Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

einestages-Adventskalender Wham! - ewige Zweite


George Michael hat die Haare schön und schnulzt "Last Christmas": Manche können davon gar nicht genug bekommen. Andere haben empfindlichere Ohren und schon nach den ersten Tönen Stresspickel. Von

Weihnachten ist schwer vorstellbar ohne den Klassiker, der sich allein im ersten Jahr mehr als 1,4 Millionen Mal verkaufte - und doch: "Last Christmas" von Wham! schaffte es nie zu einem Nummer-eins-Hit. Das Schicksal wollte es so, dass diesen Platz just 1984 das Band-Aid-Projekt von Bob Geldof und Midge Ure besetzt hielt. Wham!-Sänger George Michael präsentierte sich aber als fairer Verlierer des Wettstreits um die Chart-Spitze: Beim Live-Aid-Benefizkonzert trat er mit auf.

Nicht eben förderlich im Sinne des Erfolgs war ein Rechtsstreit mit dem US-Schnulzenfürsten Barry Manilow: Angeblich klang der Song zu sehr nach Manilows "Can't Smile Without You". Man einigte sich außergerichtlich - die Einnahmen sollten dem Band-Aid-Projekt zu Gute kommen.

Nur Zweiter: Das ist auch der Typ im Lied. Es handelt von einem Mann, der sein Herz vergangene Weihnachten an eine Frau verschenkt hat. Doch schon am nächsten Tag hat sie einen anderen. George Michael spielt diesen Mann im Video und hat die Haare schön.

Es ist aus heutiger Sicht das wohl trashigste Weihnachtsvideo ever, ever, ever: Eine Gruppe junger Menschen im Achtziger-Stil springt in den Alpen über Zäune in den frischen Schnee. Und mittendrin George Michael mit dieser unglaublichen Föhnfrisur.


Den Nebenbuhler mimt in dem Clip, der im Schweizer Nobel-Ski-Ort Saas Fee gedreht wurde, George Michaels Bandkollege Andrew Ridgeley, die andere Hälfte des Duos Wham! Und wohl auch im echten Leben waren die beiden zu dieser Zeit nicht besonders eng. Während Michael in der Suite eines Fünf-Sterne-Hotels residierte und es sich gut gehen ließ, hatte es Ridgeley, so erinnerte sich später ein ehemaliger Hoteldirektor, darauf abgesehen, möglichst weit entfernt davon untergebracht zu werden. Nicht einmal für ein Foto wollten die beiden zusammen vor dem Hotel posieren.

"But the very next day, you gave it away..." Das Video ist die Augenpest, der Song die Ohrenpest - und diese Schnulze kriegt man da ganz schwer wieder raus. Zur Rache kursierten schon vor Jahren umgetexte Versionen mit Spottzeilen wie "We're all high on pot / But I make a sad face for I have to pee". Als Gegengift taugen möglicherweise die besseren der vielen Coverversionen, etwa von The xx, Madsen, Travis oder Florence And The Machine.


11 Mal werden wir noch wach... Der einestages-Adventskalender mit klassischen, schrägen, schlimmen Weihnachtssongs. Kommt täglich.

1
Skandal im Sperrbezirk: Fanta 4 auf dem Index
2
Der Außenseiter-Song:
Mit schwächlichem Rentier zum Millionär
3
Die Harmonie-Killer: Punx not dead
4
Ein schräges Duett: Fake oder echt?
5
Der Rentier-Unfall: Wohin mit O(sa)ma?
6
Der Düstermann: Rohe Weihnachten
7
Blaue Weihnachten, zum Mitschluchzen
8
Die Rapper: "Nö. Das machen wir nicht."
9
Der Aufreger: Mama knutscht mit dem Weihnachtsmann
10
Weltkulturerbe: Für sie soll’s rote Rosen regnen
11
Die Stimme aus dem Jenseits: Peace!
12
Musik mit Maske – schön aggro
13
Benefiz-Bob: Ritterschlag für ein Lied
14
Der ewige Zweite: Hit mit Zuckerguss
15
Unholy Shit: Der Graf macht Klingelmännchen
16
Queer Christmas: Blondine mit Bling-Bling
17
Positives Denken: Diese Zeile sing’ ich nich
18
Spacig: Weihnachtsklänge aus dem All
19
Ein Friedenssignal, total gaga
20
Weihnachten im Weltraum: Ein schepperndes Fest
21
Pinkelpause: Beinahe vertextet
22
Das Spottlied: Liebe deine Feinde
23
Das Inferno: Her mit dem Feuerlöscher
24
Schrille Gala: Engel mit Atombusen

Artikel bewerten
2.0 (40 Bewertungen)
Mehr zum Thema
Diesen Artikel...


Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 8 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. SPON, warum so miesepetrig?
Andrew Kramer, 14.12.2015
Ja, die 80er. Keine Blütezeit des guten Geschmacks. Dass man allerdings ein Lied, das eben in diese Zeit passt und immer noch vielen gefällt (Nostalgie? Sehnsucht nach einfachem Schnulz?), derart von oben herab verreissen muss und das auch selbst noch lustig findet, ist vor allem eins: sehr sehr deutsch. Ein Spross des gefühlten Bildungsbürgertums kann ja Massengeschmack nicht gutheißen. Im SPON schon gar nicht. Ich fand WHAM in den 80ern zum Abgewöhnen, inzwischen stellen sich besagte Nostalgiegefühle ein. Gehört eben inzwischen zu Weihnachten wie die bucklige Verwandtschaft. Objektiv nicht zu erklären aber ohne fehlte etwas. Was nicht fehlen würde: deutsche lustig gemeinte Miesmacherartikel. Das man etwas tatsächlich gewitzt kritisieren kann, zeigen übrigens englischsprachige Autoren täglich.
2. Stimme dem ersten Kommentar zu
Alexander Nöthlich, 14.12.2015
Sich über 80ger-Jahre-Frisuren und -Sound lustig zu machen ist doch wohlfeil... sicherlich lässt sich nur schwer ein Text über Wham und diesen Song schreiben, ohne zumindest die Lächerlichkeit des Videos und Textes zu erwähnen, aber dann gleich so bösartig, das ist ja, als ob man im Weihnachtskalender statt Schokolade ein Lebertranbonbon findet.
3. Like
Stefan Benninghaus, 14.12.2015
Jawoll. Ich mag den Song. Und warum über die Frisuren und das Outfit lustig machen? Es war der Zeitgeist und somit gar nicht auffällig in jenen Tagen ,-) Fehlt vllt. noch der Hinweis im Artikel, dass "Last Christmas" ursprünglich angeblich "Last Easter" heissen sollte und die beiden Damen im Video später als "Pepsie & Shirlie" eine Mini Karriere im Pop Business machen sollten. Mensch. Lasst das Lied in Ruhe. Ich mag es :-)
4. Passt leider
Martin Woschko, 14.12.2015
Und damit meine ich nicht das Niveau des Liedes. Das kennen wir alle und das Video hat irgendwann jeder mal gesehen und sich seinen Teil gedacht. Aber anstatt das mehr oder weniger platte Lied mit geistreichen Metaphern zu kontern war das leider zu viel erwartet. Stattdessen reiht sich eine Plattheit an die andere. Und nicht nur das, erfährt man in Wikipedia wesentlich mehr über das Lied als im Artikel. So ist das Weglassen der Tatsache, dass die außergerichtliche Einigung nur für das erste Jahr galt, schon fast eine gemeingefährliche Halbwahrheit. Interessant wäre auch gewesen, dass die Backgroundsängerinnen noch anderweitig zum Erfolg kamen. Oder dass in Deutschland das Lied gemäß den Chartplatzierungen schon wesentlich früher zum Evergreen wurde als bei den Briten. Der Artikel hat sich letztendlich an das belanglose Niveau des Liedes angepasst. Aber wenigstens hat mich der Artikel dazu bewogen, den Wikipediaeintrag zu lesen.
5.
Hans Mayer, 14.12.2015
Frau Maeck mag also den Titel nicht. Anscheinend ist sie zu jung um die 80er miterlebt zu haben. Natürlich ist vieles aus heutiger Sicht in den 80er furchtbar gewesen. Aber wie sieht man in 30 Jahren auf das Jahr 2015? Schüttelt man dann den Kopf über die Manie sich überall selbst zu fotografieren und alles über Sich in Netz zu posten? Ohne die Kenntniss über das Lebensgefühl der Zeit sollte man nicht urteilen. Last Christmas ist zwar eine Schnulze, aber das sind alle Weihnachtslieder. Alle 12 Monate kann man es ertragen.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH