Shootingstars der 2000er Von null auf hundert in zehn Jahren

Shootingstars der 2000er: Von null auf hundert in zehn Jahren Fotos
AFP

Wer hätte 1999 gedacht, dass ein blondes Society-Luder zur Weltmarke wird, ein Ex-Elektrotechniker Zehntausende ins Stadion lockt oder ein US-Senator zum Hoffnungsträger der Menschheit aufsteigt? einestages präsentiert die Shootingstars der 2000er - und zeigt, wo sie vor zehn Jahren standen. Von

  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 1 Kommentar
    2.6 (203 Bewertungen)

70.000 Menschen sind an einem Juliabend 2008 ins Berliner Olympiastadion gepilgert. Sie wollen einen ehemaligen Elektrotechniker mit beginnender Glatze, dünnem Kinnbart und buntem T-Shirt sehen. Dort, wo sonst schillernde Popgötter auftreten oder bewegende Weltmeisterschaften entschieden werden, feiern sie ihn schon Stunden vor seinem Auftritt mit tosenden La-Ola-Wellen.

"Das ist der größte Tag in meinem Leben", ruft Komiker Mario Barth, ein Menschlein vor einer Gigantenkulisse, ins Mikrofon. Gerade hat er einen Weltrekord aufgestellt: Noch nie kamen so viele Fans zu einem Live-Auftritt eines Comedians. Barths Gesicht flimmert, auf sechs riesige Videoscreens geworfen, durch die Berliner Nacht, während er das macht, was er am besten kann: über die Bühne rasen, derbe Kalauer reißen, sekundenlang Furzgeräusche imitieren, sich über sich selbst totlachen und haarklein den Unterschied zwischen Mann und Frau erklären - oder das, was er dafür hält.

Mit Banalitäten zum Superstar

Seine Fans verehren Barth als genial-sympathischen Proleten, seine Kritiker beschimpfen ihn wüst als "Kollateralschaden der Demokratie" und "Zeremonienmeister des Prekariats". Was nur noch mehr bestätigt: Mario Barth, der einst auf der Urlaubsinsel Fuerteventura in einer Surfstation jobbte, hat es geschafft. Er ist ohne Zweifel einer der größten Shootingstars der Nullerjahre, dem nun fast vergangenen Jahrzehnt. Am Ende seiner Rekordshow explodiert über ihm der Berliner Himmel in einem spektakulären Feuerwerk.

Sicher ist Barth nicht der einzige Aufsteiger der letzten zehn Jahre, der die Menschen dauerhaft polarisiert. Man denke nur an Hotelerbin Paris Hilton, die sich mit selbstgemachten Skandalen perfekt selbst vermarktet und dafür inzwischen nicht nur Neid, sondern auch heimliche Bewunderung erntet. Oder an Barack Obama, dem rhetorisch brillanten Friedensnobelpreisträger, der mit seinem Land aber mitten im Krieg steht. Auch Joseph Ratzinger, in seiner Heimat Deutschland zunächst wie ein Popstar verehrt, spaltet inzwischen die Gemüter, nachdem er einen Holocaust-Leugner rehabilitiert hatte.

Vom mausgrauen Agenten zum Sexsymbol

Bei anderen Stars der vergangenen Dekade verhielt es sich hingegen genau umgekehrt: Sie wurden am Anfang ihrer kometenhaften Karriere nicht hochgejubelt, sondern gnadenlos unterschätzt. Wie etwa Wladimir Putin. Wer hätte damals schon gedacht, dass dieser agentengraue Mann mit dem schütteren Haar und der Ausstrahlung eines deutschen Finanzbeamten nicht nur Russland dauerhaft verändern, sondern auch noch als Sexsymbol verehrt werden würde? Auch Susan Boyle, der so biederen und unglamourösen Mittvierzigerin, hätte vor ihrem Auftritt in einer britischen Castingshow niemand zugetraut, einmal Millionen von Menschen in der ganzen Welt zu Tränen rühren zu können.

Ob You-Tube-Stars wie Boyle, Sportasse, Party-Sternchen oder Hollywood-Schauspieler: Werfen Sie mit uns in der einestages-Bildergalerie einen Blick zurück auf die letzten zehn Jahre - und freuen oder ärgern sich über die größten Aufsteiger des letzten Jahrzehnts.

Artikel bewerten
2.6 (203 Bewertungen)
Mehr zum Thema
Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 1 Beitrag
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
Martin Siegel 18.12.2009
Mit Verlaub: Die Papstwahl von Ratzinger als große Überraschung zu bezeichnen und zu behaupten er wäre damals auf keiner Favoritenliste aufgetaucht, finde ich schon recht dreist. Ratzinger war damals sehr wohl schon von Beginn an einer der Favoriten, lediglich sein Alter wurde von vielen als Punkt gegen ihn angeführt. Von einer wirklichen Überraschung kann hier keine Rede sein.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH