Schrullige Zwergparteien Ich will Farce, ich wähl Spaß!

Montage verbieten, Schluss mit der Schwerkraft, Straußenquote im Parlament... Seit Jahrzehnten mischen Scherzparteien die Politik auf. Welche würden Sie wählen? Ein internationaler Rundflug - stimmen Sie ab.

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Glasklar: Die Rocky Mountains mussten endlich weg! Ob mit Spitzhacke oder Sprengstoff - Hauptsache ein Lichtblick für die braven Bürger von Alberta, die zu lange schon in der ringsum von Landmassen eingeschlossenen kanadischen Provinz gedarbt hatten. Nun sollten endlich auch sie den wunderbaren Sonnenuntergang über dem Pazifik genießen: aus dem Weg mit diesen Bergen.

Das forderte die Parti Rhinóceros, 1963 gegründet von Jacques Ferron. Das Ende der Schwerkraft und die Abschaffung der Umwelt (nimmt so viel Platz weg, schwer sauberzuhalten) forderte der kanadische Arzt und Schriftsteller gleich auch noch. Aber mit seiner Nashornpartei hatte er nicht allein Schabernack im Sinn: Als eine Art Polit-Guerilla sollte sie die absurden Seiten des Politikbetriebes persiflieren.

Aus ähnlichen Motiven speisen sich viele Scherzparteien der Geschichte - ein Mix aus unbedingtem Willen zum Jux und aus Überdruss am traditionellen Politikzirkus. In Deutschland zum Beispiel provozierte ab den Achtzigerjahren die Anarchistische Pogo-Partei Deutschlands mit Sauf- und "Arbeit ist Scheiße"-Parolen. Ihren Wählern versprach die APPD, die Rückerstattung der Wahlkampfkosten per Riesenparty zu verjuxen. Dazu kam es nie, sie blieb stets weit unter 0,5 Prozent der Wählerstimmen.

Schon etwas erfolgreicher ist "Die Partei" um Martin Sonneborn, früher "Titanic"-Chefredakteur. Sie sammelte 2014 so viele Stimmen, dass Spitzenkandidat Sonneborn seitdem Europaparlamentarier ist und in Brüssel teils absurde, teils zornige Reden hält. Erfahrene Satirekräfte wie Shahak Shapira oder Nico Semsrott unterstützen Die Partei, Serdar Somuncu tritt derzeit gar als ihr "Kanzlerkandidat" an. Eine Riesenüberraschung gelang einer Spaßtruppe ("weniger Weihnachtsmänner!") um einen isländischen Komiker 2010: Seine "Beste Partei" wurde 2010 auch die stärkste Partei - und Jón Gnarr Oberbürgermeister von Reykjavik.

So kann's kommen, wenn die Wähler ähnlich kindisch sind wie die Kandidaten, wenn die Kombination aus Quatsch und Sinnhaftem auf fruchtbaren Boden fällt. Wobei später auch grober Unfug mitunter schmerzlich vermisst wird: Als Jacques Ferrons kanadische Nashornpartei sich nach drei Jahrzehnten auflöste, klagte der Radiosender CBC über die neue Ödnis der Wahlen - es fehle einfach die "dringend benötigte Dosis Albernheit".

Welche Spaßpartei würden Sie wählen? Ein kleiner Rundflug durch die Geschichte und um die Welt - hier sind 24 Kandidaten.

So geht's: Sie sehen zwei Parteien im Vergleich. Klicken Sie auf die, die Ihnen besser gefällt. Die andere verschwindet, eine neue erscheint. Wieder klicken Sie auf die interessantere. Am Ende bleibt der Wahlsieger übrig - und die Prozentauswertung aller Spaßparteien im Voting.



insgesamt 13 Beiträge
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Seite 1
jonas krull, 18.09.2017
1. Die partei
Hat es mit einem sitz im eu parlament geschafft die parteispendenordnung zu bestimmen sodass halbseidene spendengeschäfte von z.b. der AFD unterbunden wurden. Das ist mehr als die spd ihrem koalitionspartner abringen konnte…
Fritz Nuss, 18.09.2017
2. Ein irrationaler
Rundflug triffts
Norbert Meyer, 19.09.2017
3. Die Partei...,
Die Partei , ist das Gebot der Stunde. Die möchte die Mauer wieder hochziehen , und es sieht so aus , dass die Wutbürger in Sachsen und Sachsen Anhalt , eine Mehrheit bieten würde. Angela Merkel muss weg , schreien die Wutbürger im Osten besonders laut, warum ? Nun einen Genossen aus den eigenen Reihen , dafür ist es zu früh, gauck wurde auch aus dem Amt getrieben, den Ossis passt das nicht. Honnecker war auch Saarländer , die Ossis brauchen einen Wessi als Chef. Nun gut , das kommt dann wieder die Buschzulage aufs Gehalt, Geld spielt aber nur eine kleine Rolle. Die Partei wird das umsetzen, hoffe ich. Der Begriff des hässlichen Deutschen , macht im Ausland wieder die Runde, zu verstehen, wenn Unterkünfte Hilfsbedürftiger abgefackelt werden , bleibt das nicht aus. Die Partei wird das ändern, der Freistaat Sachsen , soll Realität werden . Das wäre mal ein Anfang.
Wolfgang Prestel, 19.09.2017
4. Es gibt noch mehr Unsinnsparteien
Ich überklege ernsthaft die V-partei³ zu wählen, die Partei für Veränderung, vegan und vegetarisch. Irgendwo muss das Protestkreuz ja hin.
Guenter Mueller, 19.09.2017
5. Irrsinn ist in den Augen der Schreiber so
Die Partei hat der AFD ein wenig die Kostenerstattung vermasselt. Das haetten die Spiesser der SPD und Gruenen nie geschafft.
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