Von Dänikens Entdeckung Götter im Raumanzug

Von Dänikens Entdeckung: Götter im Raumanzug Fotos
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Sie waren überall am Werk! In Ägypten, Peru und Mexiko! Außerirdische! Der Schweizer Hotelier und Hobbyforscher Erich von Däniken hatte ihre Spuren gefunden. 1968 legte er ein erstaunliches Sachbuch vor - der Anfang einer ganzen Serie absurder Bestseller. Von Ralf Bülow

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"In grauer Vorzeit entdeckten fremde Raumfahrer die Erde und brachten den Affen Sitte und Anstand bei. Durch künstliche Befruchtung weiblicher Erdbewohner mit Astronautenspermien und radikale Ausrottung der misslungenen Exemplare mittels einer Sintflut gelang ihnen die Züchtung des homo sapiens. Die veredelten Affen verehrten die Astronauten fortan als Götter."

So flapsig, doch ansonsten korrekt und mit prägnanten Zitaten gespickt stellte der SPIEGEL am 13. Mai 1968 einen der größten Bucherfolge der Nachkriegszeit vor, Erich von Dänikens "Erinnerungen an die Zukunft". Das 232-Seiten-Epos des jungen Schweizer Hoteliers war seit Februar des Jahres schon über 20.000 Mal verkauft worden. Bis Dezember sollte die Auflage auf insgesamt 125.000 Exemplare klettern - eine sensationelle Zahl für ein Sachbuch.

Mit ihrer Betonung von Zukunft und Astronautik passten von Dänikens "Erinnerungen" in die fortschrittsgläubigen sechziger Jahre, doch fielen sie ansonsten durch alle Raster des Marktes. Das Lektorat des Düsseldorfer Econ-Verlag hatte das Manuskript wie viele andere Häuser abgelehnt, und erst die Fürsprache von "Zeit"-Redakteur Thomas von Randow bei Econ-Chef Erwin Barth von Wehrenalp bewirkte, dass von Däniken 1967 einen Vertrag erhielt. Allerdings musste er die Überarbeitung durch den Schriftsteller Wilhelm Utermann akzeptieren.

Außerirdische Entwicklungshelfer

Das Buch besaß keine Bilder, nur den Schutzumschlag schmückte in grober Nachzeichnung ein Hauptwerk der präkolumbianischen Maya-Kunst: eine Grabplatte aus dem 7. Jahrhundert, die 1952 in der mexikanischen Ruinenstätte Palenque entdeckt worden war. Auf Seite 149 fand sich die hochtechnologische Deutung: Erich von Däniken erkannte in dem Steinrelief einen Astronauten, der ein Gefährt ähnlich den Mercury-, Gemini- und Apollo-Kapseln der amerikanischen Raumfahrtbehörde Nasa durchs All steuerte.

Ins Raumschiff stiegen außerdem der biblische Prophet Hesekiel, der babylonische Held Gilgamesch und eine Armee indischer Götter und Halbgötter, die sich in "Vimanas" am Himmel bekriegten. Überall auf dem Globus, in Pyramiden und Kolossalstatuen sah von Däniken außerirdische Entwicklungshelfer am Werk und ortete Erinnerungen an ihre Tätigkeit in archäologischen Zeugnissen, zum Beispiel in der peruanischen Nazca-Ebene. Die dort angelegten Linien, so der Schweizer, sollten die im Kosmos entschwundenen Besucher wieder zurück zur Erde locken.

Die Thesen des Buches waren nicht neu. Astronautische Lesarten von Mythen und Relikten fanden sich zuvor bei den französischen Autoren Louis Pauwels, Jacques Bergier und Robert Charroux, beim russischen Forscher Modest Agrest sowie im Buch "Fliegende Untertassen landen" des Engländers Desmond Leslie und des Amerikaners George Adamski. Es kam 1954 in einem Züricher Verlag heraus und schilderte nicht nur Adamskis Treffen mit einem Venusmenschen, sondern auch die Raumschlachten des altindischen Mahabharata-Epos.

Die Bibel im Geist von 1968

Aus all diesen Brunnen hatte Erich von Däniken geschöpft, mal mit und mal ohne Quellenangabe. Während aber seine Vorgänger die antiken Astronauten mit Ufos und Esoterik vermengten, bis fast nichts mehr von ihnen zu sehen war, propagierte der Schweizer ein knappes Glaubensbekenntnis, das sich global verbreitete. Aliens landeten auf der Erde, verbesserten die Menschen und hinterließen Spuren in Literatur und Archäologie.

Was sorgte aber dafür, dass die "Erinnerungen an die Zukunft" zum Bestseller wurden? War es die Krise der untergehenden Bourgeoisie, wie das Linksmagazin "Konkret" meinte? Oder eher ein neuer Wunderglaube, eine Flucht aus der Wirklichkeit oder, so der Sozialpsychologe Hans Anger 1970 im SPIEGEL-Interview, "das Entstehen eines emotionalen Engagements, wie man es sonst nur auf dem Gebiet der Sektenbildung zu fassen bekommt"?

Der echte Grund lag woanders. Das Buch zeigte, dass auch ein Amateur zu aufregenden Erkenntnissen kommen und diese in verständliches Deutsch fassen konnte. Der Schweizer Autor präsentierte seinen Fans eine Forschung aus dem Volk für das Volk und machte sie zu Mitkämpfern einer wissenschaftlichen Revolution. Dazu musste man weder Philo- noch Archäologe sein, es genügte, die Bibel im Geist von 1968 zu lesen. So wurde Hesekiel zum Raumfahrer und die Bundeslade zur Funkanlage, und in Sodom und Gomorrha explodierte eine Atombombe.

Betrug und Anerkennung

Wie viele Revolutionäre vor ihm verbrachte Erich von Däniken einige Zeit hinter Gittern. Um teure Flugreisen zu bezahlen, hatte er sich Kredite erschwindelt, was einem Davoser Untersuchungsrichter auffiel. Im November 1968 wurde der Autor festgenommen, und im folgenden Jahr saß er in der Kantonshauptstadt Chur in Untersuchungshaft, wo er sein zweites Buch "Zurück zu den Sternen" schrieb. Am 13. Februar 1970 verurteilte ihn das Kantonsgericht wegen Betrugs zu dreieinhalb Jahren Zuchthaus.

Wegen guter Führung kam von Däniken im September 1971 vorzeitig frei und stürzte sich in neue Recherchen. Diesmal wollte er konkrete Beweise für außerirdische Besucher vorlegen. Sein nächstes Buch, "Aussaat und Kosmos", erzählte von einem mysteriösen Höhlensystem in Ecuador, das sich schnell als Flunkerei erwies. Enttäuschend verlief auch eine spätere Expedition in die indische Provinz Kaschmir, wo er den Landeplatz des Raketen-Propheten Hesekiel zu finden hoffte.

Solche Rückschläge dämpften den Verkauf seiner Bücher nur wenig. Vierzig Jahre nach "Erinnerungen an die Zukunft" summiert sich die Weltauflage seiner 35 veröffentlichten Bücher auf 62 Millionen Exemplare. Dazu kommen Dokumentarfilme, TV-Serien und ein Themenpark, der 2006 nach drei Jahren Öffnungszeit wieder schloss. Seit 1996 gibt es außerdem die Erich-von-Däniken-Stiftung, die sein Archiv verwaltet und seriöse Forschungsprojekte finanziert.

Der Schweizer erntete indes durchaus Anerkennung in der akademischen Welt, etwa durch den Münchner Raumfahrtprofessor Harry O. Ruppe oder die verstorbene Raketenforscherin Irene Sänger-Bredt. Archäologen und Philologen aber hielten sich zurück und schauten zu, wie Erich von Däniken über den Globus irrte. Seine größte Tat bleibt, dass er die urigen Astronauten als europäische Antwort auf die amerikanischen Ufos in der Weltkultur verankerte. Ob sie eines Tages tatsächlich gefunden werden, das wissen die Götter allein.


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1.
Olaf Quasdorff 08.06.2008
Ich habe ein vielzahl seiner Bücher gelesen. Hauptzielrichtung einer These ist ja, dass es einen Wissentransfer von ET's zu den Menschen gegeben hat. Man wird nirgends lesen, das z.B. die Pyramiden selbst von den ET's gebaut wären. Aber egal, ob diese These nun stimmt oder nicht. Tatsache ist, das es eine Menge ungeklärte Ereignisse, Funde und bisher nicht erklärliches Wissen aus und in der Vergangenheit gibt, die von der Schulbuch-Archäologie schlichtweg ignoriert werden. Das bereitet Däniken erst den Weg. Ihn damit zu ignorieren ist genau der falsche Weg. Tatsache ist auch, dass, wäre es aus welchen Gründen auch immer, zu einem Kontakt mit einer Fremden Zivilisation gekommen, hätte es genau diese Auswirkungen gehabt. Das ist m.E. schon durch den Cargo-Cult aus der jüngsten Vergangenheit belegt.
2.
Toni Grappa 09.06.2008
>Ich habe ein vielzahl seiner Bücher gelesen. Hauptzielrichtung einer These ist ja, dass es einen Wissentransfer von ET's zu den Menschen gegeben hat. Man wird nirgends lesen, das z.B. die Pyramiden selbst von den ET's gebaut wären. > >Aber egal, ob diese These nun stimmt oder nicht. Tatsache ist, das es eine Menge ungeklärte Ereignisse, Funde und bisher nicht erklärliches Wissen aus und in der Vergangenheit gibt, die von der Schulbuch-Archäologie schlichtweg ignoriert werden. Das bereitet Däniken erst den Weg. Ihn damit zu ignorieren ist genau der falsche Weg. > >Tatsache ist auch, dass, wäre es aus welchen Gründen auch immer, zu einem Kontakt mit einer Fremden Zivilisation gekommen, hätte es genau diese Auswirkungen gehabt. Das ist m.E. schon durch den Cargo-Cult aus der jüngsten Vergangenheit belegt. > > Den wenigsten dürfte bekannt sein, das Herr Däniken für das Buch 1991 den IG Nobelpreis in der Kategorie Literatur erhalten hat.
3.
Olaf Schwentzick 09.06.2008
Gut gebrüllt Löwe! Von Däniken ist sicherlich eine schillernde Persönlichkeit, der in seiner Theoriebildung sicherlich des öfteren über die Strenge gehauen hat. Genau das passierte und passiert auch noch heute bei vielen Wissenschaftlern, die sich Archälogen, Philologen oder sonst wie nennen. Grundsätzlich muss man davon ausgehen, dass Fachwissenschaftler kaum noch einen freien Blick auf neue Fakten oder Beweise haben, da sie aufgrund ihrer beruflichen Tätigkeit dazu neigen, neue Funde in ihre bisherigen Denkmuster einzuordnen. Die Erweiterung von Wissen beim Menschen erfolgt immer dadurch, dass vorhandene Erfahrungen, Glaubensgebäude oder Theorien in das mögliche Interpretationsspektrum hineinragen. Insofern sind die Ideen von Däniken eine Bereicherung auch für die Wissenschaft und sollten bei der Bewertung neuer Artefakte von den sogenannten Fachwissenschaftlern berücksichtigt werden! Zum Schluss noch ein Bibelzitat: "Als sich aber die Menschen zu mehren begannen auf Erden und ihnen Töchter geboren wurden, sahen die Söhne Gottes, daß die Töchter der Menschen schön waren und nahmen sich von allen diejenigen zu Weibern, welche ihnen gefielen. ... Die Riesen waren auf Erden in jenen Tagen, und zwar daraufhin, daß die Söhne Gottes zu den Menschen kamen und diese ihnen gebaren. Das sind die Helden, die von alters her berühmt gewesen sind" (1. Mose 6,1-4) Söhne Gottes werden oft in der Bibel als Engel bezeichnet. Diese sind jedoch nach der Bibel ungschlechtlich und können sich demnach nicht fortpflanzen. Zusätzlich sind sie "Geistwesen", was immer das auch sein mag. Wer waren demnach diese "Söhne Gottes", die wie andere Bibeltexte sagen, aus dem "Himmel" herabstiegen, um sich mit den Menschen zu "paaren"? Waren das Aliens? Kurzum, selbst Bibelgläubige müssen anerkennen, dass Aliens in der Vorzeit die Erde besuchten. Gibt es darüber in der Archälogie Artefakte? Ich glaube, dass von Däniken hier einiges herausgefunden hat, was weder Christen, noch Wissenschaftlern "in den Kram passt."
4.
Ernst Pelzing 14.02.2010
Suizid der Nazca-Kultur durch Desertifikation Einer Hypothese des in "EL PAÍS" unter dem Titel "El suicidio de la cultura nazca" ("Der Suizid der Nazca-Kultur") am 15.11.2009 veröffentlichten Artikels zufolge (siehe dazu http://www.elpais.com/articulo/sociedad/suicidio/cultura/nazca/elpepusoc/20091114elpepusoc_8/Tes hat sich das präinkaische Volk der Nazca in Peru durch anthropogene Entwaldung metapherhaft sozusagen den eigenen Ast abgesägt. Zeugnis davon legen gigantische Geoglyphen ab, die so genannten Nazca-Linien. Das plötzliche Verschwinden dieses Volkes eine Folge von dramatischen EL-NIÑO-Überschwemmungen, verursacht eben durch diese Entwaldung. Ein erster historischer Beleg anthropogener, also mensch- oder, platt formuliert, hausgemachter Desertifikation. Die Nazca waren, so eine vom Archäologischen Institut der Universität Cambridge in der Zeitschrift "Nature" veröffentlichten Studie, ausgezeichnete Wasserbauingenieure, Kenntnisse, die bei der Erschließung und Bewässerung neuen Ackerlandes hilfreich waren. Das ging insbesondere auf Kosten eines sehr langlebigen, sehr gut an Trockenklimata angepassten Baumes, des Huarango, dem Schlüssel des dortigen Ökosystems. Die durch die Entwaldung hervorgerufene Erosion machte die Bewässerungssysteme unbrauchbar. Untersuchungen der ältesten Pollenfunde durch das Französische Instituts für Andine Studien gehen auf den Huarango zurück, danach auf Mais und Bauwolle. In der Folge ergab sich ein dramatischer Umschwung. Die Saatpollen verschwinden, sie werden durch Unkraut ersetzt. Das beredte Zeugnis einer Naturkatastrophe. Das Ergebnis stellt sich in der heutigen Wüste dar. Die Erfahrungen der Nazca scheinen wenig bewirkt zu haben, denn das Verschwinden des Ökosystems Trockenwald aus dem heutigen peruanischen Küstenbereich dürfte dafür ein deutlicher Beleg sein. Die Wiederaufforstung des Huarango-Baumes, dessen Blätter einen wichtigen Bodendünger darstellen - von der Bedeutung seiner Frucht, der Huaranga, ganz zu schweigen -, zielt jedoch zunächst auf ein geschärftes Umweltbewusstsein der örtlichen Bevölkerung als Schutz u. a. gegen die Köhler ab, für die der Huarango ein ausgezeichnetes Feuerholz darstellt.
5.
Hans Joachim Dudeck 27.11.2012
Von Däniken und Co waeren um einiges glaubhafter, wenn sie nicht hinter jedem Strauch Ausserirdische aufspuehren wuerden bzw Zwangshaft muessten. Was der Mensch alleine und auch schon vor langer Urzeit auf die Beine stellen konnte und heute noch kann, sollte mehr Anerkennung bei diesen Leuten finden. Mein Tip, geht mal in den Urwald und seht Euch da die tiefen Loecher an, die Goldgraeber in juengster Zeit mit primitivsten Mitteln gegraben haben. Das sind Leistungen, die man ohne Scheu mit anderen "Bauwerken" aus der Antike vergleichen kann. Wo ein Wille ist, ist auch ein (menschlicher) Weg.
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