Untergetauchter Kriegsverbrecher Mein Nachbar, der Massenmörder

Untergetauchter Kriegsverbrecher: Mein Nachbar, der Massenmörder Fotos
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Er sammelte Holz und züchtete Hühner: Als Biedermann lebte Otto Heninger nach dem Krieg in der Lüneburger Heide. Doch hinter der Tarnung verbarg sich der NS-Verbrecher Adolf Eichmann. Die ehemaligen Nachbarn blieben ahnungslos - bis der Holocaust-Organisator hingerichtet wurde. Von

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Dieses Mal war es kein todbringender Befehl, den er unterzeichnete. Dieses Mal war es nur ein harmloses Anmeldeformular, das er ausfüllte: Otto Heninger, geboren am 19. März 1906 in Breslau, Kaufmann mit eigenem Geschäft in Prien am Chiemsee, verheiratet, evangelisch. Mehr musste der hagere Fremde im umgenähten Wehrmachtsrock und dem abgewetzten Jägerhut auf dem Kopf nicht von sich preisgeben, als er am 20. März 1946 nach Altensalzkoth kam, einem kleinen Dorf in der Lüneburger Heide, nördlich von Celle.

Allzu neugierige Fragen hatte der Neuankömmling ohnehin nicht zu befürchten. Die Menschen steckten mitten im Existenzkampf der Nachkriegszeit. Außerdem spülte das untergegangene "Dritte Reich" ständig menschliches Treibgut an: versprengte Soldaten, umherziehende Vertriebene, entlassene Kriegsgefangene und befreite Lagerhäftlinge. So störte sich keiner der Dorfbewohner an dem reservierten Mann mit den kleinen Marotten, der als Holzarbeiter und Hühnerzüchter unter ihnen lebte - ehe er 1950 über Nacht verschwand.

Wer da tatsächlich vier Jahre in der beschaulichen Heide abgetaucht war, dämmerte den meisten erst später: Medien berichteten 1960 von einer spektakulären Aktion des israelischen Geheimdienstes. Mossad-Agenten hatten am 11. Mai in Buenos Aires einen der meistgesuchten NS-Kriegsverbrecher entführt und nach Israel ausgeflogen: Jetzt wartete SS-Obersturmbannführer Adolf Eichmann, einer der Hauptorganisatoren des Holocaust, in einer Gefängniszelle darauf, dass ihm der Prozess gemacht wird. Als im April 1961 Bilder aus dem Jerusalemer Gerichtssaal über die Fernsehbildschirme flimmerten, die einen hornbebrillten Angeklagten in einem schusssicheren Glaskasten zeigten, war endgültig klar: Bei dem Mann, der sich Otto Heninger nannte, handelte es sich tatsächlich um Adolf Eichmann.

Der Jäger wird selbst zum Gejagten

Über Jahre Tür an Tür mit dem "Buchhalter des Todes", wie Eichmann während seines Prozesses genannt wurde? Die Menschen in Altensalzkoth waren schockiert. Eichmann hatte sich in der Vernebelung seiner Identität als ebenso effektiv erwiesen wie zuvor am Schreibtisch des Referats IV B4 im Reichssicherheitshauptamt. Dort hatte er seit dem Spätsommer 1941 mit Akribie die von den Nationalsozialisten proklamierte "Endlösung" vorangetrieben, hatte Juden in ganz Europa aufspüren und in die Vernichtungslager deportieren lassen.

Nach Kriegsende wurde Eichmann selber zum Gejagten. Im österreichischen Altaussee begann Eichmann im Frühjahr 1945 damit, worin er über die Jahre besondere Übung erhalten hatte: der Spurentilgung. Eichmann trennte sich von seiner Familie und seinen letzten Getreuen. Außer den Alliierten gab es genug andere Menschen, die ein fundamentales Interesse an der Ergreifung des einstigen Holocaust-Managers hatten, das wusste Eichmann - und begann ein jahrelanges Versteckspiel.

Als Luftwaffen-Obergefreiter Adolf Barth, benannt nach einem Berliner Lebensmittelhändler, geriet Eichmann im Mai 1945 in amerikanische Kriegsgefangenschaft. Wenig später gab sich Eichmann jedoch als SS-Untersturmführer Otto Eckmann aus, schließlich trug er die verräterische Blutgruppen-Tätowierung der SS in seiner Achselhöhle. Trotz des gelungenen Täuschungsmanövers wurde Eichmann im Gefangenenlager Ober-Dachstetten in Franken zunehmend nervös: Jüdische Kommissionen - KZ-Überlebende - verhörten die Gefangenen nach ihrer Tätigkeit im Krieg. Bis Eichmann auffliegen würde, schien es nur eine Frage der Zeit zu sein. "Es war ihm klar, er musste sich irgendwo verstecken", erklärt die Hamburger Historikerin Bettina Stangneth, die seit mehreren Jahren Nachforschungen zu Eichmann betreibt.

Die alten Seilschaften funktionierten noch

Eichmann offenbarte sich seinen Mitgefangenen - und die alten Seilschaften hielten. Vom ebenfalls internierten SS-Offizier Hans von Freiesleben erhielt er im Januar 1946 ein Empfehlungsschreiben. Es war adressiert an dessen Bruder, den Revierförster in Kolenbach, fünf Kilometer von Altensalzkoth entfernt. Dort, inmitten der dichten Wälder, würde schon keiner den untergetauchten Obersturmbannführer suchen.

Im Februar 1946 floh Eichmann aus dem Gefangenenlager. Hilfe während seiner riskanten Reise in den Norden erhielt er von Nelly Krawietz, der Schwester eines in Ober-Dachstetten inhaftierten SS-Kameraden aus Prien. Sie begleitete Eichmann bis Hamburg. Auf der Flucht besorgte sich Eichmann in einer Fälscher-Werkstatt die Papiere, die ihn als Otto Heninger auswiesen und mit denen er vier Jahre unbehelligt leben sollte.

Dass sich Nazi-Größen nach dem Krieg nach Norden absetzten, war keine Seltenheit. "Alle wollten sich dicht an der Tür positionieren", sagt Historikerin Stangneth - entweder in der entlegenen Bergwelt Österreich-Bayerns mit ihren vielen Grenzen oder in der strategisch günstigen Nähe großer Häfen. Reichsführer Heinrich Himmler etwa wurde im Mai 1945 von Briten in der Nähe von Rotenburg/Wümme gefasst, sein früherer Chefadjutant Ludolf "Bubi" von Alvensleben startete von Norddeutschland aus seine Flucht nach Südamerika.

"Extreme Selbstkontrolle war Teil seiner Karriere"

Auch Eichmann dachte intensiv darüber nach, ins Ausland abzutauchen. Als im November 1945 die Nürnberger Prozesse begannen, wurde sein Name immer häufiger in der Presse genannt. Um sich aber in das gelobte Land der Nazis abzusetzen, das Argentinien Peróns, fehlte Eichmann 1946 das Geld. Im Gegensatz zu anderen hochrangigen Nazi-Bürokraten hatte er sich, der nach eigenem Bekunden lediglich ein "korrekter" und "fleißiger" Angehöriger des Reichssicherheitshauptamtes war, nicht die Taschen mit den Besitztümern der Opfer vollgestopft. "Ein innerer Schweinehund und ein Verräter war ich nie", notierte er Jahre später in Argentiniens Pampa.

Als Holzfäller und Waldarbeiter lebte Eichmann ab Frühjahr 1946 mit etwa 20 ehemaligen Landsern in der Baracke der Revierförsterei Kolenbach. Die "Insel" nannten die Einheimischen die Unterkunft der mitunter suspekten Bewohner. Dort, im Wald von Altensalzkoth, verdiente sich Eichmann seine ersten Fluchtgroschen, indem er Brennholz für Lokomotiven sammelte. Unter den Insulanern genoss Eichmann hohes Ansehen. Und auch manche Dorfbewohner erinnerten sich Jahre später an einen patenten, freundlichen Mann: Er sei gerecht gewesen - und habe nie Alkohol getrunken.

Für den gesuchten Massenmörder gehörte Abstinenz zur Überlebensstrategie. Er durfte unter keinen Umständen auffallen - schon gar nicht, indem er sich nach ein paar Bier in lustiger Runde verplapperte. "Extreme Selbstkontrolle war Teil seiner Karriere", urteilt Stangneth über Eichmann, der es in der Heide geschickt verstand, sich seinem Umfeld anzupassen.

Hilfsbereiter Nachbar

1948 musste Eichmann die Deckung seines Waldverstecks verlassen. Die Firma Burmann, sein Arbeitgeber, ging pleite. Außerdem stand die Währungsreform bevor. Eichmann war in der Zwickmühle: Um unerkannt zu bleiben, konnte er kaum riskieren, sein Erspartes bei der nächsten Bank einzutauschen. Dasselbe galt für einen Gang zum Arbeitsamt. Eichmann, der routinierte Organisator, half sich selber: Er mietete sich in Altensalzkoth auf einem Bauernhof ein und investierte sein Geld in circa hundert Hühner.

Das Federvieh sicherte sein Auskommen: Er verkaufte Geflügel und Eier in die Nachbargemeinde. Dass hin und wieder auch heimatlose Juden seine Ware kauften, die das nahe gelegene Konzentrationslager Bergen-Belsen überlebt hatten und rund um das Areal hausten, störte den ehemaligen "Endlöser" Eichmann nicht.

Er ein Massenmörder? In Altensalzkoth schien diese Vorstellung 1948 undenkbar. Der freundliche Biedermann mit dem zarten österreichischen Akzent zahlte pünktlich seine Miete, präsentierte sich als hilfsbereiter Nachbar und half den Menschen routiniert beim Papierkram mit den Behörden.

Was auffiel, war die bürgerliche Herkunft Eichmanns, die hin und wieder durch die betont unauffällige Fassade schimmerte. Etwa, wenn er vor der Holzfällerbaracke Schubert-Werke auf einer Violine spielte. "Eichmann war einfach nicht wie die Landbevölkerung", sagt Stangneth. Heinz Krüger fiel als kleinem Jungen damals auf, wie Eichmann seine Hühner kommandierte: "Er lockte sie nicht wie wir mit 'Putt, putt, putt', sondern pfiff nach ihnen wie nach einem Hund."

Flucht nach Argentinien

Eichmann hatte offenbar trotz aller ihm entgegengebrachten Sympathien schon lange den Plan gehabt, dieses Idyll zu verlassen. Schließlich erwies sich seine vorsichtige Hoffnung, sich irgendwann wieder frei in Deutschland bewegen zu können, als Illusion. Eichmann besaß das einzige Radio im Ort und wusste daher auch, dass außer den Alliierten inzwischen jüdische Partisanengruppen nach ihm suchten.

Im Frühjahr 1950 hatte Eichmann genügend Geld zusammen, um sich absetzen zu können. "Ich hörte, dass es Organisationen gab, die andere unterstützten, wenn sie Deutschland verlassen wollten", gab Eichmann nach seiner Entführung 1960 an. "Anfang 1950 habe ich mit einer dieser Organisationen Kontakt bekommen." In Altensalzkoth erzählte er, dass er künftig in Norwegen als Maschinenbauer arbeiten wollte und verschwand wenig später.

Über eine der sogenannten Rattenlinien - Fluchtrouten für untergetauchte NS-Funktionäre - floh Eichmann noch 1950 unter dem Namen Ricardo Klement nach Argentinien. In Altensalzkoth wurde man erst zehn Jahre später wieder durch Fernsehbilder aus Jerusalem an den unauffälligen Dorfbewohner Otto Heninger erinnert - kurz bevor Israel am 31. Mai 1962 Adolf Eichmanns Todesurteil vollstrecken ließ.

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insgesamt 5 Beiträge
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1.
Michael Stephan 09.08.2010
Ist die Überschrift nicht etwas mißlungen? Unter einem Massenmörder stelle ich mir etwas anderes vor. Hr. Eichmann hat doch Völkermord begangen, oder? Ein aus meiner subjektiven Sichtweise heraus weitaus abscheulicheres Verbrechen.
2.
Jan Höffler 10.08.2010
"Die Verurteilung des SS-Massenmörders 1961 ist einer der größten Erfolge der Strafverfolgung von Tätern des Nationalsozialismus." Diesen Teil der Unterschrift zum letzten Bild finde ich fragwürdig. Zweifellos war er ein schrecklicher Verbrecher und hatte eine schwere Strafe verdient. Die Todesstrafe wird aber aus gutem Grund heutzutage in Europa abgelehnt. Und Menschen ohne Haftbefehl zu entführen ist schlicht Unrecht. Auch heute noch geschehen solche Dinge. Der deutsche Khaled al-Masri wurde aufgrund einer Verwechslung von den USA als vermeintlicher Terroristenunterstützer entführt und gefoltert und nach seiner Freilassung wurde ihm ein Prozess zur Aufarbeitung des Falles verweigert, mit der Begründung, es berühre die innere Sicherheit der USA. Auch ein Obama ändert daran nichts. Das Folterlager im afghanischen Bagram wird ebenso weiter betrieben wie das zur Umgehung internationaler Abkommen eingerichtete Lager in Guantanamo. Auch in Deutschland wird kein US-Vermögen beschlagnahmt, um etwa Al Masri zu entschädigen. Nicht einmal eine Behandlung bekommt er bezahlt, so dass er sich schwer traumatisiert und verzweifelt über die Ungerechtigkeit der Brandstiftung und Körperverletzung schuldig gemacht hat. US-Flugbasen, die zur Verschleppung von Menschen genutzt wurden, werden nicht geschlossen, die an Verschleppungen beteiligten CIA-Agenten werden weder von der deutschen noch von der italienischen Regierung zur Auslieferung beantragt, obwohl in beiden Ländern Staatsanwaltschaften dies beantragten, und auch zu Zeiten des völkerrechtswidrigen Angriffskrieges auf den Irak wurde der deutsche Luftraum nicht wie der österreichische für die "Koalition der Willigen" geschlossen. Stattdessen wählt man Angela Merkel, die vor Kriegsausbruch in der Washington Post schrieb, Kanzler Schröder spreche nicht für alle Deutschen, wenn er den Krieg ablehne. Als ob aus der Geschichte nichts zu lernen wäre.
3.
Norbert Ommler 11.08.2010
Neben dem Eichmann-Bild zu Beginn des vorstehenden Aufsatzes steht: ?In einem Polizeiverhör soll der Nazi-Scherge mit Nachdruck beteuert haben, sein Leben lang den Moralvorschriften Kants gefolgt zu sein, und vor allem im Sinne des kantischen Pflichtbegriffs gehandelt zu haben?. Dazu ist aber zu sagen, dass der ?kategorisscher Imperativ? im Nationalsozialismus eine eigene Prägung erhalten hatte. Dr. Hans Frank, der ?Reichsrechtsführer? im NS-Staat und während des Zweiten Weltkrieges brutaler ?Generalgouverneur? von Restpolen, schrieb schon 1935 in einem Beitrag zu einem von ihm herausgegebenen Buch:: ?Der erste Appell, der an jeden Volksgenossen in allen Belangen des Lebens zu richten ist, ist daher, gleich einem kategorischen Imperativ, stets der: W a s w ü r d e d e r F ü h r e r z u m e i n e m V e r h a l t e n i n d i e s e m F a l l e s a g e n ?? (Hans Frank [Hrsg.]: Nationalsozialistischen Handbuchs für Recht und Gesetzgebung, 2. Auflage, München 1935, S. 22, Überschrift seines Beitrages: ?Grundsätze des nationalsozialistischen Rechtsdenkens und Rechtswollens?). Im Jahre 1942 führte er in einem Buche sehr ähnlich aus: ?Der kategorische Imperativ des Handelns im Dritten Reich lautet: Handle so, daß der Führer, wenn er von deinem Handeln Kenntnis hätte, dieses Handeln billigen würde.? (Hans Frank: Technik des Staates. Schriftenreihe des Institutes für die Technik des Staates an der Technischen Hochschule München, Heft 1, Berlin, Leipzig, Wien, 1942, S. 15 f.). Dass dieser ?katgorische Imperativ? nationalsozialistischer Version im Gegensatz steht zu dem von Immanuel Kant geprägten, kann jeder feststellen, der die Kants Originalformulierungen zum Vergleich heranzieht. Im Internet siehe u. a.: http://de.wikipedia.org/wiki/Kategorischer_Imperativz Hier daraus eine Formulierung von Kant: ?Handle so, dass du die Menschheit sowohl in deiner Person, als in der Person eines jeden anderen jederzeit zugleich als Zweck, niemals bloß als Mittel brauchst.? ? vgl. GMS, BA 66 (Akademie-Ausgabe Kant Werke IV, S. 429, 10-12). Zweck der Benutzung der Worthülse ?kategorischer Imperativ? durch Hans Frank war offenbar, die brutale NS-Rassenpolitik, die ganze Bevölkerungsgruppen, Völker, Rassen ins Elend stieß, ja auszurotten begann, mit dem Anschein des Vollzugs einer neuen Sittlichkeitsordnung zu versehen und damit das eigne Gewissen wie das anderer Mittäter und karrierebedachter Mitläufer zu betäuben ? leider sehr erfolgreich. nicht nur im Falle von Eichmann.
4.
Armin Dr. Quentmeier 11.08.2010
Völlig hirnrissiger Vergleich, Herr Höffler! Sorry Leute, aber wenn jemand die Jagd auf Eichmann mit dem Vorgehen von US-Behörden gegen ?den Deutschen? Khaled al Masri vergleicht, muß man wohl an dessen Verstand zweifeln. Zur Erinnerung: al Masri gehörte zu einer islamistischen Terrororganisation. Die FAZ berichtete am 27.1.2006: al Masri ?ist nach Auskunft seines Anwalts während seiner mehrwöchigen Haftzeit zwischen Januar und Mai 2004 von Angehörigen des Nachrichtendienstes CIA nach Verbindungen zu der Organisation ?al Tawhid? befragt worden. Diese wird in Deutschland inzwischen als terroristische Vereinigung eingestuft. Angehörige von ?al Tawhid? sind in Deutschland wegen geplanter Sprengstoffanschläge verurteilt worden. Nach Angaben der Nachrichtenagentur AP soll al Masri früher Mitglied der Organisation gewesen sein. Sein Mandant habe 1985 seinen Asylantrag in Deutschland mit einer Mitgliedschaft bei ?al Tawhid? begründet, sagte al Masris Anwalt...? Was hat al Masri denn als Mitglied bei ?Al Tawhid? gemacht? Vielleicht Ballett tanzen? Wie konnte ein Mann mit einem solchen Hintergrund überhaupt die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten? Der frühere bayrische Innenminister Beckstein sagte vor einigen Jahren ?Ausländer die uns nützen, sind willkommen, solche die uns ausnützen nicht?. Schwer vorstellbar, daß Leute wie al Masri für unser Land irgendeinen Nutzen bedeuten! Klassische Einwanderungsländer würden ihm wohl die Staatsbürgerschaft wieder entziehen und die Ausweisung veranlassen. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland ist al Masri wiederholt straffällig geworden, ohne daß es eine ernsthafte Strafe gegeben hätte. Daß er einer deutschen Verkäuferin ins Gesicht gespuckt hatte, ist sowieso nur ein Kavaliersdelikt. Daß er einen Supermarkt angesteckt hatte, einen Lehrer verprügelt hatte und den Oberbürgermeister von Neu-Ulm ins Gesicht geschlagen hat ? auch dafür finden ?die Wohlgesinnten? vom Schlage eines Herrn Höffler immer neue Entschuldigungen ? schwere Traumatisierung?! Mir kommen die Tränen! Dann hätte es nach 1945 in Deutschland pausenlos zu schwersten Verbrechen kommen müssen, weil fast 15 Millionen ehemalige Wehrmachtssoldaten, von denen die meisten ungleich schrecklichere Traumata erlebt hatten als Herr al Masri auf seiner unfreiwilligen Reise mit der CIA, zurück ins Zivilleben finden mußten. Und die allermeisten haben es mit Bravour geschafft und einen sagenhaften Neustart ins deutsche Wirtschaftswunder hingelegt. Von dieser Aufbauleistung profitieren letztlich sogar noch al Masri und Co. und ihre Anwälte ? denn wer bezahlt denn all´ die juristischen Spielchen, den Lebensunterhalt von al Masri und die Schäden, die dieser Mensch in unserem Land angerichtet hat?
5.
Jan Höffler 19.08.2010
Wer meint, jeder, der einer Organisation angehörte, die mit Terror in Verbindung gebracht wird, dürfe entführt und gefoltert werden, einen Prozess brauche man nicht und Wiedergutmachung schon gar nicht, hat meiner Meinung nach aus der Geschichte nichts gelernt. Die US-Behörden haben nebenbei bemerkt Al-Masri entführt, weil sein Name mit dem eines mutmaßlichen Al-Qaida-Mitglieds übereinstimmt, nicht, weil er im Libanon in den Achtzigern irgend einer Organisation angehörte. Vor seiner Entführung sind von ihm keine Straftaten bekannt. Und dass auch zahlreiche Wehrmachtsoldaten traumatisiert waren, steht außer Frage. Damals pflegte man so etwas totzuschweigen. Wer Ausländer in nützliche und unnütze unterteilt, sollte vielleicht mal überlegen, ob es ihm im Dritten Reich gefallen hätte. Wie ist das denn, wenn Sie mal alt und gebrechlich werden, sind Sie dann auch unnütz? Die "sagenhaften Neustarts ins deutsche Wirtschaftswunder" haben übrigens auch viele verdiente Altnazis geschafft, etwa einige der Vorgänger von Herrn Beckstein im Amt des Bayerischen Ministerpräsidenten.
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