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Alltag einer Notfallsanitäterin: "Manchmal wetten wir um einen Burger, ob ein Patient
DPA

Einmal war sie fast 40 Stunden im Dienst: Hier berichtet eine junge Sanitäterin aus dem Inneren des Rettungswagens, über Gewalt, die schlimmsten Einsätze und Zynismus gegenüber dem Tod.

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murksdoc 13.07.2018, 07:00
1. Tabus

Es gibt ein paar Tabus im Rettunsdienst, dazu gehört, über Patienten Witze zu machen oder solche Überlebenswetten, wie hier als "Burgerwette" beschrieben. Da Patienten, deren Überleben so gefährdet ist, daß sie möglicherweise während des Transportes versterben, immer in Begleitung eines Notarztes sind, müssten mir solche Wetten in meinen 32 Jahren im Notarztdienst eigentlich aufgefallen sein. Ich würde sie mir verbitten, aber zumindest da, wo ich arbeite (in Bayern) kommen sie nicht vor. Das heisst nicht, dass man keine blöden Witze macht oder unsinnige Wetten abschliesst. Nur eben nicht über Patienten. Und das ist gut so und wird, jedenfalls in meiner Anwesenheit, auch so bleiben. Übrigens haben wir schon seit Jahren keinen 100-kg-Patienten mehr 4 Stockwerke die Treppen hinuntergetragen. Das macht man heute bei sitzenden Patienten mit dem Stryker-Rollstuhl, der eine Art Raupenkettensystem hat, mit dem man Treppen fahren kann, liegende Patienten holen wir in Bayern mit der Drehleiter der Feuerwehr, die einen Aufsatz für unsere Tragen haben bzw. eigene "Schleifkorbtragen" mitbringen, "auf die Erde" hinunter. Das macht man bei engen Treppen, die es in bayerischen Bauernhäusern massenhaft gibt, schon ab dem ersten Stockwerk. Das ist einfach schonender für Patienten und Personal und die Feuerwehren auf dem Land freuen sich, weil sie ein bißchen "Drehleiter" üben können. Schlagen Sie das bei sich zuhause mal vor.

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Schlaf-Schaf-Michel 13.07.2018, 07:04
2. Höchsten Respekt!

Euren Job könnte ich nicht machen, der ist tlw. nicht zu verkraften. Vielen Dank für euren Einsatz!

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Spiegelleserin57 13.07.2018, 07:29
3. Gut geschildert !

Das ist auch der typische Alltag in Notfallambulanzen!

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fatherted98 13.07.2018, 07:31
4. wenn man täglich....

...mit dem Tod konfrontiert wird muss man irgendwann abstumpfen....es ist zu hoffen die Patienten bekommen solche Wetten nicht mit....und die Sanitäter helfen trotz evtl. "verlorenen Wetten" dem Patienten möglichst das Leben zu retten.

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norgejenta 13.07.2018, 07:32
5. Toll das es diese Menschen gibt.

Sie haben meinen vollen Respekt. Schlecht bezahlt, angepöbelt werden, üble Arbeitszeiten und trotzdem helfen sie anderen Menschen.

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ullr 13.07.2018, 07:36
6. Respekt

Respekt vor dieser Frau und ihrem Beruf. Man merkt diesem Bericht an, dass sie gerne in ihrem Beruf arbeitet und dass sie realistisch und überzeugend berichtet.
Ich wünsche ihr, dass sie weiterhin stolz auf ihren Beruf bleibt und viele gewonnene Burger!
Chr. Nentwig

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AllesSchonWeg 13.07.2018, 07:38
7. Danke...

...dass Sie diesen Job machen. Bisher (toi, toi, toi) habe ich Sie noch nie gebraucht - aber auch nur zu wissen, dass Sie und Ihre Kollegen im Notfall da sind, ist ein sehr gutes Gefühl. Danke dafür.

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edmond_hall 13.07.2018, 07:41
8. Viele Halbwahrheiten

Ich bin Notfallsanitäter (im Beruf seit 2011, genau wie die Kollegin nach 2014 ein erneutes Examen abgelegt) und der Job hat wirklich viele negative Aspekte. Dennoch kommt jetzt ein großes ABER:

1. Wer sich umschaut wird schnell eine Stelle mit knapp über 3000 Euro Brutto finden, auch als Berufsanfängerin ist alles unter 2500 extrem schlecht verhandelt. Gerade seit Einführung des Notfallsanitäters klettert das Gehalt. Schauen Sie gerne in Foren oder Facebookgruppen zu dem Thema.
2. 24-Stunden Dienste sind fast überall abgeschafft und durch kürzere Dienste ersetzt. Nur wenn der Jahresschnitt der Einsätze sehr niedrig ist, können die 24er bleiben. Nie im Leben arbeitet die Kollegin immer durch und nachts schläft sie sicherlich auch ein wenig in Dienst (ich tue es zumindest).
3. Die meisten Einsätze sind Kleinigkeiten und häufig wird ein Notarzt nicht benötigt.
4. Noch nie habe ich um das Überleben eines Patienten gewettet. Ich würde mich selbst als Zyniker beschreiben, aber wenn man so mit Patienten umgeht, sollte man sich vielleicht einen anderen Beruf suchen. Die Kollegin steht für ein Auslaufmodell an Mentalität, dass durch die neuaufgelegte Ausbildung zur Notfallsanitäterin versucht wird zu beseitigen (durch (soziale, methodische, fachliche und personale Kompetenzförderung)

Das wirkliche Problem im Rettungsdienst ist, dass sich der Bekanntenkreis häufig deutlich verkleinert und auf Rettungsdienst einziger Lebensinhalt wird - mit einer tückischen negativen Spiralwirkung.

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victorio 13.07.2018, 07:42
9. Selbstherrlichkeit

"Notfallsanitäter ist der höchste nicht akademische medizinische Berufsabschluss in Deutschland - und nicht zu verwechseln mit dem Rettungssanitäter."

da hat wohl wer den Zusatz: "rettungsdienstliche" vergessen...Das zeigt einmal mehr, das notsan sich für die Schlausten und Besten halten und vergessen, dass es andere Berufsgruppen wie z.B. die Krankenpfleger gibt, die auf einer Stufe stehen.

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