Videospielkonsolen Apparate, die süchtig machen

Videospielkonsolen: Apparate, die süchtig machen Fotos
Patrick Molnar

Er jagt sie im Internet, auf Flohmärkten - und in Klosterkellern: Phil Penninger sammelt Konsolen aus 40 Jahren Videospielgeschichte. Jetzt zeigt er seine besten Stücke - vom "Barcode Battler" über die einzige DDR-Konsole bis zum ersten Daddel-Apparat der Videospielgeschichte. Von

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Ich bin Sammler. Meine Leidenschaft: alte Videospielkonsolen. Das sind die kleinen Kästen aus Plastik, die viele von uns als Kinder an den Fernseher ihrer Eltern angeschlossen haben, um dann stundenlang Spiele wie "Space Invaders", "Donkey Kong" oder "Pac-Man" zu spielen.

Wer sich ein bisschen mit Videospielen auskennt, kann sich an vielleicht 10 oder 15 Videospielkonsolen erinnern: Zum Beispiel die "Atari 2600", diese kleine Box mit dem Holzlaminat an der Front. Ganz bestimmt kommt man auch auf die Playstation und ihre Nachfolger, die zu den meistverkauften Konsolen der Welt zählen. Oder man denkt an das NES, den Vorvorvorgänger der Wii, der uns das erste Mal in die Welt von "Super Mario" entführt hat.

Aber in den Annalen der Videospielgeschichte gibt es noch viel mehr Konsolen als diese wenigen Klassiker. Nur ist der Großteil dieses Videospielzeugs längst in Vergessenheit geraten. Ich habe eine Liste mit nahezu allen jemals produzierten Spielkonsolen erstellt. Sie umfasst mittlerweile 330 Einträge aus fast 40 Jahren Videospielgeschichte - und da sind Heimcomputer wie der Amiga 500 oder der Commodore 64 und noch nicht einmal mitgerechnet.


Lust bekommen, ein paar alte Videospielklassiker zu spielen? Hier können Sie direkt loslegen:

"Space Invaders": Beschützen Sie die Erde vor außerirdischen Invasoren.

"Frogger": Helfen sie dem Frosch über die Straße und zurück in seinen Sumpf.

"Snake": Sammeln Sie mit der Schlange alle Gegenstände ein - ohne sich dabei selbst in den Schwanz zu beißen.

"Asteroids": Fliegen Sie durch die Weiten des Weltalls und zerschießen Sie dabei alle Asteroiden.


Merkwürdige Gerätschaften aus buntem Plastik

Ich besitze mittlerweile etwa 160 verschiedene Konsolen, fast alle in der Original-Verpackung. Für viele meiner Freunde und Bekannte ist meine Sammlung auf den ersten Blick ein obskurer Haufen leicht angeschlagener Pappkartons mit merkwürdigen Gerätschaften aus buntem Plastik drin, die unangenehm viel Platz in der Wohnung wegnehmen. Doch wenn ich dann meine liebsten Stücke vorführe, kommt schnell ein Satz wie: "Ach, ein NES hatte ich früher auch mal!" oder ein euphorischer Ausruf: "Darauf kann man doch auch 'Super Mario' spielen!" Spätestens dann ist das Eis gebrochen.

Auch meine Freundin fand mein Hobby am Anfang ein bisschen befremdlich. Als ich noch bei meinen Eltern wohnte, sah meine Sammlung ziemlich irre aus. In jeder Ecke stapelten sich Konsolen und Zubehör. Zusammengezogen sind wir trotzdem. Jetzt lagert meine Sammlung in einem Regalsystem im Büro- und Spielzimmer, ordnungsgemäß archiviert mit Jalousien vor den Schränken, damit es nicht ganz so chaotisch aussieht. Und damit die Sonne die schönen Verpackungen nicht ausbleicht.

Als die Unordnung gebändigt war, hat auch meine Freundin erkannt, dass es eigentlich ein ganz cooles Hobby ist. Wir spielen sogar manchmal zusammen an den aktuellen Konsolen wie der Playstation 3 oder der Wii. Und sie freut sich auch, wenn ein neues Stück für meine Sammlung per Post ankommt. Dann sagt sie entweder "Das ist aber ein hübsches Gerät", oder: "Was hast du denn da wieder für'n Quatsch gekauft?"

Einen Großteil meiner Sammlung habe ich bei Ebay erstanden. Durch den Aufstieg der Online-Auktionshäuser war es auf einmal viel einfacher, seltene Geräte in Japan oder den USA zu ersteigern. Durch mein Hobby entstanden viele spannende Kontakte und sogar Freundschaften mit anderen Konsolen-Schatzsuchern rund um den Globus. Da entwickelt sich dann manchmal eine so gute Beziehung, dass man sogar jemanden bitten kann: "Geh doch mal auf diesen Flohmarkt in New York und schau, ob du da eine bestimmte Konsole findest."


Hatten Sie auch alte Konsolen, Computer oder gigantischen Spaß an einem Videospielautomaten in der Pommes-Bude um die Ecke? Erzählen Sie Ihre Geschichte auf einestages!

Kult-Konsole vom katholischen Ordensbruder

Das schönste Stück meiner Sammlung ist die Odyssey von 1972. Es ist die erste Videospielkonsole, die jemals auf den Markt gekommen ist. Ein sehr rares Stück. Mein Exemplar ist voll funktionstüchtig und hat eine ganz hervorragend erhaltene Verpackung. Außerdem verbinde ich mit dem Kauf meiner Odyssey eine schöne Geschichte. Ich habe sie nämlich von einem katholischen Ordensbruder in den USA gekauft. Der mistete grad ein Lager aus, in dem er Jahre zuvor alle seine alten Sachen untergebracht hatte, bevor er ins Kloster ging. Wir haben viel hin- und hergemailt, weil er gar nicht fassen konnte, dass dieses alte Ding jemanden aus Deutschland interessiert. Am Ende hat er sogar noch die Frachtkosten halbiert, weil der Kontakt so nett war. Charmant war dann auch noch, dass die Lieferbelege von einer katholischen Ordensschule kamen, mit allen Insignien und Stempeln. Die habe ich natürlich auch aufgehoben.

Die aufregendste Art, auf ein neues Stück für meine Sammlung zu stoßen, ist trotzdem noch immer der Spaziergang über den Flohmarkt. Manchmal findet man so früh morgens völlig unerwartet ein altes, originalverpacktes Gerät. Das liegt dann da für vier Euro, weil es für den Verkäufer nicht mehr ist als ein altes Stück Plastik.

Dabei hält die Geschichte der Videospielkonsolen, wenn man sich ein bisschen damit auskennt, so viele aufregende Stücke bereit. Wer erinnert sich schon daran, dass Apple 1995 in Kooperation mit Bandai eine Videospielkonsole herausgebracht hat? Oder dass ein deutscher Hörgerätehersteller namens Interton in den achtziger Jahren beachtliche Erfolge mit der VC4000 feiern konnte, die gleichzeitig das letzte deutsche Produkt der gesamten Branche bleiben sollte? Und wer weiß noch, dass es vor dem Nintendo DS nicht einfach den einen Game Boy gab, sondern eine Pocket-Version, eine Variante zum Zusammenklappen, massenhaft bunte Ausführungen mit den verschiedensten Gehäusefarben und natürlich den mit Farbdisplay? Und ist es nicht erstaunlich, dass die Kaffeeröster Tchibo und Eduscho einmal eigene Konsolen auf den Markt gebracht haben?

Einige der schönsten, bizarrsten und seltensten Stücke meiner Sammlung können Sie hier auf einestages bewundern. Vielleicht entdecken Sie darunter einige Geräte, auf denen Sie als Kind gespielt haben - dann werden die Konsolen auch für Sie mehr als Pappkartons mit Plastik drin sein. Dann sind es kleine Zeitmaschinen mit bunten Knöpfen. Versprochen.


Weitere interessante Themen finden Sie auf der Homepage von einestages! mehr...

Fliegen Sie durch die Jahrzehnte mit der einestages-Zeitmaschine!


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1.
Gunter Amonn, 24.04.2008
""Snake": Sammeln Sie mit der Schlange alle Gegenstände ein - ohne sich dabei selbst in den Schwanz zu beißen." (Hinweis in den Links zu den Viedeospielklassikern) Man(n) sollte immer vermeiden, sich selbst in den Schwanz zu beißen - egal was man tut...
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