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Erfindung der Sonnenbank Wer rastet, der röstet

Erfindung der Sonnenbank: Wer rastet, der röstet Fotos
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Schönheitsmaschine oder Körperverletzung? Vor 40 Jahren schuf Friedrich Wolff die Sonnenbank und wühlte Dermatologen wie Sonnenanbeter auf. Dabei hatte das Gerät ursprünglich einen ganz anderen Zweck. Von

Er wollte doch nur für ein bisschen gute Laune sorgen. Für ein paar Sonnenstrahlen im düsteren Nebelgrau, jedes Mal, wenn der Frankfurter Herbst die Stimmung eintrübte. Friedrich Wolff wollte in den Siebzigerjahren ein Heilmittel schaffen gegen Winterdepressionen, einen Ort zum Energietanken. Doch am Ende sollte er mit einer ziemlich umstrittenen Erfindung ziemlich reich werden.

In seinem Hobbykeller hatte der Ingenieur, damals Mitte 30, monatelang getüftelt. Er versuchte, Sonnenlicht zu imitieren um Vitamin-D-Bildung künstlich herbeizuführen, so die Stimmung aufzuhellen und die menschliche Leistungsfähigkeit zu verbessern. Dafür hatte er sich ein Bestrahlungsgerät gebaut, aus mit einer Phosphormischung beschichteten Leuchtstoffröhren. Mit Hilfe von Alufolie bastelte er rinnenförmige Reflektoren, die den Hauptteil des Lichts auf die zu bestrahlende Fläche lenkten, abgedeckt von einer einfachen Fensterglasscheibe. Eine Saunabank diente als Liege. Im Herbst 1975 war sie schließlich fertig: die erste Sonnenbank der Welt.

Später sollte sich seine Erfindung als Verkaufsschlager erweisen, dessen Erfolg Wolff niemals hätte voraussehen können: Ganze 15 Patente meldete er später auf die Erfindung an - die so erfolgreich wurde, dass sie auch 40 Jahre später noch jeder vierte Deutsche regelmäßig nutzt. Die zu einem Kultobjekt werden sollte, über das sich noch Jahrzehnte später Dermatologen auf der ganzen Welt streiten und Berliner Gangsterrapper reimen sollten.

Doch zunächst stand diesem Riesenerfolg noch eines im Weg: Bei jedem Test riskierte Wolff einen üblen Sonnenbrand.

Vom Makel zum Schönheitsideal

Der Prototyp entpuppte sich eher als eine Art Menschentoaster denn als Apparat zur schonenden Stimmungsaufhellung. Aber der Erfinder gab nicht auf: Er wollte ein sicheres Licht-Spektrum finden, bei dem die Haut nicht verbrannte. Dafür testete er weiter - an sich selbst. "Ich klebte verschiedene Hautpartien mit Pflastern ab und bestrahlte sie dann unterschiedlich lange", erinnert sich Wolff. So konnte er den Bräunungseffekt im Vergleich zur unbestrahlten Haut messen und ermittelte die idealen Werte wie Abstände und Strahlungsintensität. Er experimentierte so lange, bis er sein Ziel erreicht hatte: Bestrahlung ohne sofortigen Sonnenbrand oder Hautschäden. "Damit konnte ich auch die Dermatologen überzeugen", so Wolff, "und der Weltmarkt stand meiner Erfindung offen."

Warme Füße: Ein früher Vorläufer von Wolffs Sonnenbank auf einer Ausstellung in New York im Jahr 1925. Zur Großansicht
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Warme Füße: Ein früher Vorläufer von Wolffs Sonnenbank auf einer Ausstellung in New York im Jahr 1925.

Dass die Haut dabei gebräunt wurde, war also eigentlich nur eine im Grunde unerwünschte Nebenwirkung, die Wolff zu minimieren versucht hatte. Doch letztendlich erkannte Wolff das Potenzial dieses Effekts und beschloss, ihn kommerziell zu nutzen. So entwickelte er die ursprünglich rein medizinische Lichtcouch zum kosmetischen Solarium weiter und verkaufte die Lizenzen für seine Geräte in die ganze Welt.

Süßstoff statt Sonne

Damit traf der Tüftler den Zeitgeist: Für die Sonnenbank als Stimmungsaufheller interessierte sich zwar kaum jemand, aber der Bräunungseffekt begeisterte die Massen. Denn nachdem gebräunte Haut jahrhundertelang als unschönes Merkmal der Feldarbeiter gegolten hatte und vornehme Blässe dem Adel vorbehalten gewesen war, hatte sich das Schönheitsideal Anfang des 20. Jahrhunderts grundlegend gewandelt. Auslöser soll Modeikone Coco Chanel gewesen sein, weil sie Ende der Zwanzigerjahre von der Urlaubssonne gebräunt durch Paris spazierte und alle Blicke auf sich zog. Fortan strahlte Bräune nicht mehr niedere Arbeit, sondern Jugendlichkeit, Gesundheit und Sportlichkeit aus. Im Wirtschaftswunder-Deutschland wurde ein sonnenverwöhnter Teint zum regelrechten Statussymbol: Er zeigte, dass man sich etwas leisten konnte - eine Sonnenterrasse oder gar eine Fernreise.

Schon Jahrzehnte vor Wolffs Erfindung trickste man für nahtlose Bräune mit Lampen und Reflektoren und schummelte sogar mit Chemikalien, den ersten Selbstbräunern. Auch die entstanden übrigens aus einer unerwünschten Nebenwirkung: Forscher stellten in den Zwanzigerjahren bei einer Testreihe zu Diabetiker-Süßstoffen fest, dass der Stoff Dihydroxyaceton (DHA) mit Speichel reagierte und die Haut verfärbte. In den Fünfzigerjahren kam DHA dann in Form von Selbstbräunungsmitteln auf den Markt. Weil die aber nur wenige Tage hielten und selten natürlich, sondern gelblich und fleckig aussahen, setzten sich Selbstbräuner als Ersatz für das Sonnenbaden nie wirklich durch.

Risiken und Nebenwirkungen: Ein eng verwandter Vorläufer der Sonnenbank aus dem Jahr 1934. Anders als bei Wolffs Konstruktion erfolgte hier jedoch eine direkte Bestrahlung der Sonnenbadenden - die sich mit einem Handtuch schützen mussten. Zur Großansicht
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Risiken und Nebenwirkungen: Ein eng verwandter Vorläufer der Sonnenbank aus dem Jahr 1934. Anders als bei Wolffs Konstruktion erfolgte hier jedoch eine direkte Bestrahlung der Sonnenbadenden - die sich mit einem Handtuch schützen mussten.

Entsprechend euphorisch nutzten die Verbraucher in Deutschland Solarien, als Wolffs Sonnenbank gebräuchlich wurde. Doch mit wachsendem Gesundheitsbewusstsein wiesen immer mehr Ärzte auf die schädlichen UV-Strahlen hin, die das Hautkrebsrisiko wesentlich erhöhen.

Und so überarbeitete Friedrich Wolff seine Maschine erneut: Er erfand eine UV-freie Sonnenbank mit LED-Lichtröhren. Schnelle Bräune ist damit zwar nicht mehr zu erreichen, dafür aber eine Verbesserung der Vitamin-D-Bildung und ein bisschen gute Laune in den dunklen Monaten. Mehr hatte der Erfinder ja eigentlich von Anfang an nicht gewollt.

Zur Autorin
  • Fabienne Hurst, Jahrgang 1987, ist freie Journalistin in Hamburg.

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insgesamt 3 Beiträge
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1. ich hab im Winter
Martin Maschmann, 02.02.2016
merkwürdig verfärbte Hautstellen die im Sommer verschwinden. Ich brauch auch so ein Gerät
2. Euphorie!
Guenter Bernas, 02.02.2016
Ich kenne mich mit der Wirkung von Sonne oder künstlicher Lichtbestrahlung nicht wirklich aus. Aber ich habe schon als Kind festgestellt, dass ein Tag am Strand abends zu starker Euphorie führte. Das gleiche Ergebnis bringt aber auch, wenn man ein Elektroschweißgerät benutzt und dabei immer mal kurze Zeit die Augen ungeschützt lässt (das führt dann aber nachts zu Augenschmerzen, kann also eventuell schlimme Verletzungen der Augen bewirken). Ich denke aber nun, dass bereits die Aufnahme von UV (oder Tageslicht) über die Augen stimmungsaufhellend wirkt. Weiß jemand da bescheid?
3. @Guenter Bernas
Ulrike Berndt, 03.02.2016
Ja, das hat aber weniger mit dem UV-Licht zu tun, als mit dem Tageslichtspektrum. Deshalb gibt es auch diese Lichttherapielampen, gerne Lichtduschen genannt, um Winterdepressionen zu bekämpfen. Das Licht ist grell-weiß, blendet aber nicht und wirkt über die Netzhaut der Augen. Funktioniert prima, sogar bei Pflanzen, die dann trotz Winter wachsen wie blöd.
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