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Ufo-Mekka Roswell Invasion auf der Schafsweide

Ufo-Mekka Roswell: Invasion auf der Schafsweide Fotos
AP

Aliens im Anflug! 1947 stürzte bei Roswell im US-Bundesstaat New Mexico ein mysteriöses Flugobjekt ab. Erst sprach die Armee von einem Ufo, dann von einem Wetterballon. Doch bis heute haben die Einheimischen gute Gründe, den amtlichen Beteuerungen nicht zu glauben. Von

Roswell ist ein tristes Kaff. Wer den Ort mitten in New Mexico erreichen will, muss dreieinhalb Stunden einsame Fahrt durch die Halbwüste auf sich nehmen. Dort angekommen, findet er an der Main Street ein gesichtsloses Rathaus, Schnellimbisse, staubige Fassaden, leere Läden und einen Gerichtstempel, davor die in Marmor gemeißelten Zehn Gebote. Der Wind treibt Tumbleweed übers schmelzende Pflaster.

Doch einmal im Jahr blüht Roswell auf. Jeden Juli pilgern Zehntausende ins glutheiße Herz des US-Südwestens. Sie kostümieren sich als Aliens, zuckeln in selbstgebauten Papp-Ufos über die Straße, schlurfen durchs Ufo-Museum, dozieren über fliegende Untertassen - und manchmal auch darüber, wie sie von solchen entführt wurden. "1960 war das, ich war dreieinhalb", gestand Derrel Sims, selbsternannter "Alien-Jäger", dem Reporter von SPIEGEL ONLINE einmal bei einem Besuch in Roswell. "Als nächstes lag ich auf einem OP-Tisch. Ich hörte, wie die Aliens über meine anstehende Gehirnoperation diskutierten."

Sims, Ufo-Souvenirhändler und "Experte für Alien-Implantate", ist kein Sonderfall. Die USA wimmeln von "Ufologen", und Roswell, das Kaff im Backofen New Mexico, ist ihr heiliger Gral. Niemand kann die Enthusiasten davon abbringen: Hier, auf einer Farm, stürzte Anfang Juli 1947 ein Ufo ab. Die Gemeinde selbst facht den Mythos kräftig an, auch in der Hoffnung auf Touristen-Dollar und Hollywood-Ruhm: In diesem Sommer lockt zum Beispiel ein dreitägiges "Ufo-Festival" samt "internationaler Ufo-Konferenz" und nächtlicher "Ufo-Lichterparade" über die Main Street.

Das hätte sich der Ranchvorarbeiter Mac Brazel kaum träumen lassen, als er damals nach einer lauten Gewitternacht sein Land abritt, um nach den Schafen zu schauen. Er fand mysteriöse Trümmer, die Erde war aufgewühlt. Brazel sammelte ein paar Stücke auf und brachte sie zum Sheriff. Der alarmierte das Militär, das wiederum die Weide absperrte und die Wrackteile in einen nahen Hangar schaffte.

Am 8. Juli 1947 gab die bei Roswell stationierte Armeeeinheit eine spektakuläre Pressemeldung heraus: Es handele sich um die Reste einer "fliegenden Untertasse" - eine Sensation, die von allen Zeitungen verbreitet wurde. Die "Roswell Daily Record" zitierte zwei weitere Augenzeugen ("Mr. und Mrs. Dan Wilmot"), die das Ufo von ihrer Veranda aus erblickt hätten: "Es war weniger als eine Minute in Sicht."

Kurz darauf zog die Armee alles auf einer Pressekonferenz wieder zurück: Es sei kein Ufo, sondern nur ein havarierter Wetterballon.

Seitdem blühen die Spekulationen. Immer mehr Zeugen meldeten sich. Details machten die Runde: Das Wrack sei aus schwerelosem Metall gewesen, aus unzerstörbarer Alufolie, Hieroglyphen hätten sich darauf befunden. Auch Aliens seien gefunden worden, einige tot, einige lebendig. Eine Krankenschwester, die sie skizziert habe, sei kurze Zeit später spurlos in England verschwunden.

Verharmlosung der Militärs?

Dann wurde es wieder still. Bis 1978, als der Physiker Stanton Friedman den Armeemajor Jesse Marcel interviewte, der an der Bergung beteiligt gewesen war. Marcel sprach von einem vertuschten Ufo-Fund. Das trat die Lawine aufs Neue los. Es gab Bücher, Studien, Filme. Vieles entpuppte sich als Hokuspokus und mancher "Ufologe" als Hochstapler. Die Zweifel an der offiziellen Version aber blieben.

Selbst zwei Regierungsberichte von 1995 und 1997 konnten die Ufo-Jünger nicht überzeugen. Demnach war das Wrack das Resultat eines missglückten Spionageprogramms namens "Project Mogul": Höhenballons hätten Atombombentests und Langstreckenraketen der Sowjets aufspüren sollen, die "Wesen" seien Testpuppen gewesen.

Aber vor allem die Einheimischen glauben den amtlichen Beteuerungen bis heute nicht. Warum auch? 1945 wurde rund 200 Kilometer westlich von Roswell die erste Plutoniumbombe der Welt gezündet, Vorläufer der Nagasaki-Bombe. Auch damals verharmloste das US-Militär den Atompilz als "Munitionsexplosion".

"Eine folienartige, metallische, graue Substanz"

Eine der abenteuerlichsten Erklärungen für den "Roswell-Vorfall" lieferte voriges Jahr die Journalistin Annie Jacobsen. In ihrem Buch "Area 51" über das gleichnamige Top-Secret-Militärgelände in Nevada, dem ebenfalls seit jeher Ufo-Gerüchte anhängen, stellte sie eine neue Theorie auf: Die Wesen seien vom Nazi-Arzt Josef Mengele brutal deformierte Kinder gewesen - von den Sowjets in das Flugobjekt gezwungen, um die USA in Panik zu stürzen.

Nur wenige Protagonisten von einst sind noch in der Szene aktiv. Ihr König ist Jesse Marcel Jr., Sohn des kritischen Majors. Der Irak-Veteran war acht, als sein Vater ihn in jener Julinacht geweckt und ihm die Trümmer gezeigt habe: "Eine folienartige, metallische, graue Substanz und Fragmente dessen, was wie ein Stab aussah, mit violettfarbenen Hieroglyphen."

Auch Stanton Friedman tingelt weiter weltweit über die Ufo-Messen, hält verärgerte Vorträge und ist ein regelmäßiger Gast in Roswell, wo er aus seinem Standardwerk "Crash at Corona" liest, benannt nach dem Nachbarort von Roswell. "Warum lügen sie uns an?", fragt er dabei gerne. "Weil Regierungen lügen dürfen."

In Roswell ist ihnen das nur recht: Die Ufo-Manie ist seine größte, wenn nicht einzige Einnahmequelle. "Aliens Welcome", grüßen die Neonlichter. Die Main Street ist von Ständen gesäumt, an denen es Außerirdische in jeder Form zu erstehen gibt - Schlüsselanhänger, Aufkleber, Magneten, aufblasbare Puppen. "Roswell", wirbt die Stadtverwaltung auf ihrer Ufo-Website: "Ein toller Ort zum Abstürzen."

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1.
Volker Altmann, 29.06.2012
Das beste Mittel um eine Sache unglaubwürdig zu machen - man nennt es eine Verschwörungstheorie. Schon landen eventuelle Beweise in der Kategorie "Propaganda" oder "Esotherik-Unfug" usw. Dass es ein leichtes für die US-Armee ist, aus einem vermeintlichen Ufo einen Wetterballon zu machen - wer zweifelt daran? Ob Tatsache oder nicht - wir sollten alle froh sein, wenn es nicht wirklich zum Besuch von Aliens kommt. Sie wären uns wohl nicht nur technisch überlegen, schaffen wir es doch gerade mal den Mond zu besuchen. Wobei auch das unter Verschwörungstheoretikern bezweifelt wird. Wie auch immer - für die Beantwortung der Frage, was eine höher entwickelte Kultur mit einer niedriger entwickelten Kultur so anstellt, brauchen wir nicht in den Sternen zu lesen. Unsere eigene Menschheitgeschichte zeigt da bis zum heutigen Tag grausame Fakten auf, die uns wünschen lassen sollten, dass jeglicher Alien-Besuch an uns vorüber geht.
2.
Gerd Esser, 29.06.2012
Dass diese "Aliens" immer so aussehen, wie etwas verkrüppelte Erdenmenschen, gleiche Muskulatur, gleiche Knochen usw., straft die Sache von vornherein Lügen. Die Annahme einer Evolution, die auf zwei entfernten Planeten mit unterschiedlichen Voraussetzungen und unterschiedlich langer Evolutionszeit zu so ähnlichen Organisman geführt haben soll ist absurd!
3.
Martin Kilbinger, 29.06.2012
Wo sind denn nun die guten Gründe genannt, weswegen die Einheimischen den Behörden nicht glauben sollen? Wenn es die finanziell lukrativne Besucher sind, mit denen sie Geschäft machen, ist es doch unerheblich, ob sie selbst daran glauben oder nicht. Etwas sehr unkritisch ist der Artikel, gerade bei solch einem Thema. Z.B. handelt es sich bei den vermeintlichen "Hieroglyphen" um Blumenmuster auf einem gewöhnlichen Tesastreifen, die das Objekt verstärkt hatte.
4.
Anna Meussgeier, 29.06.2012
>Dass diese "Aliens" immer so aussehen, wie etwas verkrüppelte Erdenmenschen, gleiche Muskulatur, gleiche Knochen usw., straft die Sache von vornherein Lügen. Die Annahme einer Evolution, die auf zwei entfernten Planeten mit unterschiedlichen Voraussetzungen und unterschiedlich langer Evolutionszeit zu so ähnlichen Organisman geführt haben soll ist absurd! Ach! Wie müssten sie denn aussehen? Ist es nicht eher absurd, so etwas für absurd zu halten?
5.
Johann Alpers, 29.06.2012
Wenn man mal bedenkt, in welcher Zeit das passierte, mitten im Jahrzehnt wo es den schnellsten Fortschritt in der Luft und Raumfahrt gab. Da sMeiste davon war geheim, jeder normale Bürger und Soldat hatte keine Ahnung was da von Testpiloten geflogen wurde. Die Materialien der Fluggeräte waren neu, die kannte kaum einer vom Sehen, daher wusste erst recht ein Tumber Farmer aus einer gottverlassenen Gegend nicht was er da fand. Die herbeigerufenen Soldaten kamen aus einem Stützpunkt wo ähnlich wenig los war wie auf dem Land, Landeier wie der Farmer eben. Kein Wunder, dass die gleich an ein Ufo dachten.
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