Forum: Blogs
Hausarbeiten-Horror : Ghostwriter gesucht! Dringend!
Illustration: Halbautomaten / UniSPIEGEL

Hausarbeiten schreiben ist lästig. Was passiert, wenn man zwei Dutzend Leute fragt, ob sie gegen Bezahlung acht Seiten über Entwicklungspolitik liefern? Es finden sich willige Helfer - mit anrüchigen Angeboten.

Seite 1 von 3
Stäffelesrutscher 17.05.2017, 10:54
1.

Dieses Thema auf acht Seiten abhandeln zu sollen, ist eigentlich ein schlechter Witz. Einleitung und Schlussfolgerung abgezogen, bleiben da vielleicht sechseinhalb Seiten übrig.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
marcus_tullius 17.05.2017, 11:28
2. Das Beruhigende

daran ist: jemand, der keine achtseitige Hausarbeit zustande bringt, wird früher oder später im Studium scheitern - oder irgendwann einmal seine Einstellung dazu radikal ändern müssen. Also, keine Gefahr für die Menschheit. Und wer dafür irgendwie 500 Euro übrig hat - und auf dem weiteren Studienweg enstprechend viel Kohle aufbringen kann -, der wird vermutlich nach dem Abschluss nie arbeiten (müssen). Das ist dann jemand mit Studienabschluss in einem nie ausgeübten Beruf. Auch das kann man verschmerzen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
murksdoc 17.05.2017, 11:34
3. Hilfe

Ich stehe auf dem Schlauch. Auch bei uns im Medizinstudium gab es Lerngruppen, in denen der Stoff schwieriger Fächer gemeinsam durchgearbeitet und gelernt wurde. Was heisst in diesem Zusammenhang: "Die Testate fanden, abhängig von der Lerngruppe, an unterschiedlichen Tagen statt". Die Testate hatten mit den studentischen Lerngruppen nicht das geringste zu tun, geschweige denn, dass sie von ihnen abhängig waren. Und wie muss ich mir das praktisch vorstellen? Von den 3 Damen muss jede persönlich anwesend sein, denn das wird ´überprüft. Gibt dann die, die gelernt hat, 3 DIN A 4 Blätter mit genau identischen Antworten und der selben Handschrift, nur mit unterschiedlichen Namen, ab und die 2 anderen nur leere Zettel? Das soll nicht auffallen? Und was soll dann die rote Handtasche?

Beitrag melden Antworten / Zitieren
almeo 17.05.2017, 11:35
4.

Junge, Junge. Wenn ich mir da überlege, dass ich damals im Referendariat im Durchschnitt zwei Unterrichtsbesuche pro Woche hatte und für jeden ca. 25 Seiten (Beschreibung der Lerngruppe, Rahmenplanbezug, Themenaufbau, Stundenaufbau, Tabellarischer Stundenentwurf, etc. pp.) schreiben musste – und das neben der normalen Stundenvorbereitung, Klassenarbeitskorrektur, Vertretungsstunden und Seminartagen, wundere ich mich schon. Auch meine Staatsexamensarbeit hatte damals gute 80 Seiten und war sicher nicht einer der besonders umfangreichen. Da scheint irgendetwas ziemlich aus dem Ruder zu laufen. Andererseits gab es auch schon zu meiner Studienzeit Leute, die keine zwei Sätze vor Publikum sprechen konnten oder Comic Sans in Rosa für die sinnvollste Schriftart für die Psychologie-Präsentation gehalten haben…

Beitrag melden Antworten / Zitieren
emme2711 17.05.2017, 12:17
5. @almeo

Auf welchem Stern haben Sie denn Ihr Referendariat gemacht??? Ich durfte den "Schleif" auch genießen, aber 25 Seiten für einen Unterrichtsbesuch? Ich war einige Jahre in der Referendarausbildung tätig, und angesagt waren ca. 5 Seiten!!! Mich interessiert jetzt brennend, welches Studienseminar (Fachleiter) so etwas verlangt ;-)

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Lightbringer 17.05.2017, 12:55
6.

Was vielleicht noch hinzuzufügen ist: die reine Seitenanzahl ist kein relevantes Bewertungskriterium für eine Hausarbeit. Wenn mich noch meine Studenten nach eine Mindestseitenzahl fragen, so antworte ich: soviel wie nötig, aber auch nicht mehr. Ungeübten Schreibern fällt es nämlich viel schwerer sich kurz zu fassen, oder sie blähen den Text mit Füllwörtern auf.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
qoderrat 17.05.2017, 13:38
7.

Zitat von Lightbringer
Was vielleicht noch hinzuzufügen ist: die reine Seitenanzahl ist kein relevantes Bewertungskriterium für eine Hausarbeit. Wenn mich noch meine Studenten nach eine Mindestseitenzahl fragen, so antworte ich: soviel wie nötig, aber auch nicht mehr. Ungeübten Schreibern fällt es nämlich viel schwerer sich kurz zu fassen, oder sie blähen den Text mit Füllwörtern auf.
Das ist aber doch abhängig von den Gepflogenheiten am Institut und dem jeweiligen Prof. Wir hatten einen der hat jede der Praktikumsübungen selbst stichprobenhaft besucht und wenn er den Eindruck hatte, da arbeitet jemand mit einer Vorlage schon auch mal ein kurze mündliche Prüfung eingestreut. War er nicht überzeugt ist bis zum Ende des Praktikums danebengestanden, wer da mit Tricks gearbeitet hat ist dann ganz übel aufgelaufen. Einen Praktikumsbericht unter 25S hat der nicht einmal gelesen, das wusste aber jeder vorher, denn er war auch fair genug das am Semesterbeginn anzukündigen. Und gelernt hat man was bei diesem Herrn.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
danys86 17.05.2017, 13:41
8. Natürlich gibt es sie noch, die Moral.

Als Anbieter von Nachhilfe insbesondere für Studenten bin ich auch schon häufiger mit solchen Gesuchen konfrontiert worden. Auch ich habe diese jedes Mal abgelehnt mit dem Hinweis, dass das Streben nach einem akademischen Abschluss so eine Zuhilfenahme verbietet.
Persönlich rechne ich damit, dass diese Hilfegesuche bzw. wortwörtlich: diese Betrugsvorwürfe in Zukunft zunehmen werden. Die Auswirkungen einer immer weiter voranschreitenden Verwässerung der Zulassungskriterien, insbesondere die Herabsetzung der Mindestbefähigung zum Erreichen des Abiturs, sind vielschichtig. In diesem Zusammenhang übrigens sehr empfehlenswert:
www.spiegel.de/spiegel/beim-abitur-entscheidet-herkunft-statt-leistung-a-1145711.html

Beitrag melden Antworten / Zitieren
chattagam 17.05.2017, 13:57
9.

Zitat von murksdoc
Ich stehe auf dem Schlauch. Auch bei uns im Medizinstudium gab es Lerngruppen, in denen der Stoff schwieriger Fächer gemeinsam durchgearbeitet und gelernt wurde. Was heisst in diesem Zusammenhang: "Die Testate fanden, abhängig von der Lerngruppe, an unterschiedlichen Tagen statt". Die Testate hatten mit den studentischen Lerngruppen nicht das geringste zu tun, geschweige denn, dass sie von ihnen abhängig waren. Und wie muss ich mir das praktisch vorstellen? Von den 3 Damen muss jede persönlich anwesend sein, denn das wird ´überprüft. Gibt dann die, die gelernt hat, 3 DIN A 4 Blätter mit genau identischen Antworten und der selben Handschrift, nur mit unterschiedlichen Namen, ab und die 2 anderen nur leere Zettel? Das soll nicht auffallen? Und was soll dann die rote Handtasche?
kapier ick auch nich.
Ist für uns Männer wohl zu kompliziert gedacht. Dabei kann mogeln so einfach sein. Wenn die Aufsichten die Blätter austeilen und einsammeln, kann man mit dem Nachbarn die Unruhe nutzen und mindestens 2 Fragen abklären. Der alte ich-schreib-mir-was-auf-die-Haut ist zwar kein Teambetrug, klappt aber eigentlich immer.
Praktikumsberichte wurden bei uns nur auf die richtige Formatierung überprüft, nicht auf Plausibilität. Eigentlich hätten die Balken brechen müssen, so viel habe ich dazuerfunden.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 1 von 3