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Ehemalige Rebellen in Kolumbien: Haben sie entführt? Erpresst? Getötet?
AP

Jahre im Dschungel, ein halbes Leben an der Front: Viele ehemalige Farc-Kämpfer in Kolumbien versuchen nach dem Friedensabkommen eine Rückkehr in die Gesellschaft. Ein weiter, steiniger Weg.

paulistanosp 16.04.2017, 14:23
0. Diese Aufarbeitung

so dringend sie nötig ist wird mindestens eine ganze Generation dauern. Es wird steinig und nicht nur mental brutal aber es gibt keinen anderen Weg. Ob die Verantwortlichen zu Lebzeiten zur Verantwortung gezogen werden ist mehr als fraglich aber wenigstens ist erstmals Friede eingekehrt und das ist wichtig. Es ist nich das Ende, nicht der Anfang vom Ende aber das Ende vom Anfang.

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marged 16.04.2017, 15:00
1. kein Betreff

Die Darstellung des Konfliktes in Kolumbien ist so einseitig schwarz-weiss, wie in fast allen Belangen der Politik. Ich brauche gar nicht erst anzufangen zu fragen, wer von westlichen Millitaers fuer die Verbrechen von Vietnam bis Irak nur den Hauch einer Betrafung zu befuerchten hatte. Genauso ist es Kolumbien. Das kolumbianische Millitaer hat in seinem Kampf gegen diverse Guerilla Gruppen zehntausende Kolumbianer ermordet, Zivilisten, Unbeteiligte, das eigene Volk. Das "Falsos Positivos" Verbrechen ist nicht das einzige, lediglich bekannteste weil oeffentliches Kriegsverbrechen des Millitaers an der eigenen Bevoelkerung. Thema bei spon? Anklagend, nach Verurteilung verlangend, Gerechtigkeit ? Fehlanzeige! Santos, der das zu verantworten hat, ist jetzt Praesident, Friedensnobelpreistraeger und Kolumbien bekommt einen Kooperationsvertrag mit der Nato. Treue Verbuendete eben. So lange wie in Kolumbien zwei Prozent der Bevoelkerung 80 Prozent des Besitzes Kontrollieren, wird nichts besser auch wenn das natuerlich kein Thema fuer spon ist.

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nonsense_forever 16.04.2017, 15:05
2. Man muss einen Blick auf die Seite der NZZ werfen

um im Klartext zu lesen was hier nur angedeutet wird. Die FARC kontrollierte bis zu 70% der Anbaugebiete für Kokapflanzen und Cannabis in Kolumbien. Export und Transport mutmaßlich teilweise auch. Ihr Rückzug hinterlässt ein Machtvakuum das die Amazonasregion tief erschüttert. Die auch in Deutschland berichteten "Gefängnisrevolten" in Brasilien gehören dazu, sind blutige Machtkämpfe der dortigen Syndikate um Verteilung dieses Geschäftes. Die Sicherheitslage der allgemeinen Bevölkerung hat sich dramatisch verschlechtert. Die NZZ beschreibt Auswirkungen auf den Tourismus in Kolumbien und Nord-Brasilien. Dazu wird das Geschäftsgebaren dieser Syndikate Europa erreichen. Wie weit die kolumbianische Regierung die Strukturen der betroffenen Regionen in Kolumbien gewährleisten kann scheint völlig offen. Dagegen ist die von Ihnen geschilderte Problematik ein Tropfen.

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bakero 20.04.2017, 16:38
3.

"Santos, der das zu verantworten hat, ist jetzt Praesident, Friedensnobelpreistraeger"

Richtig. Santos war einer derjenigen, die Fehler gemacht haben und für viele derProbleme mit verantwortlich war

ABER!

Im Gegensatz zu seinem ehemaligen Vorgesetzten und jetzigen Gegner Uribe hat er seine Meinung geändert.

Er hat verstanden, dass Gewalt nur noch mehr Gewalt erzeugt. Er hat verstanden, dass man endlich miteinander sprechen muss. Er hat auch verstanden, dass es nach Jahrzehnten des Konflikts keine Gerechtigkeit für alle geben kann, aber dass eine Fortführung des Krieges viel schlimmer ist.

Dafür muss man keinen Friedensnobelpreis verleihen. Aber man kann es.

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schweizerbesserwisser 20.04.2017, 17:30
4. Guter Artikel

Besten Dank für diesen guten, mit Empathie geschriebenen Artikel. Lesenswert.

Gruss aus Zürich

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lachina 20.04.2017, 20:17
5. Ein Problem ist auch,

dass sich jetzt viele "normale" Jugendliche , die weder Paramilitär noch Guerillero waren, fragen, was und ob überhaupt der Staat auch etwas für sie tut? Im Grunde kann man Guerilla wie Autodefensas nur durch den Ausbau sozialstaatlicher Strukturen den Existenzgrund nehmen.

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martin_winiecki 21.04.2017, 11:55
6. Könnten sich Guerilla-Camps in Friedensgemeinden verwandeln?

Vielen herzlichen Dank für diesen tief bewegenden Artikel, der sowohl den Schmerz, als auch die Möglichkeit einer Versöhnung in diesem zerrütteten Land sichtbar macht. Ich komme gerade zurück aus Kolumbien. Im "Instituts für globale Friedensarbeit" in Tamera, Portugal, unterstützen wir seit vielen Jahren Friedensgemeinden im Land. Ende März feierten wir mit den Freunden in San José de Apartadó, einer Gemeinde vertriebener Bauern, die sich im März 1997 zu einer im Krieg "neutralen" Gemeinschaft zusammenschlossen, ihren 20. Gründungstag. Aufgrund ihres gewaltfreien Widerstands waren sie schlimmster Verfolgung von Paramilitärs und Armee ausgesetzt, dennoch könnten jetzt, wo die FARC ihre Waffen niederlegen und der Friedensprozess begonnen hat, genau solche Friedensgemeinden Ausbilder und Vorbilder für einen echten Versöhnungsvorgang im Land werden. Die FARC hat bereits vorgeschlagen, die provisorischen Übergangszonen, in denen sie sich versammelt haben, in permanente Friedensdörfer umzuwandeln. Ich habe diese Möglichkeit in einem Artikel für die amerikanische Zeitung "Common Dreams" formuliert: https://www.commondreams.org/views/2017/04/18/war-and-peace-and-war

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