Zweiter Weltkrieg Deutsche Besatzer sollen in Polen 15.000 Kinder gezeugt haben

Offiziell sollten sich Wehrmachtssoldaten aus "rassischen" Gründen im Zweiten Weltkrieg nicht mit Polinnen einlassen. Dennoch waren solche Verbindungen weit verbreitet - und wurden sogar von den Nazis gefördert.

"Fraternisierung" am Stadtrand von Warschau im Frühjahr 1940 - so nannte Heeresfotograf Ewald Gnilka seine Aufnahme. Wehrmachtsangehörigen war der Kontakt zur einheimischen Bevölkerung untersagt.

"Fraternisierung" am Stadtrand von Warschau im Frühjahr 1940 - so nannte Heeresfotograf Ewald Gnilka seine Aufnahme. Wehrmachtsangehörigen war der Kontakt zur einheimischen Bevölkerung untersagt.


Die deutschen Besatzer sollen in Polen während des Zweiten Weltkriegs bis zu 15.000 Kinder gezeugt haben. Diese Schätzung stammt von der Augsburger Historikerin Maren Röger. Die Zahl wäre damit deutlich niedriger, als damalige Prognosen deutscher Stellen vermuten ließen. (Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL. Den neuen SPIEGEL finden Sie hier.)

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Heft 3/2017
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Im Zweiten Weltkrieg waren mehr als 18 Millionen deutsche Soldaten und zivile Besatzer im Einsatz, überwiegend in Osteuropa. Die Zahl der Kinder, die sie dort zeugten, ist unbekannt. Schätzungen belaufen sich auf 100.000 in Frankreich, 20.000 in Belgien und bis zu 15.000 in den Niederlanden und in Dänemark.

Röger schreibt in den "Vierteljahrsheften für Zeitgeschichte", dass es auch in Polen Sexualverbrechen gegeben habe, doch "konsensuale Kontakte" weit verbreitet gewesen seien. Dabei widersprach Geschlechtsverkehr mit Polinnen der NS-Rassenideologie. Andererseits hatten die Nazis aus ebenfalls rassistischen Gründen die Stellung unehelicher Kinder gestärkt: um die Geburtenrate zu fördern.

So wurden manche Soldatenväter zu Unterhalt verpflichtet. Die Mütter riskierten Ehrenstrafen wie Kopfrasur durch Landsleute. Offenbar gelang es aber vielen, die Vaterschaft geheim zu halten. Die Kinder, die Röger interviewte, hätten ihr berichtet, dass sie eher im familiären Umfeld als in der Öffentlichkeit Ablehnung erführen.

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insgesamt 6 Beiträge
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Maya Uhde, 14.01.2017
1. Peinlicher Schreibfehler
Sie meinen wohl: "Deutsche Besatzer sollen in Polen...gezeugt haben". Ein einziger Besatzer wäre wohl doch ein wenig überfordert gewesen. Und so ein Ding in der Überschrift, peinlich!
kai kernspecht, 14.01.2017
2.
Deutscher Besatzer sollen in Polen, "bei VERGEWALTINUNG" 15.000 Kinder gezeugt haben
Ulrich Frommelt, 14.01.2017
3. Und?
Wie viele Kinder sind durch Flucht über die Grenze in der sowj. Besatzungszone zurückgelassen und vergessen worden. Oder bis 89 "gemacht" worden. Manche haben Unterhalt gezahlt was nur in Mark ausgezahlt wurde. Jede Zeit hat ihre hinterlassenen Kinder.
Deep Thought, 14.01.2017
4.
Die Zahl, sofern korrekt, ist erstaunlich niedrig, wenn sie denn stimmt. Unsere Väter haben sich ja während der 6 Jahre dauernden Okkupation in Polen auf anderen Gebieten nicht gerade wie zivilisierte Menschen benommen. Ich hatte jedoch von meinen Vater mehrfach gehört, dass in den besetzten Ostgebieten das Sich-Einlassen von Wehrmachtsangehörigen mit der weiblichen Bevölkerung strickt verboten war und drakonische Strafen nach sich zog. Interessant wäre auch.eine vergleichbare Zahl allein für den Zeitraum 1945-46 nur im Raum Berlin für die Zahl sowjetischer Väter. Wird man wohl nie herausbekommen, sie ist aber wohl deutlich höher als 15000.
Albrecht Altheim, 15.01.2017
5. Man war ja pragmatisch
Dabei widersprach Geschlechtsverkehr mit Polinnen der NS-Rassenideologie. Wegen der Gefahr durch Geschlechtskrankheiten sollte der freie Verkehr in die 500 Militärbordelle umgeleitet werden. Dort waren auch Polinnen tätig. Entweder "aktive" Prostituierte oder (laut einem Bericht, den ich irgendwann im Spiegel gelesen habe) auch wegen Rassenschade verurteilte Polinnen. Die kontrollierte Prostitution war keine Rassenschande, da sie eine geschäftsmässige keine emotionale Beziehung darstellte.
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