Es sind nur vier dahingemurmelte Worte, aufgenommen von den Außenmikrofonen in Wimbledon. Sie umreißen das ganze Drama an diesem heißen Julitag: "Ich mag nicht mehr", hören Millionen Deutsche am Fernseher Boris Becker fluchen, leise und verzweifelt.
Boris Becker, dieser temperamentvolle und scheinbar unverwüstliche Kämpfer, "mag nicht mehr". Und das im Finale seines Lieblingsturniers! Auf dem Centre Court von Wimbledon, seinem "Wohnzimmer", seiner Wohlfühloase, Ort seiner größten Triumphe: Hier hatte Becker 1985 das wichtigste Tennisturnier der Welt gewonnen, als erster Deutscher und jüngster Spieler, mit 17 Jahren. Hier war er zum Weltstar aufgestiegen und hatte daheim einen einzigartigen Tennisboom ausgelöst.
Ausgerechnet hier erlebte Becker vor 25 Jahren seine größte Demütigung. Durch einen Landsmann, der auch abseits des Platzes nicht gerade sein Freund wurde: Michael Stich.
Heißes Herz gegen kühlen Kopf
Erst ein Turnier hatte der Elmshorner zuvor gewonnen und anders als der fast gleichaltrige Becker zunächst sein Abitur gemacht, bevor er als Spätstarter Tennisprofi wurde. Stich galt mit seinen lehrbuchmäßigen Schlägen als sehr talentiert, aber zu nervenschwach und verkopft. Kein Kämpfertyp wie Boris. Wie sollte dieser sensible Schlaks der Urgewalt der Bumm-Bumm-Aufschläge trotzen? Vor Turnierbeginn lag die Quote für einen Wimbledon-Sieg Stichs in den Wettbüros bei 1:80.
Die Rollen waren klar verteilt, als die beiden Deutschen am 7. Juli 1991 um 14 Uhr den Rasen von Wimbledon betraten. Becker hatte in den drei Jahren zuvor dort jeweils im Finale gestanden und das Turnier insgesamt dreimal gewonnen. Sein Sieg schien reine Formsache, auch wenn Stich in einem dramatischen Halbfinale ungewohnt nervenstark den Weltranglistenersten und Titelverteidiger Stefan Edberg besiegt hatte.
Die Eishexe mit der Eisenstange: Die Eiskunstläuferin Tonya Harding (links) wollte Olympiagold um jeden Preis, Rivalin Nancy Kerrigan stand ihr im Weg. Als Kerrigan am 6. Januar 1994 vom Training kam, folgte ein Mann ihr Richtung Kabine und schlug mit einem Stock auf ihr Knie - nur einmal, hart, "aber nicht so hart, dass Knochen gebrochen sind", sagte er später. Dieser Mann war Shane Stant, beauftragt von Tonya Hardings Ehemann. Die verletzte Nancy Kerrigan...
...konnte bei der Olympiaqualifikation nicht starten, durfte aber trotzdem an den Spielen im Februar 1994 in Lillehammer teilnehmen - ebenso wie Harding, die erst später wegen der Attacke verurteilt wurde. Harding wurde Achte; Eisprinzessin Kerrigan holte die Silbermedaille. "Ich hatte einfach großes Glück, dass es extrem untalentierte Verbrecher waren", sagte sie später über den Angriff. Beide beendeten bald nach Lillehammer ihre Karrieren. Tonya Harding versuchte sich noch im Boxen (hier auf einem Foto von 2003), ebenso bei Eislauf-Revuen und in Talkshows - alles ohne großen Erfolg. Mehr über den Eiskunstlauf-Skandal lesen Sie hier.
Ein völlig gewaltfreies Zickenduell auf Kufen lieferten sich jahrelang Anni Friesinger (links) und Claudia Pechstein. Hier die bayerische Frohnatur, eine extrovertierte, dralle "Eis-Naddel"; dort die spröde Sportsoldatin aus der DDR - und beide international hoch dekorierte Eisschnellläuferinnen. Sie mochten einander nicht und machten keinen Hehl daraus, vor allem im Umfeld der Olympischen Spiele 2002 in Salt Lake City. Dort beschilderte Friesinger ihr Zimmer mit "Zickenzone". Es war eine Seifenoper mit reger Anteilnahme von Zeitungen, die etwa über "Busen-Neid" oder Pechsteins "Mopp auf dem Kopp" (schwarz-rot-goldene Perücke nach dem Olympiasieg) spotteten. "Wir haben uns noch nie gut verstanden", sagte Pechstein im SPIEGEL-ONLINE-Interview, "wir sind uns einfach nicht grün." Das Gezicke zahlte sich indes für beide aus, sie gewannen an Bekanntheit, was sie als Werbefiguren gut ummünzen konnten.
Zickenduell im Becken: Ähnlich lieb wie Friesinger und Pechstein hatten sich die Schwimmerinnen Franziska van Almsick (links) und Sandra Völker, hier 1996 bei den Deutschen Meisterschaften. Berlin gegen Hamburg, freche Schnauze gegen kühles Auftreten, Frühstarterin gegen Spätblüherin, "Goldfisch"-Glamour gegen Understatement - Hoffnungsträgerinnen des deutschen Schwimmsports waren sie beide, Freundinnen nie. Ihre Karrieren verliefen höchst unterschiedlich: Van Almsick bekam viel Aufmerksamkeit, holte die Kameras an den Beckenrand und verdiente reichlich Werbegeld. Dagegen landete Völker später in der Privatinsolvenz und musste ihre Medaillen versteigern.
Rollende Apotheken: Zu einem echten Angstgegner für Jan Ullrich (links) wurde sein Kontrahent Lance Armstrong. Das Duell war mehrfacher Höhepunkt der Doping-Festspiele bei der Tour de France. Fünfmal versuchte der Deutsche in den Nullerjahren den Amerikaner abzuhängen, fünfmal wurde er nur Zweiter. Was die beiden alles tankten: bis heute nur teilweise bekannt. Lance Armstrong gebärdete sich über viele Jahre als Chef des Pelotons, attackierte Kritiker unter den Kollegen und verklagte praktisch jeden, der Dopingvorwürfe äußerte - bis Armstrong erst 2013 doch Doping eingestand. Das tat auch Ullrich, aber aus seiner speziellen Sicht war es kein Betrug: Er habe ja nichts genommen, "was die anderen nicht auch genommen haben". Beide haben viel dazu beigetragen, den Radsport gründlich zu ruinieren.
Große Rivalen der Rennbahn waren Edwin Moses (rechts) und Harald Schmid (Mitte). Von Mitte der Siebziger- bis Mitte der Achtzigerjahre zählten sie zu den besten Läufern der Welt über 400 Meter Hürden. Und immer ging es gleich aus: Moses gewann, und das erstaunliche 122 Rennen nacheinander. Hinter diesem Laufwunder blieb Schmid nur der zweite oder dritte Platz, wie hier 1987 mit seiner Bronzemedaille bei der Weltmeisterschaft in Rom. Ein einziges Mal konnte er gegen Moses siegen: 1977 bei einem Wettkampf in Berlin - da patzte der Amerikaner an der letzten Hürde, und Schmid lag vorn.
Abbildung ähnlich: Nein, das da rechts ist nicht Harald Schmid beim Hürdenlauf - es ist beim Zehnkampf Jürgen Hingsen, der 1983 ebenfalls den zeittypischen Schnäuzer trug. Links neben ihm läuft Dauerrivale Daley Thompson aus Großbritannien. Die beiden lieferten sich starke Duelle, Hingsen stellte drei Zehnkampf-Weltrekorde auf. Und doch konnte er, wie Harald Schmid, seinen Hauptkontrahenten bei Wettkämpfen einfach nicht bezwingen. Thompson wurde Olympiasieger, Weltmeister und Europameister. Hingsen, der Hüne, wurde das alles auch - nur mit der Vorsilbe Vize.
Hingsens Karriere nahm einen traurigen, rätselhaften Abschluss: Auch bei Olympia 1988 in Seoul traten Hingsen und Thompson an. Aber zu einem echten Duell kam es nicht mehr. Der Zehnkampf beginnt stets mit dem 100-Meter-Sprint. Hingsen beging gleich drei Fehlstarts, in der Leichtathletik extrem selten, und wurde prompt disqualifiziert. Danach zog er sich vom Zehnkampf zurück.
Turbozwerg gegen Beauty-Queen: Wer ist der weltbeste Fußballer? Lionel Messi und Cristiano Ronaldo tragen diesen Wettstreit schon lange gegeneinander aus, bei großen Turnieren im Fernduell, in der spanischen Liga auch immer wieder bei den Partien zwischen FC Barcelona und Real Madrid. Mal liegt der Maradona-Erbe, der kleine Argentinier mit dem großen Steuerproblem um eine Fußspitze vorn, mal um einen Übersteiger der polarisierende Portugiese, der provokative Popstar, der stets die Haare schön hat. Plakativer hätte man eine Fußballerrivalität auf keiner Spielkonsole gestalten können.
Faust auf Faust: Wer "der Größte" ist, wie Muhammad Ali (links) sich selbst nannte, braucht mehr als nur einen starken Kontrahenten. Bei Ali war es neben George Foreman vor allem Joe Frazier (rechts). 1971 lieferten die beiden sich in New York ein legendäres Schwergewicht-Duell, das auch als "Kampf des Jahrhunderts" bekannt wurde und der Beginn einer langjährigen Rivalität war - Ali verlor und wurde in 15 Runden übel vermöbelt. Den nächsten großen Kampf gewann er knapp gegen Frazier, ebenso den "Thrilla in Maila" im Oktober 1975. "It's gonna be a thrilla / and a chilla / and a killa / when I get the Gorilla...", rappte Ali vorher. Und sagte danach: "Wir kamen als junge Champions nach Manila und gingen als alte Männer.
Box-Legenden: Als Max Schmeling (rechts) und Joe Louis 1936 in New York aufeinandertrafen, standen sie auch für zwei Systeme. Das vom Rassenwahn verstrahlte Nazi-Deutschland reklamierte Schmeling als Repräsentanten, als er gegen den "braunen Bomber" boxte. Schmeling war nicht mehr Schwergewichtweltmeister, Louis noch nicht, galt aber als praktisch unschlagbar - er hatte in 27 Kämpfen immer gewonnen. Trotzdem siegte Schmeling per K.o. in der zwölften Runde, was die NS-Propaganda als "Beweis für die Überlegenheit der arischen Rasse" bejubelte. Beim Rückkampf zwei Jahre später allerdings schlug Louis ihn bereits in der ersten Runde. Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich eine Freundschaft, die Jahrzehnte überdauerte. Das Foto zeigt die beiden bei einem Treffen in New York 1960.
Rasende Rivalen: Eines der härtesten Duelle der Formel-1-Geschichte liefern sich derzeit Nico Rosberg (links) und Lewis Hamilton. Beide starten für das dominante Team Mercedes, gönnen einander aber keinen Millimeter und sind in der laufenden Saison schon dreimal kollidiert. Sie kennen sich seit der Jugend beim Kartfahren: "Wir duellieren uns, seit wir 14 sind, schon damals waren wir im selben Team, wir waren befreundet, sind zusammen in den Urlaub gefahren", so Rosberg. Und vor einigen Monaten: "Ich weiß nicht, was er denkt. Ich spreche nicht so viel mit ihm." Hamilton über Rosberg: "Wir sind keine Freunde. Wir sind Kollegen." Oder auch: "Viel Jammern ist halt seine Art." Sozialprognose: Das wird nichts mehr mit gemeinsamen Urlauben.
Zurück zum Tennis, zu einem Geschwisterduell: Da waren sie noch klein - Venus Williams (links) mit 14 Jahren und ihre ein Jahr jüngere Schwester Serena bei einem Tennisturnier 1994 in Oakland. Sie pflegen eine höchst produktive Rivalität. "Ich wollte wie Venus sein. Als sie sehr jung Erfolg hatte, wollte ich es ihr unbedingt nachmachen", sagte Serena Williams 2007 in einem Interview. "Wir sind uns sehr nahe. Sie ist meine beste Freundin. Ich liebe sie. Aber wenn sie auf der anderen Seite des Netzes steht, dann will ich sie schlagen." Die muskulösen Töchter eines schrillen Tennisvaters machten die Frauenturniere athletischer und wechselten sich an der Weltspitze ab. Venus ist mit Platz acht inzwischen wieder in den Top Ten - aber Serena die Nummer eins.
Ungünstig entwickelte sich das Verhältnis zwischen Steffi Graf (links) und Claudia Kohde-Kilsch. Graf war das umjubelte Jahrhunderttalent, die höchst erfolgreiche Über-Spielerin, das Pendant zu Boris Becker. In ihrem Schatten stand plötzlich die zuvor ununumstrittene deutsche Nummer eins. Nur zeitweise vertrugen sie sich, wie als deutsche Doppelpartnerinnen beim gewonnenen Federation-Cup 1987 in Kanada (Bild), oder schlossen vorübergehend Frieden, wie für die Olympia-Bronzemedaille 1988 in Seoul. Ansonsten gab es reichlich Zoff. Beide hatten überehrgeizige und verhaltensauffällige Väter, die sich fast prügelten. Auch zwischen den Töchtern war viel Gift im Spiel. Claudia über Steffi Anfang 1988: "Sie ist brutal und ohne Kameradschaft." Steffi über Claudia: "Die soll mal schön ruhig sein. Die erzählt so viele unwahre Geschichten." (mehr dazu hier)
Die stille Stefanie Graf aus Brühl ist seit 2001 verheiratet mit dem einstigen Tennis-Paradiesvogel Andre Agassi, der seinerseits eine besondere Rivalität pflegte: mit Pete Sampras. Und zudem eine Vorliebe für knatschbunte Turnierkleidung und für eine lange Lockenmähne, in Wahrheit ein Toupet, wie er in seiner unbedingt lesenswerten Autobiografie "Open" bekannte - nebst anderen Details über seine "Jugend in einer Folterkammer" unter der Knute seines Vaters oder über seinen Crystal-Meth-Konsum. Pete Sampras, seinen ewigen Widersacher, beschrieb er als langweiligen Tennisroboter und Geizkragen, der einem Parkwächter gerade mal einen Dollar Trinkgeld gegeben habe. Zwischen 1989 und 2002 spielten sie 34 Partien, Agassi gewann davon nur 14 und nur eines von fünf Grand-Slam-Finals.
Schalke und der Meistertitel - auch da liegt kein Segen drauf, es ist ein Drama, eine sportive Leidensgeschichte. Seit Beginn der Bundesliga hat der FC Schalke 04 zwar oft oben mitgespielt, aber nie die Meisterschaft geholt. Dabei wähnte die Mannschaft sich 2001 schon am Ziel - für vier Minuten. So lange dauerte nämlich die Nachspielzeit des letzten Spieltags am 19. Mai: Just hatte Schalke das eigene Spiel gegen Unterhaching 5:3 gewonnen und der Hamburger SV 1:0 gegen Bayern München. Hurra, der Titel! Das jedenfalls glaubte man auf Schalke, Fußballer Andreas Möller und Manager Rudi Assauer jubelten schon (Bild). Bis sich herausstellte, dass Bayern in der Nachspielzeit noch einen Freistoß erhielt - Patrik Andersson schoss ihn rein. Aus der Traum, Tränen auf Schalke, nur "Meister der Herzen" und dazu böser Spott auf Transparenten: "Nur gucken, nicht anfassen" neben einem Bild der Meisterschale.
Oft fiebern Menschen mit dem Außenseiter mit. Dieses Duell sahen die meisten Deutschen anders: Becker hatte längst ihr Herz erobert, seine Ausbrüche auf dem Platz und seine ungelenken Presseauftritte machten ihn nur noch volksnäher. Sport war bei ihm ein emotionales Spektakel. Dagegen wirkte der bescheidene und stets kontrollierte Stich mit seinen glasklar, gern auch auf Englisch vorgetragenen Spielanalysen wie ein verschlossener Intellektueller. Becker gegen Stich, das war auch: Gefühl gegen Verstand, heißes Herz gegen kühlen Kopf. Becker wurde geliebt, Stich respektiert.
So litten viele Deutsche mit dem taumelnden Favoriten, den Außenseiter Stich streckenweise regelrecht vorführte. Noch in der Kabine hatte er mit seinem Coach Mark Lewis eine Partie Schach gespielt. Nun scheuchte er Becker mit großer Präzision über den Platz, als wäre es nur ein Trainingspartner. Der König von Wimbledon, noch war er nicht schachmatt, aber in höchster Gefahr.
"Ich spiele mir einen Mist zusammen"
Von Beginn an lief es schlecht für Becker. Gleich sein erstes Aufschlagspiel verlor er, ein früher Schlüsselmoment. Stich sagte später: "Danach war meine Nervosität sofort weg." Und Becker: "Ich war von Anfang an nicht im Match. Ich habe alles versucht, aber ich hatte keine Energie." Er habe gespürt, dass er das Finale verlieren würde, wenn Stich "keine großen Fehler" unterliefen.
Stich schlug indes konstant gut auf, setzte Becker ständig unter Druck, gewann den ersten Satz. Als er im zweiten Durchgang mit einem Break hinten lag, nahm er Becker kühl wieder den Aufschlag ab und gewann den Satz im Tiebreak mit 7:6.
Becker kämpfte auch gegen sich selbst. "Ich spiele mir einen Mist zusammen", schimpfte er hörbar für Millionen und unter den Augen von Prinzessin Diana. Und, zunehmend resigniert: "Mein schlechtestes Match spiele ich im Wimbledon-Finale."
Dann verlor er auch den spektakulärsten Ballwechsel: Gewohnt reaktionsstark flog er mit einem der legendären Becker-Hechte dem Return seines Gegners hinterher, rappelte sich wieder hoch, rettete erneut reflexartig per Rückhand-Volley - doch Stich rückte vor ans Netz und machte den Punkt.
Immer im Schatten der Kampfmaschine
Plötzlich hatte der Außenseiter Matchball: Stich returnierte Beckers Aufschlag mit einer knallharten Vorhand, entschied den dritten Satz 6:4 und somit das Spiel. Mit einem spitzen Schrei schleuderte er den Schläger meterhoch in die Luft und sank ehrfürchtig auf dem Rasen nieder, den sein Gegner stets als "heilig" empfunden hatte. Selbst Schiedsrichter John Bryson konnte die Sensation nicht fassen und kürte gewohnheitsmäßig Becker zum Sieger: "Game, Set and Match Becker".
Das war bezeichnend für das Verhältnis der beiden. Selbst im Moment seines größten Erfolges blieb Stich irgendwie im Schatten Beckers, auch wenn der fair gratulierte und ihn noch auf dem Platz umarmte. Stich oder Becker, eine Glaubensfrage für deutsche Tennisfans: Der eine spielte technisch sauberer, der andere dank seines unbändigen Siegeswillen erfolgreicher. "Michael war der Stratege", sagte Becker einmal in der "FAZ", "ich die Kampfmaschine."
Boulevardblätter wie die "Bunte" schmähten Stich als "Kühlschrank aus Elmshorn". "Der will uns nicht, also wollen wir ihn auch nicht", erklärte einmal Becker-Entdecker und TV-Kommentator Günther Bosch. Selbst wenn Becker und Stich Doppel spielten, ob beim Davis-Cup oder bei Olympia 1992, wurden oft nur die Aktionen des einen bejubelt. Gönnerhaft sagte Becker 1993 dem SPIEGEL, er wünsche Stich wirklich, auch mal gefeiert zu werden: "Dann hat er ein bisschen Spaß, und ich hab mehr Ruhe."
"Es stinkt mir mit Becker"
Beide klagten, die Rivalität sei medial aufgebauscht, gossen aber selbst Öl ins Feuer. Etwa Becker nach seinem Sieg über Stich bei der ATP-WM 1991: "Ich muss sagen, dass ich diesen Abend richtig genossen habe." Stichs Mund sei "von oben nach ganz unten" gegangen. Und Stich 1993 über Becker: "Es ist nicht so, dass wir uns nicht leiden können. Wir haben nur nicht viel gemeinsam." Kurz darauf, weit weniger diplomatisch: "Es stinkt mir mit Becker."
Da hatte Boris Becker gerade das deutsche Davis-Cup-Team verlassen, angeblich weil er den überbordenden Nationalismus nicht mehr ertragen konnte. Aber selbst seine größten Bewunderer nahmen an, dass er einfach nicht im selben Team wie Stich spielen wollte.
Erst nach ihrer Profikarriere verbesserte sich das Verhältnis; inzwischen scheuen die beiden auch keine gemeinsamen TV-Auftritte bei Quizsendungen mehr. Sportlich hat Becker das Duell mit 8:4 Siegen für sich entschieden. Und selbst für die Schmach von 1991 gab es eine Revanche, als er Stich zwei Jahre später im Fünfsatz-Krimi des Viertelfinales bezwang.
In diesem Spiel hörte das Publikum Becker nicht fluchen. "Er war heute mental sehr stark. Er hat nie ein Wort gesagt", sagte Stich danach anerkennend. Becker war 1993 in Wimbledon zurückhaltend wie sonst Stich. Und gewann so die Herrschaft in seinem Wohnzimmer zurück.
Das werden keine Freunde mehr... Ronaldo gegen Messi, Anni Friesinger gegen Claudia Pechstein, Jan Ullrich gegen Lance Armstrong - ein Rückblick auf große Rivalitäten im Sport