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Slash zum 50. "Ich habe nie einen Menschen umgebracht - alles gut"

Slash wird 50: Drogensumpf und Rockmusik Fotos
Getty Images

Exzesse, Drogen, Guns N' Roses: Saul Hudson alias Slash ist einer der berühmtesten Gitarristen der Welt. Hier verrät er, warum er schon mit 35 einen Herzschrittmacher bekam. Ein Interview von

einestages: Drei Jahrzehnte Sex, Drugs und Rock 'n' Roll - mal ganz ehrlich: Sitzt einem das mit 50 nicht langsam in den Knochen?

Slash: Es geht mir gut. Seit neun Jahren habe ich keinen Drink und keinen Stoff mehr angerührt.

einestages: Dabei waren Sie während Ihrer Zeit bei Guns N' Roses für Ihren Drogenkonsum berühmt-berüchtigt.

Slash: Das kann ich nicht leugnen. Besonders schlimm war es immer nach dem Ende einer Tournee. Ich saß zu Hause und wusste nichts mit mir anzufangen. Aus purer Langeweile habe ich dann harten Stoff genommen. Ohne die Tour-Routine - Aufwachen! Soundcheck! Konzert! Party! - war ich aufgeschmissen. Ich musste immer beschäftigt sein, sonst kam ich auf dumme Gedanken.

einestages: Im Jahr 2000 schlug sich dieser Lebensstil dann auf Ihre Gesundheit nieder.

Slash: Ich wäre fast draufgegangen. Nach einer Alkoholvergiftung musste ich zum Check ins Krankenhaus. Die Ärzte stellten bei mir eine akute Herzerkrankung fest, verursacht durch meinen Lebensstil. Sie gaben mir noch sechs Wochen, im günstigsten Fall sechs Monate. Sie hielten es für eine gute Idee, mir vorsichtshalber einen Herzschrittmacher einzubauen. Mit 35! Sie bezweifelten, dass ich im Stande wäre, mein Leben zu ändern.

einestages: Das waren Sie aber?

Slash: Absolut. Ich nahm diese niederschmetternde Diagnose verdammt ernst. Ich fand es noch zu früh, mich von dieser Welt zu verabschieden, nicht zuletzt meiner Kinder wegen. Ich sagte mir, ich darf mir und den Menschen um mich herum nicht so viel Stress machen mit meinen Exzessen.

einestages: Früher waren Sie Stammgast im sagenumwobenen Rockstar-Treff Rainbow Bar & Grill am Sunset Strip in Los Angeles. Genau wie Lemmy von Motörhead, der um die Ecke wohnt. Gehen Sie dort heute noch hin?

Slash: Ha, Lemmy! Wir sind gute Freunde. Ihn hat's auch am Herzen erwischt, aus denselben Gründen. Ja, ins Rainbow gehe ich noch, aber nicht mehr abends und nicht mehr zum Feiern! Im Gegensatz zu früher verlasse ich den Laden heute nüchtern. Ich treffe mich dort mit Geschäftspartnern und bestelle stilles Wasser. Anfangs guckten die ganz irritiert, mittlerweile haben sie sich dran gewöhnt.

einestages: Sie feiern jetzt Ihren 50. Geburtstag. Erinnern Sie sich noch, wie Sie 1970 mit Ihren Eltern vom beschaulichen Stoke-on-Trent in England nach Los Angeles umzogen?

Slash: Ja, mein Gedächtnis ist zwar nicht das beste, aber daran erinnere ich mich. Ich war vier oder fünf. Plötzlich lebte ich in einer anderen Welt. In England war alles trist und grau, in Kalifornien wirkte alles happy und bunt.

einestages: Sie wuchsen in der Künstlerkolonie Laurel Canyon oberhalb von Hollywood auf.

Slash: Das war eine Welt für sich, unglaublich, fast magisch.

einestages: Hat Sie die Künstler-Atmosphäre geprägt?

Slash: Ja, sie hat mich inspiriert. Wir haben im Canyon am Lookout Mountain gewohnt, es herrschte dort ein unbeschreiblicher Spirit, über den auch Filme gedreht und Songs geschrieben wurden. Das Leben war ungezwungen, frei, ohne Konventionen. Man konnte die Kreativität förmlich riechen. Die Leute, die dort lebten, Musiker, Maler, Literaten, verachteten das Establishment.

einestages: Darunter waren viele berühmte Künstler.

Slash: In der Nachbarschaft lebten Frank Zappa, Joni Mitchell, Neil Young, Glenn Frey von den Eagles, Ray Manzarek von den Doors. Meine Eltern, ebenfalls Künstler, waren mit vielen befreundet. Sie gingen bei uns ein und aus.

einestages: Wie waren Sie als Kind?

Slash: Ich war eher der Einzelgänger und meine wenigen Freunde waren Kinder der Freunde meiner Eltern. Ich war ein Tagträumer, zeichnete in meinem Zimmer stundenlang Comics und gehörte in der Schule zu keiner coolen Clique.

einestages: Gingen Sie gern zur Schule?

Slash: Ehrlich gesagt nur der Mädchen wegen. Ich habe Schule nie besonders ernst genommen, und meine Eltern haben mir nie Druck gemacht. Ihnen war nur wichtig, dass es mir gut ging. Ich war auf verschiedenen Privatschulen im Laurel Canyon, später auf der Fairfax Highschool …

einestages: … und schließlich auf der berühmten Beverly Hills Highschool, in die viele Stars ihren Nachwuchs schicken.

Slash: Haha, nicht ganz (grinst). Ich war im Gebäude nebenan, auf der Beverly Hills Continuation School.

einestages: Wo ist der Unterschied?

Slash: Die "Continuation" ist eine angegliederte Schule für Schwererziehbare und Kids mit Lernschwierigkeiten. Dort lief alles etwas anders ab. Die Lehrstoffe wurden langsamer durchgenommen - und man durfte im Unterricht Zigaretten rauchen. Kam mir sehr gelegen…

einestages: Wann sind Sie dann auf die Idee gekommen, Gitarre spielen zu lernen?

Slash: Das muss im Sommer 1979 gewesen sein, kurz vor meinem 14. Geburtstag. Steven Adler, der Originaldrummer von Guns N' Roses, mit dem ich seit unserer Schulzeit befreundet bin, war schuld daran. Eines Tages schwänzten wir den Unterricht und gingen zu ihm nach Hause. Er lebte bei seinen Großeltern, die in einer Bäckerei arbeiteten. Steven drehte das KISS-Album "Alive II" volle Kanne auf und spielte dazu auf einer billigen E-Gitarre von Sears. Das hat mich schwer beeindruckt.

einestages: Und dann?

Slash: Habe ich meiner Mutter davon erzählt. Sie fand das toll, denn sie hatte ein Faible für Musiker und hat mich in die Fairfax Music School geschickt. Mein Gitarrenlehrer spielte mir Eric Clapton und Cream, die Stones und Jimi Hendrix vor. Großer Fan von Aerosmith war ich damals schon. Mein weiterer Weg war vorgezeichnet.

einestages: Wo haben Sie Axl Rose kennengelernt?

Slash: Die Band hieß Hollywood Rose, ich sah sie live im Gazzarri's Club in Hollywood. Axl war Sänger und Izzy Stradlin spielte Gitarre. Mein Kumpel Steven Adler hatte mir zuvor von diesem irren Sänger mit der Wahnsinnsstimme vorgeschwärmt. Irgendwann habe ich mich dann auf eine anonyme Stellenanzeige als Gitarrist bei einer Band beworben - und siehe da, es waren Hollywood Rose. Nach einigem hin und her wurde dann Guns N' Roses daraus und ich bin im Sommer 1985 eingestiegen. Danach ergatterten wir einen großen Plattendeal - der Rest ist Geschichte.

einestages: Sie verließen die Band dann 1996 im Streit. Stimmt es, dass sie vor fast 20 Jahren zuletzt Kontakt mit Axl hatten?

Slash: Das ist so. Aber ich spreche nicht darüber, denn egal was ich sage, es wird sofort interpretiert - meist falsch. Um eines gleich vorwegzunehmen: Die Gerüchte über eine Reunion entbehren jeder Grundlage.

einestages: Würde die Originalbesetzung von Guns N' Roses denn heute noch dieselbe Magie ausstrahlen wie früher?

Slash: Wenn ich diese Frage beantworte, wecke ich bei den Fans nur unnötig Erwartungen. Ich kann nur sagen, dass sich die Feindseligkeiten zwischen den Lagern in der Band endlich beruhigt haben, und das ist gut so. Jeder macht sein Ding.

einestages: Anderes Thema - sie sind bekannt für Ihre Tierliebe und Ihre Vorliebe für Reptilien.

Slash: Schon als kleiner Junge bekam ich eine Ratte namens Mickey geschenkt. Meine Eltern hatten nichts dagegen und Mickey konnte sich im Haus frei bewegen. Später legte ich mir Echsen und Schlangen zu, Pythons und Boas. In meinem Haus hatte ich zu Guns-N'-Roses-Zeiten mal bis zu 25 Exemplare. Das war für manche Besucher sicher gewöhnungsbedürftig.

einestages: Auf ihrem aktuellen Album "World On Fire" machen Sie sich für den Tierschutz stark. Haben Sie eine neue Berufung gefunden?

Slash: Ich denke, ja. Tiere liebe ich schon mein Leben lang, aktiv engagiere ich mich aber erst seit einigen Jahren. Den Song "Beneath The Savage Sun" haben Myles Kennedy und ich nach einem Südafrika-Trip geschrieben, bei dem wir lokale Naturschützer getroffen haben. Der Text ist aus Sicht eines Elefanten geschrieben, der gejagt wird. Das Thema Tierschutz liegt mir am Herzen. Dass aus Habgier alle 15 Minuten wegen des Elfenbeins ein Elefant getötet wird, kann nicht sein. Ich selbst boykottiere Elfenbein und auch Instrumente, in denen welches verarbeitet wurde.

einestages: Gibt es etwas, dass Sie in Ihrem Leben bereuen?

Slash: Das werde ich komischerweise öfter gefragt. Die Antwort ist: Nein! Ich bereue gar nichts! Ich habe nie einen Menschen umgebracht - alles gut.

Zur Person
Slash, 1965 als Saul Hudson in London geboren, wurde als Lead-Gitarrist der Band Guns N' Roses berühmt. Nach seiner Trennung von der Gruppe im Jahr 1996 spielte er in den Bands Slash's Snakepit, Velvet Revolver und brachte 2010 sein erstes Soloalbum heraus.
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insgesamt 15 Beiträge
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1. Happy birthday,
Andreas Kehrwald, 22.07.2015
alter Gitarrengott. Werde nie die zwei GnR Gigs vergessen, die ich erleben durfte. Ich hatte die Band anfangs nicht leiden könne, wg den Gerüchten über Rasissmus. Dann sah ich im November Rain Video wie Slah mit seiner Paula auf den Fügel steigt, an dem Mr. Rose saß, und ein Hammer Solo spielt, mit Kippe und Zylinder. Fuck, das ist Rock n Roll! Guns ´n Roses - die letzte große Rockband, nur möglich dank Slash.
2.
Gerd Lentz, 22.07.2015
Liebe Veganer! Ihr müßt jetzt ganz stark sein. Das ist noch Old School Rock'n'Roll. Aber mittlerweile leben ja alle Rockstars gesund. Na ja, fast alle.
3.
Verena Lutter, 22.07.2015
Happy Birthday! Wir danken Slash für seine großartige Unterstützung für den Tier- und Artenschutz. Mehr Infos zu seinem Engagement und das Video zu "Beneath the Savage Sun" findet Ihr auch auf der IFAW Website unter http://g.ifaw.org/1IdNNfA
4. Überraschende Sachkenntnis!
Jan-Hendrik Schmidt, 22.07.2015
Ich las das Interview und vor allem die Bildunterschriften und war erstaunt über die Sachkenntnis in der Hardrock-Historie von Guns 'n Roses, die ich einem durchschnittlichen SPON-Redakteur niemals zugetraut hätte. Am Ende der Bildstrecke stellte sich heraus, dass die Infos von Alex Gernandt kommen, der den Aufstieg von GnR in den 80ern als junger Redakteur bei Crash und Metal Hammer live miterlebt hat. Journalismus ist immer dann am besten, wenn Artikel von Leuten mit Sach- und Fachkenntnis geschrieben werden.
5. Mein Rat:
Petra Reemtsma, 22.07.2015
Ab und zu ein gutes Steak, dann klingt auch die Musik besser.
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