Space-Vehikel Mit Mondbuggy und Weltraumspinne auf der Suche nach Leben

Space-Vehikel: Mit Mondbuggy und Weltraumspinne auf der Suche nach Leben Fotos
NASA

Das war noch echtes Fahrvergnügen! Bevor kleine wuselige Miniroboter - wie jetzt die Sonde Phoenix - zu Mars und Mond reisten, erkundeten Astronauten noch höchstselbst das All: hüpfend, kriechend, cruisend. Die Gefährte, die Ingenieure zu diesem Zweck entwarfen, waren wahrhaft außerirdisch. Von

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Der Himmel ist schwarz, die Oberfläche des Bodens glänzt im Sonnenlicht, der einzige Ton ist das Hintergrundrauschen der Funkverbindung in den weißen glänzenden Raumanzügen. Staub wirbelt auf, als der Astronaut Neil Armstrong mit federnden Schritten über den Mond hüpft und seinen legendären Satz sagt: "Das ist ein kleiner Schritt für mich, aber ein großer Sprung für die Menschheit."

Der erste Spaziergang auf dem Erdtrabanten endete nach rund zweieinhalb Stunden. Der 21. Juli 1969 brannte sich ins kollektive Gedächtnis, doch in Wirklichkeit waren es nur Trippelschritte, zaghaft und in Zeitlupe. Erst zwei Jahre später konnten die ersten Astronauten so richtig Gas geben - mit einem Mondauto. Der Ausflug war live im Fernsehen zu verfolgen, untermalt von Countrymusikklängen cruisten die Mondfahrer auf dem Himmelskörper umher. Bis zu zwölf km/h schnell flitzte das Alu-Cabrio - 18 Stunden lang.

Der Spaß dürfte um einiges größer gewesen sein - verglichen mit der aktuellen Phoenix-Marx-Expedition, die am Sonntag, 25. Mai, auf dem Roten Planeten landen soll. Der Bagger mit angeschlossenem Labor ist eher statischer Natur, seine Zielrichtung die Tiefe. Ein 2,35 Meter langer Roboterarm soll bis zu 50 Zentimeter Boden abtragen, Proben entnehmen, das Gestein bis zu 1000 Grad Celsius erhitzen, auf seine Bestandteile in eigenen Minilabors selbständig chemisch analysieren und nach Leben suchen. Der Weg vom Stammvater der Weltraumgefährte bis hin zu modernen automatischen Erkundungsdrohnen war weit - und hatte phantastisch absurde Anfänge.

Mit "Pogo-Sticks" den Mond erkunden

Die Idee, auf anderen Planeten mit Fahrzeugen herumzustromern, entsprang zu Beginn des 20. Jahrhunderts einer eher literarischen Sphäre, in der sich Science-Fiction-Autoren tummelten. Schon 1901 beschreibt der polnische Schriftsteller Jerzy Zulawski in seinem Buch "Auf dem Silbermond" erstmals ein Weltraumfahrzeug, das - je nach Terrain mit Beinen oder Rädern - mit zehn Stundenkilometern über den Mond kraxelte.

Die ersten ernsthaften Prototypen entwickelten die Amerikaner Anfang der sechziger Jahre. Wobei die Weltraumfahrzeuge mit Space-Design und geräumigen Kabinen noch tonnenschwer und mit bis zu 16 Metern Länge etwas überdimensioniert waren. Im Prinzip waren sie Weltraumwohnwagen mit Elektroantrieb und ausgefallenen spiralenförmigen Radkonstruktionen - eine Art Federung, die in die Räder integriert war. Andere Ingenieure schlugen "Pogo-Sticks" vor: Mit Stelzen, an denen Sprungfedern befestigt waren, sollten die Astronauten den Planeten hüpfend erkunden. Andere wollten ihnen "Jet-Packs" umschnallen und sie mit den düsengetriebenen Rucksäcken fliegen lassen.

Die Wende kam 1969 mit Georg von Tiefhausen, einem Hamburger Ingenieur, der für Werner von Braun das erste Mondauto konstruierte. Ganz entgegen deutschen Geflogenheiten setzte er anstatt auf Größe lieber auf eine luftige Buggy-Konstruktion. Der Vorteil: Das 3,10 Meter lange und 1,83 Meter breite Gefährt war mit nur 208 Kilogramm unschlagbar leicht und somit äußerst praktisch - schließlich musste beim Start erst einmal die Erdanziehungskraft überwunden werden. Mit gerade einmal einer Viertel-Pferdestärke konnte der Elektro-Allrad-Rover dennoch stattliche 92 Kilometer zurücklegen. In der Rekordzeit von 17 Monaten schuf das Nasa-Team einen Mond-Rover, der bei Temperaturen zwischen minus 160 und plus 130 Grad funktionierte und sich außerdem zum Transport auf die Hälfte seiner Größe zusammenklappen ließ.

Unbemannte Drohnen erobern die Planeten

Den bis heute anhaltenden Trend zu unbemannten Missionen auf fremde Planeten setzte im Wettrennen der Großmächte Systemgegner Sowjetunion (SU) - aus Kostengründen. Die Raumfahrt der Amerikaner verschlang allein in den sechziger Jahren 50 Milliarden US-Dollar, zeitweise waren rund eine halbe Million Techniker beteiligt.

Weitaus günstiger war es für die SU 1970, als erste mit einem ferngesteuerten Mondfahrzeug, dem "Lunochod 1", auf dem Erdbegleiter zu landen. Ganze elf Monate erkundete die achträdrige Techno-Spinne die Oberfläche des Trabanten, machte mehr als 20.000 Bilder und nahm mehr als 500 Gesteinsproben. Da konnten selbst die eifrigsten Astronauten nicht mithalten. Die "Killeraplikation" war eine durch Solarzellen wiederaufladbare Batterie. Ein heute noch unschlagbar effizientes System, das seitdem jedes Gefährt ziert.

Beim Mars hatten die Russen jedoch Pech. Zwei ihrer Landungssonden zerbarsten Anfang der Siebziger auf dem roten Planeten. 1976 hatte die Nasa wieder die Nase vorn. Die Sonden Viking 1 und 2 landeten sicher und sendeten sensationell scharfe Fotos des staubigen Wüstengestirns. Das erste richtige Mini-Mars-Mobil landete 1997. Mit gerade einmal 40 Zentimetern Länge kroch die "Sojourner" der Nasa, auf einem Flecken von gerade einmal Häuschen-Größe herum.

Der neue Wettlauf zu Mond und Mars

Seit der Kalte Krieg nicht mehr automatisch Geld in die Kassen der Weltraumagenturen spült, verlegten sich aus Gründen der Kosteneffizienz alle Raumfahrtnationen auf unbemannte ferngesteuerte Sonden. Die bisher letzten terrestrischen Besucher waren die amerikanische "Spirit" und "Opportunity". Beide 2004 auf dem Mars gelandeten Roboterfahrzeuge haben Erfolgsgeschichte geschrieben. Ursprünglich für eine Lebensdauer von nur drei Monaten konzipiert, kurven die beiden Rover noch immer durch den roten Staub und liefern bis heute unermüdlich Bilder und Messdaten.

Trotz des stolzen Preises von 414 Millionen Dollar pro Stück weicht die Freude am Fahren jedoch einer kontemplativen Entdeckung der Langsamkeit: Der Fahrer, der von der Erde aus steuern kann, sieht zumeist fern, spielt Computer oder geht eine Runde spazieren, denn der Mars-Rover zuckelt mit gemächlichen ein bis fünf Zentimetern pro Stunde dahin.

Doch schnellere Weltraumfahrzeuge stecken in der Pipeline. Sowohl die europäische Raumfahrtagentur Esa als auch die Nasa planen, in den nächsten fünf Jahren weitere Roboterautos einzufliegen. Auf dem Mond droht sogar fast ein Verkehrsstau. Dort mischen inzwischen auch die Japaner, Inder und die Chinesen mit. Letztere wollen für 2012 ein atomgetriebenes Mondfahrzeug anlanden, später soll auch eine Besatzung - die sogenannten "Taikonauten" - folgen.

Zumindest die Amerikaner haben einen entscheidenden Vorteil: Bringen sie ein paar frische Silber-Zink-Batterien mit, dann können sie mit einem bereits vorhandenen Fuhrpark gleich losstarten - drei der Alu-Titan-Buggys stehen noch auf dem Mond.

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