenmakler John und Elizabeth, die Managerin einer Kunstgalerie in Soho - zwei sexy Oberflächen, zwei Skulpturen aus idealen Proportionen und makelloser Haut.

Regisseur Lyne hatte die beiden als perfekte Gefäße für die Phantasien der Zuschauer inszeniert. Furchtbar gut gekleidet, trendy - und unglaublich leer.

Männer für gewisse Stunden

Die achtziger Jahre waren die Dekade des Körpers. Gestählte Bodys wurden in Designeranzügen mit Schulterpolstern noch männlicher, Frauen toupierten sich die Haare zu wahren Mähnen und ließen ihre Gesichter hinter knalligem Make-up verschwinden. Stars wie Grace Jones und Madonna erklärten ihre Kurven zu Kunstwerken und Erotik zur Performance. Für Männer wie Richard Gere, Mel Gibson oder Tom Selleck wurden Sixpack und Grübchenkinn zum Kapital.

In den Siebzigern war das noch ganz anderes. Kaum vorstellbar, dass Frauen sich fragten, ob Antihelden wie Robert DeNiro und Dustin Hoffmann oder smarte Sonnyboys wie Paul Newman und Robert Redford möglicherweise ein Bäuchlein unter ihren Hemden verbargen. Statt guter Bodys brauchten die Helden im Jahrzehnt von Vietnam-Krieg und Watergate-Affäre vor allem gute Gründe dafür, das zu tun, was sie auf der Leinwand taten. Gefragt waren Loyalität, Anteilnahme und Charakterfestigkeit.

In den Achtzigern hatte sich all das geändert. Kinohelden durften wieder Kerle vom alten Schlag sein. Kantig, hedonistisch - und vor allem: heiß. Richard Gere schien bei Filmen wie "Ein Mann für gewisse Stunden", "Ein Offizier und Gentleman" oder "Atemlos" eine Vertragsklausel unterschrieben zu haben, dass er alle fünfzehn Minuten das Hemd zu lüpfen hatte. Auch Mel Gibson und Don Johnson fielen in die Kategorie gestählter Gentlemen. Von der Presse wurden sie mit Clark Gable, John Wayne und Humphrey Bogart verglichen. Auf Leinwand und Fernsehbildschirm ließen sie öfter Fäuste und jungenhaften Übermut sprechen als ihren Verstand.

Sexy Outfits, offensive Tabubrüche

Auch Frauen ließen die Hüllen fallen. Doch während sie danach in den Siebzigern immer in den Armen ihrer Helden zusammensinken mussten, stellten sie sich nun auf Bühnen. Madonna wurde durch ihre freizügigen Outfits, gezielte Provokation und offensive Tabubrüche zu dem Sexsymbol der Achtziger. In den Händen von Frauen wie dem Top-Model Elle MacPherson, Grace Jones oder Michelle Pfeiffer wurden Boys zu Toys. Man erinnere sich nur an Pfeiffers Gesangsnummer auf dem Klavier in "Die fabelhaften Baker Boys". Sex war nichts mehr, was Frauen einfach mit sich machen ließen. Auch Kim Basinger sagt sich am Ende von "9 1/2 Wochen" von Mickey Rourke los, nachdem sie mit ihm die Grenzen ihrer erotischen Phantasien erkundet hat.

Natürlich sprossen auch abseits dieser Entwicklung neue Sexsymbole. Noch immer gab es erfolgreiche Pin-up-Girls wie das singende Seite-drei-Girl Samantha Fox oder Kindfrauen wie Brooke Shields, die als Lolita im Robinson-Crusoe-Outfit der blauen Lagune entstieg. Und nicht jeder männliche Star sah aus wie sein eigener Fitnesstrainer. Da waren zum Beispiel Johnny Depp, der in "21 Jump Street" den schnuckeligen Undercover-Ermittler Tom Hanson gab, oder Morten Harket von der norwegischen Pop-Band a-ha.

einestages versammelt die wichtigsten Sexsymbole der achtziger Jahre - und hat nachgeschaut, was aus ihnen geworden ist.

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insgesamt 7 Beiträge
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1.
Maria Blender 19.05.2009
Es fehlt indeutig mein Idol Steven Seagal - wie konntet Ihr ihn nur übersehen?
2.
Robert Bernnat 20.05.2009
Naja, von Steven Seagal gibt es nur einen Film aus den 80ern, "Nico", und der ist absolut unbedeutend. Seine "Karriere" begann erst in den 90ern mit "Alarmstufe: Rot". Allerdings gehört Johnny Depp streng genommen auch nicht in die Reihe, der erst 1990 mit "Cry Baby" seinen Durchbruch hatte.
3.
Christoph Demandt 21.05.2009
Eigentlich ein schönes Gefühl, in dieser Zeit (fast) ohne Silikon und Botox großgeworden zu sein und festzustellen, daß sich doch die meisten unserer einstigen Idole wacker gehalten haben. Kim Basinger oder 'Miss' Grace Jones - wow... Bei den Negativbeispielen (La Toya J. und Mickey Rourke...) fehlt mir allerdings eine echte Ikone: Mr. Adam Ant.
4.
Michael Stephan 29.04.2010
Der Tanzlehrer: Als Johnny Castle steppte sich Patrick Swayze zusammen mit Jennifer Grey in die Herzen von Millionen Frauen. "Dirty Dancing" war einer der größten Kinokassenschlager des Jahres 1987 - und wurde 1988 der erste Videofilm überhaupt, der sich mehr als eine Million Mal verkaufte. Anfang 2008 wurde bei Patrick Swayze Bauchspeicheldrüsenkrebs diagnostiziert: Seitdem versucht er, in seinem Kampf gegen den Krebs als gutes Beispiel voranzugehen und anderen Erkrankten mit Auftritten in Talkshows Mut zu machen. 2008 nahm er trotz Chemotherapie die Hauptrolle in der TV-Serie "The Beast" an. Die Serie ist im Januar 2009 in den USA gestartet. Hier ist wohl untergegangen, daß Patrick Swayze nicht mehr unter den lebenden weilt? Für mich liest sich jedenfalls der Beitrag dementsprechend.
5.
Iris Burmeister 29.04.2010
Hinweis der Redaktion: Das Veröffentlichungsdatum wurde leider übersehen. Der Artikel 'Gelackt, göttlich - gealtert' wurde bereits am 18.5.2009 veröffentlicht. Patrick Swayze verstarb am 14. September 2009.
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