US-Einwanderungsgesetze Land der unbegrenzten Möglichkeiten - für einige Wenige

Auf der Suche nach einem besseren Leben zieht es seit dem 19. Jahrhundert viele Menschen in die USA. Aber nicht jeder ist willkommen. Kaum etwas verrät so viel über die Entwicklung der US-amerikanischen Gesellschaft wie die Geschichte derjenigen, die draußen bleiben müssen.

AP

"Gebt mir Eure Müden, Eure Armen." - So steht es auf dem Sockel der Freiheitsstaue in New York. Doch schon als die amerikanische Dichterin Emma Lazarus diese Zeilen im Jahr 1883 schrieb, galten sie nur mit Einschränkungen. Ein Jahr zuvor war der "Chinese Exclusion Act" erlassen worden: Chinesen und Japaner durften nicht mehr in die USA einreisen.

Bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts konnte praktisch jeder Immigrant ohne Probleme in die USA einreisen. Nur die amerikanische Staatsbürgerschaft bekam nicht jeder. Der "Naturalization Act" von 1790 schloss Menschen asiatischer und afrikanischer Herkunft von der Einbürgerung aus, denn die US-amerikanische Gesellschaft setzte sich Anfang des 19. Jahrhunderts fast ausschließlich aus weißen Personen westeuropäischer Herkunft zusammen, den WASP: White Anglo-Saxonian Protestants - Weiße, aus dem angelsächsischen Raum stammende Protestanten. Und die wollten weiter unter sich bleiben.

Quotenregelung für chinesische Einwanderer

Die Einwanderer aus den asiatischen Ländern unterschieden sich nicht nur äußerlich von der übrigen Bevölkerung, sondern arbeiteten auch für niedrigste Löhne und wurden in besonderem Maße aus der Gesellschaft ausgeschlossen. Mit dem "Chinese Exclusion Act" von 1882 wurde chinesischen Arbeitern dann zunächst für zehn Jahre lang die Einreise verboten. Zweimal wurde diese Bestimmung von der Regierung erneuert, um dann 1904 zu einer dauerhaften Institution zu werden. 40 Jahre lang durfte kein chinesischer Arbeiter in die USA einreisen, bis 1943 eine Quotenregelung eingeführt wurde, die 105 Chinesen pro Jahr die Einreise erlaubte. Erst 1965 endete der "Chinese Exclusion Acts".

Aber nicht nur Chinesen wurden ausgeschlossen. Auf Bundesebene wurden diverse Gesetze erlassen, die die Immigration bestimmter Menschen verhindern sollten. 1875 waren es Prostituierte und Kriminelle, und zwischen 1882 und 1907 weiteten sich die Restriktionen auf körperlich oder geistig Behinderte, Menschen mit ansteckenden Krankheiten, Polygamisten, politisch Radikale, Kuppler, Bettler und potenzielle Sozialfälle aus. Rein durfte nur, wer es sich leisten konnte und niemandem zur Last fiel.

Draußen blieb, wer krank und arm war

Besonders das Gesetz von 1891 hatte Folgen für alle potenziellen Einwanderer. Es sah vor, dass sich sämtliche Passagiere des Zwischendecks beziehungsweise der Dritten Klasse sofort bei ihrer Ankunft in den USA einer ärztlichen Untersuchung und einer Befragung durch Beamte der Einwanderungsbehörde unterziehen mussten. Parallel verpflichtete es die Reedereien, für den Rücktransport der Abgewiesenen aufzukommen. In der Folge wurden Auswanderer noch vor der Abreise in ihrem Heimatland untersucht und Risikokandidaten erst gar nicht an Bord gelassen. In den USA entstanden Einwanderungsstationen, in denen die Untersuchungen stattfanden. Die größte und wichtigste war Ellis Island, eine Insel direkt vor Manhattan. Das Gegenstück an der Westküste hieß Angel Island und lag vor San Francisco. Wer durch die Untersuchung fiel, durfte gar nicht erst US-amerikanischen Boden betreten, sondern wurde mit dem nächsten Schiff zurück in die alte Heimat geschickt.

Nach dem Ersten Weltkrieg kamen immer mehr Menschen aus ganz Europa in die USA und in der Folge kam es zu einer Reihe von Gesetzen, die die Einwanderung stark reglementieren sollten. Vor allem mit dem "Immigration Act" von 1921 versuchte die amerikanische Regierung den Zustrom aus Europa einzudämmen. Aus jeder Volksgruppe durften nur noch drei Prozent ihres Anteils der Population von 1910 einreisen. Das Gesetz verfehlte den erwünschten Effekt. Es kamen immer noch mehr Menschen, als die USA willens und fähig war, aufzunehmen. Nach der reformierten Version von 1924 wurden jeder Volksgruppe nur noch zwei Prozent der Bevölkerung zugestanden.

Eine Frage der Sicherheit

Als weiterer wichtiger Punkt in der Entwicklung der heutigen Einreisebestimmungen gilt der "Alien Registration Act" von 1940: Alle Ausländer wurden zu einer Registrierung verpflichtet, zudem wurde ihnen eine "Alien Registration Receipt Card" ausgeteilt. Die Bedeutung der Karte verstärkte sich mit dem "Internal Security Act" von 1950, sie gilt als Vorgänger der heutigen "Green Card". In den sechziger und siebziger Jahren verabschiedete man sich von rassisch-ethnisch legitimierter Beschränkung zugunsten bestimmter Regionen. Im "Immigration Act" von 1990 wurde festgelegt, das jährlich insgesamt 700.000 Menschen einwandern dürfen, aus jeder Nation heute maximal 25.000. Wer gut verdient, eine aussichtsreiche Karriere vor sich oder sich bereits auf einem Fachgebiet einen Namen gemacht hat und genug Eigenkapital mitbringt darf einreisen. Alle anderen müssen draußen bleiben.

Aus der Selektion nach ethnischen Gesichtspunkten hat sich im Lauf der Jahrzehnte eine schichtspezifische Aufteilung entwickelt. Die jüngste Wendung haben die Anschläge vom 11. September 2001 gebracht. Seit März 2003 ist die Einwanderungsbehörde Teil des "Department of Homeland Security" - und das ist zuständig für die Sicherheitspolitik der USA.



insgesamt 2 Beiträge
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Thomas Schmidt, 07.01.2013
1.
Das Gros auch deutscher Auswanderung mit der 1848er Revolution? Was wäre die Deutsch-Amerikanische Geschichte ohne die Auswanderer oder der kalifornische Goldrausch? Noch zu bemerken: Auch Ungarn schürfte nach Gold. Das "Studieren" der Auswandererbriefe gibt Aufschluss! Auch Armut in D. führte zur Emmigration. Viele Bürger verkauften ihre Grundstücke, um die gefahrvolle Reise über den Großen Teich zu finanzieren. Wer nach 1848 "ins Gold" wollte, musste 2000 Landmeilen per Treck u. teils zu Fuß in Richtung San Francisco in Kauf nehmen. Auch diese Art zu reisen, war kostspielig. Zudem war eine Auswandergenehmigung erforderlich ? das Land brauchte Rekruten. Wer in Elbnähe wohnte, hatte gute Karten. Die sächsich-böhmische Dampfschifffahrtsgesellschaft bestand schon seit 1837. Hier wurde der Hamburger Hafen genutzt - Mio. Auswanderer verließen ihre Heimat von hier aus bis 1934 ... Schon die Presse des frühen 19. Jh. funktionierte - warnende Hinweise wurden von Ausreisewilligen in den Wind geschlagen. Prospektoren überlebten in den Goldclaims nur selten. Handwerker in bereits besiedelten Gebieten hatten bessere Karten ... Nicht nur Goldsucher wagten sich in die ?Neue Welt?, auch Abenteurer. F. Cooper, K. May oder J. London hatte eine Aktie an der Auswanderung in die Staaten. Ihre Bücher wurden von jungen Leuten gelesen ? viele von ihnen wollte die Westernromantik vor Ort erleben. Lit.; "Das Gold der Sierra Nevada", AAVAA-Verlag.
Thomas Schmidt, 09.01.2013
2.
Der Kalifornische Goldrausch löste eine der größten Völkerwanderungen in den Staaten aus ? Vor allem junge Leute haben es riskiert ? nach 7 Monaten Reisestrapaze sind sie am Ziel. Wurde ihnen neben Fleiß und Gesundheit auch Glück in die Wiege gelegt? In der Nähe von Auburn und Grass Valley beginnen sie, Gold zu suchen. Die Ausbeute ist gering. Kaum einer hat Erfahrungen ? Wasser ist das wichtige Hilfsmittel, einfach die Werkzeuge, karg die Verpflegung. Im Geröll einer Lagune finden sie auch Fossilien und wertvolle Mineralien. Käufer aus San Francisco haben Interesse ? die Prospektoren halten sich einige Zeit über Wasser ?? Schuhmacher, Schreiner, Schneider hingegen können sich vor Aufträgen kaum retten. Bemerkenswert sind die Inhalte der wenigen Auswandererbriefe: ?Das Einvernehmen mit den Einheimischen ist gut. Man behandelt uns wie willkommene Gäste. Wir dürfen umsonst Holz schlagen und zum Hausbau verwenden. Es gibt schon Freundschaften und selten rassistische Umtriebe.? Sicher hat es Ausnahmen gegeben. Einwanderer, gemeint sind jene aus Europa, waren durch die Strapazen der zum Teil 6-wöchigen Reise zermartert. (6 Wochen - nicht selten Mitte 19. Jh.) Viele von ihnen blieben in Haupthäfen und Reedereien ? Jobs gab es genug. Lit: ?Das Gold der Sierra Nevada?, AAVAA-Verlag, Berlin. Meine Verwandten, 1928 mit nötigsten Englischkenntnissen ausgewandert, schürften ebenfalls nach Gold. Die Gewinne waren nicht berauschend, doch wenigstens Zubrot. Am Ende waren auch Naturschönheiten Grund, zu bleiben. Bis heute gilt für die Staaten: ?Land der unbegrenzten Möglichkeiten?. Noch heute können Goldsucher fündig werden, wenn sie in Technik investieren. Das Finden größerer Nuggets ist dennoch Glücksache. Wer die Gewinnung von Goldstaub beherrscht, hat gute Karten. Naturschützer zum Beispiel aus dem Yosemite Nationalpark sagen, es sei noch genug Gold vorhanden. Erlaubt ist der Abbau aber nur in geringer Tiefe ?
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