Star Trek "Das nächste Jahrhundert" Aller Anfang liegt im All

1990 war nicht nur das Jahr der deutschen Wiedervereinigung. Es war auch der Start der Serie "Raumschiff Enterprise: Das nächste Jahrhundert". Die Neuauflage des Klassikers von 1966 gab Karsten Schramm die Gewissheit: Eine neue Ära hatte begonnen.

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Star Trek-Fan zu sein wurde mir schon mit der Muttermilch mitgegeben. "Raumschiff Enterprise" habe ich mir angeschaut, so lange ich mich erinnern kann. Das ich in der DDR gelebt habe und die Serie nur in schwarz-weiß sehen konnte, war da auch keine Hürde mehr. Schon die erste Folge, an die ich mich erinnern kann, machte mich zum Trekkie: In "Der Tempel des Apoll"hält der Gott die Enterprise durch ein Kraftfeld in Form einer Hand fest. Er will, dass die Crew seinen Planeten besiedelt und ihm huldigt - bis in alle Ewigkeit...

Dann kam das Jahr 1990. Die Wiedervereinigung stand kurz bevor. Wir alle hatten ein aufregendes Jahr hinter uns. Ich war zwölf Jahre alt, als im September 1990 die Enterprise auf den Bildschirm zurückkam. Ja, es war nicht James T. Kirk, aber das störte mich wenig.

Wir schreiben das Jahr 2364

Knapp 100 Jahre waren im Star-Trek-Universum vergangen, seit Kirk auf seiner berühmten Fünfjahresmission gewesen ist. Doch die Reminiszenzen an die Originalserie hielten sich in Grenzen. Der neue Captain war überhaupt nicht wie Kirk. Er war ruhig, besonnen und hatte keine Haare auf dem Kopf. Aber seine Crew war genauso bunt gemischt, wie die seines Vorgängers. Ein schwarzer Steuermann - der später in die Fußstapfen von Scotty treten sollte -, ein Android als Wissenschaftsoffizier und ein Klingone auf der Brücke.

Ein Klingone! Auf der Brücke eines Föderationsraumschiffes! Die Erzfeinde der Föderation zu Kirks Zeiten dienen inzwischen auf der Enterprise! Abrüstung und Völkerverständigung auch im Weltraum. Es hatte sich einiges geändert. Einiges war aber auch gleich geblieben. Die Enterprise war immer noch das Vorzeigeschiff der Föderation und ist jetzt sogar zum Flaggschiff aufgestiegen. Frauen trugen noch immer eher weniger als mehr. Und die Enterprise traf noch immer auf die merkwürdigsten Außerirdischen, die sich die Drehbuchschreiber ausdenken konnten.

Bildungsbürger gegen Willkür

Q. Ein Buchstabe, der jedem Star Trek-Fan ("Trekkie") ein Lächeln aufs Gesicht zaubert. Q war der ideale Gegenspieler zu Picard, weil für Q das Universum ein einziger großer Sandkastenkasten war, in dem er die größte Schaufel besaß und dachte, er können ihn umgraben, wie es ihm passt. Doch Picard konnte Q immer mit einem Shakespeare-Zitat an die Wand spielen, wo Kirk versucht hätte, das Problem mit der Faust zu lösen. Der geistige Vater dieses Willkürprinzips und Großmeister der Amoral gegen den klassischen Vertreter der Aufklärung. Jean-Luc Picard wurde in dem Teil der Erde geboren, der heute als Frankreich bekannt ist. Er liebt klassische Literatur und Musik. Auch im realen Leben war der Schauspieler Patrick Stewart eher ein Vertreter des Bildungsbürgertums. 21 Jahre lang hatte er mit der Royal Shakespeare Company auf der Bühne gestanden - bevor es ihn ins All zog.

Nach der Intention der Macher sollte der wachshäutige Androide Data wohl Spock ersetzen. Auch hier kehrten sich die Verhältnisse um: Spock, halb Mensch, halb Vulkanier, wollte nie ein Mensch sein. Es fiel ihm schwer, seine menschliche Seite zu akzeptieren. Die Logik besiegte die Emotion.

Data wiederum war eine Maschine mit einem positronischen Zentralcomputer, der sich nichts sehnlicher wünschte, als ein Mensch zu sein. Data ist ein Unikat, erschaffen von dem einsiedlerischen Wissenschaftler Dr. Noonien Soong. Er ist stärker, schneller und klüger als ein Mensch, aber eben doch nicht perfekt. Ihm fehlen die Gefühle.

Integrationskonflikte und Behinderungen

Worf, Sohn von Mogh, der erste Klingone, der der Sternenflotte beigetreten ist, ringt hingegen mit seinem Gefühlshaushalt und somit mit sich selbst.

Wie Spock vor ihm, nimmt er damit eine Vorbildfunktion ein - nur dass sein eigenes Volk das überhaupt nicht zu schätzen weiß. Sein innerer Kampf ist ein klassischer Integrationskonflikt. Eine Gratwanderung zwischen den moralischen Grundsätzen der Föderation und denen seines eigenen Volkes.

Auch die Thematik von Behinderungen kommt in der neuen Star-Trek-Serie nicht zu kurz. So ist Schiffsingenieur, Geordi LaForge blind. Auch in der Zukunft stoßen hier Technik und Medizin an Grenzen - es ist ihm nicht möglich zu sehen wie die anderen. Doch mit Hilfe des "VISORs", einer Art Brille für Blinde, kann er anders sehen, die Welt auf unterschiedlichen Spektren wahrnehmen. Gerade das macht ihn besonders, macht ihn zu einem wertvollen Crewmitglied und unschätzbaren Begleiter auf Außenmissionen.

Die Frauen und klassische Rollenclichés

Weniger modern präsentiert sich das Rollenbild der Frau. Hier offenbart sich eine der Schwächen von Star Trek-Erfinder Gene Roddenberry. Deanna Troi als eine der weiblichen Hauptcharaktere ist Empathin - sie kann Gefühle von Personen lesen - was sie auf der Brücke sehr hilfreich macht, wenn es zum Kontakt mit unbekannten Kulturen kommt.

Auch die zweite Frau im Team, Beverly Crusher, übt einen typischen Frauenberuf aus. Sie ist die Bordärztin, die ihren Sohn Wesley nach dem Tod des Vaters allein großziehen muss. Troi und Dr. Crusher sind keine schwachen Frauen, aber sie entsprechen mehr dem Cliché, als es für eine solche Science-Fiction-Serie angemessen wäre. Die starke Frau, wie die Sicherheitsoffizierin Tasha Yar, sterben jedoch am Ende der ersten, der insgesamt sieben Staffeln. Was vor allem Worf die Möglichkeit gab, sich zu entfalten.

Eine neue "Star-Trek"-Ära

Und so machte sich die Crew der Enterprise viele neue Freunde und auch Feinde, kämpfte gegen die Borg, rettete das klingonische Imperium vor einem Bürgerkrieg und schützte die Erde mehr als einmal vor der Zerstörung. Die Reisen der Enterprise bringen uns zum romulanischen Reich, zur cardassianischen Union, in den Delta-Quadranten unserer Galaxie und zu einem Punkt, wo Raum, Zeit, Gedanken und Illusion ineinander übergehen.

Doch "The Next Generation" bildete nur den Anfang einer neuen Ära von Star Trek im Fernsehen. Die Fans sind treu. Sie halten Jean-Luc Picard (Patrick Stewart) genauso die Stange wie seinem Vorgänger James Kirk (William Shatner). Sie haben sich, ohne zu zögern, auf die späteren Fernsehserien-Nachzügler "Deep Space Nine" und "Star Trek: Voyager" eingelassen. Und bis zu ihrer Absetzung vier Jahre "Star Trek: Enterprise".

Denn das ist ihre Mission: Fremde Welten zu entdecken, unbekannte Lebensformen und neue Zivilisationen. Die Enterprise dringt dabei in Galaxien vor, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat.



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Karsten Schramm, 27.03.2008
1.
Der eingereichte Originaltext kann hier gefunden werden: http://doena-journal.doena-soft.de/79/aller-anfang-liegt-im-all/
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