Spektakulärer Bilderfund Die vergessene Starfotografin

Sie knipste auf Augenhöhe mit Helmut Newton und F.C. Gundlach - dann verschwand sie von der Bildfläche. Christa Peters zählt zu den besten deutschen Fotografen der sechziger Jahre. Trotzdem geriet sie in Vergessenheit. Dann entdeckte der Nachlassverwalter einer Textilfabrik ihren Fotoschatz.

Christa Peters, "NINO-Werbearchiv" im Stadtmuseum Nordhorn

Von Insa van den Berg


Der Himmel ist bewölkt; das weiße Segel bläht sich im Wind. Eine schlanke Schönheit greift in die Seile, die straff zwischen Mast und Deck gespannt sind. Leichtfüßig bewegt sich das Fotomodell über die Planken des großen Segelschiffs, das an der Küste vor Miami auf den Wellen schaukelt. Immer wieder klickt der Auslöser der Kamera.

Christa Peters fotografiert die neue Kollektion des Stoffgiganten Nino, einem der größten Textilkonzerne der Bundesrepublik. Es ist das Jahr 1965. Ihre Aufnahmen erscheinen in "Vogue", "Stern" und im SPIEGEL.

Der Textilriese Nino gehörte in den sechziger Jahren zu ihren einträglichsten Auftraggebern. Die erfolgreiche Firma engagierte für Werbeaufnahmen nur die Besten der Besten: Neben Christa Peters arbeiteten Helmut Newton, F.C. Gundlach und Rico Puhlmann für den Konzern. "Wir steckten jährlich Millionen in unsere Kampagnen", erinnert sich der ehemalige Werbeleiter der Firma, Peter Klein. "Und wir haben von dem guten Ruf unserer Fotografen eindeutig profitiert." Doch während man in den Folgejahren von Newton oder auch Gundlach noch viel hören wird, kennt den Namen der einst so gefragten Christa Peters bald kaum jemand mehr. Was war passiert?

Selbstbewusst und diszipliniert

Christa Peters hatte hart gearbeitet an ihrem guten Ruf: Vermutlich 1933 in Lübeck geboren, besuchte sie ab Mai 1951 die "Internationale Meisterschule für Photographie" in Stuttgart, bevor sie ihre Fotografenlehre ein Jahr später beim Lette-Verein in Berlin fortsetzte. Die junge Frau bewies Talent - und erfuhr Anerkennung, etwa 1954 als Preisträgerin des ersten Jugendfotowettbewerbs der Photokina, der weltweit wichtigsten Messe für Fotografie. 1959 gehörte sie zu den Mitbegründern der legendären Zeitschrift "twen" - als einzige Frau im Redaktionsteam.

Sie wusste offenbar immer ganz genau, was sie wollte. Das bekamen auch frühe Top-Models wie Erika Schöning zu spüren: "Wenn es hieß, um 8 Uhr fangen wir an, dann fingen wir auch um 8 Uhr an."

Perfekt inszeniert

Die Ergebnisse ihrer Arbeit waren beeindruckend. "Ihre Aufnahmen transportieren perfekt das Lebensgefühl ihrer Zeit", urteilt Karin Lelonek. Die Kunsthistorikerin aus Berlin hat sich ausgiebig mit dem Werk der damals führenden Modefotografin beschäftigt.

Die Aufnahmen aus den Sechzigern seien "sehr fröhlich" und "voller Bewegung". "Sie hatte ein Gefühl für schöne Dinge", meint die Kunsthistorikerin, "da springt der Funke gleich über". Auch heute noch, rund vier Jahrzehnte später.

In den Siebzigern suchte Peters nach einer neuen Herausforderung: Sie fotografierte Popstars für Plattencover. Nun lebte sie in London, mit ihrem Ehemann Chadwick Hall hatte sie sich ein eigenes Studio eingerichtet. Es schien gut für sie zu laufen.

Schicksalsschlag

Doch dann traf ein dramatischer Schicksalsschlag die bis dahin stets erfolgreiche, willensstarke Frau: Christa Peters erkrankte. Woran genau, das blieb unklar, im Alter von nicht einmal 50 Jahren starb sie 1981 in London.

Nach ihrem Tod, so berichten Zeitgenossen, habe ihr Mann Chadwick Hall, selbst Modefotograf, ihr gesamtes persönliches Archiv verbrannt - ob aus Trauer oder Eifersucht auf ihr Werk ist bis heute nicht geklärt.

Im Dezember 1994 machten die Nachlassverwalter des inzwischen in Konkurs gegangenen Textilriesen Nino im Werbearchiv der Firma eine überraschende Entdeckung: Sie fanden rund 80.000 Modeaufnahmen berühmter Fotografen, darunter etliche von Christa Peters. Bilder, die längst verloren geglaubt waren.



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