Kultserie "Unsere kleine Farm" Niemand ist perfekt - außer Pa!

Vor 40 Jahren war "Unsere kleine Farm" in mehr als hundert Ländern ein Blockbuster. Vor allem konservative Kreise waren begeistert. Der Grund: in erster Linie Übervater Michael Landon, der in dieser Woche 80 geworden wäre.

ddp images/ NBC

Charles Ingalls will es nicht glauben: "Ich bete und bete. Warum hört mir Gott nicht zu?" Flehend schaut er zu Reverend Robert Alden. Der Pfarrer widerspricht. "Er hört Dir zu. Und er antwortet auch immer. Aber nicht immer so, wie wir es gerne hätten." Charles "Pa" Ingalls, der treu sorgende und besorgte Vater, versteht schließlich: Die Tochter würde ihr Augenlicht verlieren, Gott würde nichts dagegen tun, so sehr er sich auch dagegen wehrte.

Die Szene aus dem Finale der vierten Staffel von "Unsere kleine Farm" ging in die TV-Geschichte ein. Bis heute zählen die beiden Abschlussfolgen zu den berühmtesten der sowieso beliebten Serie, die zwischen 1974 und 1983 in 210 Folgen von einer Siedler-Familie in den USA im ausgehenden 19. Jahrhundert erzählte. In Erinnerung blieb diese Episode vor allem, weil sich die Macher in diesem Fall eben nicht auf die eingemeißelten Grundzüge der Erzählung verließen. Die waren vorher und nachher: "Pa" weiß Rat - und wenn er nicht helfen kann, bringt Gott die Dinge wieder in Ordnung.

Der Erfolg der Serie wurzelt noch in einem anderen Gebet, gesprochen 1972. Da hatte sich der spätere Ingalls-Darsteller Michael Landon an Gott gewandt. Seine 17-jährige Stieftochter Cheryl lag nach einem Autounfall im Koma. Landon versprach, "dass ich mit meinem Leben etwas Nützliches anfangen würde, sollte er sie leben lassen".

Cheryl überlebte - und Landon machte sich mit großem Sendungsbewusstsein zum Produzenten der Serie über eine Siedler-Familie, die mit viel Gottesglaube gegen die Widrigkeiten des Lebens kämpft. Er schrieb und inszenierte einen beträchtlichen Teil der Saga. Und wurde so zum liebenden Vater einer großen Fernsehgemeinde.

Die Mission des Michael Landon

Die Verfilmung basierte auf den Kinderbüchern von Laura Ingalls Wilder. Die Autorin hatte in den Dreißigerjahren ihr Leben und das ihrer Familie in der Wildnis von Minnesota, Dakota und Iowa in neun Bänden veröffentlicht. Rund 40 Jahre später wurde die Geschichte in mehr als hundert Länder verkauft, ab 1976 lief die Serie in der ARD.

Trotz einiger Dramen um Krankheit, Drogen und Rassismus brachte die meist seichte Erzählung Besinnlichkeit in die Wohnzimmer einer Welt, die zwischen Kaltem Krieg, Vietnam-Krieg, sexueller Befreiung und zunehmender Gewalt in den Medien viele Menschen nach klaren Regeln und einfachen Antworten suchen ließ. "Unsere kleine Farm" führte zum sentimentalen Seufzer, zum verklärenden Ausspruch: Früher war alles besser. Die "New York Times" schrieb 1974 von einer "überbordenden Familienwärme", erkannte mit einem Augenzwinkern aber auch an, dass der Zuschauer viel über die damalige Zeit lernen könne: "Wie baue ich eine Hütte ohne Fenster, wie begegne ich Wolfsrudeln."

In erster Linie war die kleine Farm, in der "Pa" Ingalls mit seiner Frau Caroline "Ma" Ingalls und den drei Töchtern Mary, Carrie und der Autorin Laura den Alltag meisterte, jedoch Schauplatz einer einzigen gewaltigen Moralpredigt. Geriet die Welt einmal aus den Fugen, etwa weil die nicht ganz so perfekte Familie im Nachbaranwesen Probleme bereitete, hatte "Pa" Ingalls - laut "New York Times" der "idealisierte Siedler-Vater", zum Ende der Folge meist wieder alles zum Guten gewendet - manchmal durchaus auch mit Hilfe seiner ihm ergebenen Frau. Die Losung war klar: Höre auf deine Eltern, sei bescheiden und fleißig.

Die christliche Gemeinde, nicht nur in den USA, jubelte. Noch heute preisen kirchliche Kreise die Serie und verweisen auf die großen Lehren, die sich direkt aus der Bibel speisten. Auch Eltern-Portale ziehen ihren Stoff immer noch gerne aus dieser Zeit vor dem 20. Jahrhundert. Es helfe in der Entwicklung, wenn Kinder wie die Ingalls-Sprösslinge auch mal den Stall ausmisten müssten, heißt es auf Parents.com.

Christliche Werte im Kalten Krieg

Der Einfluss der Serie war immens. Zum größten Fan avancierte der im Laufe der Ausstrahlung zum US-Präsident gewählte Schauspieler Ronald Reagan, Speerspitze einer sehr konservativ geprägten Fangemeinde. Michael Landon seinerseits machte 1980 Wahlkampf für Reagan. Die mit Laura Ingalls Kinderbuch "Little House on the Prairie" transportierten Werte, passen perfekt ins konservative Gesellschaftsbild. Es gebe zwei konservative Strömungen in der Vorlage, schreibt Anita Clair Fellman in ihrem Buch "Little House, Long Shadow: Laura Ingalls Wilder's Impact on American Culture": Neben dem Libertarismus sei das vor allem die Poster-Familie für den republikanischen Werte-Kanon: "Ein devotes Pärchen, christliche Patrioten, und ihre unverdorbenen Kinder. Der Vater ein heldenhafter Versorger und gutherziger Erzieher, die Mutter eine fromme Haushaltskraft und Beispiel weiblicher Selbstaufgabe."

All das war natürlich gewollt, der Erfolg, der sich gegen den damaligen Trend von Action-Serien behauptete, gab Landon und seinem Team recht. "Michael wollte zeigen, wie ein gutes Familienleben aussieht", erzählte dessen Manager Dennis Korn. "Er war deswegen so erfolgreich, weil er selbst ein großer Familienmensch war - und er schrieb eben über Familienthemen." Landon sprach 1975 davon, dass es in "Unsere kleine Farm" um die kleinen Dinge ginge, um die sich anscheinend niemand mehr schere. Ihm selbst waren diese Dinge mit dem Unfall seiner Tochter wieder bewusster geworden.

Anfang der Achtzigerjahre ließ das Interesse an den kleinen Dingen jedoch nach, die Einschaltquoten gingen zurück, der Sender NBC stellte die Serie nach neun Staffeln ein. Und Landon ließ alles mit einem großen Knall enden. Die Bewohner des berühmten Fleckchens Walnut Grove in Minnesota ließen ihr Zuhause explodieren, weil die Landverwertungsgesellschaft den Grund für sich beanspruchte.

Der Einfluss der Serie wurde damit jedoch nicht ausgelöscht, bis heute läuft "Unsere kleine Farm" in vielen Ländern noch in Dauerschleife, in Deutschland zuletzt auf Kabel 1 und SAT 1 Gold. Michael Landon war später mit dem ähnlich seelenwärmenden "Ein Engel auf Erden" noch einmal erfolgreich. 1991 starb er an Krebs. Am 31. Oktober wäre der Mann, der als Little Joe in der Kult-Serie "Bonanza" seinen Durchbruch gefeiert hatte, 80 Jahre alt geworden. Eugene Maurice Orowitz, wie er ursprünglich hieß, hinterließ zwei Exfrauen, eine Ehefrau, fünf Söhne und vier Töchter - und einen bezeichnenden Satz: "Niemand ist perfekt, nicht Charles Ingalls und nicht Michael Landon." Dass er sich bemüßigt sah, das klarzustellen, sagt eigentlich alles über den Mann, der für viele eben doch der perfekte Vater und Ehemann war.

insgesamt 20 Beiträge
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D. Fense, 31.10.2016
1. Alles schön und gut...
...aber bereits letztes Jahr wäre am 12. Februar Lorne Greene alias Ben Cartwright und damit der Film-Vorzeigevater schlechthin 100 Jahre alt geworden! Das fand in der Presse interessanterweise so gut wie kein Echo - jedenfalls nicht, dass ich mich erinnern könnte...
Volker franz, 31.10.2016
2. Die Serie war Schmalz pur
Da war mir der Hoss von Bonanza sympathischer und der chinesische Koch natuerlich.
Christian Simons, 31.10.2016
3. Gimme That Old Time Religion.....
Michael Landon war der unbestrittene Meister, wenn es darum ging den pietistischen Mief des "Bible Belts" global zu versprühen. Die nicht minder moralinsauren "Waltons" waren im Vergleich zur "Kleinen Farm" und "Ein Engel auf Erden" ein schlüpfriges Schauspiel. Aber unser Pfarrer feierte natürlich bei jeder Episode seinen inneren Weltkirchentag und wollte uns diese Blut, Beten und Boden-Schmonzette als wegweisendes Vorbild verkaufen. Hat irgendwie nicht geklappt.....
Markus Wagner, 31.10.2016
4. Übersetzungsfehler &
Auch wenn es nahe liegen mag "devoted couple" mit "devotes Pärchen" zu übersetzen, so ist "devoted" im Deutschen immer noch "treu"oder "hingebungsvoll".
Thorsten Munder, 31.10.2016
5. Our small Farm
Ich habe die Serie damals in der DDR im so genannten Westfernsehen gesehen und war nicht ganz so beeindruckt Kung Fu mit dem Hauptcharacter Quei Juan Kane war meine Lieblings Serie da dort die waren Probleme die immer auftauchen viel besser gezeigt wurden, C.Ingels war da doch zu sehr Familienvater, aber ich frage mich wieso die nicht auch auf DDR2 oder 1 lief denn über Politik wurde nie geredet und die Familien wehrte waren auch im Sozialismus schwer angesagt vielleicht nicht ganz so viel Kirche aber ansonsten 100 Prozent DDR Familientauglich, wahrscheinlich hatte man nicht so viel Dollars um sie Kaufen zu können! Ich kenne heute noch Leute die Damals in der Partei waren und sich die Serie ( genau wie Rauchende Colts mit Matt Dillon als Sherrif) inzwischen auf DVD zugelegt haben!
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