Späte Kultserie "Ein Käfig voller Helden"

Grenzdebile Nazis und gewiefte Kriegsgefangene: Das Rezept der US-Serie "Hogan's Heroes" war einfach. Zu spätem Kultstatus verhalf ihr jedoch erst die Kunst der Synchronisation. Hans Schaffner über die Abwägungen hinter den Kulissen des deutschen Fernsehens.

Bob Crane als Colonel Hogan in der Serie "Ein Käfig voller Helden".

Bob Crane als Colonel Hogan in der Serie "Ein Käfig voller Helden".


Ein deutsches Kriegsgefangenenlager während des Zweiten Weltkrieges ist ein gewagtes Setting für eine Fernseh-Sitcom, könnte man meinen. Dennoch hat die US-Serie "Hogan's Heroes" inzwischen auch in der deutschen Fassung längst Kultstatus erreicht. Die 168 Episoden zu je 25 Minuten wurden von 1965 bis 1971 produziert und haben das Leben der alliierten Kriegsgefangenen im deutschen Stammlager 13, kurz: "Stalag", zum Gegenstand.

Das fiktive Stammlager 13 gehört zur deutschen Luftwaffe und wird von dem Kommandanten Oberst Wilhelm Klink geleitet. Die Gefangenen selbst sind allesamt Mitglieder der US-amerikanischen, britischen und französischen Luftstreitkräfte. Unter geschickter Ausnutzung der aberwitzigen Einfalt ihrer deutschen Bewacher, insbesondere des Feldwebels Hans Georg Schultz (genannt "Georgie"), sabotieren die Gefangenen, was das Zeug hält, und unterstützen so die Kriegsanstrengungen der Alliierten auf jede erdenkliche und noch so abwegige Art. Dabei kommt natürlich keinem von ihnen der Gedanke in den Sinn, aus Stalag 13 zu fliehen.

Bereits am 17. September 1965 ging die Serie im US-amerikanischen Fernsehen auf Sendung. Dem ZDF wurde sie erstmals 1968 angeboten. Der Sender lehnte allerdings ab. Zum damaligen Zeitpunkt wäre es undenkbar gewesen, im deutschen Fernsehen eine Serie auszustrahlen, in der Deutsche von Amerikanern veralbert werden. Die Zeit war noch nicht reif dafür. Aber in den nächsten Jahren sollte sich in der weltweiten Medienlandschaft einiges ändern - und 1984 etablierte sich auch in Deutschland das Privatfernsehen.

Quoten im Keller

In den später achtziger und frühen neunziger Jahren war ich für die Serienauswahl bei Sat.1 zuständig. Ich habe damals "Hogan's Heroes" vorgeschlagen. Wir sahen uns einige Folgen auf Videokassetten an und waren überzeugt, auch bei uns in Deutschland einen Erfolg mit dieser Serie zu landen. Nachdem der Lizenzvertrag abgeschlossen war, wurde eine deutsche Fassung in Auftrag gegeben, für die zunächst der deutsche Titel "Stacheldraht und Fersengeld" ausgewählt wurde.

Im Frühjahr 1992 begann die Ausstrahlung. Da es sich schon damals um eine betagte Serie handelte, fiel die Entscheidung, sie nicht in der Primetime zu senden: Sendetermin sollte der späte Sonntagabend gegen 23.00 Uhr sein. Der gewünschte Quotenerfolg blieb jedoch aus und die Marktanteile blieben im Keller. Damit die Kunden aus der Werbewirtschaft nicht ausblieben, musste dringend eine Entscheidung gefällt werden. Alle 168 Folgen waren schließlich bereits komplett eingekauft und von den 34 schon synchronisierten Folgen von "Stacheldraht und Fersengeld" waren 24 mit nur sehr mäßigem Erfolg gelaufen. Die Konsequenz: Die Ausstrahlung wurde beenden, weitere Synchronarbeiten wurden abgebrochen. Von der ersten Synchronisationsfassung blieben somit zehn Folgen ungenutzt, sie wurden nie ausgestrahlt.

Das Unternehmen Kirch, das die Lizenz dieser Serie für ihre Sendergruppe erworben hatte, beschloss, eine komplett neue Synchronisation für die Serie anzulegen - mit mehr Humor und Gags. Der Auftrag ging an die Rainer Brandt Filmproduction GmbH. Rainer Brandt hatte sich im Laufe der Jahre einen guten Ruf erworben und war als Schauspieler, Synchronsprecher, Drehbuchautor und Produzent sehr gefragt, insbesondere nach den gelungenen Synchronisationen der Serie "Mini-Max" oder "Die Zwei".

Verspäteter Erfolg

In der neuen Fassung wurde aus "Stacheldraht und Fersengeld" nun "Ein Käfig voller Helden". Besonders die markigen Sprüche in der neuen Fassung kamen bei den Zuschauern bestens an. Durch den Einfluss von schnodderiger Umgangssprache, Dialekten und gelungenem Klamauk wurde die Serie enorm aufgewertet. Das Resultat konnte sich jetzt sehen und hören lassen.

Nach der Beendigung der Synchronisierungsarbeiten schrieb man das Jahr 1994. Sat.1 setzte nun immer stärker auf neuere und aktuelle Serien. Für eine erneute Ausstrahlung war außerdem kein geeigneter Sendeplatz frei. So wanderte die Serie in das Programm von Kabel 1, der damals auch zu Kirchs Senderfamilie gehörte.

Dann geschah das Unglaubliche: Die Serie entwickelte sich zu einem Riesenerfolg und wird seit mittlerweile 14 Jahren regelmäßig ausgestrahlt. Die einzelnen Folgen wurden nicht selten Tagessieger bei den Zuschauerquoten. Viele Fans hat die Serie seitdem für sich gewinnen können; sogar Fanclubs wurden gegründet.

Die erste Folge von "Hogan's Heroes" wurde damals übrigens noch in Schwarz-Weiß gedreht. Zu Beginn der Drehzeit stellte die USA die Fernsehproduktionen von Schwarz-Weiß auf Farbe um. Zuvor waren nur vereinzelt Serien in Farbe gedreht worden.

Ein interessantes Besetzungsdetail

Die Rolle des Oberst Wilhelm Klink, des Lagekommandanten, wurde übrigens von einem Deutschen, dem 1920 in Köln geborenen Werner Klemperer, gespielt. Er war der Spross einer jüdischen Familie und floh 1933 aus Deutschland. Sein Vater Otto Klemperer war ein bekannter Komponist und Dirigent des 20. Jahrhunderts und sein Onkel, Victor Klemperer, genoss weltweite Anerkennung als Romanist und Autor des sprachanalytischen Werkes "LTI - Lingua Tertii Imperii", in dem er den Sprachgebrauch im "Dritten Reich" untersuchte.

Werner Klemperer übernahm die Rolle des Oberst Klink nur unter der Bedingung, dass Klink immer gegen Colonel Hogan, den ranghöchsten Lagergefangenen, verlieren würde. Klemperer spielte große Rollen in Opern und Broadway-Musicals und wurde für seine Rolle in "Cabaret" sogar für einen Tony-Award nominiert. Es war für ihn eine ganz besondere Freude, dass sich in Deutschland wider Erwarten die Serie "Hogan's Heroes" doch noch so großer Beliebtheit erfreute. Werner Klemperer starb 2000 in New York.



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