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Motorisierter Mord: Die Jedermann-Waffe
DPA

Die Amokfahrt von Münster zeigt, wie leicht sich Autos zu Mord-Werkzeugen machen lassen. Neu ist das leider nicht - ein Rückblick.

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rumpelstilzchen1980 11.04.2018, 14:35
1. Alltag in Deutschland - Kalter motorisierte Krieg

Bedrohen, nötigen, abdrängen und rammen ist Altlag auf der Straße.
Am Ende sind es fast 400.000 Verletzte pro Jahr auf den Straßen.

Konsquente Amokfahrten sind dda nur die skurile Spitze, in Münster waren es 2 der täglich rund 10 Toten an einem spektakulären Ort. Mehr nicht.
Und wir haben uns alle an den Wahnsinn gewöhnt.
Das Auto als Waffe: In jeder Minute auf der Autobahn herrscht kalter Krieg der schnell heiß werden kann.

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vox veritas 11.04.2018, 14:50
2. Ratlos

Wenn in Münster nicht ein Auto, sondern eine Schußwaffe verwendet worden wäre, hätte ich gesagt: "Verschärft das Waffengesetz". Aber so, ...... ?

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SPONU 11.04.2018, 14:52
3. Ein Verbrecher

...wird immer Mittel und Wege finden, sein Verbrechen zu verüben. Und wenn er sich vom Einsatz eines Werkzeugs eine grössere Wirkung verspricht, so wird er dies auch anwenden.

Ein Verbrecher lässt sich weder von der Unrechtmässigkeit und Strafbarkeit seiner Tat abhalten. Noch interessieren ihn diverse Beschränkungen die derzeit in aller Munde sind: Messer, Barrieren, Schusswaffen.
In Grossbritannien ist der legale Erwerb und Besitz von Schusswaffen erheblich eingeschränkt. Was ist die Konsequenz daraus: Verbrecher weichen auf andere Tatwerkzeuge aus. Verböte mal theoretisch die Nutzung von Kleintransportern wiche man auf PKWs aus. Verbannt man zweischneidige Messer wird eben das normale Küchenmesser benutzt.

Man sagt zwar wir sollen uns unbeeindruckt zeigen von solchen Events, von Amok, von Terror....aber de facto geben wir Stück um Stück ehemals unproblematische Freiheiten auf.

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andraschek 11.04.2018, 14:58
4. Prizipell ein guter Artikel

mich stört daran nur das immer von Selbstmord die Rede ist, dabei sollte es doch Freitod heißen. Schließlich ermordet die betreffende Person sich nicht (Mord=Straftat) sondern scheidet freiwillig aus dem Leben ich und das ist nicht strafbar und selbst wenn, was soll's?

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C-Hochwald 11.04.2018, 15:01
5. Ca. 4000 Verkehrstote pro Jahr

Tot ist tot, egal aus welchen Gründen ein Wagen einen Fußgänger oder anderen Wagen rammt, und als Folge dessen Menschen sterben. Das Leid haben die Hinterbliebenen. Ich kann nicht ermessen, ob es ein Trost ist, wenn die Gründe menschliches oder technisches Versagen sind, anstelle einer gezielten Tat.
Privatrennen, bei denen es zu Personenschäden kommt, sind immerhin von einem Gericht 2017 als Mord gewertet worden.
Todesfahrten wie in Münster werden, da spektakulär, medial besonders ausgiebig behandelt. Dabei müßte die Verkehrssicherheit ständig in den Nachrichten an erster Stelle stehen, bei durchschnittlich ca. 10 Verkehrstoten pro Tag.

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larsmach 11.04.2018, 15:11
6. Autos in Wohnungen, Kinos usw.

Zitat von vox veritas
Wenn in Münster nicht ein Auto, sondern eine Schußwaffe verwendet worden wäre, hätte ich gesagt: "Verschärft das Waffengesetz". Aber so, ...... ?
Ihre Schlussfolgerung hinsichtlich des (Schuss-/Stich-)Waffenrechts ist nachvollziehbar und sinnvoll; Autos können wie Fäuste, Brechstangen, Hämmer, Pflastersteine, giftige Pilze etc. etc. zu Waffen gegen Mitmenschen werden. Trotzdem sind erstgenannte Waffen gefährlicher, da sie für den Zweck des Tötens entwickelt und optimiert wurden und besonders im privaten Raum eingesetzt werden, wo in vielen Staaten die meisten Tötungsdelikte geschehen.
Autos werden nach und nach eh automatisch bremsen (eine meiner Limousinen zeigt Menschen nachts aufgrund ihrer Körperwärme an, betätigt - wie bei jeglichen Hindernissen - die Bremse und gibt einen Warnton ab; flächendeckende Einführung dieser Dinge ist nur eine Frage der Zeit...).
Natürlich können bauliche Hindernisse Angriffe mit Fahrzeugen erschweren ("wenn nicht gerade Lieferzeiten in der Fußgängerzonen sind") - doch letzten Endes töten Menschen andere Menschen, und höchstens an zunehmender Ignoranz und "sozialen Netzwerken" mag liegen, wenn Mitmenschen in psychisch ausweglosen und (subjektiv) als bedrohlich wahrgenommenen Situationen aggressiv werden ohne vorher gestoppt zu werden.
Daneben gebe ich einem anderen Diskutanten Recht: "Der Außendienstler im geleasten Kombi" (Achtung: Vorurteil!) gib Vollgas, um den weit vor ihm Überholenden einzuschüchtern, auf das er sich viel zu dicht vor dem überholten Lkw wieder einfädelt - trauriger Alltag auf deutschen Autobahnen! Den erlebe ich selbst, wenn ich im V8 mit 5 Litern Hubraum mit 120 km/h reise (so wie meist)... raue Sitten sind das - und meist wohl Kompensationshandlungen... (womit wir wieder bei der Psychologie wären).

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spon-facebook-10000012354 11.04.2018, 15:25
7. Statistisch

ist es in Münster immer noch weitaus wahrscheinlicher Opfer eines Unfalls beim Radfahren zu werden: 1444 Menschen verunglückten 2016 auf Münsters Straßen. Fast jeder zweite Verunglückte ist ein Radfahrer (48 Prozent) – „eine hohe Zahl“: Bei 766 Unfällen mit Radfahrerbeteiligung wurden 693 verletzt und zwei getötet. Fast 40 Prozent der Unfälle mit Radfahrern werden auch von Radfahrern selbst verursacht. Im Stadtgebiet Münster gibt es laut Polizei eine halbe Million Fahrräder. In den Zahlen enthalten sind auch die 23 Unfälle mit Pedelecs. Ein Fahrer starb, sieben wurden schwer verletzt.
Das Problem liegt also nicht im abstrakten Risiko, sondern in der medialen Darstellung von Terror-Anschlägen, die vermutlich den psychisch kranken Fahrer inspiriert hat. Hier findet ein "Lernen am Modell" statt insofern, dass diese Beachtung exakt dies ist, was viele Suizidanten suchen. Hier stehen die Medien vor einem Dilemma, dar terroristische Anschläge (mit Recht) in der Öffentlichkeit mehr Beachtung fahren als statistische Wahrscheinlichkeiten beim Radfahren. Insofern ist der Beitrag hilfreich, weil er die mediale Überhöhung von Anschlägen zu korrigieren versucht.
http://www.wn.de/Muenster/2017/02/2704333-Polizei-legt-Verkehrsunfallstatistik-2016-vor-1444-Menschen-verunglueckten-auf-Muensters-Strassen

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doitwithsed 11.04.2018, 15:31
8.

Zitat von vox veritas
Wenn in Münster nicht ein Auto, sondern eine Schußwaffe verwendet worden wäre, hätte ich gesagt: "Verschärft das Waffengesetz". Aber so, ...... ?
Wieso denn nicht? Zeigt doch gerade das Waffengesetz jedesmal mit jeder Verschärfung auf das Neue, dass gesetzgeberischer Aktionismus grundsätzlich über Sinn und Verstand gestellt wird.

Wäre doch mal zur Abwechselung schön zu sehen, wenn Politiker auch mal bei Autofahrern gleichartig verstandesfreien Aktionismus wie bei der Waffengesetzgebung wagen würden. Damit auch mal in der Masse ankommt, was da regelmäßig für heiße Luft ausgedüst wird, die gesetzeskonformen Bürgen das Leben schwer machen, aber illegale Nutzer nicht mal ansatzweise jucken, weil sie dem behördlichen Kontrollsystem per Definition ja gar nicht unterworfen sind.

Wird aber nicht passieren, das trauen die sich nie.

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sikasuu 11.04.2018, 15:45
9. Das Auto als Waffe des Mikro-Terrorismus? Ist Mikro-Terrorrismus!...

Zitat von rumpelstilzchen1980
Alltag in Deutschland - Kalter motorisierte Krieg Bedrohen, nötigen, abdrängen und rammen ist Altlag auf der Straße. Am Ende sind es fast 400.000 Verletzte pro Jahr auf den Straßen. Konsquente Amokfahrten sind dda nur die skurile Spitze, in Münster waren es 2 der täglich rund 10 Toten an einem spektakulären Ort. Mehr nicht. Und wir haben uns alle an den Wahnsinn gewöhnt. Das Auto als Waffe: In jeder Minute auf der Autobahn herrscht kalter Krieg der schnell heiß werden kann.
... wäre wohl die bessere Formulierung.
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Wenn ich mir wie mein o.a. Vorredner die Entwicklung der motorisierten Verkehrs der letzten 50Jahre so anschaue, kann man das mMn nur so sehen.
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Erfreulich, das nur ca. 3.000 Verkehrstote zu verzeichnen sind, Waren mal viel mehr, aber das is mMn. nicht auf defensivere Fahrweise zurück zu führen, sondern aus sicherere Autos, bessere Notfallmedizien usw.
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Was an Aggressionen heute bei Benutzung dieses Verkehrsmittel zu Tage tritt zeigt die Gefahr die deutlich.
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Wobei ich einmal das oft absurde NRA Argument nutzen möchte.
Nicht das Auto ist eine Gefahr, sondern fast der Mensch, der es fahrt!

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