Skurrile Bräuche Deutschland, einig Monsterland

Skurrile Bräuche: Deutschland, einig Monsterland Fotos
Gesche-M. Cordes

Mit dem Halloween-Schlachtruf "Süßes oder Saures!" stellen Kinder dieser Tage ihre Nachbarschaft auf den Kopf. Doch in Deutschland gibt es noch viel skurrilere Verkleidungs-Bräuche. Die Fotografin Gesche-M. Cordes hat sie mit der Kamera eingefangen - beileibe nicht nur niedliche.

Werden in Ihrem Heimatort auch besondere Verkleidungs-Bräuche gepflegt? Haben Sie Fotos? Zeigen Sie sie einestages!

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Um Kinderfeste ausfindig zu machen, bin ich zigtausend Kilometer mit dem Zug gefahren. Ich habe Bücher über Jahrhunderte alte Bräuche gelesen und wusste nicht, welche davon noch gepflegt werden. Um das herauszufinden, habe ich nachgeschaut - schließlich gab es noch kein Internet.

Kinderfeste sind etwas ganz Besonderes, weil die Kleinen hier so ernsthaft bei der Sache sind - im Gegensatz zu den Erwachsenen, die Feste nur oft als Vorwand zum Trinken nehmen. Diese stolze, würdevolle Haltung der Kinder, die ihre enorme Empfindlichkeit widerspiegelt, hat mich jedes Mal aufs Neue berührt.

Die meisten Feste habe ich auf den Dörfern und in den kleinen Städten gefunden. In den Großstädten gibt es für Kinder nur noch wenig zu feiern, hier hat sich vor allem der irisch-nordamerikanische Halloween-Brauch durchgesetzt. Die traditionellen deutschen Kinderfeste werden im Süden deutlich mehr gepflegt als im Norden.

Im Osten haben sie sich am wenigsten gehalten - dort hat die DDR-Politik alle Festivitäten als staatliche Angelegenheiten eingestuft und selbst in die Hand genommen. Eine Ausnahme bilden die sorbisch geprägten Ortschaften in Sachsen. Das "Bescherkind" kommt zum Beispiel hierher, eines meiner Lieblingsfeste. Das Bescherkind, das vor DDR-Zeiten "Christkind" hieß, ist ein junges, mit weißer Spitze verhülltes Mädchen, das am Nikolaustag in die Schulen geht und den Kindern über die Wange streift, um ihnen Glück zu bringen.

Übrigens sind Kinderfeste nicht zwangsläufig niedlich - im Gegenteil. Oft verweisen sie auf Hunger und Krieg. So ist zum Beispiel die "Hunnebrössel" in Dannefeld in der Altmark (Sachsen-Anhalt) eigentlich ein Bettelbrauch: Die Kinder ziehen von Haus zu Haus und bitten um eine Spende.

Die umfangreiche Fotosammlung in:

Gesche-M. Cordes: Vom Bescherkind zum Zitronenkönig. Feste der Kinder in Deutschland, Edition Braus 2006, 19,90 Euro.

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insgesamt 8 Beiträge
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1.
jens palme 31.10.2007
Tolle Fotos, besonders das unspektakuläre - mit den verlorenen Milchzähnen. Ausgefallene Arbeit/Thema. jens( zwei Kinder)
2.
Thomas Reusch 31.10.2007
Hallo, ich empfinde den Artikel als zu knapp. Ein wenig mehr Details und Hintergrund würden sicher gut tun. Der Informationsgehalt ist minimal. mfg Thomas
3.
Wolfgang Walch 31.10.2007
Der kurze Text ueber die "Stohmonster" verdeutlicht das Brauchtum in Berchtesgaden und Umgebung nur wenig, da der Sinn und Zweck weit mehr ist als hier erklaert wird. Auch ist nicht immer ein Engei oder gar eine Baeuerin mit dabei. Wen es ganz genau interessiert sollte sich das Buch "Der Nikolaus und seine Buttnmandl" von Martin Hallinger besorgen --> http://www.lbib.de/query.php?id=27596
4.
Andreas Becker 31.10.2007
Im Karlsruher Raum gab es zumindest noch in den 90ern das "Eier, Pfennig, Speck". Ebenfalls eigentlich ein Bettelbrauch wie "Hunnebrössel". Bei dem an Fastnacht Kinder verkleidet von Haus zu Haus ziehen.
5.
andreas hahn 31.10.2007
"Im Osten haben sie sich am wenigsten gehalten - dort hat die DDR-Politik alle Festivitäten als staatliche Angelegenheiten eingestuft und selbst in die Hand genommen. Eine Ausnahme bilden die sorbisch geprägten Ortschaften in Sachsen." Es gab im Osten mit Sicherheit mehr als eine Ausnahme: z.B. im schönen Eichsfeld: Noch heute ziehen dort die Kinder am Martinstag los um Süßigkeiten einzusammeln. Ich versuch mal den Singsang aus der Erinnerung wiederzugeben (ist schon ne Weile her): Diesn Obnd is Mertensobnd, Mertn war ein guter Mann, der uns was gegeben kann. Äppel oder Nüsse, aber keine Schmisse. Gib mer nicht zu wenig, bin ein kleiner König. Lass mich nicht so lange stehn - ich muss ein Häuschen weitergehen. Die Meldodei krieg ich hier natürlich schlecht vermittelt. Auch ist mir nicht bekannt wie lang und warum es gerade diesen Brauch an St. Martin im EIC tatsächlich gibt. Vielleicht wird das ja auch noch andernorts so zellebriert.... Verkleidet haben wir uns im übrigen nie.
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