Zweifache Auswandererin Else Arnecke "Mein Traum war Amerika"

Zweifache Auswandererin Else Arnecke: "Mein Traum war Amerika" Fotos
Deutsches Auswandererhaus

Schon als Teenager war Else Arnecke von Amerika begeistert. Im Juli 1929 fuhr sie an Bord der "Bremen IV" auf deren legendärer Jungfernfahrt in die USA. In New York arbeitete sie im berühmten Hotel "Waldorf-Astoria". Doch dann brach die Welt zusammen und Arnecke musste zurück - nach Nazideutschland. Von

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"Am 16. Juli 1929, ein schöner sonniger Tag, machte die 'Bremen IV' - der zweite Passagierdampfer des Norddeutschen Lloyd seine Leinen los. Es war die Jungfernreise nach New York. An der Pier standen Hunderte von Menschen, jubelten, winkten, weinten. Die Bordkapelle spielte 'Muss i denn zum Städele hinaus und du mein Schatz bleibst hier...". Und ich war an Bord und fuhr mit! Ich war jung, tapfer und froh gesinnt. Die Reise dauerte nicht ganz sechs Tage. Der Kapitän bekam damals das "Blaue Band" für die schnellste Atlantiküberquerung. Der Empfang im Hafen von New York war gewaltig. Die Feuerwehr mit ihren Spritzbooten, reiche Amerikaner auf ihren Yachten. Eine Menschenmenge - alles einmalig. Die Freiheitsstatue im Abendsonnenschein."

So beschreibt die Auswandererin Else Arnecke in ihrer Autobiographie ihre Ankunft in der Neuen Welt.

Bremerhaven war ein Auswandererhafen, eine Stadt des Abschieds. Jeden Tag hörte man hundertfach ein deutsches, ein polnisches oder ein jiddisches "Leb wohl", "Do", "Seid gezunt" - mal voller Hoffnung, mal unter angstvollen Tränen.

Else Arnecke wird am 22. August 1911 in Bremerhaven geboren. Da der Vater von einer Amerikareise nicht zurückkehrt, werden Else und ihre beiden Geschwister von der Mutter alleine großgezogen. Schon als Teenager ist sie von Amerika begeistert. Deutschland bot der 18-jährigen Else nur Extreme: Krieg, Revolution, Inflation und Wirtschaftskrisen. Nach einer kaufmännischen Ausbildung verwirklicht sie ihren Traum und wandert in die Vereinigten Staaten aus. Am 16. Juli 1929 geht sie an Bord der "Bremen IV", die auf dieser Tour, ihrer Jungfernfahrt, das "Blaue Band" erfährt. In den USA gelingt es ihr sehr schnell, Karriere zu machen. Nach einigen Jahren als Au-pair-Mädchen arbeitet Arnecke als Serviererin im 1931 eröffneten "Waldorf-Astoria" in New York. Nebenbei besucht sie abends einen Buchhaltungskurs und steigt zur Buchhalterin im "Waldorf-Astoria" auf. Die Jahre im Hotel beschreibt sie als die "interessantesten Jahre meines Lebens".

Die kranke Mutter

Doch diese Zeit endet mit dem Beginn des Zweiten Weltkrieges am 1. September 1939. Die Grenzen werden gesperrt. Else Arnecke fühlt eine moralische Verpflichtung ihrer kranken Mutter gegenüber und möchte nach Deutschland zurückkehren. Sie nimmt eine Stellung in der Deutschen Botschaft in Washington an und wird, gemeinsam mit den anderen Botschaftsangehörigen, nach der deutschen Kriegserklärung 1941 in einem Hotel interniert. 1942 gelangt sie über Lissabon mit der Bahn nach Frankfurt und weiter nach Berlin zum Dienstantritt im Auswärtigen Amt. Als die Russische Armee vor Küstrin steht, stellt sie sich selber die Erlaubnis aus, Berlin verlassen zu dürfen, und fährt Richtung Bremerhaven.

Nach der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands helfen Else Arnecke die erworbenen Englischkenntnisse bei der Arbeit im US-Marinelazarett. Sie hat nur den einen Wunsch: zurück nach Amerika. Nach dem Tod ihrer Mutter bricht sie 1951 ein zweites Mal nach Amerika auf. Obwohl sie zehn Jahre nicht dort gearbeitet hat, bekommt sie im "Waldorf-Astoria" ihre alte Position zurück. Dort und an ihren späteren Arbeitsstätten, den Hotels "St. Regis" und "Carlyle", trifft sie auf faszinierende Persönlichkeiten wie den Herzog von Windsor mit seiner Frau Wallis Simpson und den Maler Salvador Dali.

Rückkehr nach Nazi-Deutschland

Else Arnecke erhält die amerikanische Staatsbürgerschaft und nimmt noch verschiedene andere Stellungen in unterschiedlichen Häusern an. Da sie an einem Herzfehler leidet, rät ein Arzt ihr, nach Hause, nach Deutschland zu fahren.

Else Arnecke wird zur Rückkehrerin: 1971 geht sie nach Bremerhaven zurück, wo sie bis heute lebt. Doch Amerika ist ihr Traum geblieben, und sie denkt oft mit Wehmut an ihre Zeit in New York zurück: "Seit der Zeit habe ich Heimweh. Aber das ist ja gar kein Heimweh, weil ich war ja heim, das ist Fernweh. Immer wenn ich durch die Passkontrolle komme, sagen sie "Welcome home, willkommen zu Hause."

Aufgezeichnet vom Deutschen Auswandererhaus

Die Lebenserinnerungen von Else Arnecke umfassen 52 Seiten und sind im Jahr 2002 unter dem Titel "Mein Traum - Amerika. Lebenserinnerungen" im Eigenverlag erschienen. Sie können über das Deutsche Auswandererhaus in Bremerhaven bezogen werden: www.dah-bremerhaven.de

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