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Vergessener Fotoschatz Beatles in der Box

Vergessener Fotoschatz: Beatles in der Box Fotos
Paul Berriff

Ein halbes Jahrhundert verstaubten sie in einer Schachtel auf dem Dachboden: Fotos aus der Anfangszeit der Beatles. Geknipst hat sie ein 16-Jähriger, kurz bevor die Fab Four zu Weltstars wurden - einestages zeigt die lange vergessenen Momentaufnahmen. Von

Eigentlich wollte er nur üben. Blende, Belichtungszeit, Tiefenschärfe. Die richtige Bildkomposition, der goldene Schnitt, die bewusste Unschärfe. Paul Berriff war ein ganz gewöhnlicher Teenager mit Träumen, wie sie viele Jugendliche in seinem Alter haben. Er wollte gerne Reporter werden. Oder Fotograf.

In Wirklichkeit war Paul Berriff, damals 16 Jahre alt, ziemlich weit von seinen hehren Zielen entfernt. Ja, er arbeitete zwar für eine Zeitung, die "Yorkshire Evening Post". Aber, wie er fast fünf Jahrzehnte später zugibt, war er dort nur der "copy boy", der den echten Reportern ungeliebte Tätigkeiten abnahm und sich etwas Geld verdiente.

Seine Berufserfahrung musste er daher in der Freizeit sammeln. Also zog Berriff mit seiner Nikon-Kamera durch seine Heimatstadt Leeds. Er fotografierte Straßen, Gärten, Häuser. Zu wenig Bewegung. Schließlich bat er die Veranstalter der regionalen Bühnen in der Grafschaft Yorkshire, ihn doch bitte bei Proben und Konzerten in den Backstage-Bereich zu lassen. "Vielleicht waren es meine journalistischen Fähigkeiten", sagt er heute lachend. Oder der Charme seiner Freundin, die ihn stets begleitete. Jedenfalls ließ man ihn einfach machen.

Der Teenager und die Weltstars

Berriff fotografierte und fotografierte. Er ahnte nicht, wen er da alles vor die Linse bekam: Roy Orbison, die Rolling Stones, The Searchers, The Hollies, Marianne Faithful. Und besonders häufig die Beatles, die mit ihrer Single "Please, Please Me" eben ihren ersten Hit gelandet hatten. Es war Anfang 1963 und die britische Musikszene hatte gerade erst begonnen, Jugendliche auf der ganzen Welt mit dem Beat-Fieber zu infizieren. Der ambitionierte Jungfotograf hatte, ohne es zu wissen, spätere Weltstars abgelichtet.

Ein paar Dutzend Fotos machte er allein von den Beatles, die er auf vier Konzerten erlebte. Entstanden sind dabei ungewöhnliche Porträts aus genau jener Zeit, als die aufstrebende Band schlagartig zum Phänomen wurde. Nur: Die Beatlemania war damals noch nicht ausgebrochen. Berriffs Bilder wurden nie gedruckt, obwohl der Hobby-Reporter durchaus Talent bewies. Mit 17 Jahren bekam er seinen ersten Job als Fotograf. Vier Jahre später wurde er Kameramann bei der BBC, mit 21 der jüngste, den die BBC jemals hatte. Berriff gewann etliche Preise, doch seine frühen Fotoaufnahmen wanderten schnell in eine Box auf dem Dachboden. Dort gerieten sie in Vergessenheit.

Erst als er nach der jahrzehntelangen Arbeit als Kameramann wieder Lust auf Porträtfotografie verspürte, erinnerte sich Berriff an seine alten Aufnahmen - und holte den Fotoschatz vom Dachboden. "Ich war selber überrascht, wie gut die Qualität ist", sagt er. Ende April 2010 zeigte er die vergessenen Beatles-Bilder erstmals in einer Ausstellung in London, und vertrieb sie anschließend auch im Internet unter dem Namen "The Beatles Hidden Gallery".

Entspannen in den Probepausen

Die Fotos dürften nicht nur notorischen Sammlern und eingefleischten Beatles-Fans interessieren. Berriffs Aufnahmen wirken ungewöhnlich intim und ungestellt, sie leben von Andeutungen, Blicken, Gesten: Paul McCartney puhlt sich mit dem Finger im Mund. Ringo Starr entspannt sich, in der linken Hand ein Glas Rotwein, in der rechten eine Zigarette. George Harrison blickt gedankenverloren ins Leere. Und natürlich gibt es Bilder, die zeigten, was nach und zwischen den Proben passierte: gemeinsame Weinpause mit dem Klavier als Tresen. Oder: abhängen im Zuschauersaal - die jungen Musiker haben ihre Füße so lässig auf die Sitze gelegt, dass es jeden Schaffner der Deutschen Bahn zur Weißglut bringen würde.

"Ich habe versucht, möglichst authentische Momente einzufangen", erklärt Paul Berriff. "Deshalb habe ich die Beatles fast nie gebeten, bestimmte Posen zu machen." Um auch die Lichtverhältnisse natürlich einzufangen, verzichtete er zudem auf den Blitz.

Doch vielleicht resultiert der Charme der Bilder auch schlicht daraus, dass da ein unbedeutender Milchbubi auf vier Musiker traf, die sich noch längst nicht als Superstars empfanden. "Sie haben sich wie ganz normale Jungs verhalten", erinnert sich der heute 63-Jährige. "Besonders Paul hat mich immer freundlich begrüßt und mit mir geplaudert, John und Ringo blieben mehr im Hintergrund."

Fast ein Privatkonzert

Schnell ließ sich auch der junge Fotograf von der Musik anstecken, die ihn, wie seine ganze Generation, in den Bann zog - und zum treuen Beatles-Fan machte. Bei den Konzerten drehten die Fans durch, Mädchen kreischten, fielen in Ohnmacht. "Von der Musik war leider kaum etwas zu verstehen."

Sein schönstes Erlebnis mit den Beatles wurde daher auch ein besonders Stilles: Im November 1963 erlebte er die Band in der Universitätsstadt Huddersfield nachmittags bei einer Konzertprobe. Die Beatles hatten gerade ihre Single "I want to hold your hand" veröffentlicht. "Es war ein einmaliges Erlebnis", erinnert sich Berriff. "Meine Freundin und ich waren ganz alleine da. In dieser Situation das Lied zu hören, das Teenager auf der ganzen Welt bald zur Nummer eins machten, war absolut phantastisch."

Berriff schaute zu, beobachtete, genoss.

Dann griff er zur Kamera.

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insgesamt 10 Beiträge
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1.
Petra Sophus, 25.05.2010
Bisschen hochgespielt, oder? Nur, weil's die Beatles sind, sind die Bilder doch noch nicht besonders gut oder interessant. Und die Bildtexte sind so oberflächliche Beschreibungen von dem, was man eh schon sieht, dass man sie besser weglassen könnte.
2. mhhh die Bilder sind aber schon
Olaf Schiege, 12.04.2014
Ende 63 und da war die Karriere schon am laufen. Nur die Beatles - mhh nenn mir eine einflussreichere, erfolgreichere, innovativere und kreativere Band - bis heute?! Gibt es nicht und wird es auch nicht geben. Ich finde es immer wieder erstaunlich wie in nur 3 Jahren (63-66) diese absolute Wandlung einer Beatcombo zur Megaband wurde. Von Please, Please Me zu Tomorrow Never Knows...
3. bitte keine Legenden bilden
Achim Schüßler, 29.10.2014
Den Nachgeborenen sollten keine Legenden unterbreitet werden. Ich war 1963 in England und da ragten die Beatles schon aus der Menge ähnlicher Gruppen (Merseybeat) heraus. So wie es hier vermittelt wird, soll es sich um damalige Nobodies handeln. Das waren sie spätestens mit der Pilzkopffrisur, mit immer längeren Haaren, definitiv nicht mehr. Sie waren die unglaublichen Stars. Dass es danach noch weiter aufwärts ging, hat auch damit zu tun, dass sich die Jugendkultur der Sechziger so atemberaubend entwickelte. Natürlich haben die Beatles daran mitgewirkt, aber es gab auch andere(s), und davon haben sie eben auch profitiert. Sozusagen waren sie halb Henne, halb Ei.
4. Nur Foto 11 ist von 1963
Ronald Schmidt, 29.10.2014
Diese Fotos sind zwar ganz gut, Berriff bzw. der Autor des Artikels irrt sich aber gewaltig bei der zeitlichen Zuordnung. Denn nur Foto 11 dürfte aus dem Jahr 1963 stammen. Alle anderen sind frühestens vom Sommer 1964, als die Beatles schon längst Weltstars waren. Denn erst nach den Dreharbeiten zum Film A Hard Day's Night im Frühjahr 1964 ließ sich John Lennon die Haare bis über die Ohren wachsen, so dass seine Koteletten nicht mehr zu sehen waren. Es mag also sein, dass Berriff Fotos der Fab Four vor ihrem großen Durchbruch in England gemacht hat - hier sind sie aber nicht dabei.
5. Alter?
Christian Roth, 16.02.2015
Anfang 1963 war der Junge angeblich 16 Jahre alt. Dann ist er wohl so um 1947 geboren? Im Text steht etwas von "der 63-jährige.." Und danach wäre er so um 1951/52 geboren und hätte die 1963er Fotos als 10-12 Jähriger gemacht! Irgendetwas stimmt da mit den Jahreszahlen nicht!
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