Vorfahren des Terminator Alteisen der Apokalypse

Robocops, Killerautos und Gorillas mit Taucherglockenköpfen: Die Filmgeschichte hat schon viele Kampfmaschinen gesehen. Manche töten gar mit Sexappeal. einestages zeigt Arnolds irrste Ahnen - und erklärt, warum der Terminator trotzdem unschlagbar bleibt.

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Er geht durch Wände, schlägt Türen mit der bloßen Faust ein und brettert Gegner schon mal mit dem Truck nieder. Sicher, der Terminator, so wie er von Arnold Schwarzenegger in drei Teilen der gleichnamigen Science-Fiction-Saga gespielt wurde, ist nicht unbedingt ein Feinmotoriker. Aber er hat eine Eigenschaft, die ihn über fast alle anderen Kampfmaschine erhebt: Er kann lernen. Der T-800 Model 101, das übersieht man beim martialischen Auftreten des Apparats leicht, ist sozusagen auf Bildung programmiert.

Im zweiten Teil der "Terminator"-Reihe wird der Cyborg zum Beispiel von seinem jungen menschlichen Begleiter angehalten, im weiteren Kampfverlauf doch bitte davon abzusehen, weitere Feinde zu ermorden. Fortan beschränkt sich der T-800 aufs Kniescheiben zertrümmern. Das mag immer noch martialisch erscheinen, muss im Zusammenhang der Kampfmaschinenwelt aber als geradezu humanistischer Ansatz betrachtet werden.

Ratternde Revolverhelden und Mulinetten-Menschen

Denn laufen andere Maschinen erst einmal im Kill-Modus, gibt es kein Zurück mehr. Man nehme nur den 406 in dem Zukunftspanorama "Westworld" (1973): Der artifizielle Revolverheld in einem Vergnügungspark, der dazu geschaffen wurde, sich von zahlungskräftigen Bürohengsten zu deren Vergnügen abknallen zu lassen, schlägt eines Tages zurück. Das Töten, hier wird es zum einzigen Trachten. Das gilt für so gut wie jeden anderen Cyborg und Androiden im Genre. Am perfidesten mag die Mordwut bei Mark 13 in der postapokalyptischen Gewaltoper "Hardware" (1990) ausformuliert sein: Wie ein Entsafter auf zwei Beinen klappert und killt sich das Gerät durch die dürftige Handlung.

Doch auch vom biophysikalischen Feintuning eines T-800 ist ein Mulinetten-Mensch Mark 13 weit entfernt. Tatsächlich wurde von den "Terminator"-Machern viel Liebe und viel Hightech in die Entwicklung der Menschmaschine gesteckt. Die Selbstanalyse des T-800 ist schlicht: Er sei ein "kybernetischer Organismus, lebendes Gewebe über metallischem Endoskelett". Hinter dem trockenen Technikvokabular steckt jedoch eine visionäre Verschmelzung von Fleisch, Stahl und Elektronik.

Der T-800 schwitzt, blutet, und gelegentlich muffelt er sogar unangenehm - nur sterben kann er eben nicht. Mag er nach extremen Gefechten auch nur noch ein rauchender Klumpen Stahl sein, so lange in ihm noch irgendwo ein Mikrochip glimmt, regeneriert er sich automatisch. Für eine hochtechnologische Apparatur hat er ein höchst humanes Auftreten, der Tod und bei der Arbeit störende Gefühle aber sind ihm fremd.

Vollverchromt ins zweite Leben

Es gibt wohl keine künstliche Kreatur, die so widersprüchlich sein darf. Gut und Böse liegen beim T-800 schon konstruktionstechnisch ganz dicht beisammen. In seinem Programm sind zum Beispiel detaillierte Dateien über die menschliche Anatomie gespeichert. So weiß er die Gegner im Bedarfsfall effizient zu eliminieren. Doch was ihn zum perfekten Killer macht, macht ihn eben auch zum perfekten Arzt. So trägt der mit dem täuschend schlichten Antlitz Arnold Schwarzeneggers marodierende Krieger die Dialektik der Aufklärung in sich. Nie war die Maschine mehr Mensch.

Die Komplixität dieses Kunstgeschöpfs fällt umso mehr auf, wenn man ihn mit weniger feinsinnig zusammengelöteten und zusammentransplantierten Kollegen vergleicht. Etwa mit dem "Robocop" im gleichnamigen Wiedererweckungsspektakel von 1987, in dem ein toter Polizist quasi vollverchromt ins zweite Leben rollt. Die Instinkte des Supercops werden darin mit einem Superrechner verzahnt. Jetzt kommt der Bulle wie eine metallische Pralinenschachtel voller kampftechnischer Überraschungen daher - und bleibt doch irgendwie nur ein geheimnisloser Blechkasten.

Wenig überzeugend auch die Tötungsmaschinen in "Universal Soldier" (1992). In dem Actionspektakel werden gefallene Vietnam-Soldaten wieder erweckt und mit lächerlicher Freisprechanlage und Fernrohr am Kopf ins Duell geschickt. Auch hier gilt die Grundregel fast aller Androidenthriller: Tot bist du nur so lange, bis jemand kommt, um deine Leiche aufzuwärmen.

Gegen alle Chancen

Der T-800 aber - sein Vorteil - wurde nie aus Schrottteilen oder Leichenresten zusammengesetzt; er ist ein komplett synthetisches Wesen, für das effizienteste digitale Technik mit biologischen Regenerationsmechanismen kombiniert wurde. Leider ist auch sein Dasein endlich, doch das lässt ihn seine Existenz nur umso mehr wertschätzen: 120 Jahre, so heißt es einmal im zweiten "Terminator", könnte er alt werden - wenn man ihn vorher nicht einschmelze.

Für Reflexionen über die Last alles irdischen Seins fehlt dem T-800 allerdings in der Regel ein aufnahmebereites Gegenüber, denn meistens verwüstet und tötet er alleine - was auch einen großen Arbeitsvorteil gegenüber anderen Killermaschinen hat: Der Terminator agiert als eine Art selbständiger Subunternehmer, der zwar für einen Mutterkonzern unterwegs ist, dabei aber vollkommene Handlungsfreiheit genießt.

Man vergleiche dieses solistische Vorgehen nur mit anderen künstlichen militanten Lebensformen - etwa den Borg in der "Star Trek"-Saga, deren Kämpfer wie Kreuzungen aus Kakerlaken und Kofferradios aussehen: Durch die permanente Anpassung ihrer Körper an sich ändernde Umweltbedingungen können sie zwar rücksichtslos im Weltall expandieren, und durch einen hochkomplexen Organisationsorganismus sind sie miteinander verbunden. Das ist aber eben auch ihre Schwäche: Trifft man die Küchenschabenkrieger in ihrem Zentrum, werden alle vernichtet.

Doch auch der T-800 ist nicht unangreifbar, im Gegenteil. Als serielles Gerät ist er natürlich immer auch ein Opfer der Modernisierung. Da kommt immer wieder ein neues Modell auf den Markt, das ihm technisch überlegen ist. Doch gerade deshalb entwickelt er eine bewundernswerte, maschinenuntypische Leidenschaft. Er kämpft gegen alle Chancen - und überwindet auf diese Weise zuweilen die eigene Programmierung. So geschehen in "Terminator 2 - Tag der Abrechnung". Dort gibt der T-800 den rührenden Leihvater für John Connor, den halbwaisen Chef-Revoluzzer in spe. Bitten Sie darum mal einen Borg.



insgesamt 3 Beiträge
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Hans Hollmann, 05.06.2009
1.
Zum T-800: "Mag er nach extremen Gefechten auch nur ein Klumpen Stahl sein, so lange in ihm noch irgendwo ein Mikrochip glimmt, regeneriert er sich automatisch." Das wird in keinem der Filme auch nur im Ansatz gezeigt und ist daher schlicht falsch. Zum Beispiel trägt im ersten Teil trägt Arnold nur deshalb eine Sonnenbrille, damit man sein -nach einem Unfall- hervortretendes mechanisches Auge nicht sieht.
Michael Schnickers, 05.06.2009
2.
Diesmal gar keine technische Kritik, nur ein kurzer Verriss. Schon bei der völlig verhunzten Bildunterschrifr zu "Robocop" war mir klar, dass nur noch Müll kommen würde- oder um es poetisch auszudrücken: Herr Buß schreibt Stuß. "Robocop" (allerdings nur der erste Teil) war ein hervorragend gemachter Actionfilm mit einer ordentlichen Packung Zivilisationskritik (Werbung, Privatisierung öffentlicher Leistungen usw...) und einer faszinierenden Menschlichkeit, die sich am Ende stärker erweist als die Programmierung. Unvergessen, wie er das Glas Babybrei abschießt oder seine schwer verletzte Partnerin tröstet: "Die kriegen sie wieder hin...Die kriegen ALLES wieder hin" Und wie sein geplanter rein mechanischer Nachfolger zwar eine Wahnsinnsfeuerkraft aufweist, aber leider nicht mit Treppen klarkommt, lässt einen immer wieder schmunzeln. Zusammenfassung: Wenn man seine persönlichen Launen unbedingt ausleben will, bitte- aber dann auch auf seinem eigenen Blog z.B. und nicht unter dem Emblem des SPIEGEL, sonst hat sich das mit dem geplanten hohen Niveau bei "einestages" ganz schnell erledigt...
Sascha Sänger, 11.11.2014
3. Schlecht recherchiert...
...und polemisch aufgearbeitet, leider unter Überschreitung der Wahrheitsgenze. Wobei einem auch nicht aufgeht ob es nicht ein unterschwelliges Sci-Fi bashing darstellen soll was hier abgeliefert wurde. Robocop war noch nie Verchromt, nicht mal ansatzweise, er lief auch wie jeder andere Cyborg, daher der Name, er Rollte nicht, er rollte sich nicht einmal ab, die "metallische Pralinenschachtel voller kampftechnischer Überraschungen" beschränkte sich auf eine Computergestützte Ansicht der Szenerie und einer im Bein verborgenen Pistole. Die Ansicht über die Borg: "wie Kreuzungen aus Kakerlaken und Kofferradios" kann man Teilen wenn man nie einen Borg gesehen hat, jedoch kommen auch jene Gesellen recht humanoid rüber und sehen im gegensatz zu Cyborgs wirklich aus wie Menschen die nachträglich mit allerlei technischen Gimmicks versehen wurden. Der von Hernn Buß sogenannte "Organisationsorganismus" nennt sich "Schwarmintelligenz" und ist nicht mal ansatzweise ein geschicktes Wortspiel. Zum schluß noch zu behaupten der T-800 hätte seine eigene Programmierung überwunden ist auch vollkommen aus der Luft gegriffen, da Leihvater oder besser Kindermädchen von John Connor seine Bestimmung war mit der er in die Vergangenheit geschickt wurde. Also Herr Buß, Buße tun und am besten noch mal alle aufgezählten Filme noch mindestens 5 mal ansehen um Sinn und Handlung aufzunehmen und nachvollziehen zu können.
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