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Einreiseverbot für Grass : "Damit rückt Israel sich in die Nähe Irans"
dapd

Günter Grass darf nach einem Beschluss der Regierung in Jerusalem nicht mehr nach Israel reisen. Ein alberner und zynischer Beschluss, kritisiert der israelische Historiker Tom Segev. Im Interview spricht Segev über Zensur - und Grass' Umgang mit seinem umstrittenen Gedicht. Einreiseverbot für Grass: "Damit rückt Israel sich in die Nähe Irans" - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik

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flaviussilva 08.04.2012, 15:55
1. Vielen Dank Herr Segev !!

Zitat von sysop
Günter Grass darf nach einem Beschluss der Regierung in Jerusalem nicht mehr nach Israel reisen. Ein alberner und zynischer Beschluss, kritisiert der israelische Historiker Tom Segev. Im Interview spricht Segev über Zensur - und Grass' Umgang mit seinem umstrittenen Gedicht.
Das war bisher die vernünftigste Stellungnahme zu dem Thema die
ich gehört bzw. gelesen habe.

Die restlichen Akteure sollten sich bei Ihnen die oder andere Scheibe
abschneiden.

Mit bestem Dank und vielen Grüßen

flaviussilva

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xxyxx 08.04.2012, 16:03
2. Angenehm unaufgeregt

Zitat von sysop
Günter Grass darf nach einem Beschluss der Regierung in Jerusalem nicht mehr nach Israel reisen. Ein alberner und zynischer Beschluss, kritisiert der israelische Historiker Tom Segev. Im Interview spricht Segev über Zensur - und Grass' Umgang mit seinem umstrittenen Gedicht.
Eine angenehm unaufgeregte Stellungnahme nach der ganzen, teils echten, teils pflichtschuldigst gespielten, Medienaufgeregtheit der letzten Tage

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augu 08.04.2012, 16:08
3. Gutes Interview,

es zeigt, dass die Meinungen in Israel über Sinn und Unsinn eines Militärschlages gegen iranische Atomanlagen unterschiedlich sind. Das Grass-Gedicht hat in der iraelischen Öffentlichkeit für viel weniger Aufregung gesorgt als die offiziellen Reaktionen (vom Botschafter in Berlin, vom Premier und vom Innenminister) glauben machen. Grass ist kein scharfsinniger politischer Analyst. Wenn das, was er jetzt gesagt hat, trotzdem für soviel Aufregung in unseren deutschen Medien und in offiziellen israelischen Kreisen sorgt, müsste dies eigentlich zu denken geben, ob über dieses Thema wirklich frei bei uns diskutiert werden darf. Es ist ähnlich, als hätte ein DDR-Künstler um 1980 ein Gedicht veröffentlichen können, in dem DDR-Misstände offen genannt würden. Auch wenn die künstlerische Qualität sehr schlecht und einiges Behauptete nicht zutreffend gewesen wäre, das Gedicht mit seiner offenen Kritik hätte eine sehr große Wirkung gehabt. Warum wohl ?

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dietmarbrach 08.04.2012, 16:17
4. Endlich

eine sachliche und vernünftige Kritik, an dem sicher unglücklichen aber niemals antisemitischen Werk von Grass. Erfreulich, dass diese aus Israel kommt. Die Aussagen von Herrn Segev sind so treffend, dass diesen nichts hinzugefügt werden muss.

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adal_ 08.04.2012, 16:17
5. Kritik an Israels Präventivkriegs-Planspielen hätte niemanden aufgeregt.

Zitat von sysop
Inzwischen hat Grass die Aussagen in seinem Gedicht relativiert... Es ist typisch für Grass, dass er seine Aussprüche später teilweise wieder zurücknimmt. Jede Grass-Erklärung hat eine zweite Auflage. Grass sollte besser zweimal denken, bevor er so etwas schreibt.
Das sehe ich anders. Grass wusste genau, was er tat. Er wollte die Aufmerksamkeit, die hat er bekommen, und zwar indem er Israel zur Gefahr für den Weltfrieden aufgeblasen und die Mullahs zu Maulhelden geschrumpft hat.

Eine bloße Kritik an Israels Präventivkriegs-Planspielen, wie sie tagtäglich zu lesen ist - auch in Israel - hätte niemanden aufgeregt.

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EspritCritiqueM 08.04.2012, 16:18
6. Wenn die israelische Öffentlichkeit angeblich so gleichgültig ist

Zitat von augu
es zeigt, dass die Meinungen in Israel über Sinn und Unsinn eines Militärschlages gegen iranische Atomanlagen unterschiedlich sind. Das Grass-Gedicht hat in der iraelischen Öffentlichkeit für viel weniger Aufregung gesorgt als die offiziellen Reaktionen (vom Botschafter in Berlin, vom Premier und vom Innenminister) glauben machen. Grass ist kein scharfsinniger politischer Analyst. Wenn das, was er jetzt gesagt hat, trotzdem für soviel Aufregung in unseren deutschen Medien und in offiziellen israelischen Kreisen sorgt, müsste dies eigentlich zu denken geben, ob über dieses Thema wirklich frei bei uns diskutiert werden darf. Es ist ähnlich, als hätte ein DDR-Künstler um 1980 ein Gedicht veröffentlichen können, in dem DDR-Misstände offen genannt würden. Auch wenn die künstlerische Qualität sehr schlecht und einiges Behauptete nicht zutreffend gewesen wäre, das Gedicht mit seiner offenen Kritik hätte eine sehr große Wirkung gehabt. Warum wohl ?
warum wohl verhängt man gegen einen 84jährigen Nobelpreisträger, der sich kritisch geäußert hat, eine Einreisesperre? Zu einer Demokratie gehört Meinungsfreiheit, aber das ist den Herren Netanyahu und Lieberman offensichtlich fremd.

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karstenq 08.04.2012, 16:21
7. So geht es auch!

Zitat von sysop
Günter Grass darf nach einem Beschluss der Regierung in Jerusalem nicht mehr nach Israel reisen. Ein alberner und zynischer Beschluss, kritisiert der israelische Historiker Tom Segev. Im Interview spricht Segev über Zensur - und Grass' Umgang mit seinem umstrittenen Gedicht.


Zitat von
Es geht darum, sich im politischen Entrüstungswettbewerb zu überbieten. Die Kabinettsmitglieder konkurrieren darum, wer am extremsten ist. Jeder will sich als Verteidiger der nationalen Interessen profilieren. Für den Innenminister ist es der Versuch, seine politische Zukunft zu sichern.
Danke Herr Segev, damit haben sie zumindest bewiesen, dass Netanjahu für Netanjahu spricht - und nicht für Israel. Und selbiges gilt hoffentlich für den Innenminister. Populismus pur also?

Merkwürdigerweise habe ich aus Israel mehr gemäßigte Reaktionen gesehen als aus Deutschland. Hierzulande scheint man sich noch in der Pflicht zu sehen, jede Reaktion der Israelischen Regierung zu decken.

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tomrobert 08.04.2012, 16:26
8. Die Regierung nicht mit dem Volk verwechseln

Zitat von sysop
Günter Grass darf nach einem Beschluss der Regierung in Jerusalem nicht mehr nach Israel reisen. Ein alberner und zynischer Beschluss, kritisiert der israelische Historiker Tom Segev. Im Interview spricht Segev über Zensur - und Grass' Umgang mit seinem umstrittenen Gedicht.
Herr Segev betrachtet das realistisch. Wir sollten uns lieber mit wichtigern Dingen beschäftigen als mit Herrn Grass seiner Langeweile und Profiliernungsgeilheit.

Die Regierung Netanjahu sollte sich mal mit der Frage einer Ausweitung des Konfliktes im Falle eines Krieges mit Iran auseinandersetzen.
Was geschieht von Russischer Seite wenn Aserbeidschan (Luftwaffenstüzpunkt Israels) und Armenien in den Konflikt mit hineingezogen werden? Was wenn die Türkei
sich verpflichtet fühlt......etc?
Gibt es dann eine Kettenreaktion wie 1914? Und wo endet die??
Was sagt die Oposition in Israel dazu?
Die Regierung Obama scheint besorgt.

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adal_ 08.04.2012, 16:35
9.

Zitat von EspritCritiqueM
warum wohl verhängt man gegen einen 84jährigen Nobelpreisträger, der sich kritisch geäußert hat, eine Einreisesperre?
Vielleicht, weil man sich nicht über seine Kritik, sondern über die Anreicherung der Kritik mit antisemitischer Agitation geärgert hat?

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