Japans Flugzeugträger-U-Boote Untergang der tödlichen Riesen

Japans Flugzeugträger-U-Boote: Untergang der tödlichen Riesen Fotos

Schrecken aus der Tiefe: Mit den U-Booten der I-400-Klasse baute Japan im Zweiten Weltkrieg riesige Monstren aus Stahl, die unter Wasser Kampfbomber transportieren und per Katapult in die Luft schleudern konnten. Technologisch waren sie ihrer Zeit Jahre voraus - und dennoch völlig erfolglos. Von

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Eigentlich hatte der Meeresforscher Terry Kirby nur ein neues Tauchboot testen wollen, als er sich am 17. März 2005 zum Grund des Ozeans vor Hawaii hinab begab - aber mit dem, was ihn dort unten erwartete, hatte er nicht gerechnet: Im Scheinwerferlicht seines Bootes ragten vor ihm plötzlich die Umrisse eines riesigen Objekts auf. Der unheimliche Anblick raubte ihm den Atem: "Zuerst dachten wir, es wären Felsen", so Kirby, "aber es war zu groß, und an den Seiten ging es immer weiter nach oben, oben, oben, drei oder vier Stockwerke hoch. Es war ein Leviathan dort unten, ein Monster". Und tatsächlich war es eine Art Monstrum, das Kirby und sein Team da wiederentdeckt hatten - das letzte erhaltene Exemplar einer japanischen Geheimwaffe, die beinahe den Verlauf des Zweiten Weltkriegs verändert hätte.

Die Idee zu dieser Waffe stammte wahrscheinlich von Großadmiral Isoroku Yamamoto persönlich, dem Befehlshaber der Kaiserlich Japanischen Marine. Damals, im Jahr 1942, standen japanische Truppen bereits in China, Thailand, Hong Kong, Singapur, Indochina, Indonesien, Neu-Guinea, auf den Philippinen und in Birma, vor den Toren von Britisch-Indien. Yamamotos Aufgabe war es, den Truppen im Osten den Rücken freizuhalten und den USA einen so vernichtenden Schlag zu versetzen, dass sie nicht mehr in den asiatischen Kriegsschauplatz eingreifen könnten. Den ersten Schritt in diese Richtung hatte das japanische Militär bereits mit dem Überfall auf Pearl Harbour getan. Der Angriff auf die dort ankernde US-Pazifikflotte hatte jedoch nicht das erwünschte Ergebnis gezeitigt. Die wertvollsten Schiffe hatten den Hafen kurz vor der Attacke verlassen und blieben daher funktionstüchtig.

Yamamoto war zwar ein Hardliner, aber ein skeptischer Hardliner. Er war sicher: Wenn die wirtschaftlich überlegenen USA nicht rasch zu einem Waffenstillstand zu bewegen wären, würde Japan den Krieg mittelfristig verlieren. Deshalb wollte er den Krieg aufs amerikanische Festland tragen. Bald beschossen japanische U-Boote ein Ölfeld in Kalifornien, einen Leuchtturm in Kanada und eine Festung in Oregon. Die militärische Wirkung war kümmerlich, die psychologische und propagandistische dagegen enorm. Um den Feind mitten ins Herz zu treffen, also für Attacken auf New York und Washington D.C., wollte Yamamoto die Vorteile von Unterwasserfahrzeugen mit denen von Flugzeugen kombinieren. Er forderte den Bau einer Flotte tauchender Flugzeugmutterschiffe: 18 U-Boote, die ohne Auftanken einmal den Globus umrunden könnten und an Bord genug Platz für drei Sturzkampfbomber hätten.

Unsichtbar für den Sonar

Das Hauptproblem, die Unterbringung der Flugzeuge, war schnell gelöst. Die Japaner konstruierten einen röhrenförmigen und wasserdichten Hangar, der dem Boot aufgepflanzt wurde. Darin war Platz für drei Sturzkampfbomber vom Typ Aichi M6A "Seiran" ("Bergnebel") mit eingeklappten Tragflächen und Seitenrudern. Per Katapult konnten sie über die Nase des Bootes hinweg gestartet werden. Ein Kran sollte die schwimmfähigen Flugzeuge nach dem Einsatz wieder an Bord heben. Die Technik für das Start-Katapult hatten die Japaner von ihrem Verbündeten Deutschland erhalten, ebenso wie das Periskop, den Schnorchel und eine spezielle Kunststoffbeschichtung, die das Boot für eine normale Sonar-Ortung unsichtbar machte.

Eine Konstruktion, die auch ihre Tücken hatte: Der Hangar war so schwer, dass er das Boot zum Kentern gebracht hätte. Also schweißten die Konstrukteure gleich zwei riesige Hohlkörper in Zylinderform nebeneinander, in denen die Piloten und die rund 140 Mann starke Besatzung untergebracht waren. Dieser Doppelrumpf machte das waffenstarrende Boot stabil - und riesig: Mit seinen bis zu 6500 Tonnen hatte es die Verdrängung eines leichten Kreuzers. Erst die Atom-U-Boote der Benjamin-Franklin-Klasse erreichten ab 1959 wieder ähnliche Ausmaße.

Was tun mit so einem Monstrum? Am 13. Januar 1942 hatte Yamamoto das Projekt im Flottenhauptquartier beschlossen - und schon am 18. April 1942 änderten sich die Prioritäten der japanischen Admiralität. An diesem Tag griffen US-Bomber überraschend Tokio an und erinnerten Japan daran, dass es die endlosen Weiten des Pazifiks vernachlässigt hatte. Kurz wurde erwogen, Städte an der US-Westküste mit Hilfe der I-400-Boote mit biologischen und chemischen Waffen anzugreifen. Doch bis das erste Boot der neuen Klasse ausgeliefert wurde, hatten sich seine taktischen Ziele erneut verändert: 1943 sahen sich die Japaner nach der vernichtenden Niederlage bei Midway mit einer amerikanischen Übermacht konfrontiert, der sie kaum mehr Paroli bieten konnten. So wurde ein neuer Einsatzzweck für die Unterseeboote gefunden: der Panamakanal.

Ein direkter Angriff auf die Schleusen wurde verworfen, lohnender schien es, die Talsperren am Gatún-See zu zerstören. Eine solche Attacke hätte die Wasserstraße für mindestens sechs Monate unpassierbar gemacht und den Nachschub für die US-Pazifikflotte empfindlich beeinträchtigt. Ein japanischer Ingenieur, der beim Bau der Talsperren beteiligt gewesen war, versorgte die Marine mit den entsprechenden Plänen. Die Admiralität ließ den Damm aus Holz nachbauen und Piloten darin ausbilden, das Bauwerk mit Bomben und Torpedos anzugreifen. Weil der pazifische Ausgang des Kanals schwer bewacht war, fassten die Japaner den Plan, die Flugzeuge von der U-Boot-Flotte vor der kolumbianischen Küste starten zu lassen. Die Piloten sollten zunächst nach Nordosten fliegen, dann auf das Ziel einschwenken und den Kanal von der karibischen Seite angreifen - notfalls als Kamikaze.

Zwangsverschrottung gegen den Kommunismus

Kaum waren die japanischen Streitkräfte bereit für den Einsatz, war auch dieser Plan schon wieder hinfällig: Die Amerikaner hatten mit Okinawa inzwischen eine der japanischen Hauptinseln eingenommen, was den Einsatzplan für die gebauten drei I-400-Flugzeugmutterschiffe erneut änderte. Jetzt sollten die Boote in einer Verzweiflungstat die 14 US-Flugzeugträger attackieren, die sich beim Ulithi-Atoll für einen Angriff auf das japanische Festland rüsteten. Zur Verwirrung der Gegner wurden die Kampfbomber an Bord der U-Boote mit amerikanischen Hoheitszeichen ausgestattet, die Boote liefen getrennt aus und sollten gemeinsam losschlagen. Noch während sie ihr Ziel ansteuerten, fielen die Bomben auf Hiroshima und Nagasaki. Kurz darauf kapitulierte Japan.

Am 22. August 1945 erhielten die Boote ihren letzten Befehl: Man solle alle Waffen und Flugzeuge zerstören und sich den Amerikanern ergeben. Der Krieg war vorbei. So kam I-401, das zweite Boot der Flotte, schließlich nach Hawaii, wo es von staunenden Spezialisten der US-Marine inspiziert wurde. Schon bald fiel es jedoch dem bereits heraufdämmernden Kalten Krieg zum Opfer: Da die USA ihren Verbündeten Einblicke in ihre Erkenntnisse gewähren mussten und zu jener Zeit auch die Sowjetunion - zumindest nominell - noch zu diesen Alliierten gehörte, beschloss man, die überlegene japanische Technologie lieber zu vernichten, als den Sowjets Zugang zu einem Waffensystem zu gewähren, das seiner Zeit um fast 20 Jahre voraus war.

Und so folgte I-401 am 31. Mai 1946 dem Schicksal seiner beiden Schwesterboote - als Zielscheibe der US-Marine. Es wurde vom amerikanischen Militär mit neuentwickelten elektronischen Torpedos beschossen und sank auf den Grund des Ozeans, den es eigentlich hatte beherrschen sollen.

Der Schriftzug "I-401" ist laut Terry Kirby auf beiden Seiten des Turm noch heute sichtbar, und auch die Flugabwehrgeschütze sind noch deutlich zu erkennen. Bedrohlich wirken sie allerdings längst nicht mehr: In ihren Mündungen wohnen Fische.

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1.
Florian Geier 03.01.2013
Daß zwischen dem geplanten Angriff auf den Gatún-See und Okinawa zwei volle Jahre lagen, geht aus dem Artikel nicht hervor und dürfte auch manch jüngerem Leser nicht bekannt sein. Angriffe auf die USA-Ostküste waren schon Mitte 1943 wegen der Luftraumüberwachung durch Flugzeug-Funkmeßsysteme aussichtslos.
2.
Adrian Dunskus 03.01.2013
Schöner Artikel, aber einen Fehler enthält er doch: Okinawa ist mitnichten eine der drei japanischen Hauptinseln. Das sind Honshu, Kyushu und Shikoku. Okinawa ist eine Inselgruppe 500 Kilometer südlich von Kyushu und somit rund 2.000 Kilometer südwestlich von Tokyo. Der Landung der Alliierten auf Okinawa am 1. April 1945 ging am 19. Februar die Landung auf Iwojima voraus, einer Insel 1200 Kilometer südlich von Tokyo. In Iwojima betraten zum ersten Mal alliierte Soldaten japanischen Boden.
3.
Fjodor Lingen 03.01.2013
Die von den Deutschen adaptierte Tarntechnologie Alberich hat das U-Boot bei Weitem nicht unsichtbar gegenüber Sonar gemacht sondern das Echo um maximal 15% reduziert. Die in dem Artikel besonders hervorgehobene Größe der U-Boote dürfte in Sachen "Unsichtbarkeit" eher noch hinderlich gewesen sein. Und was an drei Jagdbombern mit Schwimmern die die Flugzeuge langsamer und träger machen als Angriffsbewaffnung und einem überschweren U-Boot der Zeit um 20 Jahre voraus sein soll erschließt sich mir nicht.
4.
Stefan Krause 03.01.2013
Na ja, der ganze Artikel ist etwas reißerisch geschrieben, aber die Aussage: > ...einer japanischen Geheimwaffe, die beinahe > den Verlauf des Zweiten Weltkriegs verändert hätte ist einfach mal völlig übertrieben. Unmassen Material, Arbeitskraft und Werftkapazitäten für mehrere kaum einsetzbare Riesen-U-Boote zu verballern, um mit Riesenaufwand gerade mal jeweils drei Flugzeuge an irgendwelche Einsatzorte zu transportieren kann man als Schwachsinn oder Irrsinn bezeichnen, aber der Verlauf des zweiten Weltkriegs hätte durch die dinger bestimmt nicht verändert werden können.
5.
Johann Knobloch 03.01.2013
Ein Spiegel-Artikeln sollte frei sein von Stockfehlern, treten sie dann noch so gehäuft auf wie hier - peinlich. Allein dieses alberne "hätte den Krieg beeinflussen können", hat der Autor keinen historischen Sachverstand ? Selbst 300 dieser U-Botte hätten nichts bewirkt.
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