Tiere als TV-Helden Stark behaarte Filmstars

Tiere als TV-Helden: Stark behaarte Filmstars Fotos
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Sie zicken nicht rum, verlangen keine Gage, und wenn sie sterben, können sie problemlos ersetzt werden: Tiere wie Lassie, Fury und Flipper sind einfach die besseren Schauspieler! Trotzdem ist die Welt der TV-Tiere voll von großen Missverständnissen: Der berühmteste Fernsehhund der Welt zum Beispiel ist ein Transvestit. Von

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Der Typ war echt anstrengend! In der amerikanischen TV-Serie "Lassie" spielte 1954 der 13-jährige Tommy Rettig den Jungen Jeff Miller. Jeff war das erste Herrchen von Lassie, einem klugen und kuschelig-langhaarigen Hund, mit dem er eigentlich immerzu spannende Abenteuer erlebte. Mindestens so turbulent wie auf der Farm von Jeffs Mutter Ellen Miller in einer ländlichen Gegend irgendwo in den USA ging es bei den Dreharbeiten hinter den Kulissen zu. Denn Jeff alias Tommy Rettig war im wahren Leben gegen Hunde allergisch. Jedes Kuscheln mit Lassie war für ihn eine Tortur. Außerdem stritt sich der hochgelobte Kinderstar immer wieder mit seinem Kollegen Joey Vieira, der Jeffs besten Freund Porky spielte. Nach vier stressigen Jahren am Set war Tommy schließlich zu alt für die Kinderrolle und wurde 1957 ausgetauscht.

Weit unkomplizierter gestaltete sich hingegen die Arbeit mit den Darstellern von Lassie. Und das, obwohl die Hündin konsequent von Rüden gemimt wurde. Denen schien es aber nichts auszumachen, dass sie - in die weibliche Hauptrolle gezwängt - ihrer männlichen Attribute beraubt wurden, zumindest optisch. Denn um die Zuschauer nicht mit Geschlechter-Ratespielen zu verwirren, waren die männlichen Geschlechtsteile stets mit Kunstfell bedeckt.

Warum aber spielten Rüden überhaupt die weibliche Hauptrolle? Ganz einfach: Collies befinden sich im Sommer - der Hauptzeit der Dreharbeiten - im Fellwechsel. Vor allem weibliche Tiere sind dann besonders dünn - und keineswegs so prächtig, wie man sich eine vierbeinige Heldin vorstellt, die Verbrecher stellt und Kinder aus brennenden Häusern rettet. Darsteller wie Pal oder Howard spielten ihre Rolle aber grandios und ließen keinen Unterschied erkennen - auch nicht untereinander: Wohl kaum einem Zuschauer fiel auf, dass Lassie über die Jahre von vielen verschiedenen Hunden verkörpert wurde. Die Vierbeiner waren perfekte Schauspieler!


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Filmtod für den Enkel

Viel komplizierter ging es zu, wenn Menschen im Spiel waren. Allein das altersbedingte Ausscheiden Tommy Rettig alias Jeff Miller stellte die Macher der Serie für große Herausforderungen: Um seinen Abgang für die Zuschauer plausibel zu machen, waren grobe Eingriffe ins Drehbuch nötig: Jeffs Großvater starb den Filmtod, seine verwitwete Mutter konnte die Farm allein nicht mehr halten und zog mit ihrem Sohn in die Stadt. Kurz vorher hatte Lassie den Waisenjungen Timmy gefunden, der prompt von den neuen Besitzern der Farm, dem Ehepaar Martin, adoptiert wurde. Da sich Lassie in der Stadt nicht wohlfühlen würde, durfte sie bei den Martins auf der Farm bleiben.

Was für Umstände - und dann war die neue Idylle noch nicht einmal von Dauer. Zwischen Cloris Leachmann, der Darstellerin von Ruth Martin, und George Chandler, der den Onkel Petrie spielte, kam es bereits nach einem Jahr zu unüberwindlichen Streitereien - Cloris Leachman wollte sogar die Serie verlassen. Sie einfach auszutauschen, kam jedoch nicht in Frage: Die Zuschauer sollten ja nicht denken, die Martins hätten sich scheiden lassen. Diesen Eindruck wollte man dem jungen Publikum nicht zumuten. Also wurde nicht nur die Rolle der Ruth, sondern auch gleich die ihres Ehemanns Paul neu besetzt.

Dem Erfolg der Serie tat das keinen Abbruch. Die Rolle der Heldin war schließlich unumstritten. 1960 erhielt Lassie einen Stern auf dem Walk of Fame in Hollywood. Wie auch der Schäferhund Rin Tin Tin, der Urvater aller Fernsehtiere und Filmstar der zwanziger Jahre.

Karriere dank Missverständnis

Die Wild-West-Abenteuer Rin Tin Tins mit dem kleinen Jungen Rusty liefen ebenfalls 1954 in den USA als Fernsehserie an. Zu diesem Zeitpunkt allerdings war der Originalhund, der den Ruhm begründet hatte, längst gestorben. Mit dem Schäferhund Golden Boy junior fand er einen würdigen Nachfolger - auch wenn der sich bei besonders gefährlichen Szenen von Stuntdogs doublen ließ.

Der Erfolg von Lassie und Rin Tin Tin begründete die Karrieren weiterer tierischer TV-Stars. Serien mit animalischen Helden erlebten in den fünfziger und sechziger Jahren einen Boom in den USA und bald auch weltweit. Ob Mustang Fury, Delphin Flipper oder hierzulande Kommissar Rex - das überwiegend junge Publikum nahm den tierischen Seriendarstellern einfach ab, dass sie mutig, treu und stets loyal sind. Die freundlichen und offenbar immer gutgelaunten Wesen machten keine Fehler, logen und betrogen nicht und plauderten auch keine Geheimnisse aus.

Manchmal beruhte die Karriere eines Fernsehtiers allerdings auch nur auf einem Missverständnis. Wie beim Schimpansen Charlie, dem Affen aus der gleichnamigen ZDF-Vorabendserie. Anthropomorphismus nennen Psychologen die Neigung von uns Zuschauern, Gestik und Mimik von Tieren nach menschlichem Muster zu deuten. Häufig kommt es dabei zu Fehlinterpretationen: Wenn beispielsweise ein Schimpanse seine Zähne zeigt, mag das wie ein freundliches Lachen aussehen - doch in Wahrheit ist das eine Drohgebärde. Der Affe signalisiert seinem Gegenüber, dass er zum Angriff bereit ist. Und wann immer sich Zuschauer über den freundlich grinsenden Schimpansen freuten, wollte dieser wahrscheinlich einfach nur in Ruhe gelassen werden.

Unkooperative Kängurus

Womöglich sind einige Schauspieler auf vier Pfoten nur deshalb auch noch nach Jahrzehnten erfolgreicher als ihre Menschenkollegen, weil sie jahrelang falsch verstanden wurden.

Einem großen Missverständnis erlagen wohl auch australische Filmproduzenten, als sie 1966 ein Känguru zur Hauptfigur ihrer TV-Serie wählten. Weil tierische TV-Stars auch in Down Under über alle Maßen beliebt waren und man den Markt nicht allein den Amerikanern überlassen wollten, produzierten sie im Ku-ring-gai Chase National Park nördlich von Sydney die Serie "Skippy, das Känguru".

Sonny, der Sohn eines Wildhüters in einem australischen Nationalpark, freundete sich darin mit einem Känguru namens Skippy an, das heldenhaft Verbrecher stellt und Menschen vor Buschfeuern und weiteren Gefahren rettet. Leider waren die meisten Känguru-Darsteller nicht ganz so kooperativ, wie es ihre Rolle verlangte. Mit viel Mühe mussten später die etlichen Helfer, von denen Skippy geführt wurde, aus dem Film herausretuschiert werden.


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1.
Susanne Best 18.09.2013
Ergänzend sollten noch Fury,die Abenteuer des schwarzen Hengst, USA 1955-1960 und,was mir als Kind und auch heute noch immer eine Freude war : die Geschichten über die Löwin Elsa nach dem Buch von Joy Adamson,die gemeinsam mit ihrem Mann,dem Wildhüter George Adamson,eine Löwin aufzogen und auswilderten. Frei geboren 1966, 3 Strolche in der Wildnis 1972, und später die Serie 1974, Born free.Sonntags morgens als Kind war Born free für mich ein muss! Leider ist die Serie bisher nicht wiederholt worden.
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