Forum: Blogs
Analoge Besitztümer: Will ich haben!
plainpicture/Cavan Images

Wir haben die Cloud, Spotify, und wir lieben unsere Pixel - trotzdem gelten gedruckte Bücher, Schallplatten und Sofortbildkameras wieder als schick. Warum es in ist, Dinge zu besitzen.

Seite 1 von 5
noalk 16.04.2017, 16:54
0. Der Besitz von Nullen und Einsen

Es gibt ideelle Werte und materielle Werte. Der Besitz von Digitalem ist etwas irgendwo dazwischen. Man kann es, wie Ideelles, nicht mit den physischen Sinnen wahrnehmen. Es muss erst mit einem Werkzeug gewandelt werden. Ja, ich weiß, für Musik auf Vinyl gilt das eigentlich auch. Aber Pits und Lands kann man mit bloßem Auge nicht sehen, Schallplattenrillen schon.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
fliflaklawitter 16.04.2017, 17:13
1. Gegenfrage: Warum beim teuren Kauf auf den Besitzt verzichten?

Ja, vielfach kann ein Leihmodell wie bei Spotify Sinn machen, z.B. wenn man noch keine CDs besitzt und wegen der thematischen Verknüpfungen zwischen den Songs. Beim Kauf digitaler Medien sieht es aber anders aus. Man bezahlt fast den Preis des physischen Pendants (E-Books, Musik), aber man wird in seiner Nutzbarkeit massiv eingeschränkt. Kein Verleihen an Freunde, Weiterverschenken, Verkaufen oder - auch wenn das noch weit vor einem liegt - Vererben. Denn all dies ist an den physischen Besitz gekoppelt. Gezieltes Lobbying und Raubkopierwahn-Kampagnen in Film und Fernsehen haben dazu geführt, dass eine digitale Gesetzgebung entstanden ist, die den ehrlichen Käufer komplett benachteiligt und ihm altbekannte Rechte nimmt. Es heisst immer: Das Internet darf keine rechtsfreie Zone sein. Richtig! Aber bei Kauf digitaler Güter haben wir genau das im Vergleich zum real existierenden Gut "erreicht". Dem Käufer sind viele gewohnten Rechte genommen. Und durch Convenience versuchen die Anbieter dem Käufer so viel Sand ins Gesicht zu blasen, dass er er am besten erst gar nicht merkt...

Beitrag melden Antworten / Zitieren
multi_io 16.04.2017, 17:31
2.

Vor allem sieht ein Regal voller Bücher entschieden beeindruckender aus als ein E-Book-Reader voller E-Books (egal wie oft man tatsächlich irgendwas in den Büchern liest), weshalb sich das entschieden besser zum Angeben und Bildungsbürger-raushängen-lassen eignet.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
luny 16.04.2017, 17:59
3. Unterschied?

Zitat von multi_io
Vor allem sieht ein Regal voller Bücher entschieden beeindruckender aus als ein E-Book-Reader voller E-Books (egal wie oft man tatsächlich irgendwas in den Büchern liest), weshalb sich das entschieden besser zum Angeben und Bildungsbürger-raushängen-lassen eignet.
Hallo Multi_io,

man kann auch E-Bücher NICHT lesen, vor allem, die, die man
sich "kostenlos" herunterlädt.

Wenn man nach dem dritten Satz feststellt, daß die Inhaltsangabe
und das Titelbild doch ziemlich vom Text abweichen, überlegt man
sich, ob das kostenlos erworbene "Werk" nicht doch lieber bei
der nächsten Löschungsaktion eine der vorderen Plätze einnehmen
sollte, um Speicherplatz freizumachen.

Meine potentiellen Erben werden höchstwahrscheinlich meine
ganzen Bücher im Altpapier entsorgen, aber das maßgefertigte
Bücherregal eher nicht :-)

Um ganz sicher zu gehen, habe ich testamentarisch verfügt, daß
mein Sarg aus den Brettern meines Bücherregals gefertigt werden
muß.

Liebe Erben, MEHR kann ich nicht tun!

/Ironie aus.

LUNY

Beitrag melden Antworten / Zitieren
streckengeher 16.04.2017, 18:02
4. @#2:

Für mich ist auch genau das (und nur das!) der entscheidende Punkt, digitales zu meiden. Ich bin überrascht, dass der Autor des Artikels auf diesen Aspekt überhaupt nicht eingeht, obwohl er doch viel mehr auf der Hand liegt, als die Frage, ob ein Buch nach Strand riecht.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
bismarck_utopia 16.04.2017, 18:16
5. Regalinhalte als Gesprächsstoff

Ja, und hinzukommt, dass sichtbare Bücher in Regalen bei Besuchen einfach eine hervorragende Anregung für Gespräche darstellen können ("Ach, du liest Edmund Husserl?"). Auch in der digitalen Welt kann aber Besitz sich als "etwas" anfühlen, wenn man ganze Projekte incl. Domain besitzt, und sei es etwas so Einfaches wie "vayta" oder ein poetischer Blog. Auf die Haptik und Ergonomie eines echten Buches möchte ich allerdings nicht verzichten.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
kumi-ori 16.04.2017, 18:21
6. Kunden, die dieses Buch gelesen haben, fressen auch kleine Kinder

Ich mag es nicht, wenn meine Lesegewohnheiten bei irgendeinem Medienkonzern gespeichert werden. Dazu habe ich zuwenig Vertrauen in die Ehrlichkeit der digitalen Gelddruckmaschinen.

Vor ein paar Jahren gab es mal einen großen Skandal um "geleakte" Prominenten-Nacktfotos. Ich finde jedoch irgendwelche Schönheitsköniginnen-Popos weit weniger aufregend als die Vorstellung, dass mein Literaturkonsum an Arbeitgeber, Banken, Versicherungen oder die Polizei verkauft wird und anonymisierte Statistikprogramme aus meinen Interessen die Wahrscheinlichkeit meines menschlichen, gesellschaftlichen oder finanziellen Versagens berechnen. Ich möchte auch nicht, dass, wenn ich in Anwesenheit anderer meinen Computer anschalte, an der Seitenleiste meines Browsers die zu meinen Büchern und Filmen passenden Werbeangebote Rückschlüsse auf meine Vorlieben erlauben. Mit einem Taschenbuch, dass ich mit einem 10-Euro-Schein am Bahnhofskiosk gekauft habe, gebe ich mich der Illusion hin, dass mein Lesen etwas ganz Privates wäre.

Ich möchte aber auch gerade beim Rückzug ins Private nicht immer von der digitalen Infrastruktur abhängig sein. Es muss nur mal das Internet ausfallen oder der Anbieter in Konkurs gegangen sein oder sein Geeschäftsmodell geändert haben, schon habe ich keinen Zugang zu meinen Büchern mehr.

Zu guter Letzt möchte ich meine Gegenstände aber auch an andere verleihen, verschenken, tauschen und verkaufen dürfen. Bei on Line-bezogener Ware ist das so nicht möglich. Es ist nämlich ein Trugschluss, bei Kindle und Amazon von "Sharing"-Economie zu sprechen. Hier wird nichts geshared, hier wird vermietet. Wenn ich einen Film digital von Amazon beziehe, dann wird er eben nicht mit mir geteilt, sondern ich bekomme ihn geliehen, so wie ich früher eine VHS-Kassette in der Videothek leihen konnte. Aber in der Videothek kostete mich der Film für zwei Wochen einen Euro, bei Amazon zahle ich fast den Preis eines eigenen physischen Exemplars.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
fliflaklawitter 16.04.2017, 18:23
7. Generation Facebook

Zitat von multi_io
Vor allem sieht ein Regal voller Bücher entschieden beeindruckender aus als ein E-Book-Reader voller E-Books (egal wie oft man tatsächlich irgendwas in den Büchern liest), weshalb sich das entschieden besser zum Angeben und Bildungsbürger-raushängen-lassen eignet.
... und ich dachte immer, dass die Generation Facebook - die das Bildungsbürger-raushängen-lassen ja so überhaupt nicht nötig hat - sich vor allem bei jeder sich bietenden Gelegenheit durch ihre übertriebene Selbstdarstellung im Netz auszeichnet. Und natürlich durch ihr tolles neue iPhone 7 in der realen Welt ... ;-)

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Mondias 16.04.2017, 18:53
8.

Aus meiner Erfahrung heraus kann ich sagen, dass sich Ebook-Reader ausgezeichnet zum Lesen von Belletristik eignen, wenn ein Buch also nur über reinen Text verfügt.
Die Darstellung eines Ebooks mit Karten, Grafiken und Bildern ist aber nicht optimal und kann dem Papier an dieser Stelle nicht das Wasser reichen, was vor allem bei Sachbüchern der Fall ist. Sowohl Ebooks als auch Papierbücher haben also eine Daseinsberechtigung.
Bedenklicher ist aber, dass sich der Zugang zu digitalen Medien vermehrt auf Großkonzerne konzentriert. Mich stört beispielsweise, dass es keinen deutschen Dienst mit ähnlich großer Auswahl wie bei Apple, Google oder Amazon gibt, bei dem man MP3's kaufen kann. Musicload betrachte ich da nicht als konkurrenzfähig.
Auch bei digitalen Filmen setzt sich das fort. Bei Maxdome kann man zwar teuer Filme kaufen, aber mit der Maxdome-App kann man seine gekauften Inhalte nicht auf Android abspielen. Kauft man Filme bei Mediamarkts Juke, kann man seine gekauften Filme wiederum nicht auf einem Linux-PC abspielen. Hallo, gehts noch? Und dann wundert man sich, dass die deutschen Dienste abgehängt werden. Kauft man bei Google, kann man seine Inhalte auf allen Plattformen sehen und noch mit der Familie teilen.
Wollt ihr Carlsen-Mangas wie One Piece digital kaufen, gibt es diese nicht bei Thalia und Co., aber bei Google könnt ihr sie natürlich kaufen. Lächerlich ist ja, dass Carlsen diese Mangas nicht einmal auf seiner eigenen Homepage zum Download verkauft.
Die Konsequenz ist also bei sämtlichen digitalen Medien, dass sie sich bei einem großen amerikanischen Konzern wiederfinden. Da ich das nicht will, kaufe ich nur digitale Inhalte ohne Kopierschutz, bei denen ich die Großkonzerne umgehen kann.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 1 von 5