USS "Monitor" vs. CSS "Virginia" Duell der Unzerstörbaren

USS "Monitor" vs. CSS "Virginia": Duell der Unzerstörbaren Fotos
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Vier Stunden tobte der Kampf der stählernen Monster: 1862 trafen im US-Bürgerkrieg die beiden ersten Panzerschiffe der Welt aufeinander - die USS "Monitor" für die Nord- und die CSS "Virginia" für die Südstaaten. Tausende wurden Zeugen einer Schlacht, die den Seekrieg für immer verändern sollte. Von Marc von Lüpke

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Siegessicher machten die Matrosen die Leinen los, die Heizer hatten bereits für Dampf im Kessel gesorgt. Am Heck des stählernen Ungetüms flatterte stolz ein Banner der Konföderierten Staaten von Amerika. Gemächlich ließ es die Mannschaft der CSS "Virginia" am Morgen des 9. März 1862 angehen, als sie aus dem Hafen von Hampton Roads, Virginia dampften.

Das Schiff der Südstaaten war nicht irgendeines, das sah man schon an seinem ungewöhnlichen Aufbau. Die "Virginia" verfügte weder über einen Mast noch über Aufbauten. Dennoch war es die bis dato gefürchtetste Waffe auf dem Meer - das erste Panzerschiff der Welt.

An diesem Tag nahm es Kurs auf ein vermeintlich leichtes Ziel: Die USS "Minnesota", ein Schiff der Kriegsmarine der feindlichen Nordstaaten, das im Mündungsgebiet des James River die konföderierte Handelsschifffahrt blockieren sollte. Das Panzerschiff "Virginia" gegen das Segelschiff "Minnesota". Die bevorstehende Auseinandersetzung hatte sich herumgesprochen, da die "Virginia" bereits am Tag zuvor zwei feindliche Segelschiffe versenkt hatte. Tausende Schaulustige hatten sich an den Ufern versammelt, um zu sehen, wie die stählerne "Virginia" kurzen Prozess mit dem Holzschiff der verhassten Nordstaaten machen würde.

Die "Minnesota" erwies sich allerdings als keineswegs so hilflos, wie die Konföderierten es sich erhofft hatten. In der Nähe des Segelschiffs erhob sich ein eigenartiges Gebilde. Ein dunkler Körper, tief im Wasser liegend, aus dem ein Geschützturm in die Luft aufragte. Die Konföderierten waren irritiert. "Kein Segel, kein Rad, kein Schornstein, keine Kanonen", stellte ein Seemann, der das Spektakel aus der Ferne verfolgte, erstaunt fest. Es war das Panzerschiff USS "Monitor".

Feuer frei

Gegen 8 Uhr am Morgen eröffnete die "Virginia" das Feuer aus ihren Geschützen auf das seltsam aussehende Ding. Dort begann unterdessen der gewaltige Geschützturm, sich zu drehen - der Feind erwiderte den Beschuss. Der Beginn des ersten Schlagabtauschs zwischen zwei Panzerschiffen in der Geschichte des Seekriegs.

Die "Virginia" aus dem Süden und ihr unerwarteter Gegner aus dem Norden schenkten einander nichts. In den Rümpfen der beiden Schiffe leisteten die Männer Schwerstarbeit. "Wir luden und feuerten die Kanonen ab, so schnell wir es vermochten", berichtete ein Besatzungsmitglied der "Monitor". Feuern, säubern, laden und wieder feuern. Immer und immer wieder führten die Männer dieser Prozedur durch, bis sie schweißüberströmt und völlig von Ruß und Schießpulver verdreckt waren.

Auch an Bord der "Virginia" brachten die Seeleute Hochleistungen: Unablässig schippten die Heizer Kohlen in die Kessel, um ausreichend Dampf zur Verfügung zu haben und das ungleich größere Schiff manövrieren zu können. Zugleich versuchten auch die Kanoniere der "Virginia", das feindliche Schiff mit ihren Geschossen auf den Grund des Meeres zu schicken.

Vier Stunden Kugelhagel

Die etwa 50 Meter lange "Monitor" ging mit ihren zwei 28-Zentimeter-Geschützen und 59 Mann Besatzung zwar mit geringerer Feuerkraft in das Gefecht. Trotzdem war sie der klare Favorit in der Auseinandersetzung. Das Panzerschiff der Nordstaaten war beweglicher und mit exzellenten Maschinen ausgestattet. Ihr größter Trumpf aber war ihre Bauweise: Sie lag extrem tief im Wasser und bot dem Gegner so kaum ein Ziel. Die "Virginia" dagegen brachte auf ihrer Länge von rund 80 Metern eine Kampfkraft von zwölf Geschützen unterschiedlichster Kaliber und über 300 Mann mit ins Gefecht.

Die beiden stählernen Kolosse gingen in den Nahkampf. Teilweise lagen sie so dicht beieinander, dass die Matrosen ohne große Mühe von einem Schiff zum anderen hätten hinüberspringen können. Immer, wenn eines der beiden einen Treffer beim Gegner landete, schüttelte es die Männer heftig durcheinander. Doch keine Seite konnte der anderen einen entscheidenden Schaden zufügen, die Panzerungen hielten dem Beschuss stand. Wirkungslos wie "von einem Kinde geworfene Kieselsteine" sei das Feuer der "Virginia", spottete ein Offizier der Unionsarmee.

Über den Schiffen und dem Wasser standen mittlerweile gewaltige Rauchwolken, immer wieder durchdrang das Grollen einer abgefeuerten Kanone das Inferno. An den Ufern staunten die Zuschauer, auf den Schiffen der Umgebung waren die Takelagen voll mit neugierigen Matrosen. "Eines der großartigsten Seegefechte seit Beginn der Welt", stellte ein Beobachter fest.

800 Tonnen Eisen

Vier Stunden beharkten sich die beiden gleichwertigen Gegner bereits, bis der "Virginia" ein entscheidender Treffer gelang. Eine ihrer Granaten explodierte in der Nähe des Sehschlitzes, durch den der Kapitän der "Monitor" blickte. Für kurze Zeit war die "Monitor" führerlos und trieb von ihrem Gegner weg. Aber auch die "Virginia" war des Kampfes müde. Ihr Kommandant meinte, dass sich der Feind geschlagen gäbe, und nahm Kurs auf seinen Stützpunkt.

Eine kuriose Situation: Beide Seiten erklärten hinterher, dass sich der jeweilige Gegner zurückgezogen habe. Sowohl Süd- als auch die Nordstaaten reklamierten den Sieg für sich.

Die Idee, ein Panzerschiff wie die "Virginia" zu bauen, wurde in den Südstaaten einige Monate zuvor aus purer Not geboren. Die Konföderation besaß nach der Sezession von den Nordstaaten weder eine nennenswerte Kriegsmarine, mit der sie die von der US-Navy verhängte Blockade ihrer Häfen hätte durchbrechen können, noch Konstrukteure, die in kurzer Zeit ein komplettes Schiff hätten planen können.

Da traf es sich gut, dass 1861 konföderierte Kämpfer bei einer Werft der Union eine wertvolle Beute gemacht hatten: die ausgebrannte Dampf-Fregatte USS "Merrimack". Ein Glücksfall, denn der Rumpf der Schiffsruine war weitgehend intakt geblieben und konnte als Gerüst für das Panzerschiff dienen. In ganz Virginia ging nun die verzweifelte Suche nach Eisen los: Werkzeuge, unbrauchbare Geschütze und Bahnschienen ergaben schließlich die benötigte Menge von 800 Tonnen Eisen, um die hölzerne "Merrimack" in das Panzerschiff "Virginia" zu verwandeln.

Eine Geheimwaffe war die "Virginia" allerdings keineswegs. Der Marineminister der Nordstaaten erfuhr von dem Projekt beim Studium einer Zeitung aus dem Süden. Kurz darauf gab der Kongress der Nordstaaten über eine Million Dollar frei, um eiligst ein eigenes Panzerschiff zu entwickeln. Der Schwede John Ericsson entwarf und baute in der Rekordzeit von knapp 90 Tagen die "Monitor", von der viele Eingeweihte aufgrund ihrer Bauweise bezweifelten, dass das Schiff überhaupt schwimmen könne.

Das Ende der Unzerstörbaren

Am 6. März brach die "Monitor" von ihrer Werft in Brooklyn am Seil eines Schleppers auf in Richtung Süden, zum Kampf mit der "Virginia". Fast hätte sie es nicht geschafft, ein schwerer Sturm brachte die "Monitor" noch vor Erreichen des Kampfgebietes fast zum Kentern. Zugleich ging auch die "Virginia" am 8. März 1861 auf ihre erste Feindfahrt in den Gewässern der Hampton Roads. Und erwies sich hierbei als anscheinend unbesiegbar: Die Fregatte "USS Cumberland" und deren Schwesterschiff "USS Congress" überschütteten den mit zentimeterdicken Stahlplatten geschützten Feind zwar mit Kugeln, diese prallten indes wirkungslos ab. Die "Virginia" näherte sich den Feinden langsam, aber entschlossen. Aus kurzer Distanz eröffnete sie das Feuer und verwandelte die beiden Unionsschiffe unter stundenlangem Beschuss zu Wracks, 300 Seeleute starben.

Kein Wunder, dass sich in Washington bald nach Bekanntwerden dieser Nachricht Panik breitmachte. In der Regierungszentrale der Nordstaaten befürchtete man, dass sich dieses unzerstörbare Monstrum der Konföderation bald ungehindert der Hauptstadt der Union nähern könnte.

Nur die "Monitor" stand diesem Schicksal im Wege. Doch als sie am Abend endlich Hampton Roads erreichte, blieb ihrer Mannschaft nichts weiter zu tun, als die brennende "Congress" zu bedauern und Rache zu schwören. Die sollte am nächsten Morgen, dem 9. März, indes mit dem unentschiedenen - und einzigen - Duell dieser beiden Panzerschiffe enden.

Zwei Monate nach dieser Schlacht eroberten die Unionstruppen von der Landseite aus die Werft, in der die "Virginia" vor Anker lag. Die Konföderierten versenkten sie lieber, als sie dem Feind in die Hände fallen zu lassen.

Doch auch der "Monitor" war keine lange militärische Karriere "vergönnt". Zum Verhängnis wurde dem Schiff Ende 1862 seine Bauweise. Sein tief im Wasser liegender Rumpf war für schwere See nicht geeignet. Als die "Monitor" in die Hafenstadt Charleston verlegt werden sollte, ging sie in einem Sturm unter. Nach der Schlacht von Hampton Roads am 9. März 1862 begannen Kriegsmarinen auf der ganzen Welt allerdings eiligst mit dem Bau von Panzerschiffen. Die Zeit der hölzernen Segler war abgelaufen.

Zum Weiterlesen:

James M. McPherson: "War on the Waters: The Union and Confederate Navies, 1861-1865". University of North Carolina Press, Chapel Hill 2012, 277 Seiten.

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1.
Harry Harryman 16.07.2013
Sehr schön geschrieben. Ich habe nicht mal einen Flüchtigkeitsfehler gesehen. - Ein perfekter Text. Well done!
2.
Mathias Völlinger 16.07.2013
>Sehr schön geschrieben. Ich habe nicht mal einen Flüchtigkeitsfehler gesehen. - Ein perfekter Text. Well done! Haben Sie auch die inhaltliche Bedeutung dieses grammatikalisch höchstperfekten Textes verstanden? *** seufz ***
3.
Thomas Daum 16.07.2013
Ich bestreitet nicht, dass die beiden genannten Schiffe die ersten gepanzerten Dampschiffe waren. Ich bin zwar kein Militärexperte (möchte ich auch nicht sein) - aber für die ersten Panzerschiffe hätte ich die koreanischen Schildkrötenschiffe der Joson-Dynastie gehalten. Die wurden seinerzeit recht erfolgreich gegen zahlenmäßig weit überlegene japanische Schiffe eingesetzt. Schade eigentlich... dass man auch hier wieder den Eindruck gewinnen kann, dass bei vielen Journalisten Geschichte nur westliche Geschichte ist.
4.
Uwe Streb 16.07.2013
Bei Monitor und Virginia handelt es sich nicht um die ersten Panzerschiffe, das erste seegehende Panzerschiff war die französische Glorie, es handelt sich aber um das erste Gefecht zwischen Panzerschiffen.
5.
William Pitt 16.07.2013
Nach diesem Kriterium wären schon mit Bleiplatten oder Eisenketten gepanzerte Fahrzeuge der Antike als "Panzerschiffe" anzusehen. "Panzerschiff" (engl. Ironclad) ist in diesem Fall aber die Bezeichnung eines speziellen Schiffstyps, der erst in der Mitte des 19. Jahrhunderts nun einmal "im Westen" auftauchte.
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