Heute ist Weltknuddeltag "Tut es so oft wie möglich!"

Bitte einmal feste drücken: 1986 rief Kevin Zaborney den "National Hugging Day" aus. Das macht Laune und ist gesund, behauptet der oberste US-Umarmer. einestages verrät, welche skurrilen Feiertage bald noch so anstehen.

Ein Interview von

Corbis

"Weltknuddeltag", "Kramens Dag", "Nacional Dia del Abrazo": Laut Webseite von Kevin Zaborney, 51, wird der "National Hugging Day" am 21. Januar mittlerweile in Dutzenden von Ländern zelebriert. Der evangelische Pastor und Sozialarbeiter aus Caro im US-Bundesstaat Michigan hat noch einen skurrilen Feiertag ausgerufen - zu Ehren der notorischen Jammerer dieser Welt.

einestages: Lassen Sie uns per Skype herzen. Wie geht das?

Zaborney: Ganz einfach: Sie breiten die Arme aus, ich breite die Arme aus. Wir schauen uns in die Augen. Bei drei geht's los: 1,2,3!

einestages: Das war jetzt etwas steril, oder?

Zaborney: Stimmt. Es ist immer schöner, die Person wirklich zu umarmen, ihr nah zu sein. Genau das ist es ja, was zu kurz kommt.

einestages: Was hat Sie 1986 bewogen, einen Umarm-Tag zu etablieren?

Zaborney: Ich studierte damals Psychologie und hatte den Eindruck, dass unsere Gesellschaft körperliche Nähe zunehmend fürchtete. Die Menschen saßen vor ihren Fernsehern oder spielten Videospiele. Zudem hatte meine damalige Freundin Monica Moeller auch schon einen Gedenktag ins Leben gerufen, das hat mich beeindruckt.

einestages: Welcher war's?

Zaborney: Der nationale Faulenzertag ("National Goof Off Day") am 22. März. Monicas Großvater William D. Chase war der Gründer des jährlichen "Chase's Calender of Events", der seit 1957 alle möglichen Gedenktage auflistet. Meine Mutter sagte dann: Wir sind eine Familie von Umarmern. Ruf du doch den "Hugging Day" aus!

einestages: Wie war das Echo?

Zaborney: Mein Vater hat nur mit den Schultern gezuckt, Monicas Großvater fand das super. Kaum war der Tag nebst meiner Telefonnummer im Chase's Calender aufgelistet, riefen Journalisten aus aller Welt an.

einestages: Warum sollen wir gerade am 21. Januar knuddeln?

Zaborney: Das Datum liegt genau zwischen Weihnachten und Valentinstag. Zudem ist es im Januar meist kalt und dunkel. Da tut es besonders gut, einander in den Arm zu nehmen.

einestages: Zeigen Sie uns bitte Ihre liebsten Umarm-Varianten!

Corbis
Zaborney: Besonders mag ich den "Gorilla Hug", auch "Bear Hug" genannt. Man legt beide Arme um die Person, zieht sie eng an sich, drückt sie. Natürlich darf das nicht wehtun. Toll ist auch der "Pick-up Hug": Die Kinder springen dir in die Arme, du hebst sie hoch und schwenkst sie einmal durch die Luft. Wunderschön für beide. Im Büro empfiehlt sich eher der "Shoulder Hug". Man legt einen Arm um die Schulter des Kollegen und drückt ihn einmal kurz. Aber bitte immer vorher fragen! Das gilt besonders, wenn man sein Gegenüber nicht kennt.

einestages: Werden Sie häufig von Wildfremden umarmt?

Zaborney: Ich bin in meinem Heimatstädtchen gar nicht so berühmt. Wenn mich mal einer auf der Straße erkennt und spontan in den Arm nimmt, werde ich oft rot, das muss ich zugeben.

einestages: Die USA scheinen immer noch ein Knuddel-Problem zu haben. Regelmäßig schaffen es Schulen in die Schlagzeilen, weil sie ein Umarmungsverbot aussprechen. Woran liegt's?

Zaborney: Die Menschen haben Angst vor Übergriffen, Angst vor Missbrauch. Doch eine ehrliche Umarmung hat damit nichts zu tun.

einestages: 2015 haben Sie die Figur Baymax aus dem gleichnamigen Disney-Animationsfilm zur "most huggable person" gekürt. Wieso ausgerechnet dieses unförmige weiße Monster?

Zaborney: Baymax besitzt für einen Roboter ein ungemein zärtliches Wesen, das ist doch fantastisch. Per Twitter hat er sich mit einer "großen Umarmung an alle" bedankt. Außerdem hat Disney mir einen aufblasbaren Baymax geschickt. Der ist fast drei Meter hoch.

einestages: Wer wird 2016 knuddeligste Person des Jahres?

Zaborney: Von allen Vorschlägen, die ich zugeschickt bekam, gefällt mir Tim Harris derzeit am besten. Tim ist 30 Jahre alt und hat das Down-Syndrom. In seinem kleinen Restaurant in Albuquerque, New Mexico, knuddelt er sämtliche Kunden und hat sogar Barack Obama schon umarmt.

einestages: Wie oft sollte man sich pro Tag umarmen? Fünf Mal, zehn Mal, sogar 20 Mal?

Zaborney: Tun Sie es so oft wie möglich! Umarmen ist erwiesenermaßen gesund. Der Blutdruck sinkt, die Menschen fühlen sich besser, ihr Selbstwertgefühl steigt. Jeder sucht doch heute nach dem Wundermittel, das sein Leben verlängert und gesund macht. Umarmen ist so simpel - und kostet keinen Cent!

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einestages: Ob in Sydney, Göteborg oder Tiflis: Auf der ganzen Welt laufen mittlerweile Free-Hug-Aktionen, bei denen Menschen in aller Öffentlichkeit Gratisumarmungen offerieren. Was hat Ihnen bisher am meisten imponiert?

Zaborney: Der Hug-Marathon 2012 in London. Vier Paare umarmten einander 24 Stunden und 44 Minuten lang - bei nur fünf Minuten Pause pro Stunde. Sie schafften es damit sogar ins Guinnessbuch der Rekorde.

einestages: Sie haben 1986 auch einen zweiten Feiertag ins Leben gerufen, den "nationalen Jammertag" ("National Whiner's Day"). Für alle, die genug vom Knuddeln haben?

Zaborney: Ich arbeitete damals bei McDonalds, mit einer Kollegin, die ständig am Nörgeln war. "Warum muss ich die Fritten ins Fett schmeißen? Warum dies, warum das?" Es war nicht zum Aushalten. Aus Spaß sagte ich: "Irgendwann wird jemand für Leute wie dich den nationalen Jammertag erfinden." Genauso kam es.

einestages: Gefeiert wird der "Jammertag" am 26. Dezember…

Zaborney: …wenn Weihnachten vorbei ist, die Leute mit kugelrundem Bauch Dankeskarten schreiben oder ihre hässlichen Geschenke umtauschen müssen.

einestages: Gibt es sonst einen Feiertag, den Sie gern begründen würden?

Zaborney: Den Zauderern dieser Welt würde ich wahnsinnig gern einen "Zauderer-Tag" schenken. Aber eigentlich reichen doch zwei Feiertage pro Mensch, oder?

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Zur Autorin
  • einestages-Redakteurin Katja Iken wurde geboren im Jahr, als die "Watergate-Affäre" ins Rollen kam und der deutsche "Playboy" erstmals die BRD beglückte. Absolventin der Axel-Springer-Journalistenschule, seit 2007 bei einestages. Studierte Geschichte und Romanistik, promovierte in Rom über Feminismus im Ersten Weltkrieg.



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