Tierischer Geburtstag Gib dem Affen Kuchen

Tierischer Geburtstag: Gib dem Affen Kuchen Fotos
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Das Rauchen aufgeben, nach Palms Springs ziehen und anfangen zu malen: Cheeta, die Schimpansen-Legende aus den "Tarzan"-Filmen, macht es wie alle alternden Filmstars. Dem Affen scheint das gut zu bekommen - er hält einen einsamen Rekord. Von Gesche Sager

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Im kalifornischen Rentnerparadies Palm Springs wird an diesem 12. April ein 76. Geburtstag gefeiert. Kein sehr außergewöhnliches Ereignis, aber ein außergewöhnliches Geburtstagskind - und ein echter Filmstar. Der ehrwürdige Jubilar ist der Schimpanse Cheeta, bekannt als treuer Begleiter Johnny Weismüllers in den "Tarzan"-Filmen der Dreißiger und Vierziger. Seinen Ehrentag feiert er in einem Altersheim für in Rente gegangene Affen aus Kinofilmen, Fernsehserien und Werbespots.

Inzwischen an Diabetes erkrankt, aber immer noch recht fit für sein Alter, verbringt Cheeta seine Tage wie andere in die Jahre gekommene Filmstars auch: Er malt, Stilrichtung "Ape-stract Art", spielt Klavier oder sieht fern - am liebsten Zeichentrick- und Tierfilme. Das Rauchen hat er schon vor Jahren aufgegeben und an seinem Geburtstag im letztem Jahr gab es dann auch nur Diätcola zur Sahnetorte.

Der ehemalige Showstar hat sich seinen Ruhestand aber auch gründlich verdient, denn Cheeta hat nicht nur ein langes, sondern auch ein aufregendes Leben hinter sich. Seine Karriere begann bereits 1932, als der Hollywood-Tiertrainer Tony Gentry den damals erst wenige Monate alten Schimpansen unter seiner Jacke in ein Flugzeug von Liberia in die USA schmuggelte.

Der illegale Einwanderer, der übrigens bis heute keine "Green Card" hat, spielte sich noch im selben Jahr in dem ersten Tarzan-Film "Tarzan the Ape Man" in die Herzen der Kinozuschauer. Insgesamt wirkte Cheeta in etwa 50 Filmen mit, die genaue Anzahl bleibt allerdings ein Hollywood-Mysterium. Einige Quellen behaupten beispielsweise Cheeta hätte als Bonzo an der Seite von Ronald Reagan in "Bedtime for Bonzo" den Affen gemacht - belegt ist das aber nicht.

Ein unwürdiger Doppelgänger

Bei einem Auftritt ließ sich Cheeta allerdings doubeln. 1971 trat Johnny Weismüller, der vor seiner Schauspielkarriere Olympiasieger im Freistilschwimmen gewesen war, im "Aktuellen Sportstudio" des ZDF auf und brachte nicht nur seine sechste Frau Maria, sondern auch einen Schimpansen mit. Dieser war offensichtlich wenig begeistert von der Situation. Um seinem Unmut Ausdruck zu verleihen, biss der Affe Weismüller in den Hals, pinkelte den Filmstar an und riss schließlich als Höhepunkt des Auftritts Maria Weismüller die Perücke vom Kopf.

Ein derartiges Benehmen wäre allerdings einem echten Star wie Cheeta unwürdig und es stellte sich später heraus, dass für den Fernsehauftritt ein Zooaffe namens Porgy engagiert worden war, von dem seither niemand mehr etwas gehört hat.

Der echte Cheeta hatte seinen letzten Auftritt schließlich 1967 in dem Film "Doctor Dolittle" an der Seite von Rex Harrison. Allerdings hatte er keine Hauptrolle mehr, sondern spielte lediglich in einer Gruppenszene den Vierten von links und wurde nicht einmal mehr im Abspann erwähnt. Zu späten Ehren kam Cheeta erst 1995, als er endlich seinen Stern auf den Sunset Boulevard in Los Angeles bekam.


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Freundschaft bis in den Tod

Bis in die späten Achtziger verbrachte Cheeta einen friedlichen Ruhestand bei seinem Besitzer Tony Gentry. Doch ein Schicksalsschlag zerstörte die Idylle - Tony wurde schwer krank. Er wusste, dass sein bester Freund ihn überleben würde und hatte Angst, Cheeta würde in einem Zoo, Zirkus oder noch schlimmer, in einem Labor enden. So verfügte Gentry, dass, wenn er starb, Cheeta eingeschläfert werden sollte.

Zum Glück hatte Tony jedoch einen ebenso tierlieben wie hartnäckigen Neffen, Dan Westfall, der seinen Onkel immer wieder bat, Cheeta zu sich nehmen zu dürfen. Es dauerte mehrere Jahre, bis Dan es schaffte, Tony, der inzwischen an den Rollstuhl gefesselt war, zu überreden, ihm Cheeta zu überlassen. Tränenreich verabschiedete Tony sich schließlich von Cheeta und Dan versprach seinem Onkel, für den Schimpansen zu sorgen - was er sich seitdem zur Lebensaufgabe gemacht hat.

Am 30. April 1991 gründete Dan Westfall dann C.H.E.E.T.A. ("Creative Habitats and Enrichment for Endangered and Threatened Apes") - ein Heim für alte Showbizz-Affen.

Cheeta ist heute der älteste bekannte Affe der Welt und der letzte noch lebende seiner Ära. Normalerweise werden Schimpansen, deren Erbgut übrigens zu 98 Prozent mit dem von Menschen identisch ist, nur etwa 40 Jahre alt. Aber das südkalifornische Klima und die gute Pflege scheinen ihm gut zu bekommen. Seinen Filmpartner Johnny Weismüller, der 1984 starb, hat der Methusalem unter den tierischen Filmstars jedenfalls bereits um Jahrzehnte überlebt.


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