100 Jahre alte Web-Phänomene Diese Netz-Hypes sind älter als das Internet

100 Jahre alte Web-Phänomene: Diese Netz-Hypes sind älter als das Internet Fotos
Paulo Ordoveza

Lolcats? Planking? Emoticons? Ist doch sooo 19. Jahrhundert! Im Web jagt ein Trend den nächsten - aber etliche Dinge, die uns im Internet begeistern, sind in Wirklichkeit steinalt. einestages präsentiert zwölf Phänomene, die es schon lange vor dem WWW gab. Von Danny Kringiel

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"Oll wright" oder "OW" schreiben sie - und meinen "all right" ("in Ordnung"). "No use" ("nützt nichts") wird bei ihnen zu "know yuse", kurz "KY". Und statt "enough said" ("genug gesagt") schreiben sie "nuff ced" oder einfach nur "NC". Geht im modernen "Lolspeak" der Internetnerds unsere Schriftkultur vor die Hunde? Wohl kaum. Denn in Wirklichkeit stammt gar keines der genannten Zitate aus Internetforen, Chatrooms oder von Twitter. Sondern aus dem frühen 19. Jahrhundert.

Im Jahr 1838 brach in den USA in der Gegend um Boston eine sonderbare Modewelle aus: "Comical abbreviations", ("lustige Abkürzungen"), Ausdrücke, die falsch geschrieben und dann abgekürzt wurden, waren plötzlich der letzte Schrei. Selbst Journalisten begeisterten sich bald für die kuriosen Schreibweisen und verwendeten sie in Zeitungen. Ihre Bewegung hat tiefe Spuren hinterlassen. Denn noch heute sagt jeder Mensch "OK" - ohne zu wissen, wofür dieses Kürzel wirklich steht. Comical-abbreviations-Exegeten aber sind sich sicher: Es ist eine der Abkürzungen, die damals in und um Boston entstand - und sie steht für "oll korrect" beziehungsweise "all correct" ("alles richtig").

Etliche moderne Internetphänomene entpuppen sich bei näherem Hinsehen als gar nicht so neu: Wer etwa die Mode des "Horsemaning", das Posieren für Fotos mit scheinbar abgetrenntem Kopf, immer für einen brandneuen Internettrend hielt, ist schiefgewickelt: Schon Anfang des 20. Jahrhunderts posierten Menschen für Schwarzweißfotos, auf denen sie scheinbar den eigenen Kopf in den Händen hielten. Und wer dachte, mit Satzzeichen Emoticons, auf die Seite gekippten Gesichtern, zu schreiben, sei erst in Internetchats erfunden worden, irrt ebenso. Schon um 1887 erfand ein US-Schriftsteller das erste Emoticon - auch wenn es auf viel weniger Gegenliebe traf als heutige Smileys.

Entdecken Sie in der einestages-Bildergalerie, welche Internet-Phänomene in Wirklichkeit viel älter sind als das Internet selbst - von Spam im 19. Jahrhundert bis zu 100 Jahre alten Lolcats.

Wir haben ein Internetphänomen, das es schon lange vor dem Netz gab, vergessen? Verraten Sie es den anderen einestages-Lesern in der Debatte.

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1.
Jan Scheffner 22.01.2013
...die Plattenindustrie sich 1980 durch Audiokassetten so sehr an den Rand des Abgrunds gedrängt fühlte, dass sie mit einer Protestkampagne auf die dunkle Bedrohung hinwies: "Home taping is killing music - and it's illegal" lautete der Slogan, mit dem britische Plattenlabels auf Plattenhüllen und Plakaten dagegen protestierten, dass rücksichtslose Raubkopierer einfach zu Hause Lieder aus dem Radio aufnahmen, ohne dafür zu bezahlen. ...."ohne dafür zu bezahlen" ist nicht ganz richtig. Sie vergessen die "Leerkassettenvergütung", die bei jeder leeren Kassette im Kaufpreis enthalten war, mit dem dadurch erworbenen Recht zur Vervielfältigung zum eigenen oder privaten Gebrauch. Grüße, Jan Scheffner
2.
Sebastian Weber 22.01.2013
Sorry SPON, aber "OK" kommt nicht von "oll korrect", sondern von "ohne Korrektur". Das nämlich wurde von deutschen Einwanderern, die in US-Verwaltungen arbeiteten, auf erfolgreich geprüfte Akten geschrieben und bürgerte sich bald darauf ein.
3.
Stephan Moritz 22.01.2013
>Sorry SPON, aber "OK" kommt nicht von "oll korrect", sondern von "ohne Korrektur". Das nämlich wurde von deutschen Einwanderern, die in US-Verwaltungen arbeiteten, auf erfolgreich geprüfte Akten geschrieben und bürgerte sich bald darauf ein. Laut Merriam-Webster stimmt die 'oll korrekt' Form, die im Artikel genannt wird. Siehe http://www.merriam-webster.com/dictionary/ok
4.
Sebastian Weber 23.01.2013
http://www.fragenohneantwort.de/fragen/260/ok/
5.
Nina Georgi 23.01.2013
So ganz eindeutig ist auch das nicht. In mehreren Artikeln las ich, dass Otto Kraft (eben jener doch sehr bekannte Ingenieur bei Ford) jedes Teil vom Fließband gegenzeichnete, bevor es weiterverwendet wurde. Nun stellt sich die Frage: Wer war einflussreicher? Die deutschen Einwanderer und ihre Akten oder Otto Kraft? Eindeutig ist die Herkunft von ok also nicht bewiesen. Möglicherweise gab es sogar beide Entwicklungen parallel.
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