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"Vom Winde verweht" Schöne alte Sklavenwelt

"Vom Winde verweht": Technicolor-Ode an den Rassismus Fotos
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Das Südstaatenepos "Vom Winde verweht" gilt als erfolgreichster Film der Geschichte - und ist eines der rassistischsten Machwerke Hollywoods. Von , New York

"Das Land der Gentlemen und Baumwolle, das man den Alten Süden nannte - hier, in dieser schönen Welt, verbeugte sich die Galanterie zum letzten Mal. Hier konnte man die letzten Ritter und edlen Damen sehen, Herren und Sklaven... Heute ist dieser fast vergessene Traum nur noch in Büchern zu finden. Eine ganze Zivilisation, vom Winde verweht..."

Mit diesen Worten, auf einen blutroten Himmel projiziert, beginnt "Vom Winde verweht", das legendäre Südstaatenepos von 1939. Fast vier Stunden Schmacht und Schmach, Kitsch und Kummer, Krieg und Frieden: Der üppigste wie pannengeplagteste Streifen jener Jahre heimste zehn Oscars ein und gilt als amerikanisches Meisterwerk. Längst liegt der inflationsbereinigt erfolgreichste Film der Geschichte dauerhaft konserviert in der Kongressbibliothek.

Konserviert ist so aber auch die Schattenseite dieser Schwulstoper um die verwöhnte Plantagenerbin Scarlett O'Hara (Vivian Leigh). "Gone with the Wind", so der Originaltitel, ist eines der rassistischsten Machwerke Hollywoods: Es romantisiert das wohl düsterste Kapitel der US-Geschichte - was jetzt, zum 75. Jahrestag der Premiere, relevanter ist denn je.

Die Parallelen sind beklemmend. Vielen Weißen fehlt das Bewusstsein, dass die USA überhaupt ein Problem haben: Damals akzeptierten sie den Rassismus nonchalant als Lebensart - heute leugnen sie, dass es ihn überhaupt gibt.

Das Leid nobler Sklavenhalter

Es war ein glücklicher Zufall, dass die Jubiläumsscreenings schon im September begannen und nicht erst jetzt, da Abertausende Protestler auf die Straße gehen und skandieren: "Black lives matter!" Amerikas Rassismus lebt weiter fort - und wer wissen will, wie das passieren kann, der muss sich nur "Vom Winde verweht" antun, jene Ode an die gute alte Sklavenzeit.

Schon besagter Vorspann: Er beklagt eine verflossene Südstaatenromantik, diese "schöne Welt" der "Herren und Sklaven". Ein Baumwollfeld, singende Pflücker: "Ich sein Vorarbeiter!", ruft Big Sam, das Urklischee vom schwarzen Hünen, der zum Arbeiter oder Narr taugt oder, gegen Ende des Films, um Scarlett vor weißen Vergewaltigern zu retten.

"Vom Winde verweht" beginnt 1861, mit dem Ausbruch des US-Bürgerkriegs, und endet mit dem Untergang der Konföderierten und ihres auf Peitschen, Blut und Ausbeutung gebauten Pseudo-Idylls. Motto: Früher war alles besser.

Doch dass der Krieg eben um die Befreiung der Sklaven gefochten wurde, das bleibt so gut wie unerwähnt: Vielmehr geht es um das Liebes- und Lebensleid nobler Südstaatler unter dem Beschuss barbarischer Yankees. Die Greuel der Sklaverei, fast eine Selbstverständlichkeit hier, sind nur Kulisse, die Schwarzen Komparsen.

"Unverzeihlich rassistisch"

"'Vom Winde verweht' ist eine Verklärung von Verbrechen gegen die Menschlichkeit", schrieb die Filmproduzentin Lamonia Brown schon zum 70. Jubiläum auf dem afroamerikanischen Blog "The Grio". "Ein rassistischer Klassiker", legte das Magazin "Esquire" jetzt nach, ohne Ironie.

Es war weder der erste noch der letzte Hollywoodstreifen dieser Art. Doch "Vom Winde verweht" bleibt eine unzerstörbare Legende. Dabei war die Buchvorlage von 1936 noch schlimmer - sie pries unverhohlen den Ku-Klux-Klan an. "Unverzeihlich rassistisch", schrieb damals das "Time"-Magazin. Trotzdem gewann der 1037-Seiten-Schmöker von Margaret Mitchell, deren Großväter im Sezessionskrieg gekämpft hatten, den Pulitzerpreis und wurde ein Weltbestseller.

Seine Motive passten zur Stimmung jener Zeit: Er überhöht die konföderierte Seele, dämonisiert die Yankees und sieht die Kriegsniederlage nur als tragische Zerstörung des "Southern Way of Life" mit seinen Plantagen und Krinolinen.

Die Schwarzen sind darin nur Karikaturen: Gutmütige Naivlinge wie Big Sam. Infantile Nervensägen wie die Sklavin Prissy. Rotunde, weise Haushälterinnen wie Mammy, die immer einen kecken Spruch parat hat und selbst nach der "Emanzipation" in Scarletts Diensten bleibt.

Mammy-Darstellerin Hattie McDaniel, eine Tochter ehemaliger Sklaven, musste sich dazu kräftig selbst persiflieren, sie war eine begabte Sängerin und Komödiantin. "Vom Winde verweht" brachte ihr einen Oscar ein, den ersten überhaupt für eine schwarze Rolle - doch auch viel Kritik bei anderen Afroamerikanern. Ihre Replik: Besser eine Magd spielen als eine sein.

Getrennte Toiletten für schwarze Darsteller

Nicht nur das Drehbuch war rassistisch gefärbt, auch die turbulente Produktion selbst. Es gab getrennte Toiletten für Weiße und Schwarze. Auf Druck der Schwarzenorganisation NAACP ließ Produzent David O. Selznick besonders problematische Dialoge ändern: Aus "Nigger" wurde "Darkie"; nicht minder diskriminierend.

An der Premiere in Atlanta durfte Darstellerin McDaniel wegen der Segregationsgesetze nicht teilnehmen. Auch bei der Oscar-Gala musste sie an einem separaten Tisch sitzen. "Ich hoffe zutiefst, dass ich meiner Rasse stets zur Ehre gereichen werde", sagte sie in ihrer kurzen Dankesrede.

Die Trophäe, die sie später der traditionell schwarzen Howard University schenkte, ist heute verschollen. Auf dem Campus geht die Legende, dass aufgebrachte Bürgerrechtler sie in den sechziger Jahren weggeworfen hätten.

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insgesamt 75 Beiträge
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1. Im Kontext der Zeit
Thomas Diehl, 15.12.2014
Wie erbärmlich, jede Kleinigkeit in Sachen Rassentrennung in diesem Film hervorzuheben. In Amerika war es bis in die 70er Gesetz, dass Toiletten und Busse streng nach Rasse getrennt waren. Die Aufregung über diese Tatsache bei einem Filmdreh im Jahre 1939 ist geradezu lächerlich. Der Film ist ein Spiegel der amerikanischen Gesellschaft, wie sie während der Dreharbeiten normal war. Punkt.
2.
Andreas Stehl, 15.12.2014
75 Jahre später den Rassismus anzuprangern.......... na, da fragt man sich doch, was die Redakteure so den ganzen Tag machen. Wie sah es den bei uns im Jahre 39 aus? Vor so viel Gutmenschentum kann man nur den Kopf schütteln.
3. Rassismus
reinhard breuell, 15.12.2014
Sicherlich ist dies ein Buch und ein Film, der aus der Perspektive der Verlierer des Bürgerkrieges, genauer gesagt, der Südstaaten Pflanzer, geschrieben wurde, auch die untere Gesellschaftsschicht der Weissen, dargestellt durch den Aufseher, der später ein Kriegsgewinnler wird, erfreuen sich keinerlei Sympathie. Sicherlich rassistisch und klassenbewusst, aber gerade weil es die Zeit vor, im und nach dem Bürgerkrieg aus Sicht der Besiegten beschreibt, die sich nicht als besiegt fühlen, ist auch der Film ( und nicht nur das Buch ) eine Geschichtsbeschreibung, natürlich mit Romantik und Kitsch , ein Meisterwerk. Es sollte kein Lehrfilm zur Gleichberechtigung der Rassen sein, denn wie so schön geschrieben, gab es noch in den 1960igern in den Südstaaten Segregation. Es ist eine Geschichte darüber, wie sich die herrschende Gesellschaftsschicht selbst empfand und nur wer versucht, zu verstehen, kann auch ändern. Wie Scarlett sagt: An einem anderen Tag.
4. Demokratie und Menschenrechte
Elmar Heyde, 15.12.2014
Kleisthenes Reformen als auch die Virginia Declaration of Rights entstanden in Sklavenhalter Gesellschaften.
5. Und nu?
Schoppe Petzer, 15.12.2014
Darf man den Film nicht mehr schauen? Wird ab sofort vor Ausstrahlung ein Rassismus-Warnhinweis gezeigt? Mann mann mann... Achja, alle Holländer sind übrigens Rassisten weil die den Zwarte Piet des heiligen Nikolaus zeigen.
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