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Kapitalismuskritik: "Phantastischer Gedächtnisverlust"

SPIEGEL-Gespräch mit dem Schriftsteller und einstigen Marxisten Hans Magnus Enzensberger, 78, über die aus der Finanzkrise geborenen Schreckensszenarien, die Anpassungsfähigkeit des Kapitalismus an unterschiedlichste Staatsformen und die Langeweile von Spielcasinos

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Endre 03.11.2008, 18:34
1. etwas Besseres gibt es schon. Müsste nur umgesetzt werden

"Was den endgültigen Zusammenbruch dieser unerhörten ökonomischen Maschine betrifft, so lag er mit seiner Prognose völlig daneben, und ich fürchte und hoffe, dass es dabei bleibt, solange uns nichts Besseres einfällt."

Recht hat er, doch muss man auch nachdenken, damit uns etwas Besseres einfallen kann. Kapitalismus bringt zyklisch den Zusammenbruch. Solange es nur um eine Finanzblase geht, ist es nicht so traumatisch. Wird aber eine Sachkapitalvernichtung notwendig, haben wir den nächsten Krieg. Marx hat allerdings auch in der Analyse nicht geglänzt, die neue Wirtschaftsordnung muss also am besten Kapitalismus- und Marxfrei sein. Wie Enzensberger feststellt, hat der Kapitalismus (eigentlich ist die Marktwirtschaft gemeint, was nicht mit Kapitalismus gleichzusetzen ist) einen nie dagewesenen Wohlstand gebracht.
Die Frage ist also, ob eine Marktwirtschaft ohne Kapitalismus (und Sozialismus) möglich ist.
Und da gibt es durchaus gute Ideen die Unterstützung brauchen, damit sie in die Öffentlichkeit gelangen.
Die wohl beste Idee ist gar nicht so neu und hier als kostenloses E-book zu lesen. Wer ernsthaft eine Lösung für die Probleme sucht, wird hier fündig.
Ansonsten bliebe noch die Humanwirtschaft .

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heinrichp 03.11.2008, 18:52
2. Man muss kein Prophet

Zitat von sysop
SPIEGEL-Gespräch mit dem Schriftsteller und einstigen Marxisten Hans Magnus Enzensberger, 78, über die aus der Finanzkrise geborenen Schreckensszenarien, die Anpassungsfähigkeit des Kapitalismus an unterschiedlichste Staatsformen und die Langeweile von Spielcasinos
Man muss kein Prophet sein um festzustellen, so wie wir heute leben, steuern wir wenn sich nichts ändert in eine KATASTROPHE!
Wir nehmen der Erde so viel weg, dass sie nicht länger in der Lage ist, unsere vertraute und komfortable Umwelt aufrecht zu erhalten.

Selbst wenn wir die Schwelle zum umkehrbaren Klimawandel schon überschritten haben, werden Ausmaß und Tempo der schädlichen Veränderungen noch immer davon beeinflusst, was wir in nächster Zukunft tun. Vielleicht aber auch davon, was die Erde tut. Denn ihre Regelkreise und Mechanismen, von denen erst ein winziger Teil erforscht ist, lassen vermuten, dass hinter allem eine überragende Intelligenz steckt. Eine ordnende Kraft, die weit über den Rahmen des menschlichen Ermessens und Berechnens hinausgeht!
http://www.lebedeinbestes.de/5.html

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a-mole 03.11.2008, 19:04
3. ja

dieses Interview klingt zwar ein bisschen ernüchternd.. aber Herrn Enzensberger hat m.M. völlig recht mit seinen Einschätzungen.

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Shortcut 03.11.2008, 19:06
4. Resourcen für Wachstum

Zitat von heinrichp
Wir nehmen der Erde so viel weg, dass sie nicht länger in der Lage ist, unsere vertraute und komfortable Umwelt aufrecht zu erhalten.
Ich stimme mit Enzensbergers Äusserungen völlig überein. Endlich mal Klartext in dieser Quacksalberdebatte.
Nur könnte der sich zuspitzende Resourcenmangel dem Kapitalismus in der Tat einen Strich durch die Rechnung machen und die weltwirtschaftliche Entwicklung bald vor die Wand fahren. Wenn der halbe Globus in 20 Jahren feststellt dass es nicht genug zu verteilen gibt, und die nächste Genertion nachhaltig schlechter dran seid wird, dann kommt die wirkliche Probe für dieses System, trotz erneuerbaren Energien, usw.
Wird dem politisch begegnet, wie jetzt der Finanzkrise?

/s

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Leo Aul 03.11.2008, 19:27
5. Hauptsache, sie fängt Mäuse!

SPIEGEL SPEZIAL 4/93, Seite 50

Mit Reagan begann das "goldene Zeitalter des Kapitalismus", dass der Gier nach Besitz, Lust und Gewinn keine Schranken mehr setzen wollte. Dann kam zwangläufig als eine Art Naturgesetz die globale Walze und es wurde daraus auch hier die kapitalistische Marktwirtschaft mit einem, für die Dummen von den politischen Fliegenfängern, mühsam aufrechterhaltenen sozialen Anspruch.

Die Marktwirtschaft baut auf einen idiotischen Konsum. Mit ihm besteht ein Monopol (das nahezu immer zum Mißbrauch führt!) zur Befriedigung menschlicher Schwächen. Nichts ist leichter, als damit Wahlen zu gewinnen. Populismus als opportunistische Waffe mißbraucht, schlägt jeden Verstand der Mehrheit. Das nennt man dann auch Demokratie.

Ganz einfach lt. SPIEGEL SPEZIAL: "Dem Kapitalismus fehlt die ordnende Hand der Gerechtigkeit".

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Motorpsycho 03.11.2008, 20:20
6. Bzgl. Armut hat der gute Mann da etwas nicht verstanden

Zitat von
Andererseits ist die Definition der Armut auch ziemlich dünner Kaffee. Als arm gilt bekanntlich, wer weniger als 60 Prozent des Durchschnittseinkommens verdient. Nach dieser Definition müssten in einer Gesellschaft von Milliardären die Millionäre Sozialhilfe beantragen.
Ja selbstredend müssten die das. Was denn sonst? Oder glaubt er allen ernstes, dass ein Millionär in einer Gesellschaft von Milliardären seinen Lebensunterhalt bestreiten könnte? In eine Gesellschaft von Milliardären würde ein Brötchen 50.000 EUR kosten oder glaubt er etwas dass einer der Millionäre oder Milliardäre morgens um 3 aufsteht um Brötchen für 50 Cent zu backen?

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WolfHai 03.11.2008, 21:11
7. Enzensberger ist einfach gut.

Enzensberger, der Altmeister des intelligenten Skeptizismus, der sich so gekonnt über falsche Emotionalisierung lustig macht, hat völlig recht: der Kapitalismus ist nicht tot, denn er ist das einzig bekannte, einigermaßen funktionierende Wirtschaftssystem. Die jetzige Krise, die zu so schaurig-schönen Alarmmeldungen führt, wird daran auch nichts ändern.

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inkorekt 04.11.2008, 02:25
8. "unsichtbar macht sich dummheit, indem sie sehr große ausmaße annimmt." (brecht)

Zitat von Endre
...Marx hat allerdings auch in der Analyse nicht geglänzt, die neue Wirtschaftsordnung muss also am besten Kapitalismus- und Marxfrei sein. Wie Enzensberger feststellt, hat der ....
sicher können Sie uns erläutern, in WESSEN analyse marx INWIEFERN 'nicht gegelänzt' hat (politische ökonomie, idealistische philosophie, gesellschaftliches bewusstsein, gesellschaftliche arbeit, wertform...?). trösten Sie sich. auch enzensberger ist vermutlich nie über frühschriften und kapital1 hinausgekommen. komisch, dass die pampigste kritik an marx immer von denen kommt, die am wenigsten mit ihm vertraut sind.
"Marktwirtschaft ohne Kapitalismus" - du lieber himmel!

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Rainer Helmbrecht 04.11.2008, 07:02
9. Vergessen als Stilmittel

Zitat von WolfHai
Enzensberger, der Altmeister des intelligenten Skeptizismus, der sich so gekonnt über falsche Emotionalisierung lustig macht, hat völlig recht: der Kapitalismus ist nicht tot, denn er ist das einzig bekannte, einigermaßen funktionierende Wirtschaftssystem. Die jetzige Krise, die zu so schaurig-schönen Alarmmeldungen führt, wird daran auch nichts ändern.
Er ist nur zu kurz gesprungen, der Gedächtnisverlust bezieht sich nicht nur auf den Kapitalismus, bzw. seine negativen Auswirkungen, sondern ebenso auf die Politik und ihre Macher.

Alle 4 Jahre ist Wahl, aber kaum einer nimmt die letzten 4 Jahre zum Maßstab seiner Entscheidung. Die guten Vorsätze einer Partei, die konnten diese Partei nur nicht durchsetzen, weil: wir erfinden die Ausreden für die Parteien. Das brauchen die Parteien noch nicht mal selber zu tun, weil wir alle so vernünftig sind.

In der Wirtschaft ist das anders, da werden großartige Gewinne eingefahren und anschließend die Mitarbeiter entlassen. Wenn ein Münte mit markiger Stimme verkündet, wer einem Politiker das glaubt, was der im Wahlkampf erzählt, ist selber schuld.

Nun kommt Münte als "neue" Führung zurück und wird Fackelträger seiner Partei. Der Steinbrück fährt die Neuverschuldung zurück, wann? Nachdem er gar nicht mehr im Amt ist, er macht es nicht in der Zeit, für die unserer Bundeskanzlerin vom Aufschwung faselt, der gerade am Bürger vorbei gerauscht ist, nein, nach der nächsten Wahl, gerade dann wenn unser Vergessensprozess abgeschlossen ist und der Bürger bereits den nächsten Lügen lauscht.

Vergessen als Stilmittel der verantwortlichen Politik;o).

MfG. Rainer

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