Star-Wars-Zeichner McQuarrie Darth, ich bin dein Vater

Den Ideen vom Krieg der Sterne gab Ralph McQuarrie Gestalt. Er war der Visionär des Weltraummärchens, seine Entwürfe prägen "Star Wars" bis heute. Hier sind die fantastischsten Gemälde und Skizzen.

Ralph McQuarrie/Lucasfilm

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Ein Strich, tiefes, dunkles Blau. Noch ein Strich, ein Streifen Weiß. Durch die Halle hetzen Modellbauer, Kameraleute, Assistenten. Sie schleppen Modelle von X-Wings hierher, TIE-Fighter dorthin. Doch kurz bleibt jeder stehen und schaut zu, wie der hochgewachsene, grauhaarige Mann auf seiner Leinwand ruhig und bestimmt Strich für Strich aneinandersetzt, wie er ruhig bleibt in dieser Firma namens Industrial Light & Magic (ILM).

Ralph McQuarrie malte inmitten der Handwerker, die seine Bilder und Ideen ins Kino bringen sollten. Und sich angesichts der Kraft seiner Fantasie in einer anderen Dimension wähnten. John Berg, damals Animationsspezialist für "Star Wars", erinnerte sich in der McQuarrie-Dokumentation "Tribute to a Master": "Es war Magie, dieses Zeug, das da geradewegs aus seinen Händen herauskam."

Ralph McQuarrie: Als Zeichner visionär
Lucasfilm

Ralph McQuarrie: Als Zeichner visionär

Schon zweimal war George Lucas zuvor mit seinem Drehbuch zu einem Weltraummärchen namens "Star Wars" bei großen Hollywood-Studios gescheitert. Anfang der Siebzigerjahre hatten weder United Artists noch Universal Interesse am Science-Fiction-Epos. Niemand verstand, was dieser wirre Lockenkopf da erzählte von Raumschlachten und Jedi-Rittern, Padawanen und Lichtschwertern.

Als Lucas bei Alan Ladd Junior, dem Chef von 20th Century Fox, vorsprach, hatte er ins Skript Schnipsel aus Zeitschriften geheftet, über die er zufällig gestolpert war. Dafür gab es eine erste Zusage - doch die Produzenten blieben skeptisch. Jemand musste Lucas' Vision ein Gesicht geben.

Dieser Jemand kam bald ins Spiel. Er hatte in einem Büro der Flugzeugfirma Boeing gesessen und futuristische Konzepte von Raumschiffen gezeichnet, bevor ihn der Sender CBS engagierte. Dort illustrierte er die "Apollo-Mission" der Nasa und erstellte erste Konzepte für Poster von Science-Fiction-Filmen. Auch Jungregisseur George Lucas wurde aufmerksam auf den Pfeife rauchenden Visionär mit den grauen Koteletten. Sein Name: Ralph McQuarrie.

Der Erste, den Lucas einstellte

Noch bevor Lucas Techniker und Trickprofis anheuerte und die Firma ILM gründete, bevor er Schauspieler suchte, angelte er sich McQuarrie. "Er war der Erste, den ich überhaupt einstellte", sagte George Lucas über den Ausnahmekünstler und Veteranen des Koreakriegs. "Seine Arbeit überzeugte mich, sie war einfach fantastisch. Und er war einfach ein ganz lieber Mensch."

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Star-Wars-Designer McQuarrie: "Mach es so, wie Ralph es gezeichnet hat"

In wenigen Monaten skizzierte McQuarrie Charaktere, Landschaften, Raumschiffe, Monster. Er schuf den Bösewicht Darth Vader im schwarzen Umhang; der Helm erinnerte an die Samurai, von denen George Lucas inspiriert worden war. Auch Darth Vaders gequältes Röcheln, gefiltert durch eine Atemmaske, war Folge von McQuarries Überlegungen: Dieser Schurke musste doch eine Art Atemgerät bei sich tragen, um im All das Vakuum zwischen den Raumschiffen zu durchqueren.

Das Amalgam aus seiner und Lucas' Fantasie hielt der Designer in Skizzen und Produktionsgemälden fest. Eine Welt im Used-Look: In seiner abgeranzten Zukunftsversion waren, im Gegensatz zu den glatten Science-Fiction-Topoi der Siebzigerjahre, die Raumschiffe und Roboter mit Patina und Dellen überzogen; Kopfgeldjäger streunten in zerschlissener Kleidung durchs All. Schon der "Star Wars"-Vorspann erklärte den Zuschauern, die Geschichte spiele "vor langer Zeit in einer weit, weit entfernten Galaxis".

"Er konnte aus Worten Bilder machen"

McQuarrie gab der Idee Gestalt - in atemberaubenden Bildern. Bald wurde er zum Fixpunkt der "Star Wars"-Produktion. Seine Gemälde strotzten vor Fantasie, daran orientierten sich die jungen Filmemacher in Lucas' Firma. Jedem Produktionsgemälde lag eine kleine Geschichte zugrunde. Stets waren die Kameraeinstellungen mitgedacht und wurden oftmals eins zu eins in den späteren Film übernommen - bis zu Details wie herumeilenden Robotern in den Gängen des Todessterns.

Auch viele Spezialeffekte entstanden mit McQuarries Hilfe. In sogenannten Matte Paintings malte er Landschaften oder ganze Planeten auf Glasscheiben. Auf freigelassene Bereiche projizierten Lucas und sein Team dann Bewegtbilder von Raumschiffen oder kämpfenden Rebellen.

"Wenn ich mit meinen Worten meine Ideen nicht ausdrücken konnte", sagte George Lucas über seinen Vertrauten, "dann musste ich nur auf eine von Ralphs fantastischen Zeichnungen zeigen und sagen: 'Macht es so'." Diese Zeichnungen überarbeitete McQuarrie immer wieder, ergänzte Details oder baute neue Entwürfe wie den Millennium Falcon, das Raumschiff von Han Solo, ein.

Nicht nur seine wegweisende Arbeit sicherte ihm eine Sonderstellung im Team. "Ich war um einiges älter als der Rest von ihnen", erzählte er 2004 in einem Interview mit dem Magazin "Star Wars Insider". "Es gab dieses Gerücht, dass niemand über 30 an 'Star Wars' arbeitete. Ich war 45."

Verlust einer Vaterfigur

McQuarrie prägte auch die Fortsetzungen "Das Imperium schlägt zurück" - darin hatte er einen kleinen Auftritt als Rebellen-Kapitän - sowie "Rückkehr der Jedi-Ritter", als graue Eminenz an der Seite von Lucas. Doch als der sich um die Jahrtausendwende an eine neue Film-Trilogie machte, lehnte der Künstler dankend ab. Sein Werk war vollbracht.

Ralph McQuarrie als Actionfigur

Ralph McQuarrie als Actionfigur

Am 3. März 2012 starb Ralph McQuarrie an den Folgen seiner Parkinson-Erkrankung. "Vor über 35 Jahren entwarf ein Künstler eine Galaxie, die Filme für immer veränderte und Generationen inspirierte." So beginnt der Nachruf von Lucasfilm auf den Mann, der mit seinen Bildern den Traum von den Sternen überhaupt erst ermöglichte.

Bis heute werden McQuarries Konzepte und Entwürfe in neuen "Star Wars"-Filmen und Serien verwendet. Seine Bilder begeistern Fans weltweit. Den alten Weggefährten blieb er besonders für seine Bescheidenheit im Gedächtnis.

"Für mich wird er immer dieser sanfte und liebevolle Mann bleiben, der aus Worten Bilder machen konnte", sagte "Star Wars"-Effektguru Dennis Murren in der Dokumentation zu Ehren des Mannes mit dem verschmitzten Lächeln und den magischen Händen. Hinter der dicken Brille standen Murrens Augen voller Tränen.

insgesamt 18 Beiträge
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Hendrik Schein, 17.12.2015
1. Titel statt Vorname
Darth ist ein Titel, ähnlich dem Meistertitel der Jedi, kein Vorname.
Stefan Baldar, 17.12.2015
2.
"Darth ist ein Titel, ähnlich dem Meistertitel der Jedi, kein Vorname." Das hat sich aber erst im Laufe der Fortsetzung der Geschichte so entwickelt. Auch wenn es heute anders dargestellt wird, war Star Wars - Eine neue Hoffnung ursprünglich wohl als einzelner Film konzipiert. Das mehrere Filme daraus wurden, hat sich wohl erst nach dem Monstererfolg des ursprünglichen Films ergeben. .... und somit auch die Notwendigkeit die Story verflochtener zu machen. In Teil IV sprach Obi Wan Darth Vader, seinen früheren Schüler noch mit "Darth" als Vorname an. Damit sich Teil IV in die Gessamtgeschichte wirklich einfügt, darf man an einigen Stellen wirklich einige Augen zukneifen. Nahtlos ist anders.
Alexander Langfellner , 17.12.2015
3.
der Waldmond ist doch Endor, oder täusche ich mich da?
Helmut Böhlke, 17.12.2015
4. Bilder zu den Filmen -Toll!
Ehrenvoll, daß McQuarrie bei C-3PO an Brigitte Helm, als Maschinenmensch aus Fritz Langs Metropolis gedacht hat. Bei vielen seiner Bilder hat McQuarrie aber eindeutig auch Albert Speers Gigantomanie-Architektur-Entwürfe für die damalige -in Planung gewesene Reichshauptstadt "Germania" im Sinne gehabt.
Roger Entner, 17.12.2015
5. Valerian und Laureline
Mehr als zehn Jahre vor Krieg der Sterne waren oh so viele Stilelemente und Figuren schon bei Valerian und Laureline. http://nothingbutcomics.net/2015/12/14/valerian/
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