Vergessene Orte Kannibalen im Stalag XB

Vergessene Orte: Kannibalen im Stalag XB Fotos
Jochen Bölsche/DER SPIEGEL

Rund 150 Kriegsgefangenenlager betrieben die Nazis während des Zweiten Weltkriegs in Deutschland. Stalag XB war eines der größten. Dort schufteten und starben Tausende. Bis heute stehen Lager wie dieses als Erinnerungsorte im Schatten der KZs - doch oft ging es dort nicht weniger grausam zu. Von Jochen Bölsche

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Als der Schwimmmeister Werner Zeitler vor 20 Jahren "der Liebe wegen" nach Sandbostel im niedersächsischen Landkreis Rotenburg zog, da hat ihm zunächst "keine Menschenseele erzählt, wohin ich hier geraten war".

Eine Mauer des Schweigens umgibt die Vergangenheit des benachbarten "Gewerbegebiets Immenhain", eines Pappel- und Birkenwäldchens mit halb verfallenen Holzbaracken. Die schäbigen Bauten beherbergen einen Reiterhof und einen Sonderpostenmarkt, einen Militaria-Handel und zeitweise ein Bordell.

Während die Einheimischen "kein Sterbenswörtchen" über die Vorgeschichte der Barackensiedlung verlieren, spürt Zeitler, Jahrgang 1944, mehr und mehr Bedrückendes über das Areal in der Nachbarschaft auf: Die Baracken erweisen sich zu seiner Überraschung als Überbleibsel eines der größten Kriegsgefangenenlager der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg

"Wo stehen hier die Verbrennungsöfen?"

Schätzungsweise eine Million Kriegsgefangene und Internierte aus mehr als 40 Nationen haben während der gut fünfeinhalb Kriegsjahre das "Stammlager" B im norddeutschen "Wehrkreis X" bewohnt oder durchlaufen. Vom "Stalag X B" am Rande des Teufelsmoors aus werden die Gefangenen auf Hunderte von Arbeitskommandos zwischen Elbe und Weser verteilt.

In dem Lagergeviert, lediglich 500 mal 700 Meter groß, waren gleichzeitig bis zu 71.000 Gefangene in mehr als 150 Baracken zusammengepfercht. Immerhin 23 dieser Gebäude sind, in unterschiedlichen Stadien des Verfalls, bis heute erhalten. Der Immenhain ist damit das größte bauliche Relikt einer Lagergattung, die noch immer zu den blinden Flecken im Bewusstsein der Deutschen zählt.

Während die Literatur über die nationalsozialistischen Konzentrationslager nahezu unüberschaubar ist, sind die rund 150 Kriegsgefangenenlager der Wehrmacht der kollektiven Erinnerung der Deutschen weitgehend entschwunden. "Wo stehen denn hier die Verbrennungsöfen?", wird der Sandbosteler Zeitler gelegentlich gefragt, wenn er Schüler über das Gelände führt - viele Jugendliche, so erfährt er, können zwischen Kriegsgefangenen- und Vernichtungslagern nicht unterscheiden.

Gefangenenlager als Hollywood-Sitcom

Andere Besucher wiederum haben, wenn sie von deutschen Kriegsgefangenenlagern hören, vor allem das fidele Camp aus "Hogan's Heroes" vor Augen, einer Hollywood-Sitcom, die im deutschen Fernsehen jahrelang unter den Titeln "Ein Käfig voller Helden" (Kabel 1) und "Stacheldraht und Fersengeld" (Sat.1) lief. In 168 Folgen narren gewitzte alliierte Offiziere den Stalag-Kommandanten Oberst Klink, einen begriffsstutzigen Monokelträger, und dessen dümmlichen Feldwebel Schultz mit raffiniert eingefädelten Massenfluchten und Sabotageakten.

Um die Wirklichkeit der Gefangenen im reichsdeutschen Archipel Stalag zu ergründen, eignet sich die Geschichte kaum eines anderen Lagers so gut wie die Sandbostels, wo auf engstem Raum gänzlich unterschiedlich untergebrachte und versorgte Gefangenengruppen nebeneinander hausen mussten.

Privilegien genießen hier, neben den Amerikanern, vor allem die Briten, darunter die Besatzungen versenkter Kriegsschiffe. "Da sie nicht besiegt waren und da es in England deutsche Kriegsgefangene gab, waren sie die Könige der Gefangenschaft", notiert einer der französischen Insassen. Die Briten müssten weniger arbeiten als andere und bekämen "Pakete im Überfluss". Franzosen und Belgier, deren Heimatländer von der Wehrmacht besetzt waren, sehen sich wiederum besser gestellt als etwa Serben und Griechen. Am untersten Ende der Lagerhierarchie rangieren, nach dem Sturz Mussolinis und dem Frontwechsel ihres Landes, die Italiener sowie, ganz, ganz unten, Russen und Polen.

"Schärfste Ausnutzung der Arbeitskraft"

Als die ersten polnischen Gefangenen unmittelbar nach Kriegsbeginn im September 1939 nach Sandbostel verschleppt werden, finden sie in der Einöde zwischen Moor und Heide ein Provisorium vor: ein Stacheldrahtkarree mit Zelten, in denen die Bewohner auch bei Minusgraden auf blanken Holzbohlen kampieren müssen, dazu einen 50 Meter langen Latrinengraben mit Sitzbalken und einen einzigen Hahn, aus dem gelbliches Wasser fließt.

Bald aber entsteht inmitten des drei Meter hohen Doppelzauns eine ganze Barackenstadt samt Wasch- und Küchengebäuden, ausgelegt für 12.000 Gefangene und weitgehend ausgerichtet an Vorgaben der Genfer Konvention und des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK). Dessen Inspektoren loben zunächst, das Lager sei "sehr gut organisiert", die Desinfektionsanlage "perfekt", die medizinische Betreuung "kompetent", die Verpflegung "gut und nahrhaft". Es gibt sogar eine Ladenbaracke; sie offeriert Obst und Limonade, Tabak und Haarwasser, auch Kleiderbügel für 10 Pfennig und Mundharmonikas für 60 Pfennig.

Gemäß der Genfer Konvention bleiben die Offiziere der Westalliierten freigestellt von Zwangsarbeit. Die Masse der Gefangenen jedoch wird zwecks "schärfster Ausnutzung der Arbeitskraft", so die Vorgabe der Nazis, für Monatslöhne zwischen 18,20 und 45 Reichsmark in Fabriken und in der Landwirtschaft eingesetzt.

Loblied auf die "petite Sandbostelloise"

In Industriebetrieben setzt es nicht selten Fußtritte und Kolbenhiebe, Bauernhöfe dagegen bieten bisweilen Schinkenspeck und Familienanschluss. Obwohl Heimatblätter wie die "Bremervörder Zeitung" wiederholt vor verbotener Nähe warnen ("Fremdvolk ist und bleibt Fremdvolk"), sind rund um Sandbostel "Sympathie, Flirt und Sexualität" zwischen Gefangenen und Bäuerinnen "nicht auszuschließen", wie der Lokalhistoriker Klaus Volland schreibt.

In dem (vergriffenen) Buch "Stalag XB Standbostel" zitieren er und sein Kollege Werner Borgsen gar einen Lager-Chanson mit dem Titel "Ma petite Sandbostelloise": "Als die Ernte eingefahren war, hatte ich ihr flatterhaftes Herz gewonnen", heißt es darin.

Den Lagerinsassen steht eine Bibliothek mit 15.000 Büchern zur Verfügung. Gefangene geben Kurse in Musik und Malerei, Chemie und Theologie oder organisieren Box-, Tischtennis- und Fußballturniere. Eine Theatergruppe namens "L'Equipe" führt 43 Theaterstücke von Molière bis Shakespeare auf, und samstags spielt in der Baracken-Bar "Pigalle" eine Tanzkapelle Musette-Walzer und Jazz.

Heimlich versorgt - oder totgeschlagen

Doch die Zustände ändern sich bald dramatisch: Im Herbst 1941 werden Abertausende gefangener Russen dem Sandbosteler Stalag zugeteilt. Die Zahl der Insassen schnellt auf bis zu 71.000 empor. Viele Rotarmisten erreichen das Lager bereits halb verhungert und erfroren in ungeheizten Waggons. Die Sowjetsoldaten werden von den deutschen Wachmannschaften als "Untermenschen" beschimpft und schikaniert, von ukrainischen Kapos geprügelt, bekommen "Russenbrot" aus Rindenmehl und Rübenschnitzeln in Hungerrationen.

Trotzdem werden sie zu den härtesten und schmutzigsten Arbeiten eingesetzt - bei der Moorkultivierung etwa oder der Fäkalienausbringung. Den IKRK-Delegierten ist es untersagt, die überfüllten, verwanzten Baracken der Russen - ein separat umzäumtes Lager im Lager - zu inspizieren. Denn als "Todfeind" der Deutschen hat der "Bolschewist" laut NS-Doktrin "jeden Anspruch auf Behandlung als ehrenhafter Soldat und nach dem Genfer Abkommen verloren".

Dennoch zeigt sich in Sandbostel die ganze Bandbreite möglicher Verhaltenweisen: "Neben menschlicher Solidarität stand Teilnahms- und Gewissenlosigkeit", schreiben die Historiker Volland und Borgsen. So stecken Wachmänner hungernden Russen heimlich Kartoffeln zu, während Sadisten Kranke mit dem Hammer erschlagen. Manche Einheimische stellen angesichts einer durstleidenden Marschkolonne einen Eimer Wasser an die Straße - und müssen zusehen, wie ein strammer Nazi-Nachbar das Gefäß einfach umtritt.

Die SS übernimmt das Kommando

Je länger der Krieg andauert, desto häufiger kämpfen hungernde Russen um Essensreste aus Mülleimern, stürzen sich auf Grasbüschel, verzehren Baumrinde. Trotz Eisregens müssen Gefangene nackt und bisweilen stundenlang vor den Duschen warten. In Frostnächten verheizen die Verzweifelten ihre Bettgestelle; sie nächtigen fortan auf dem Zementboden der Baracken.

Im Winter 1941/42 rafft eine Flecktyphus-Epidemie Aberhunderte dahin. "Kaum dass jemand starb, wurde er seiner Kleidungsstücke beraubt", notiert ein entsetzter französischer Augenzeuge. Die Seuchenopfer werden in Massengräbern verscharrt. "Einige haben noch gezappelt", berichtet die Frau eines zum Leichentransport befohlenen Bauern. Die Gesamtzahl der in Sandbostel gestorbenen Sowjetgefangenen liegt nach weit differierenden Schätzungen zwischen 8000 und 46.000.

Vollends zur Hölle wird Sandbostel, das seit dem Herbst 1944 dem Kommando der SS unterstellt ist, kurz vor Kriegsende für Insassen des Konzentrationslagers Hamburg-Neuengamme. Um die Zeugen der KZ-Gräuel nicht den anrückenden Alliierten in die Hände fallen zu lassen, schickt die SS die entkräfteten KZ-Häftlinge Mitte April in das Stalag XB, wo bereits Hunger und Seuchen wüten.

Kannibalistische Exzesse

Ungezählte sind bereits auf dem Bahntransport gestorben. Mitgefangene haben der Nachwelt die kaum fassbaren Umstände überliefert. In einigen der mit 80 bis 100 Menschen vollgestopften Waggons, bekundet der Franzose Raymond Portefaix, "überleben nur etwa 30, die anderen haben sich gegenseitig die Kehle durchgeschnitten, um das Blut zu trinken".

Auch in den Sandbosteler Baracken, wo die SS bei einer Hungerrevolte in der Nacht zum 20. April rund 300 Gefangene erschießt, kommt es, so eine Dokumentation der Lagergemeinschaft Neuengamme, zu kannibalistischen Exzessen, bei denen "Herz, Lunge und Leber" aus Leichen geschnitten, geröstet und verzehrt werden. Augenzeuge Portefaix begegnet in den Tagen des Grauens einem "hohlwangigen, ziemlich jungen Burschen", der seinen Vater sucht und nur noch dessen Leiche findet - mit geöffnetem Brustkorb: "Sie haben Papa gegessen."

Als britische Truppen am 29. April unter massivem Beschuss fanatischer SS-Leute das Lager besetzten, bot sich ihnen ein Bild des Grauens. Den Offizieren, die kurz zuvor das KZ Bergen-Belsen befreit haben, erschien Sandbostel mit seinen Leichenbergen als eine Miniaturausgabe des Heide-KZ, als "a minor Belsen".

Lynchjustiz und Persilscheine

Nach der verlustreichen "Battle of Sandbostel" kann ein Dorfpastor die empörten Briten nur mit Mühe davon abhalten, zur Vergeltung die umliegenden Orte in Schutt und Asche zu legen. Befreite Häftlinge schlachten unterdessen das Vieh auf den Weiden ab und plündern Bauernhöfe. Besonders verhasste Wachsoldaten und brutale Zwangsarbeitgeber werden in diesen Tagen zu Opfern von Lynchjustiz; anderen hingegen wird in kyrillischen Lettern bescheinigt, sie seien "gute Deutsche".

Bald nach den dramatischen Tagen senkt sich kollektives Schweigen über das einstige Stalag XB. Das Gelände wird zum Gewerbepark umgewidmet; wer künftig noch von einem Lager redet, "muss einen ausgeben", scherzt der Bürgermeister. Regionalhistoriker, die Nachforschungen anstellen, werden jahrelang als "Nestbeschmutzer" diffamiert und gemobbt.

Beharrlich widersetzen sich CDU-Politiker in der schwarzen niedersächsischen Provinz lange Zeit allen Plänen, die verbliebenen Baracken als Gedenkstätte zu nutzen. Erst rund 60 Jahre nach Kriegsende bahnt sich eine Wende an: Nach anhaltenden Protesten von Prominenten wie dem jüdischen Schriftsteller Ralph Giordano, von Sozialdemokraten und Häftlingsverbänden ist die Spitze der niedersächsischen CDU der Konflikte um Sandbostel überdrüssig und drängt die Parteifreunde auf dem Lande zur Mitarbeit beim Aufbau einer "Dokumentations- und Gedenkstätte".

Ein Soldat namens McAllister

Eine mittlerweile gegründete überparteiliche Stiftung hat seither einen Teil der Baracken gekauft, ein provisorisches Lagermuseum eingerichtet und erste internationale Jugendbegegnungen in Sandbostel organisiert. Immerhin rund 12.000 Besucher haben sich seit 2008 über das Stalag und KZ-Auffanglager am Teufelsmoor informiert.

"Jeder Schüler" aus der Region müsse die Barackensiedlung einmal gesehen haben, fordert David James McAllister, seit 2008 Chef der Niedersachsen-CDU. Bei Kriegsende hat sein früh verstorbener Vater mit der schottischen 51. Highland-Division in Norddeutschland gekämpft. "Er muss", so der Sohn jüngst bei einer Sandbostel-Visite, "irgendwo hier dabei gewesen sein."

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1.
Horst Freiwald 18.01.2010
Nicht vergessen sollte man, daß Reste von Stalag XB nach dem Krieg weiter benutzt wurden. Als damaliger "SBZ-Flüchtling" wurde ich vom 7.Januar 1954 bis zum 26. Januar 1954 im "Jugendlager Sandbostel" (Notaufnahmelager für Jugendliche unter 21 Jahren) untergebracht und auf einen Wohn- und Arbeitsplatz in Süddeutschland vorbereitet. Dieses Jugendlager bestand aus mehreren renovierten Stalag-Baracken sowie dem Vorlager für Verwaltung und ärzliche Betreuung.
2.
Sibylle Suchan-Floß 18.01.2010
Es sind nicht nur die vergessenen Orte, auch die Opfer sind "vergessen". Mindestens 20.000 ehemalige sowjetische Kriegsgefangene, die diese Schreckenslager überlebt haben, haben Anträge auf "Zwangsarbeiterentschädigung" gestellt, nur um einen Bescheid zu erhalten, dass sie nach dem Stiftungsgesetz der EVZ als Kriegsgefangene nicht leistungsberechtigt sind. Ihre völkerrechtswidrige "Sonderbehandlung" d.h. die Nichtanwendung der Genfer Konvention auf sowjetische Kriegsgefangene begründete Deutschland damit, dass die Sowjetunion die Genfer Konvention nicht oder nur in Teilen anerkannt hatte. Die polnischen Kriegsgefangenen waren da allerdings schon lange (wenn auch völkerrechtswidrig) in den Zwangsarbeiterstatus überführt worden und offiziell aus der Kriegsgefangenschaft entlassen worden. Anders als für die italienischen Militärinternierten gibt es allerdings für die Schicksale der ehemaligen sowjetischen Kriegsgefangenen und die sog. "Russenlager" der Wehrmacht in Deutschland kein großes Interesse.
3.
Susanne Modeski 18.01.2010
"Es sind nicht nur die vergessenen Orte, auch die Opfer sind "vergessen"." Es wäre vielleicht eine ganz gute Idee, wenn Russland seinerseits anfangen würde, die Opfer sowjetischer Kriegsverbrechen zu entschädigen -*die Ukrainer, die im Holodomor starben, die Offiziere von Katyn, die Millionen von Kasachen und Tschetschenen, die nach dem Zweiten Weltkrieg vertrieben und umgebracht wurden, Frauen in Deutschland, Polen und der Tschechoslowakei, die vergewaltigt wurden, Balten und Rumänen, die in Gulags verschleppt wurden, darunter 13-jährige Mädchen, die im Nachthemd auf Viehwagen nach Sibirien abtransportiert wurden. Ein guter Anfang wäre, Entschädigung an die Kinder in Afghanistan zu zahlen, die Arme und Beinedurch sowjetische Landminen verloren. Dann erhöht sich vielleicht auch die allgemeine Akzeptanz, Entschädigungen an Sowjetsoldaten zu zahlen.
4.
Jakob Hartmann 20.01.2010
@ Susanne Modeski Darf ich fragen was das mit dem Thema zu tun hat? Um es mit Ihren Worten zu sagen,... es wäre vielleicht eine gute Idee nicht immer auf die anderen mit den Fingern zu zeigen und bei dem Thema zu bleiben. Es wäre vielleicht eine gute Idee darüber nachzudenken, wer jetzt die Sowjetunion überfallen hat und es wäre vielleicht eine ganz gute Idee darüber nachzudenken, dass 20 (laut neuen Forschungen bis zu 40) mio toter Sowjetbürger infolge des Krieges umgekommen sind. Na ja, ich bin auch kein Freund der russischen Politik, aber immer irgendwas hervorzuholen was nicht mit dem Thema zu tun hat, ist einfach lächerlich. Oder soll ich das genauso machen? Sie regen sich bestimmt auch über Israel auf, wie? Die sind doch auch ganz böse!!! Ach ja, die USA sind Ihrer Meinung sicherlich ganz schlimm und sooooooo schlimm waren die Deutschen nun auch nicht, oder?
5.
Olaf Peter Eul 21.01.2010
Mit Verlaub - die Überschrift des Beitrags "Kannibalen im Stalag..." ist ein Beispiel für eine ungeheure Geschmacklosigkeit, und das von deutschen (Spiegel?-)Journalisten, die es doch immer so gut meinen: Sie suggeriert, das Kannibalen eingesperrt wurden. Das die armen Kerle dies taten - wie auch in Leningrad während der deutschen Belagerung - weil sie verbrecherisch behandelt wurden, gehört ausreichend ausgedrückt - auch und gerade in einer Überschrift, die zuweilen nur flüchtigh gelesen wird. Das hat überhaupt nichts mit Gutmenschentum zu tun, sondern mit normalem Menschenverstand und Geschichtsverständnis. Wir Deutschen meinen immer, mit unzähligen TV-Dokumentationen und Kopien in den Schulen das 3. Reich abhandeln zu können, und dann passieren solche Sachen, die mit Gedankenlosigkeit schwer zu erklären sind. Gerade weil ich auch um unsere deutschen Opfer im und nach dem 2. Weltkrieg trauern können möchte, muss ich mir auch die Gefühlslage der anderen, gerade östlich gelegenen Völker bewußt werden; wie könnte ich sonst angesichts dieses Artikels trauern, wenn mann in das Brückenmuseum in Remagen geht, wo an die - verhältnismäßig wenigen! - in amerikanischer Lagerhaft gestobenen Wehrmachtssoldaten erinnert wird? Es geht nicht um´ s aufrechnen. Aber es sind eben doch verschiedene Dimensionen gewesen, bedingt durch eine Rassenideologie. Dann lasst uns aber auch die Konsequenz für angemessene Formulierungen und Überschriften ziehen.
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