Zum Tod von Werner Hullin Ein Leben wie ein Thriller

Stasi-Knast, Mauer-Dramen, Raubtierattacken: Die Lebensgeschichte von Werner Hullin gleicht einem Thriller. Dass der Zirkusdompteur seine Flucht aus der DDR überlebte, verdankte er einem einzigen Buchstaben.

Monika Zucht

Von Florian Harms


Zuletzt lebte Werner Hullin einsam und zurückgezogen - doch Tausende von Menschen kannten ihn: Mit seinem Gesicht und dem einestages-Slogan "Eines Tages werde ich es erzählen" warb er auf Anzeigen und Plakaten für das Zeitgeschichte-Portal von SPIEGEL ONLINE. Er war davon überzeugt, dass dieses Portal der richtige Ort sei, um seine packende Lebensgeschichte zu dokumentieren. Das Portrait des Zeitzeugen erschien am 31. Oktober 2007 auf einestages. Werner Hullin starb am 11. Januar 2008, in Andernach.


Manche Menschen haben so viel erlebt, dass es für zwei Leben reicht. Werner Hullin ist so einer. "Ich habe sehr intensiv gelebt", sagt er und schaut einen dabei aus Augen an, die auch nach 73 Jahren noch hellwach leuchten. Selbst hinter einer getönten Brille, die Hullin mit einem akkurat gestutzten, weißen Vollbart und feinem, in einen kleinen Pferdeschwanz mündenden Haar kombiniert. Dazu eine dunkelblaue Weste und eine graue Hose, die von einem Gürtel und zusätzlich von Hosenträgern gebändigt wird. "Das mache ich wegen meinem Magen", sagt er, "ich kann den Gürtel nicht mehr so eng schnallen". Vor vier Jahren, da war er 69, kaufte sich Hullin ein Rennrad, schwang sich zum ersten Mal auf den Sattel - und stürzte an einer Baustelle mit vollem Schwung kopfüber auf eine Leitplanke. "Ich habe mir den Rumpf vom Hals bis unten hin aufgerissen", sagt er. "Überall war Blut."

Aber das ist eher eine der harmloseren Geschichten in Werner Hullins Leben.

Wo soll man beginnen in der Biografie eines Menschen, die mehr über viele Jahre deutscher Geschichte erzählt und mehr Abenteuer bietet als so manches dicke Buch? Soll man mit dem Tod seiner 18-jährigen Tochter Livia anfangen, die sich 1978 in Berlin den Goldenen Schuss setzte, nachdem sie ihre Flucht aus einer Scheidungsfamilie mit einer kurzen Karriere als Stripperin gekrönt hatte? "Jeder Tag kann mein Leben kosten" nannte der "Stern" damals seine vierseitige Geschichte über die überregional beachtete Tragödie; ein letzter schriftlicher Hilferuf der 18-Jährigen an das Sozialamt war zu spät gekommen. Soll man damit beginnen, wie Werner Hullin mehreren Ostdeutschen zur spektakulären Flucht aus der DDR verhalf, soll man zuerst die Geschichte erzählen, wie er 1968 mit einem Revolver im Hosenbund nach Afghanistan jettete, um die entführte Geliebte eines Freundes zurückzuholen, oder soll man lieber an jenem Tag einsetzen, an dem er einen sechsjährigen Jungen aus dem Maul eines Zirkustigers befreite?

Knoblauchschnaps und speckige Fotoalben

Wenn ein einziges Menschenleben so viele außergewöhnliche Ereignisse enthält, wie es bei Werner Hullin der Fall ist, fängt man am besten ganz vorne an. Und tastet sich dann anhand von vier, fünf Episoden durch die Jahrzehnte. Denn mehr verträgt ein gutes Porträt nicht. Selbst wenn "Molle", wie ihn die Gäste seiner Bierkneipe in der Altstadt von Andernach am Rhein rufen, noch Dutzende weiterer Erlebnisse erzählt, die hier ebenso gut hineinpassen würden. Aber irgendwann würde man womöglich an der Plausibilität seiner Erzählungen zu zweifeln beginnen. Und das hat Werner Hullin nicht verdient.

Wie er da so steht, der "Molle" hinter seiner Theke, wie er da hin und her tigert, den Schrank hinter sich aufklappt, drei speckige Fotoalben und mehrere herausgerissene Artikel aus jahrzehntealten Zeitungen hervorholt, wie er sich und seinem Zuhörer zwischendurch einen Knoblauchschnaps einschenkt, denn anderen Alkohol trinkt er nicht mehr seit dem Debakel mit dem Fahrrad, wie er bereitwillig erzählt aus seinem Leben, in geraden Sätzen ohne Fehler und Füllworte, wie er aus einer Geschichte in die nächste springt, gleichsam hier eine neue Schachtel öffnet und dort gleich die nächste, taucht man als Lauschender so tief in die Vergangenheit dieses Menschen und dieses Landes ein, dass man gar nicht mehr auftauchen möchte, um zwischen zwei Episoden Luft zu holen. Es ist ergreifender als jeder Kinofilm, und dazu ist noch nicht mal der Knoblauchschnaps nötig.

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Zum Tod von Werner Hullin: Ein Leben wie ein Thriller

Ganz vorne anfangen also. Ganz vorne ist in diesem Fall nicht Werner Hullins Geburt am 8. Dezember 1933, sondern das erste einschneidende Erlebnis im Alter von neun Jahren. Gemeinsam mit seinem Bruder war er im Jahr 1943 aus Berlin, wo seine Mutter in einer zerbombten Ruine hauste, zu den Großeltern auf einen Bauernhof im mecklenburgischen Belitz geschickt worden. Die Nazis unterstützten die Kinderlandverschickung, schließlich wollten sie die Buben später als Menschenmaterial an die Front schicken, statt sie im Fliegerbombenhagel einzubüßen.

"Mein Großvater war stärker als Hitler"

Auf den Höfen in Mecklenburg schufteten russische Zwangsarbeiter. "Die wurden behandelt wie Schweine", sagt Werner Hullin. "Tagsüber, auch im Winter, mussten sie barfuß auf den Feldern schuften, nachts wurden sie in den Ställen angekettet. Die französischen Arbeiter durften in einem Neubau schlafen und bekamen regelmäßig einfaches Essen. Die Russen nicht." Nur sein Großvater hielt es anders. "Das war ein Berg von einem Mann, der war stärker als Hitler. Als ein Nazi-Funktionär mich und meinen Bruder für den 'Volkssturm' einziehen wollte, hat er den vom Hof gejagt. Jedes Mal, wenn er russische Arbeiter bei sich hatte, sagte er zu meiner Großmutter: 'Mach anständiges Essen! Die Russen bekommen das Gleiche wie wir.' So war er sicher, dass sie ordentlich arbeiten und nicht türmen würden."

Andere hielten es anders. Als einige der russischen Zwangsarbeiter von einem benachbarten Hof flohen, wo man sie schlechter behandelte, wurden die restlichen in den Pferdestall getrieben, auf die Tröge gefesselt und so lange geprügelt, bis ihre Peiniger ihnen endlich glaubten, dass sie wirklich nicht wussten, wohin ihre Leidensgenossen entkommen waren. Dem Tod waren sie da bereits näher als dem Leben. Und Werner Hullin sah alles mit eigenen Augen. Mit einem Freund hatte er auf dem Heuboden des Stalls gespielt, durch einen Spalt in den Bodenbrettern beobachteten sie das Geschehen, hörten die Schreie der Gemarterten.

Hullin macht eine kurze Pause und springt dann gleich zum nächsten Erlebnis, das sein Gehirn bis heute nicht verlassen hat. Auch diesmal waren Russen entscheidende Protagonisten, aber nun in Gestalt der Täter: Anfang Mai 1945, so erinnert er sich, erreichte die Rote Armee das Dorf. "Da haben die Russen sich benommen wie Tiere." Sie stürmten in die Stube der Großeltern. Weil die Großmutter von der harten Landarbeit offene Beine hatte, dachten die Soldaten, sie habe eine ansteckende Krankheit. Also knöpften sie sich das einzige andere weibliche Wesen im Haus vor: ein zwölfjähriges Mädchen, das auf dem Hof half. "Sie vergewaltigten Sie wieder und wieder. Mindestens zehn Mann." Und Werner Hullin musste dabeistehen und es mitansehen. "Die hat so geschrien... Es war bestialisch. Vorher hatte ich Mitleid mit den Russen, aber seitdem hab ich nichts mehr für sie übrig."

Werner Hullin schaut und schweigt. Ein beleibter Gast mit einem Hund betritt die Kneipe und lässt sich schwerfällig auf einen der Holzstühle fallen. "Mister! Günter! Ein Bier?" ruft Hullin ihm zu. "-chen!" grunzt Gast Günter. Hullin zapft ihm ein Bierchen.

Ein Kuss für einen Leoparden

Dann erzählt er von seiner Zeit im Zirkus. Mit 15 Jahren haute Hullin von zu Hause ab, weil er sich mit seiner Mutter nicht mehr verstand, wie er sagt, und fand Unterschlupf beim ostdeutschen Zirkus Barlay. Staatlich unterstützt, zählte diese Attraktionsbühne zu den beliebtesten Freizeitvergnügen der frühen Nachkriegszeit. "Damals gab es ja kein Fernsehen und nüscht", sagt Hullin. Dank seiner stattlichen Figur - in seiner Freizeit frönte er dem Boxen - stieg er bald vom Zeltaufsteller zum Raubtier-Dompteur auf. Fotos von damals zeigen ihn, wie er Eisbären füttert und einen Leoparden auf die Schnauze küsst. Natürlich einem Weibchen. "Frauen mochte ich schon immer", sagt Hullin.

Er wechselte zum berühmten Zirkus Busch - und bändelte dort mit der Tochter vom Chauffeur des Zirkusdirektors an. "Die war wirklich ein Schuss", sagt Hullin. "Alle wollten sie vernaschen. Eines Abends bin ich mit ihr in eine Tanzbar gegangen, früher war das ja noch mit Kapelle, und wir haben eine Flasche Wein getrunken. Irgendwie sind wir dann in meinem Wohnwagen gelandet." Als der Vater des Mädchens davon erfuhr, verpasste er ihr ein paar Maulschellen und schickte sie weg zu Verwandten. Mit Hullin sprach er kein Wort mehr.

Bis zum nächsten Winter. "Wir gastierten gerade neben dem Roten Rathaus in Berlin, da stand er plötzlich hinter mir, als ich den Eisbärenkäfig schrubbte, und hielt ein Baby im Arm. Meinen Sohn. Da ist eine Welt für mich zusammengebrochen. Ich war doch noch viel zu jung zum Heiraten." Der Schwiegervater wider Willen wusste Abhilfe. "Er hat mir einen Zettel hingehalten: Der neue Freund seiner Tochter wollte die Vaterschaft anerkennen, dafür musste ich keine Alimente zahlen. Aber ich durfte mich nie wieder melden. So stand das da. Ich war in Eile, die Vorstellung sollte gleich losgehen, die Kapelle spielte schon. Da habe ich dann unterschrieben." Seinen Sohn hat er nie wiedergesehen.

Alptraum Stasi-Knast

Wohl aber den Vater des Mädchens. Der warnte ihn kurz darauf, als die Stasi hinter ihm her war. Das kam so: Da er mit dem Zirkus kreuz und quer durch die DDR tourte, war Hullin von einer westdeutschen Organisation angeworben worden, die im Osten russische Militäranlagen auskundschaftete. "Ich war Widerstandskämpfer", sagt Hullin, den Namen der Organisation will er nicht preisgeben. Die Stasi kam der Gruppe auf die Spur und schnappte sie, nur Hullin konnte rechtzeitig fliehen.

"Ich wusste ja, was das bedeutete: Stasi-Knast", sagt er. Denn ein Jahr zuvor waren er und ein Freund in einer Berliner Kneipe mit Stasi-Leuten aneinandergeraten, es ging um die Gunst der anwesenden Mädchen. Es kam zu einem Handgemenge, in dessen Verlauf der Freund nach draußen stürmte. "Einer der Stasi-Männer rannte hinterher und zückte seine Pistole. Da habe ich den mit einem sauberen Haken schlafen geschickt, seine Knarre gegriffen und bin abgehauen." Am nächsten morgen stand die Stasi in seinem Zirkuswohnwagen. In einem unbeobachteten Moment konnte Hullin die Pistole in einen nahegelegenen Teich werfen - und handelte sich damit zwei Wochen Untersuchungshaft im berüchtigten Stasi-Knast in Neustrelitz ein. "Die haben mich Tag und Nacht verhört, ich war kurz vor dem Nervenzusammenbruch. Immer wieder haben sie mich auf den Hinterkopf geschlagen und gefragt, wo die Pistole sei. Das schlimmste war der Schlafmangel. Tagsüber musste ich stundenlang stehen, nachts dann wieder Verhöre. Es kam mir vor wie ein ganzes Jahr. Die haben mich fix und fertig gemacht. Aber ich habe dichtgehalten."

Das wollte Hullin nach dem Auffliegen seiner Kundschaftergruppe nicht noch einmal erleben. Also beherzigte er die Warnung seines Schwiegervaters und fuhr direkt vom Zirkus an den Grenzübergang Hoppegarten. "Damals, 1955, konnte man ja noch über die Grenze, aber die Kontrollen waren scharf", erinnert er sich. "Wenn der Grenzwächter herausgefunden hätte, dass die Stasi hinter mir her war, wäre es aus gewesen." In seinem Personalausweis stand als Beruf "Stellvertretender Zeltmeister". Das "Z" war jedoch so verschnörkelt geschrieben, dass es an ein "W" erinnerte. Der wachhabende Vopo las also "Stellvertretender Weltmeister", wunderte sich, ließ sich aber von Hullins Boxer-Figur beeindrucken - und winkte ihn durchs Tor. "Das verschnörkelte 'Z' hat mir das Leben gerettet", sagt Hullin.

"Ich kann sofort abhauen"

Einen Monat später, am 31. August 1955, erhielt er im westdeutschen Auffanglager Sandbostel bei Uelzen die "Erlaubnis zum ständigen Aufenthalt im Bundesgebiet". Begründung: Er habe "von Ost-Berlin aus in der Sowjetischen Besatzungszone aktive Widerstandsarbeit geleistet". Die Urkunde hat Hullin bis heute aufbewahrt. Sie steckt in einer hellbraunen Aktentasche, die immer im Schankraum steht. "Wenn es mal brennt, kann ich sie gleich greifen und abhauen", sagt er.

Und genau das ist es wohl, was sein Leben durchzieht wie ein roter Faden: das Abhauen, das Türmen, die Flucht. Mal machte er sich selbst auf und davon, mal taten es andere in seiner nächsten Umgebung. Auch die letzte Episode hat damit zu tun. Es ist nicht die spektakulärste Geschichte in Werner Hullins Leben, aber sie machte ihn kurzzeitig berühmt. Zeitschriften und das Fernsehen berichteten darüber - ein Kameramann filmte damals zufällig die Flucht (siehe das Video unter Dokumente).

Es war im Oktober 1961, zwei Monate nach dem Mauerbau, Hullin lebte im Westberliner Stadtteil Reinickendorf. Eine seiner Bekannten hatte sich bei einem Tagesbesuch in der Ostzone Hals über Kopf in einen jungen Mann "von drüben" verliebt. Doch nun drohte der Grenzwall das junge Glück für immer zu trennen. Also musste Werner Hullin helfen. Über Kontaktleute verabredete er mit dem jungen Mann sowie zwei Mädchen, die ebenfalls fliehen wollten, einen Zeit- und Treffpunkt. "Das war in Reinickendorf hinter dem Bahndamm", erinnert er sich, "ich sehe es heute noch vor mir. Damals gab es dort noch keine Mauer, sondern einen doppelten Stacheldraht mit spanischen Reitern." Die ostdeutschen Polizisten waren in relativ großen Abständen postiert, das nutzte Hullin aus: Zum verabredeten Zeitpunkt schnitt er mit einem Freund ein Loch in den Draht. "Die drei von drüben kamen aus ihrem Versteck hinter einem Gebüsch heran gerannt, und wir zerrten sie durch das Loch."

Die Freiheit hing an einem Stück Draht

Dann die Schrecksekunde: Eine der jungen Frauen bleibt mit ihrem Rollkragenpulli im Stacheldraht hängen. Ihre Freiheit hängt an einem einzigen Stück Draht. Hullin reißt den Draht weg - der dem Mädchen an den Kopf schnalzt. Die Bilder der Flucht und des aus einer Schramme an der Stirn blutenden Mädchens, das glücklich seinen Liebsten umarmt, waren dem "Stern" damals eine eigene Fotoreportage wert. "Für drei junge Menschen, die nicht mehr in dem Konzentrationslager Ostberlin leben wollen, ist der Augenblick gekommen, den Sprung in die Freiheit zu wagen", schrieb das Magazin. "Wenn ich konnte, habe ich geholfen", sagt Werner Hullin.

Nun wohnt er schon seit über 30 Jahren in Andernach, und das Abhauen ist weniger wichtig geworden. Nur manchmal überkommt es ihn noch - in einer melancholischen Erinnerung. "Manchmal denke ich: 'Du hast ja einen Sohn.' Aber selbst wenn ich wüsste, wo er ist, dürfte ich mich ja nicht bei ihm melden. Er weiß vielleicht nicht, dass der andere gar nicht sein richtiger Vater ist. Da würde ich vielleicht Gefühle kaputt machen." Allein, die Sehnsucht bleibt: "Wenn ich Geld hätte, würde ich ihn über einen Privatdetektiv suchen lassen. Dann würde ich mich in seine Kneipe setzen - denn die hat er bestimmt, wenn er mein Sohn ist - und zuhören, was für ein Typ er ist. Ich würde ihm ein Bierchen ausgeben und versuchen, mich mit ihm zu unterhalten."

Werner Hullin hält inne und schaut mit seinen leuchtenden Augen über den Tresen. Ach ja, sein Spitzname, Molle, stammt übrigens aus Berlin. So nennt man dort ein schönes, großes Bierchen. Er hat den Namen gar nicht selbst verliehen bekommen, sondern von jemand anderem übernommen. Aber das ist eine andere Geschichte.

insgesamt 3 Beiträge
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Seite 1
Johannes Pingel, 01.11.2007
1.
Der Bericht ist etwas unglaubwürdig. Weder gab es in DDR-Personalausweisen den Eintrag von Berufsbezeichnungen -somit stellvertretender Zeltmeister nicht möglich- noch existierte ein Grenzübergang Hoppegarten. Dem Erzähler hat wohl Dichtung und Wahrheit zu sehr vermengt.
Ariane Israel, 02.11.2007
2.
Auch die Behauptung, ausser seinem Großvater hätten alle Bauern die Zwangsarbeiter aus Osteuropa schlecht behandelt, kann und darf man so nicht stehen lassen. In vielen Teilen Mecklenburgs gehörten auch die russischen und polnischen Zwangsarbeiter praktisch zur Familie und wurden gut versorgt. Meine Familie steht noch heute in engem freundschaftlichen Kontakt zu einer russischen und einer polnischen Familie, deren Angehörige als Zwangsarbeiter dem Bauernhof meiner Großeltern zugeteilt waren. Und das ist durchaus kein Einzelfall, also bitte etwas weniger Beweihräucherung des Protagonisten. Sein Leben ist auch ohne die Dazudichtungen und Übertreibungen spannend genug.
Bregita Eichelhardt, 12.01.2008
3.
Ich bin 32 Jahre alt, ich beschäftige mich weder mit Politik noch mit Geschichte, aber mit Menschen beschäftige ich mich. Jeder ist durch seine Erfahrungen, Erlebnisse und Emotionen einzigartig. In jedem Geschichtsbuch steht es anders und in jeder Lebensbiographie stehen entgegengesetzte Erfahrungen. Ich wohne in Andernach, neben " Molle's " Bierstube, Er ist gestern Nacht gestorben, alleine. Ich selber und noch einige Menschen hier in Andernach haben gerne in seiner Stube gesessen, es war heimelig. Wie oft habe ich seinen Erzählungen gelauscht und war fassungslos wie lange ein Leben sein konnte...die Probleme die ich mitgebracht hatte, verloren an Bedeutung und nachdenklich und ein Stück reifer ging ich zur Tür raus, die angrenzende Tür rein und schlief ruhiger ein. Werner Hulin ist ein Mensch der mir meine Sicht erweitert hat und ich gedenke in tiefem Respekt.
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