Starfotograf Uwe Möntmann "Und zack hatte ich das Bild"

Starfotograf Uwe Möntmann: "Und zack hatte ich das Bild" Fotos
Uwe Möntmann

Er knipste Lou Reed heimlich und machte Patti Smith zum Space-Affen: Über Jahrzehnte fotografierte Uwe Möntmann bekannte Künstler. Auf einestages erinnert sich der Fotograf an einen entspannten Jeff Bridges, einen unnahbaren Frank Zappa - und die Bedeutung der kleinen Gesten. Aufgezeichnet von und

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Zwei Dinge haben mich seit meiner Jugend begleitet - Musik und Fotografie. Schon als Zwölfjähriger fuhr ich 1962 begeistert von Weinheim nach Mannheim, um mir Platten zu kaufen. Dank der GIs gab es dort richtig gute Plattenläden und meine Liebe zu Vinyl begann. Später spielte ich dann als Pianist in verschiedenen Bands. Ständig ging ich auf Konzerte, sah mir schon damals in Frankfurt James Brown und Jimi Hendrix an. Musik war immer präsent. Noch heute gleicht mein Büro einem sehr umfangreichen Plattenarchiv.

Als Jugendlicher bekam ich auch meine erste Kamera, eine einfache Kodak "Retina" geschenkt. Mit der bin ich sofort begeistert durch die Stadt gezogen und habe einfach alles fotografiert. Ich verbrachte Stunden im Fotolabor meiner Schule.

Damals faszinierten mich besonders Fotoreportagen wie sie "Time Life" veröffentlichte, oft aus Kriegsgebieten – Fotos, die Geschichten erzählten.

Ich fotografierte Künstler, Musiker, Schauspieler und Poeten.

Mittlerweile besaß ich eine alte, gebrauchte Leica III. Sie war so flach wie eine Tafel Blockschokolade. Ich hatte sie immer dabei. Man konnte sie überall schnell aus der Tasche holen und sie genauso schnell wieder verschwinden lassen. Man hat ja als Fotograf manchmal so ein Gefühl, eine Ahnung - jetzt kommt was - jetzt passiert was!

Der Kontakt zu vielen Künstlern kam zunächst über den S-Press Verlag in München zustande. Unser Verlag war spezialisiert auf akustische Literatur. Was heute als "Hörbuch" ganz aktuell ist, hatten wir in den siebziger Jahren auf Tonbändern herausgebracht - zunächst Lesungen mit deutschen Autoren wie Otto Nebel oder Oskar Pastior. Später folgten dann auch Amerikaner wie Allen Ginsberg, John Cage, Lawrence Ferlinghetti. Und Patti Smith, die mich vielleicht als Künstlerin am meisten beeindruckt hat.

Lou Reed wird sauer

Patti hat zwei Seiten. Als Privatperson ist sie so ruhig, zuvorkommend, geradezu liebevoll. Aber sie kann blitzschnell umschalten. Einmal fragte ich sie, wie sie reagiert, wenn sie auf der Bühne aggressiv angemacht wird. Von einer Sekunde auf die andere sprang sie auf, reckte die Faust in die Luft und schrie "Come on, was willst du? Ich hau dir einen auf die Nase". Und dann saß sie wieder ruhig neben mir und lachte über sich selbst.

Ein Shooting mit Lou Reed für die deutsche "Interview" ist mir besonders in Erinnerung geblieben. Wir saßen zusammen im Restaurant, wurden aber ständig von anderen Gästen gestört. Ich merkte, dass Lou immer grantiger wurde. Sein Manager versuchte ihn zu besänftigen und dann haben wir über Andy Warhol gesprochen, einfach um ihn abzulenken. Obwohl fotografieren untersagt war, habe ich mit meiner Leica auf den richtigen Moment gewartet. Lou zündete sich eine Zigarette an und - zack – hatte ich mein Foto. Ohne Blitz!

Von Jeff Bridges fotografiert

Überrascht hat mich der Schauspieler Jeff Bridges, dessen Fotoarbeiten zur Zeit in Düsseldorf ausgestellt werden. Er arbeitete schon immer mit einer Panorama-Kamera und ich muss sagen, er macht wunderbare Fotos. Wir trafen uns in München zu einem Interview über seinen damaligen aktuellen Film. Und irgendwie kamen wir im Verlauf unserer Unterhaltung auf Musik, Kameras und Fotografie zu sprechen, was dazu führte, dass wir uns zum Abschluss gegenseitig fotografierten. Genau so lief es mit Joey Ramone dem Leadsänger der Gruppe Ramones. Das Eis zwischen uns war schnell gebrochen, nachdem er sich als begeisterter Fotograf geoutet hatte.

Nicht mit allen war es so leicht wie mit Patti Smith oder Jeff Bridges. Frank Zappa zum Beispiel war zunächst wirklich unnahbar, obwohl mein Portrait von ihm eine andere Sprache spricht. Als Fotograf von Rockstars stehe ich am liebsten ganz nah vor der Bühne – Face to Face. Keine geklauten Fotos, kein Teleobjektiv.

Es gibt ein Foto von Patti Smith, das habe ich "Space Monkey" genannt. In der Bewegung verwischt ihr Gesicht fast zu einer Francis-Bacon-Grimasse. Es war nicht meine Absicht, sie unattraktiv zu zeigen, vielmehr bin ich immer daran interessiert

die jeweilige Stimmung einer Begegnung herauszuarbeiten. Manchmal helfen da auch die kleinen individuellen Gesten. Wie sich eine Person durch die Haare streicht, eine Tasse absetzt - oder sich eine Zigarette anzündet.

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1.
Rainer Bruhn 18.10.2010
Finde die Bilder ausgesprochen banal und langweilig. Starfotograf? Man ist nicht Starfotograf , nur weil man zufällig in der Nähe der Stars mehr oder weniger diletantisch ne Kamera in die halbwegs richtige Richtung gehalten hat. Mein Redakteur in den 80zigern hätte mich nochmal losgeschickt wenn ich ihm diesen Quatsch vorgelegt hätte. Heldengeschichten sind eine, gute Bilder ne andere Sache. Vielleicht hätte Meister Möntmann einfach ein paar Bier mehr mit den Leuten trinken und die Kamera zuhause lassen sollen.
2.
Dirk Götz 18.10.2010
Kann mich meinem Vorredner nur anschließen. Vom Fotografenhandwerk hat Herr Möntmann ganz offensichtlich keinerlei Ahnung, woanders würden solche Werke als Ausschuss wegsortiert. Und die dazu gereichten Anekdoten sind auf Sack-Reis-in-China-Niveau. Reichlich wirr, das alles.
3.
Eugen Menken 19.10.2010
Na, dann drücke ich die Daumen, dass auch sie ihren Enkeln solche Geschichten von chinesischen Reissäcken erzählen können, oder sie diese der erlauchten SPON-Leserschaft präsentieren. Bilder die Geschichten erzählen oder Geschichte untermalen wie diese hier, sind natürlich in Zeiten der technisch perfekten Insektenmakros ziemlich belanglos.
4.
Tim Hofmann 14.04.2014
Also, den Space-Monkey-Schnappschuss finde ich richtig bemerkenswert, der hat doch Sonderklasse! Allerdings, wenn man den Rest so sieht, muss man schon sagen: Ein Glückstreffer. Die Restbilder haben teilweise das Niveau von Urlaubsschnappschüssen. Ich finde nicht, dass sie darüber hinaus irgendwelche "Geschichten erzählen". Das kann jeder, wenn Merkel zufällig hinten ins Bild läuft - wofür der Fotograf nix kann außer dass er einen gewissen privilegierten Zugang hat...
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