20 Jahre Kurznachricht HB2U, liebe SMS!

20 Jahre Kurznachricht: HB2U, liebe SMS! Fotos
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"Merry Christmas." Am 3. Dezember 1992 schickte Neil Papworth diese Worte an ein Handy und läutete eine Revolution ein, die den Alltag von Milliarden veränderte. einestages sprach mit dem Versender der ersten SMS - und zeigt die Pionier-Botschaften, die per Telefon, E-Mail und Co. abgesetzt wurden. Von

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Als die SMS vor 20 Jahren erfunden wurde, sollte sie nur ein unwichtiger Zusatzdienst sein - heute kommuniziert die ganze Welt per Kurznachricht. Allein im letzten Jahr wurden rund acht Billionen SMS versendet. Schuld an allem ist ein schlaksiger, braunhaariger Ingenieur namens Neil Papworth. Der damals 22-jährige Brite war es, der am 3. Dezember 1992 die erste SMS verfasste.

Heute ist Papworth dreifacher Familienvater, lebt in Montreal und hegt laut seiner Homepage eine Schwäche für Formel 1, Bier und gutes Curry. Darüber, dass er aus Versehen Geschichte geschrieben hat, amüsiert er sich noch heute.

einestages: Mister Papworth, warum lautete Ihre erste SMS ausgerechnet "Merry Christmas"? Das ist ja nicht gerade besonders originell.

Papworth: Na ja, was hätte ich denn sonst schreiben sollen? "OMG, it wrkd! LOL!"? Diesen SMS-Jargon gab es doch noch gar nicht. Richard Jarvis, der Mann, dem ich die Nachricht schickte, war damals Manager bei Vodafone und unser Kunde. Und als ich die SMS abschickte, vergnügte er sich gerade auf der Firmenweihnachtsfeier am anderen Ende der Stadt.

einestages: Und wo genau waren Sie?

Papworth: Ich saß in einem Maschinenraum von Vodafone in Newbury, vor drei miteinander verbundenen DEC-Computern. Wenn ich mich recht erinnere, nannten wir die drei Rechner "Bube", "Dame" und "König". Aufeinander gestapelt, besaßen sie die Größe eines Kühlschranks - aber nur rund zehn Prozent der Leistung eines heutigen Smartphones.

einestages: Warum ausgerechnet Sie?

Papworth: Ich arbeitete damals für das IT-Unternehmen Sema und war Teil eines 28-köpfigen Teams, das bei der Entwicklung der SMS im Vorfeld wochenlange Tests durchgeführt hatte. Das ausgerechnet ich die SMS abschicken durfte, war für mich eine große Ehre, schließlich war ich recht jung.

einestages: Erinnern Sie sich, welches Mobiltelefon Vodafone-Manager Jarvis in den Händen hielt, als er ihre SMS erhielt?

Papworth: Richard besaß damals ein "Orbitel TPU 901". Es dauerte Jahre, bis ich für meinen Privatgebrauch auch so ein tolles Handy hatte.

einestages: Waren Sie sich der historischen Dimension Ihrer ersten SMS bewusst?

Papworth: Ganz und gar nicht! Ich machte doch nur meinen Job und wusste lediglich, dass Vodafone viel daran lag, diesen Dienst pünktlich zu ihrer Weihnachtsfeier zum Laufen zu bekommen. Erst im Jahr 2002, zum 10. Jubiläum, begannen die Menschen, über die Bedeutung dieser SMS zu reden. Und plötzlich mir fiel auf: "Hey, das war ja doch ganz schön wichtig!"

einestages: Wie haben Sie erfahren, dass Ihre SMS erfolgreich auf der Firmenfeier angekommen war?

Papworth: Per Telefon. Zurückschreiben ging ja noch nicht.

einestages: Haben Sie denn anschließend ordentlich gefeiert?

Papworth: Aber nein! Uns ging es nur darum, die Software zum Laufen zu bringen und ein gutes Produkt abzuliefern. Während ich die SMS verschickte, standen zwar ein paar Kollegen von Vodafone und Sema um mich herum. Aber eine große Party gab es nicht. Wir wussten ja überhaupt nicht, was wir da losgetreten hatten.

einestages: Als Sie die SMS testeten, welcher Nutzen schwebte Ihnen ursprünglich vor?

Papworth: Wir hätten niemals gedacht, dass ganze Generationen per SMS flirten und Schluss machen würden. Vodafone hatte damals im Sinn, die SMS als eine Art Pager zu benutzen, zur Übermittlung einfacher Meldungen.

einestages: Reichen denn 160 Zeichen aus, um miteinander zu kommunizieren?

Papworth: Na klar. Eine SMS ist kurz, schnell und bringt die Dinge auf den Punkt.

einestages: Simsen Sie heute viel in Ihrem Alltag?

Papworth: Ich verschicke etwa zehn bis 15 Kurznachrichten pro Woche, bin also kein Abhängiger. Aber meine Frau sagt, ich sei der schnellste SMS-Tipper der Welt!

einestages: WhatsApp, Twitter, Facebook und die Smartphones setzen der SMS ziemlich zu. Ist die Kurznachricht vom Aussterben bedroht?

Papworth: Ich höre seit zehn Jahren, dass die SMS auf dem Rückzug ist. Eine Zukunft hat sie trotzdem. Was sollte sie ersetzen? Klar haben mittlerweile manche ein Smartphone. Aber die meisten Menschen auf der Welt, gerade in den Entwicklungsländern, können sich keines leisten.

einestages: Sind Sie den Rummel um den Geburtstag der SMS nicht langsam leid?

Papworth: Ich habe es nie bereut, der Erste zu sein. Jedes Jahr freue ich mich wie ein Schneekönig, meine fünf Minuten Ruhm zu genießen und erstaunte SMS meiner Freunde von überall auf der Welt zu erhalten, die mich in der Zeitung oder im Fernsehen entdeckt haben. Aber ich gebe zu: So schlimm wie in diesem Jahr war es noch nie.

einestages: Wissen Sie noch, wie Ihre zweite SMS lautete?

Papworth: Das weiß ich nicht mehr genau. Vermutlich: "Ich brauche ein Bier!"

Sie fragen sich, wie die ersten Nachrichten bei anderen Kommunikationsmitteln lauteten? Reisen Sie mit der einestages-Bildergalerie durch die Geschichte und erfahren Sie die mitunter recht saloppen Botschaften der Nachrichtenpioniere - vom Telegramm-Erfinder bis hin zum Twitter-Begründer.

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insgesamt 6 Beiträge
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    Seite 1    
1.
Max Maier 03.12.2012
20 Jahre Abzocke!!!
2.
Hans Johan 03.12.2012
Das darf doch nicht wahr sein was Eines Tagesbhier veröffentlicht ist Volksverdummung. Am 3. Dezember 1992 schickte Neil Papworth sein erstes SMS - und, was ist da besonderes dran. SWS hat es in Europa schon weit früher gegeben. Im skandinavischen NSM System welches hauptsächlich von Ericsson entwickelt wurde gab es die Form von kurzen Mitteilungen schon im Jahr1990. Aber heute ist es ein Amerikaner, und Der Spiegel verbreitet den Blödsinn!
3.
Markus Roesgen 03.12.2012
@Hans Johan: Ach herrje, wieder so ein Spezial-Experte, der nichts Besseres zu tun hat, als andere zu belehren. Ihnen ist aber schon klar, dass es nicht um irgendeinen Nachrichtendienst geht, den heute keiner mehr benutzt, sondern um _den_ SMS-Standard? Und den Seitenhieb auf Amerika sollten Sie sich auch sparen...
4.
Jürgen Wagner 03.12.2012
>20 Jahre Abzocke!!! Wohl kaum. Um die SMS populär zu machen, war der Nachrichtendienst in den ersten Jahren kostenlos - sogar international. Erst 1999 wurden für SMS Gebühren erhoben. Und heute gibt es jede Menge Tarife, bei denen SMS kostenlos sind. Also, wo ist die Abzocke?
5.
Marco Wirth 04.12.2012
Da frag ich mich, wie das Handy seines Chefs denn die SMS anzeigen konnte. Kann mir niemand erzählen, dass die Technologie da zum ersten mal getestet worden ist. Wie verrückt, und wie anmaßend muss man eigentlich sein, um sich so einen Erfolg zuzuschreiben.
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