Vergessener Fußballheld Der Mann, der das erste WM-Tor schoss

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Volleytreffer für die Ewigkeit: Der Franzose Lucien Laurent schoss vor 77 Jahren das erste Tor bei einer Fußball-Weltmeisterschaft. einestages erinnert an den Sporthelden, der heute 100 Jahre alt geworden wäre - und selbst gar nicht wusste, wie er sein historisches Tor erzielt hatte. Von

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Als Pippo Inzaghi in der vergangenen Woche mit seinem 63. Treffer für den AC Mailand Gerd Müllers Uralt-Torrekord im Europapokal brach, war dem Italiener der Applaus des Publikums gewiss. Schließlich fußen Inzaghis Tore auf einer 52-jährigen Europacup-Geschichte voll von medialer Aufmerksamkeit.

Pioniere haben es da schwerer. Als Lucien Laurent vor knapp 77 Jahren das allererste Tor der Weltmeisterschafts-Geschichte markierte, war der Jubel verhalten. Allenfalls 4000 Zuschauer in Montevideo sahen, wie Frankreich am 13. Juli 1930 durch den Schuss des Automechanikers gegen Mexiko in der 19. Minute 1:0 in Führung ging. "Damals hat niemand dem eine historische Bedeutung zugemessen", resümierte Laurent kurz vor seinem Tod im April 2005. Heute vor 100 Jahren kam der Linksfuß in Saint-Maur-des-Fossés zur Welt.

Symptomatisch für den bescheidenen Ruhm der Premieren-Tat: Wie das Tor fiel, ist nicht exakt überliefert. Kameras fehlten beim Auftaktspiel im kleinen Estadio Pocitos. Laurent selbst hat der Nachwelt zwei verschiedene Entstehungsgeschichten hinterlassen. Flanke Liberati, Pass Delfour, Volleyschuss Laurent - so lautete die erste Version 1994. Zehn Jahre später erzählte der betagte WM-Held dagegen: "Chantrel flankt von rechts zu Langiller, der legt den Ball auf Laurent, und Laurent schießt den Ball mit einem Volley-Rückzieher ins Tor."

Ehrung durch den Verband blieb aus

Mitspieler, die vielleicht für Aufklärung sorgen könnten, leben längst nicht mehr. Laurent war der Einzige aus der französischen 1930er-Equipe, der 1998 noch den WM-Triumph der Grande Nation im Stade de France miterlebte. Dort unterhielt er mit seinen Geschichten aus der Fußball-Frühzeit zahlreiche Journalisten. Eine kleine Anerkennung dafür, dass sie ihn 1990 aus der Versenkung gehoben hatten. Damals besuchten Reporter der italienischen "Gazzetta dello Sport" Laurent, der nach seiner Karriere - er spielte beim FC Sochaux und Racing Strasbourg - eine kleine Sportbar in Besançon betrieb.

Zuvor war der zehnfache Nationalspieler, der während seiner aktiven Zeit bei Peugeot angestellt war, auch vom französischen Verband ignoriert worden. Auf eine Ehrung wartete Laurent bis zu seinem Tod vergebens, mittlerweile führt der Verband ihn auf seiner Website zumindest unter den "großen Nationalspielern von Gestern".

Frankreich gewann das WM-Auftaktspiel übrigens mit 4:1, nachdem die Mannschaft zuvor in einer zweiwöchigen Schiffsreise den Atlantik überquert hatte. Es blieb der einzige Sieg für die Franzosen, die nach zwei folgenden Niederlagen schnell wieder die Heimreise antreten mussten. Für Laurent, der sich im zweiten Spiel gegen Argentinien (0:1) verletzte, war die WM noch schneller vorbei. Die erste Ausgabe des Weltturniers in Uruguay behielt der aus bescheidenen Verhältnissen stammende Laurent trotzdem in bester Erinnerung. "Nach Amerika gehen zu können, war damals schließlich ein Kindertraum."

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